Archive for August, 2005

Mit der Deutschen Bahn zur Sandkerwa

Monday, August 29th, 2005

Die Deutsche Bahn bietet ihren Reisenden den besonderen Service, nämlich das Abenteuer. So machte ich mich heute mittag auf, um mit dem InterCityExpress nach Süddeutschland zu fahren. Der Zug sollte eigentlich mit zwei Zugabschnitten fahren, doch der hintere Teil des Zuges fehlte, wie erst eine Minute vor Abfahrt bekanntgegeben wurde. Tja, dumm gelaufen, denn in der Hauptreisezeit bedeutet das Chaos! Da ich inzwischen weiß, wo es reservierungsfreie Plätze gibt und wie man sie vor allen anderen erreicht (wird hier nur auf Anfrage verraten), hatte ich natürlich schnell einen Sitzplatz und konnte mich zurücklehnen und staunen, welche Dramen sich um mich herum abspielten. Zum Beispiel gab es da ein Ehepaar, die im fehlenden Zugteil reserviert hatten und jetzt darauf bestanden, dass der Schaffner ihnen zwei benachbarte Plätze verschaffen müsse. Das ging natürlich nicht. Daraufhin wollte die Frau, die – hätte sie Hochdeutsch gesprochen – an Evelyn Hamann erinnerte, auf ihrem Koffer sitzen bleiben, auch als in Leipzig dann Plätze frei wurden. Dort wurde schließlich der fehlenden Zugteil angehängt und die Lage entspannte sich – außer natürlich für das besagte Ehepaar, das sich weiterhin nur gegenseitig anzickten. Durch das Anhängen des zusätzlichen Zugteils war eine ziemliche Verspätung eingetreten, was zu neuen Anfeindungen zwischen Personal und Kundschaft führte. Ich konnte allerdings in Ruhe arbeiten und war an meinem Laptop sehr produktiv. Der Siemens Venturio ist wirklich ein komfortabler Zug. :-) Ich hatte zunächst an dieser Stelle „Siemens Velaro“ geschrieben, aber Flosch hat mich zum Glück gleich korrigiert (siehe unten) – Danke!
In Bamberg angekommen, musste ich feststellen, dass dort gerade der letzte Tag der berühmten Sandkerwa. Ich nutzte die Gelegenheit, um eine leckere Coburger Bratwurst, die Königin unter den deutschen Bratwürsten, zu essen (eine grobe Bratwurst auf Kiefernzapfen gebraten) und ein Bier der Brauerei Hummel zu trinken, das zu den besten Bieren der Gegend gehört.

Lange Nacht der Museen in Berlin

Monday, August 29th, 2005

Gestern fand in Berlin mal wieder eine Lange Nacht der Museen statt. Das ist ja immer ein kultureller Höhepunkt in Berlin und so durfte ich nicht fehlen. Hier zunächst eine Übersicht über die Museen, die ich besucht habe:
1. Schwules Museum
2. Martin-Gropius-Bau
– Die neuen Hebräer. 100 Kunst in Israel
– Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914–2003
– Urbane Realitäten: Focus Istanbul
3. MoME
4. T-Com-Haus
5. Daimler-Chrysler-Sammlung im Haus Huth
6. Filmmuseum Berlin
7. Neue Nationalgalerie

