Archive for July, 2005

22c3

Sunday, July 10th, 2005

Gestern fand die erste Sitzung der Programmplanungskommission des 22. Chaos Communication Congress statt und eine ganze Reihe von Planern war aus Deutschland und Österreich angereist. Ein paar neue Gesichter waren dabei, und so bestand die Sitzung zum größten Teil aus einer Einführung in die Programmplanung und ihre technischen Hilfsmittel. Die technische Seite nahm meines Erachtens etwas viel Raum ein. Das mag ja für einige interessant gewesen sein, für mich war es eher verlorene Zeit. Beim nächsten Mal wird es bestimmt interessanter, da dann die Abstracts vorliegen. Ob wirklich alle neuen Programmplaner einen Gewinn für die Programmplanung bedeuten, wird sich dann auch herausstellen.
Da die Sitzung nicht immer wirklich relevant war, habe ich noch einmal das Call for Papers durchgeschaut und eine Presseerklärung zum biometrischen Reisepass verpasst, den es ja ab 1. November geben wird.

Kulturflatrate

Friday, July 8th, 2005

Am Donnerstag fand wieder ein Datengarten im Berliner CCC statt. Es war der erste, den ich zusammen mit Martina Wagner organisiert hatte. Es ging um die sogenannte Kulturflatrate. Eingeladen war Oliver Moldenhauer, der Attac-Experte zu diesem Thema. Er hatte wohl damit gerechnet, im CCC auf Unterstützung zu treffen. Das Gegenteil war der Fall. Wir hatten alle gute Argumente dagegen.
Hier noch mal zur Erklärung, worum es geht: Um den Austausch von Musik und Filmen (Filesharing) auf eine legale Basis zu stellen, soll es eine Pauschalabgabe auf den Internetzugang und auf Hardware geben (ähnlich der Pauschalabgabe auf Leerkassetten oder Fotokopierer). Der Pauschalbetrag wird zwar verhältmäßig niedrig sein (etwa 2 Euro pro Internetzugang und 5 Euro pro Computer), soll dann aber als Zwangsabgabe erhoben werden. Die Einnahmen sollen dann direkt den Künstlern zugute kommen und werden nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. Der Schlüssel soll aufgrund von repräsentativen Panel-Befragungen (wie bei Einschaltquoten im Fernsehn) bestimmt werden.
Hierzu gab es von unserer Seite einige Einwände:

  1. Wir können uns nicht einerseits für den freien Zugang zum Internet einsetzen (über Bürgernetze, Freifunk und Ähnliches) und andererseits für eine Zwangsabgabe sein. Das widerspricht sich.
  2. Wir können uns nicht für freie Inhalte einsetzen (zum Beispiel in der Wikipedia, bei Creative Commons usw.) und dann für eine Pauschalvergütung sein. Damit wären auch diese Inhalte ja vergütet und nicht mehr frei.
  3. Zwangsabgaben passen nicht in eine freie Gesellschaft und zu einem freien Markt.
  4. Die Vergabe nach einem Quotenschlüssel favorisiert den Mainstream.

Ich sehe für die Zukunft des Filesharings drei Modelle:

  • Das bisherige Modell des Rechtemanagements (DRM), das aus verschiedenen Erwägungen nicht funktionieren kann und das nicht wünschenswert ist, vor allem weil es einen hohen Grad an Kontrolle und Überwachung mit sich bringt und somit die Rechte des Verbrauchers stark beschnitten werden.
  • Das Kulturflatrate-Modell, gegen das eine Reihe von Argumenten sprechen (siehe oben).
  • Ein Modell freier Vergütung, bei dem die Verbraucher die Leistung der Künstler freiwillig honorieren.

Das freie Modell erscheint mir das Beste zu sein. Natürlich sagen viele, dass das nicht funktionieren kann. Ich wäre mir da aber nicht so sicher, denn bisher scheitert dieses Modell vor allem daran, dass es praktisch keine Möglichkeit gibt, Musik downzuloaden und bei Gefallen per Klick auf sichere und anonymisierte Weise dem Künstler einen gewissen Betrag zugute kommen zu lassen. Für das freie Modell könnten Download-Shops eingerichtet werden (nach dem Vorbild der itunes), die allerdings aus den oben genannten Gründen ohne DRM auskommen müssen.

Entscheidende Verbesserung

Tuesday, July 5th, 2005

Eigentlich wollte ich ja heute früh ins Bett, aber dann wollte ich auch mein WordPress-Blog noch etwas verbessern, nämlich das Blog an die Wikipedia-Syntax anpassen. Das ist mir auch gelungen, indem ich Benutzer:JakobVoss’ wikilinkify-Plugin übernommen habe. Das werde ich noch etwas erweitern, damit das Wichtigste aus der gewohnten Wikisyntax hier auch möglich sein wird. Mal sehen… Das vereinfacht das Bloggen doch ungemein!

