Am Donnerstag bin ich nach Köln gefahren, denn in der Nähe von Köln auf Schloss Bensberg fand die Verleihung des Grimme-Online-Awards statt, bei dem ich zusammen mit Kurt, Magnus und Nocturne die Wikipedia vertreten sollte. Kurt und ich trafen uns schon am Kölner Hauptbahnhof, von wo ein Shuttle uns nach Bensberg brachte. Zum Glück hatte ich noch ein paar Minuten Zeit, mich umzuziehen, denn ich wollte ja mal wieder meinen Smoking nutzen.
Wie erhofft gewann die Wikipedia dann einen Grimme-Online-Award für den Bereich Wissen und Bildung. Überreicht wurde er von Peter Kloeppel. Die Freude war natürlich schon ziemlich groß, aber es sollte noch besser kommen: Zum Schluss ging es nämlich noch um den Intel Publikumspreis, für den im Intnet abgestimmt werden konnte. Dieser wurde von John Malkovich überreicht – auch an uns Wikipedianer!
Das Pikante an dieser Sache ist, dass ich selbst dank des Films Being John Malkovich gedacht hatte, dieser Schauspieler sei eine fiktive Person. Nun konnte ich mich vom Gegenteil überzeugen. Zum Glück hatte ich den Film ja auch kürzlich gesehen.
Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir noch mit verschiedenen anderen Preisträgern und Presseleuten gesprochen, zum Beispiel mit einem Vertreter von Lycos Europe, den Machern von blinde-kuh.de und zwei Leuten der Lifestyle-Seiten virtual-nights.com. Es gab eine Art Ball mit einem so genannten „flying buffet“, was aber mehr Hunger hervorrief als satt machte. Dafür gab es im Anschluss noch eine „Küchenparty“ in der angrenzenden Catering-Küche, wo es Bratwurst mit Pommes frites und eine Chinapfanne gab. Ich weiß nicht, ob das eine besondere Tradition dieser Veranstaltung ist, sozusagen um das anwesende Personal (Kameraleute, Fahrer usw.) zu versorgen oder ob so etwas eine allgemeinere Tradition für Medienveranstaltungen ist („Backstage“-Zugang ist ja bei solchen Veranstaltungen immer ein besonders Privileg). Jedenfalls konnte man dort wenigstens mal was essen.
Die Atmosphäre auf der Feier war schon etwas merkwürdig. Man hatte irgendwie das Gefühl, dass sich hier ein paar Medienleute, die sich alle kannten, selbst feierten. Es gab neben den etwas langweiligen Medienleuten allerdings auch ein paar nette andere Preisträger bzw. Nominierte. So unterhielten sich Kurt und ich einige Zeit mit den Leuten von Tunespoon, ein paar Studenten der Fachhochschule Furtwangen.
Kurt und ich übernachteten auf Schloss Bensberg und wurden dann am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück, bei dem ich sogar in den Genuss von Kombucha kam, zum Kölner Hauptbahnhof zurückgeshuttlet. Von dort ging es nach Berlin mit einem kurzen Zwischenstopp in Hannover, wo ein Kamerateam von SAT.1 auf uns wartete und vor dem Hauptbahnhof noch ein paar Aufnahmen von den Preisen und uns machte. Diese Aufnahmen wurden dann am Abend in den SAT.1-Nachrichten ausgestrahlt.
[...] Endlich komme ich dazu, den längst überfälligen Jahresrückblick für 2005 zu schreiben. Es war viel los in jenem Jahr, das mit dem Rest meines Forschungsfreisemesters begann. Leider gab es dann eine Menge zu tun – nicht zuletzt in Bezug auf die derzeitige Studienreform. Im Februar war ich zu Gast im Deutschlandradio, wo ich eine Stunde lang zu verschiedenen meiner Interessen (Esperanto, freies Wissen, Linguistik usw.) interviewt wurde. Im März war ich als Gastprofessor in Caen, was zwar sehr anstrengend, aber auch sehr interessant war. Es war einfach mal wieder schön, in Frankreich zu sein! Über Ostern gönnte ich mir dann ein paar Tage Urlaub und fuhr auf den Easterhegg in Hamburg. Ich hatte mir dort mit Henriette zusammen eine Ferienwohnung gemietet und konnte die Veranstaltung tatsächlich wie einen Urlaub genießen. Eigentlich stand das Jahr 2005 ganz im Zeichen von Wikipedia: Ende Juni wurde ich in den Vorstand von Wikimedia Deutschland gewählt und am 30. Juni 2005 war ich einer derjenigen, die für die Wikipedia den Grimme Online Award entgegengenommen haben. Das war eine Interessante Erfahrung! In den Sommerferien gönnte ich mir noch mal ein paar Tage Urlaub in der bereits genannten Reisegruppe: Ich fuhr in die Niederlande zur What The Hack. Trotz des schlechten Wetters war das ein ziemliches cooles, interessantes und sogar entspannendes Event. Im August stand dann eine weitere Erfahrung bevor, nämlich mein erster Besuch bei den Bayreuther Festspielen. Zur Eröffnung meiner Bayreuth-Erfahrung gab es passenderweise den Parsifal. Der Rest des Jahres verlief eigentlich mehr oder weniger unspektakulär: Ich hatte eine Menge Arbeit (Lehre, Artikel, Studienreform usw.) und hinzu kamen meine Aktivitäten für Wikimedia bzw. Wikipedia. 2005 habe ich auch wieder eine Menge gelesen: Am Anfang des Jahres Steven Levys Hackers: Heroes of the Computer Revolution, das ich als Sachbuch Nr. 1 auf meiner persönlichen Liste für 2005 bewerten würde; erstaunlich, dass ich das nicht schon früher gelesen habe! Als belletristisches Buch empfehle ich Tessa Korbers Kriminalroman Tiefe Schatten, der mir natürlich besonders gefallen hat, weil ich die Universitätsstadt Erlangen inzwischen kennen gelernt habe. Ich habe ja sogar an der dortigen Universität (wie übrigens auch in Bayreuth) zwei Gastauftritte gehabt. Wie schon das Jahr 2004 endete auch das gerade vergangene für mich mit dem Cbaos Communication Congress, an dessen Programmgestaltung ich auch beteiligt war. Wenn ich jetzt sage, dass das Programm ziemlich interessant war, klingt das fast wie Eigenlob! Wie man diesem kurzen Bericht unschwer entnehmen kann, war 2005 für mich ein ereignisreiches und sehr angenehmes Jahr. Neben meiner nun auch organisatorischen Aktivität für Wikipedia war eine weitere Besonderheit kennzeichnend: 2005 hatte ich zum ersten Mal eine BahnCard 100, die es mir ermöglichte, ungehemmt durch Deutschland zu reisen. Das war natürlich eine sehr interessante Erfahrung, die ich auch weidlich genutzt habe, obwohl ich nicht alle Ziele angesteuert habe, die ich ansteuern wollte. [...]