  1. Angefangen habe ich mit der Ausstellung zum 50. Todestag von Thomas Mann im Schwulen Museum. Irgendwie hat mir die Führung durch die Ausstellung gefehlt. Ich habe den roten Faden leider nicht wirklich entdecken können. Interessanter ist da schon die Dauerausstellung des Museums in ersten Stock.
  2. Anschließend fuhr ich mit dem Bus-Shuttle zum Martin-Gropius-Bau. Dort gab es gleich drei interessante Ausstellungen:
    1. Als erstes ließ ich mich durch die Ausstellung Die neuen Hebräer. 100 Kunst in Israel führen. Hier ist eine Führung auch sehr nützlich (vorausgesetzt der Führer kann Hebräisch, was leider gestern nicht der Fall war!). Es gibt aber auch eine Audio-Führung. Interessant ist die Vielfalt der ausgestellten Objekte. Ich bin zwar im Allgemeinen der Meinung, dass Kunstobjekte nicht als historische Dokumente herhalten sollten, aber bei dieser Ausstellung ist die historische Einordung teilweise zumindest gerechtfertigt.
    2. Dann habe ich mir die Fotoausstellung Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914–2003 angesehen. Es handelt sich um Fotos, die der ungarische Schriftsteller Péter Nádas zusammengestellt hat. Dabei hat er sich selbst etwas zu sehr in den Vordergrund gespielt (zumindest für meinen Eindruck); dennoch ist die Ausstellung sehenswert.
    3. Eine ausgesprochene Überraschung war die dritte Ausstellung Urbane Realitäten: Focus Istanbul, die ich eigentlich nur kurz mitnehmen wollte. Es geht sehr stark um den Kulturkontakt Türkei-Deutschland. Dabei gibt es ein paar sehr schöne Beiträge, zum Beispiel Videointerviews mit deutsch-türkischen bzw. türkisch-deutschen Schülern in Deutschland und der Türkei, bei denen man wirklich sehen kann, wie eigentümlich die Identität eines Menschen sein kann.
  3. Weiter ging’s zum Heiz- und Kühlkraftwerk der Bewag, das unter dem Namen MoME geöffnet war. Ich habe einige Zeit benötigt, herauszufinden, was MoME bedeutet (das wurde nämlich nicht wirklich verraten). Ich verrat’s mal nicht (Interessenten können ja dem Link folgen).
  4. Anschließend ging es zum T-Com-Haus. Das ist ein Fertighaus, das alle möglichen aktuellen Haushalts-IT-Technologien miteinander verbindet. So kann man zum Beispiel die Temperatur seines Wasserbetts mit dem PDA von der Küche aus regeln (das Hausnetz ist ein WLAN mit WEP-Verschlüsselung und nutzt Windows). :-( Scheidungswillige Eheleute können damit bestimmt viel Spaß haben – Hacker vielleicht weniger, denn wie mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, gibt es da nirgends einen Computer (abgesehen vom Server in einer Abstellkammer). Man kann lediglich die PDAs wie etwas schlauere Universalfernbedienungen verwenden. Ich würde mich übrigens auch gern mal ein Wochenende dort einquartieren lassen.
  5. Mein nächstes Ziel war die Daimler-Chrysler-Sammlung im Haus Huth. Hier wurde minimalistische Kunst ausgestellt – sehr minimalistisch!
  6. Im Filmmuseum Berlin sah ich mir sodann die Sonderausstellung zum Nachlass von Marika Rökk an, die sich allerdings kaum lohnt, so dass ich mich gleich wieder aufmachte zum nächsten Ziel.
  7. Als Schluss blieb noch – sozusagen als Höhepunkt – die Brücke-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Es war zwar nicht wirklich der Höhepunkt, aber zum Glück war es zu später Stunde dort nicht mehr so voll, so dass man alle Bilder gut sehen konnte. Leider waren einige der wenigen wirklichen Meisterwerke dort schon vor ein paar Jahren gezeigt worden – bei der Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchner und den Potsdamer Platz.

Insgesamt habe ich viel gesehen und viele neue Eindrücke gewonnen, aber andere Museumsnächte haben mir mehr Spaß gemacht… Man muss sich weniger vornehmen und lieber etwas Spaß haben, indem man mit ein paar netten Leuten auf Entdeckungsreise geht.

Rechtschreibtipp: -t oder -d erweitert

Wednesday, August 24th, 2005

Ich habe im letzten Rechtschreibtipp noch eine Hintergrunderklärung für den Unterschied von tot-/tod- eingefügt, denn die Faustregel an sich lässt sich doch schlecht merken. Hier die Ergänzung:

Die Erklärung für diese Schreibung ist tatsächlich semantisch, das heißt aus der Bedeutung der Zusammensetzungen ableitbar:
Bei den Verben ist das Erstglied das Adjektiv, das den durch das Verb hervorgerufenen Zustand beschreibt:

  • totschlagen: ‘schlagen, bis jemand/etwas tot ist’,
  • sich totlachen: ‘lachen, bis man tot ist’ (bildlich gesprochen natürlich)
  • usw.