The Thirteenth Floor

Monday, July 4th, 2005

Gestern habe ich mal wieder einen Film für einen privaten Videoabend mit den üblichen Verdächten besorgt. Ich hatte den Film The Thirteenth Floor besorgt, in dem es hackerfreundlicherweise um eine nicht ganz so virtuelle Welt geht (bzw. um die nicht ganz so reale). Unter anderem spielt einer meiner Lieblingsschauspieler mit, nämlich Armin Mueller-Stahl. Der Film kam 1999 in die Kinos, im gleichen Jahr wie der Film Matrix, der auf der gleichen literarischen Grundlage beruht: dem Roman Simulacron-3 (eigentlich A Counterfeit World von Daniel F. Galouye. Allerdings ist der Dreizehnte Stock sehr viel näher am Original. Was viele nicht wissen: des gibt eine weitere legendäre Verfilmung desselben Romans, nämlich unter dem Titel Welt am Draht von keinem geringeren als Rainer Werner Fassbinder (1973 als zweiteiliges Science-Fiction-Fernsehspiel). Schade, dass ich mir das nirgends ausleihen kann.

Grimme-Online-Award und Intel-Publikumspreis an Wikipedia

Saturday, July 2nd, 2005

Am Donnerstag bin ich nach Köln gefahren, denn in der Nähe von Köln auf Schloss Bensberg fand die Verleihung des Grimme-Online-Awards statt, bei dem ich zusammen mit Kurt, Magnus und Nocturne die Wikipedia vertreten sollte. Kurt und ich trafen uns schon am Kölner Hauptbahnhof, von wo ein Shuttle uns nach Bensberg brachte. Zum Glück hatte ich noch ein paar Minuten Zeit, mich umzuziehen, denn ich wollte ja mal wieder meinen Smoking nutzen.
Wie erhofft gewann die Wikipedia dann einen Grimme-Online-Award für den Bereich Wissen und Bildung. Überreicht wurde er von Peter Kloeppel. Die Freude war natürlich schon ziemlich groß, aber es sollte noch besser kommen: Zum Schluss ging es nämlich noch um den Intel Publikumspreis, für den im Intnet abgestimmt werden konnte. Dieser wurde von John Malkovich überreicht – auch an uns Wikipedianer!
Das Pikante an dieser Sache ist, dass ich selbst dank des Films Being John Malkovich gedacht hatte, dieser Schauspieler sei eine fiktive Person. Nun konnte ich mich vom Gegenteil überzeugen. Zum Glück hatte ich den Film ja auch kürzlich gesehen.
Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir noch mit verschiedenen anderen Preisträgern und Presseleuten gesprochen, zum Beispiel mit einem Vertreter von Lycos Europe, den Machern von blinde-kuh.de und zwei Leuten der Lifestyle-Seiten virtual-nights.com. Es gab eine Art Ball mit einem so genannten „flying buffet“, was aber mehr Hunger hervorrief als satt machte. Dafür gab es im Anschluss noch eine „Küchenparty“ in der angrenzenden Catering-Küche, wo es Bratwurst mit Pommes frites und eine Chinapfanne gab. Ich weiß nicht, ob das eine besondere Tradition dieser Veranstaltung ist, sozusagen um das anwesende Personal (Kameraleute, Fahrer usw.) zu versorgen oder ob so etwas eine allgemeinere Tradition für Medienveranstaltungen ist („Backstage“-Zugang ist ja bei solchen Veranstaltungen immer ein besonders Privileg). Jedenfalls konnte man dort wenigstens mal was essen.
Die Atmosphäre auf der Feier war schon etwas merkwürdig. Man hatte irgendwie das Gefühl, dass sich hier ein paar Medienleute, die sich alle kannten, selbst feierten. Es gab neben den etwas langweiligen Medienleuten allerdings auch ein paar nette andere Preisträger bzw. Nominierte. So unterhielten sich Kurt und ich einige Zeit mit den Leuten von Tunespoon, ein paar Studenten der Fachhochschule Furtwangen.
Kurt und ich übernachteten auf Schloss Bensberg und wurden dann am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück, bei dem ich sogar in den Genuss von Kombucha kam, zum Kölner Hauptbahnhof zurückgeshuttlet. Von dort ging es nach Berlin mit einem kurzen Zwischenstopp in Hannover, wo ein Kamerateam von SAT.1 auf uns wartete und vor dem Hauptbahnhof noch ein paar Aufnahmen von den Preisen und uns machte. Diese Aufnahmen wurden dann am Abend in den SAT.1-Nachrichten ausgestrahlt.