Bei den Adjektiven stellt das Erstglied einen Vergleich her:

  • todernst: ‘so ernst wie der Tod‘,
  • todsicher:’so sicher wie der Tod‘,
  • usw.

Das Erstglied solcher expressiven Bildungen, die alle einen besonders hohen Grad (Elativ) ausdrücken, ist immer ein Substantiv (vgl. auch haushoch, schnurgerade, spindeldürr usw.); bei todschick handelt es sich auch um eine solche Bildung, die sich nicht mehr sinnvoll semantisch analysieren lässt (‘so schick wie der Tod’?), aber natürlich auch zu diesem Muster (Substantiv+Verb) gehört.

Die Berliner Fotografin Elisabeth Niggemeyer

Wednesday, August 24th, 2005

Rolf Engelbart, Profil-PortraitGestern war ich bei einem sehr interessanten Vortrag von Rolf Engelbart über die Fotografin Elisabeth Niggemeyer. Die Fotografin hat in den fünfziger und sechziger Jahren atemberaubende Schwarz-Weiß-Fotos von London, Berlin, München und Bonn gemacht. Besonders gefallen haben mir das Bonn-Buch, in dem auch dank der Texte von Erich Kuby die Befindlichkeiten der Adenauer-Republik besonders deutlich wurden, und die beiden Bücher über Berlin: Die gemordete Stadt, in der Alt- und Neu-Berlin der 1950er und 1960er Jahre eindrucksvoll gegenübergestellt werden (mit Texten von Wolf Jobst Siedler und Die verordnete Gemütlichkeit, in der die historisierende Stadtverschönerung von Berlin abgebildet wird. Aus den Bildern ist immer eine gewisse Ironie ersichtlich, was für die Zeit sehr gut passt. Rolf hat ja sehr viel über den Berliner Fotografen Fritz Eschen gearbeitet (und vorgetragen), dessen Bilder aus dem Trümmer-Berlin ja unerreicht sind. Die späteren Bilder werden dann etwas trocken bei Eschen, weil er eben doch ein neo-realistischer Dokumentator ist. Das ist bei Elisabeth Niggemeyer anders. Bei ihr geht es ironischer zu! Sie ist mit der (späteren) Ursula Arnold besser zu vergleichen, allerdings ist Ursula Arnold sehr viel melancholischer. Besonders schön ist die Berlin-Fotografie natürlich dort, wo man etwas wiedererkennt, wie zum Beispiel die Uralt-Kneipe Leydicke, gleich bei mir in der Nähe…
Die neueren Arbeiten von Elisabeth Niggemeyer über Kinder im Vorschulalter gefallen mir weniger. Das mag daran liegen, dass ich zu diesem Thema keinen Zugang habe, vielleicht aber auch daran, dass ihre Ästhetik (Kleinbild immer ohne Blitz) für die Porträt-Fotografie (auch wenn es sich um dokumentarische Porträts handelt) nicht passt (oder besser: mir nicht passt).
Ich hoffe, mir gelingt es, mal antiquarisch eines der Berlin-Bücher oder auch das Bonn-Buch von Elisabeth Niggemeyer zu erhaschen.

Harry Potter 6

Monday, August 22nd, 2005

Habe gerade habe ich Harry Potter and the Half-Blood Prince ausgelesen. Leider war dieser Band der Harry-Potter-Reihe auch derjenige, der mir am wenigsten gefallen hat. Dafür gibt es vor allem drei Gründe:

  1. Es gibt ein paar Wiederholungen (so das helfende Buch, das etwas an das Tagebuch von Tom Riddle aus Harry Potter und die Kammer des Schreckens erinnert; es ist auch leicht durchschaubar, wer der Autor ist; die schmollende Hermione, das Pensieve und anderes).
  2. Die Liebesgeschichte zwischen Harry und Ginny wirkt aufgesetzt (vielleicht zu britisch?). Das Buch verliert sich überhaupt sehr in Nebenhandlungen.
  3. Das Buch hat kein richtiges Ende; man hat den Eindruck, der sechste und der siebte Teil seien einfach auf zwei Bücher verteilt worden. Es bleibt eine Menge offen: so ist immer noch nicht klar, ob Snape wirklich böse ist, da er ja auf Grund des unbrechbaren Schwures gezwungen war, so zu handeln, wie er es tat. Dass der Leser hier endlos hingehalten wird, ist recht ärgerlich. Ich hatte überhaupt in diesem Band die ganze Zeit das Gefühl, endlos hingehalten zu werden.

Hier meine Hitliste der Harry-Potter-Romane (nicht der Filme!):

  1. Harry Potter und die Kammer des Schreckens: Der zweite ist mit Abstand der beste Harry Potter!
  2. Harry Potter und der Stein der Weisen: der erste Harry Potter
  3. Harry Potter und der Orden des Phönix: zwar einer der neusten (5), aber sehr gut; vor allem weil es kein Kinderbuch mehr ist
  4. Harry Potter und der Gefangene von Askaban (3)
  5. Harry Potter und der Feuerkelch (4): Einerseits wirkt der Versuch, vom Schulroman etwas abzurücken, auf mich etwas verkrampft, andererseits ist das Tournier am Ende etwas zu ereignisreich und überfordert den Leser – jedenfalls mich!
  6. Harry Potter und der Halbblutprinz (6)

Der einzige sehenswerte Harry-Potter-Film ist der dritte (Harry Potter und der Gefangene von Askaban).

The Bayreuth Wagner Festival 2005: Parsifal

Thursday, August 18th, 2005

Whereas the Greek work of art embraced the spirit of a splendid nation, the work of art of the future is intended to embrace the spirit of free people irrespective of all national boundaries; the national element in it must be no more than an ornament, a charm of individual diversity, not a confining boundary.

Richard Wagner in Die Kunst und die Revolution (Art and Revolution), 1849*

This was my first visit to the Richard Wagner Festival in Bayreuth. I have been applying for tickets for eight years now, and finally succeeded. We actually got very good seats: directly in the last row of the Prince Regent’s balcony (commonly called “Mittelloge”) which is the best place to be from an acoustic and visual standpoint. The whole stage was visible in front of me and looked like a television set.
The opera we saw was Parsifal, which Richard Wagner wrote especially for the Festspielhaus. That is the reason for its subtitle: Bühnenweihspiel, meaning stage-inaugurational play. It was forbidden to perform it elsewhere until in 1913 the copyright expired. Nevertheless, there are only eight productions up to now. The latest production is by Christoph Schlingensief, a German theater producer and self-proclaimed enfant terrible of the performing arts. The production fails to be provocative, as reviewers had already noticed (review from The New Yorker, NY Times review, Musicweb review, a pro-Schlingensief review from his own website, and a blogger’s opinion).
The only really annoying aspect of the production are the video projections which almost always cover the whole stage. The video clips detract the audience’s attention without adding to the atmosphere or the message of the actual performance. It would be best to ignore them, which is hardly possible.
The vocal performance was very good. This came as a surprise, since all Bayreuth experts warned me that this is the festival’s weak point. I cannot say so. However, the best thing about a visit in Bayreuth is the atmosphere of the event: People come from all over the world, but mainly from Germany, the US, France, and the Far East; Wagnerians tend to dress up in strange ways and there’s always lots of applause and booing at the end of the night (at to a lesser extent before intervals). The local beer at the beer garden, simple but nutritious food (German Bratwurst and Bavarian Weißwurst), and booing reminds of Bayreuth being situated in the countryside…

*Original text: Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein. Printed on the special paper bags of the festival; I have tried to improve the English translation.

Rechtschreibtipp: -t oder -d

Wednesday, August 17th, 2005

Wir haben das alle in der Schule gelernt: Wenn man nicht weiß, ob am Wortende ein -t oder -d zu schreiben ist, müssen wir das Wort einfach „verlängern“ und hören automatisch, was dort richtig ist: Lied oder Liet? – Lied natürlich, weil es auch Lieder heißt. Das ist immer dann ganz einfach, wenn man das Wort „verlängern“ kann. Manchmal macht die „Verlängerung“ jedoch Schwierigkeiten; so findet man immer Unsicherheiten bei seit und seid, denn beide Wörter kann man nicht verlängern. Nach einigem Nachdenken möchte man gern die Verbalform von sein vielleicht mit -t schreiben, denn auch in ihr fragt, ihr habt usw. steht ja ein -t, aber bei sein ist das falsch: Erstaunlicherweise schreibt man ihr seid. Dafür wird das andere gleichklingende Wort, nämlich die Präposition bzw. Konjunktion seit mit -t geschrieben, weil dieses Wort möglicherweise entfernt etwas mit Seite zu tun hat.

Hintergrund

Die Schreibung ihr seid ist tatsächlich willkürlich festgelegt worden, möglicherweise um die Gleichschreibung (Homographie) von seid und seit zu vermeiden. Man hätte es auch umgekehrt handhaben können, dann hätte die Verbalendung übereingestimmt, allerdings wäre dann der Zusammenhang von seit und Seite nicht mehr offensichtlich gewesen, was aber kein wirklich wichtiger Zusammenhang ist.

Tod und tot

Auch hier hilft die „Verlängerung“ (Tod: Todes, Tode, tot: tote usw.), aber was macht man in Wortzusammensetzungen: schreibt man toternst oder todernst, totlachen oder todlachen, totkrank, totmüde, totschick, totsicher oder todkrank, todmüde, todschick, todsicher? Das macht nicht zuletzt den Bloggern das Leben schwer. Hier lässt sich nichts verlängern. Es hilft, über die Bedeutung der Wörter nachzudenken, um eine Lösung zu finden. Man kann auch auf eine einfache Faustregel zurückgreifen:

  1. Bei Verben ist das Erstglied meist tot-: totschlagen, totmachen, totlachen, totstellen, totschweigen….
  2. Bei Adjektiven/Eigenschaftswörtern liegt man mit tod- als Erstglied eher richtig: todernst, todkrank, todmüde, todschick, todsicher (sogar todbleich trotz der vermeintlichen „Verlängerung“ zu totenbleich).

Im Internet findet sich sogar eine Übung zu diesem Problem.

Hintergrund

Die Erklärung für diese Schreibung ist tatsächlich semantisch, das heißt aus der Bedeutung der Zusammensetzungen ableitbar:
Bei den Verben ist das Erstglied das Adjektiv, das den durch das Verb hervorgerufenen Zustand beschreibt:

  • totschlagen: ‘schlagen, bis jemand/etwas tot ist’,
  • sich totlachen: ‘lachen, bis man tot ist’ (bildlich gesprochen natürlich)
  • usw.

Bei den Adjektiven stellt das Erstglied einen Vergleich her:

  • todernst: ‘so ernst wie der Tod‘,
  • todsicher:’so sicher wie der Tod‘,
  • usw.

Das Erstglied solcher expressiven Bildungen, die alle einen besonders hohen Grad (Elativ) ausdrücken, ist immer ein Substantiv (vgl. auch haushoch, schnurgerade, spindeldürr usw.); bei todschick handelt es sich auch um eine solche Bildung, die sich nicht mehr sinnvoll semantisch analysieren lässt (‘so schick wie der Tod’?), aber natürlich auch zu diesem Muster (Substantiv+Verb) gehört.

Jagd und jagt

Das vom Verb jagen (er jagt) abgeleitete Substantiv schreibt sich Jagd, obwohl in manchen gesprochenen Varietäten des Deutschen der Plural Jagden wie *Jagten klingt (das Sternchen vor dem Wort zeigt an, dass diese Form nicht korrekt ist). In Norddeutschland hört man bisweilen sogar Jacht und Jachten; so sollte man Jagd(en) natürlich nicht schreiben, aber tatsächlich ist das Wort Jacht mit Jagd verwandt: Jacht ist nichts anderes als das niederdeutsche Wort für ‘Jagd’.

Wörter mit seltener „Verlängerung“

Es gibt ein paar Wörter, deren „Verlängerung“ selten ist, weshalb Unsicherheiten auftreten:

  • Standard/Standart?: die „Verlängerung“ zu Standards/Standarts? hilft nicht. Erst das seltene Wort Standardisierung gibt Aufschluss, was aber manche Sprecher auch falsch sprechen/schreiben, nämlich: *Standartisierung. Die Standarte ist aber etwas anderes, nämlich eine kleine Fahne.
  • Endgeld, Entgeld, Endgelt, Entgelt?: Die „Verlängerung“ End/tgelte ist sehr selten und hilft nicht, was den Anfang betrifft. Erst durch den Zusammenhang zum seltenen Verb: entgelten oder vergelten wird klar, wie man es schreiben muss.
  • Diplomand/Diplomant: Im Gegensatz zu Ministrant, Praktikant ist hier das -d richtig: Plural: Diplomanden; aber die Betroffenen wissen es hoffentlich sowieso (Doktoranden erst recht!).

Hintergrund

  • Man glaubt es kaum, aber Standard kommt tatsächlich von Standarte. Das Wort Standarte ist wahrscheinlich direkt aus dem altfranzösischen (e)standart ins (Mittelhoch-) Deutsche gekommen. Das Englische hat die altfranzösische Auslautverhärtung abgebaut und aus (e)standart standard gemacht, was dann aus dem Englischen ins Deutsche entlehnt wurde. Ursprünglich ist das altfranzösische Wort ein germanisches Lehnwort, das im Germanischen ungefähr standhart gelautet (und bedeutet) haben könnte.
  • Entgelt ist tatsächlich von entgelten abgeleitet und wird deshalb eigentlich auf der zweiten Silbe betont, denn ent- kann keinen Akzent tragen (im Gegensatz zu end-). Viele Sprecher des Deutschen erkennen den Zusammenhang nicht mehr und betonen Entgelt auf der ersten Silbe. Kein Wunder, dass die Schreibung schwierig ist!
  • Es handelt sich bei -ant und -and um unterschiedliche Endungen im Lateinischen: -ant ist die Endung des Partizip Präsens Aktiv, bezieht sich also auf jemanden, der wirklich handelt (der Ministrant ministriert, der Praktikant praktiziert, sammelt praktische Erfahrungen usw.); -and ist hingegen die Endung einer speziellen Adjektivform, die auch Gerundivum genannt wird, und die etwas in Zukunft zur Erfüllung Anstehendes bezeichnet, hier das Erreichen eines Diploms oder eines Doktortitels. Das soll natürlich nicht heißen, dass Diplomanden und Doktoranden dafür nichts tun…

24, Der Maschinist, Control Room

Monday, August 15th, 2005

Da mein letztes richtiges Ferienwochenende wieder zu verregnen drohte, hatte ich mich zu einem Videowochenende entschieden. Das hat den Vorteil, entspannend, unterhaltsam und lehrreich zu sein. Mit zwei anderen hatte ich mich verabredet, die dritte Staffel von 24 zu sehen. Das ist eine Action-Serie, die in Echtzeit über 24 Stunden verläuft, was aber wegen der Werbepausen nur knapp über 16 Stunden sind. Lang genug! Immerhin ergeben sich, wenn man alles hintereinander sieht (und nur so macht es Sinn), zwei volle Kinotage. Das war bei dem Wetter ganz passend! Allerdings hat mich die dritte Staffel im Vergleich zu den ersten beiden etwas enttäuscht. Es gab zuviel „Familientheater“. Am Ende hatte ich wirklich keine Lust mehr!
Am Sonntagabend wollte ich mir dann doch noch etwas Qualität gönnen, also nahm ich eine Flasche Sausenheimer Höllenpfad und den Film Der Maschinist in den Club mit. Der Film, den hukl empfohlen hatte, hat mir vor allem deshalb gut gefallen, weil die filmischen Mittel sehr ausgereizt wurden: Es gab keine lineare Erzählstruktur und die Farben wurden sehr suggestiv eingesetzt. Der Film, der ein wenig an einen meiner Lieblingsfilme, nämlich Memento erinnert, ist durchaus empfehlenswert – allerdings keine leichte Unterhaltung!
Anschließend gab es dann noch eine Doku, nämlich Control Room, über den Fernsehsender Al-Dschasira. Dort wurden ein paar interessante Fragen aufgeworfen: Was sind eigentlich Fakten? Manipulieren die Medien und werden sie manipuliert durch das, was die Zuschauer sehen wollen? Letzteres ist wohl der Fall. Und was Fakten betrifft, so sind sie von Interpretationen wohl kaum zu trennen – jedenfalls im Fernsehn. Der Film vermittelt aber ein durchaus positives Bild von Al-Dschasira. Schließlich ist es schon bewundernswert, in der arabischen Welt einen mehr oder weniger unabhängigen Fernsehsender zu betreiben. Sicher lässt sich über die Unabhängigkeit von Al-Dschasira trefflich streiten, aber das ist wohl bei vielen Sendern der Fall.

Bügelbauten am Lehrter Bahnhof

Sunday, August 14th, 2005

Nachdem ich am Donnerstagabend die Kreuzberger Szene wiederentdeckt hatte, zog es mich am nächsten Tag gleich wieder dorthin. Diesmal konnte ich mich auch davon überzeugen, dass Möbel Olfe wirklich von der Einrichtung her mehr eine Trinkhalle als eine Kneipe ist. Sichtbeton wohin das Auge reicht, aber sie haben leckeres Bier: Berliner Bürgerbräu aus Berlin-Friedrichshagen und Żywiec, ein schlesisches Bier. Wir blieben aber nicht sehr lange, denn wir wollten ja auch noch ins Max & Moritz, wo ich mir nun endlich einen leckeren Flammkuchen zur Kreuzberger Molle genehmigte.
Dann schlug Thomas vor, mal einen Blick auf das große Bauvorhaben am Berliner Hauptbahnhof zu werfen. Dort sollte in der Nacht von Freitag auf Samstag der zweite „Bügelbau“ oder „Brückenbau“ über dem Bahnhof abgesenkt werden: Man hatte dort ein als mehretagige Brücke konzipiertes Bauwerk zunächst mal senkrecht in die Höhe gebaut, um es nun abzusenken und in die Waagerechte zu verlegen. Am besten schaut man es sich auf Fotos an. Es wird darüber natürlich auch gebloggt.
Es war ein eindrucksvolles Spektakel. Allerdings konnte man mit bloßem Auge ohne Zeitraffer praktisch nicht sehen, wie sich die Brückenteile bewegen. Da es dann auch noch anfing zu regnen, habe ich mich auf den Heimweg gemacht.

Durchs wilde Kreuzberg

Friday, August 12th, 2005

Heute abend bin ich fast zufällig zu einer touristischen Besichtung Kreuzbergs gekommen. Eine gute Freundin hatte angeboten, meinen kanadischen Gästen ihre alte Wahlheimat Berlin SO 36 zu zeigen, und zwar den Teil Kreuzbergs, der sich rund um das Kottbusser Tor befindet. Wir begannen also am „Kotti“ und gingen dann langsam zur Luckauer Straße, an deren Ende sich die Berliner Mauer befand, von dort aus machten wir einen kleinen Rundgang über den ehemaligen Luisenstädtischen Kanal, St. Michael bis zum Mariannenplatz, wo gerade das Kunstprojekt City of Names gegenüber dem Künstlerhaus Bethanien entsteht. Anschließend kehrten wir bei einem Döner-Stand am Kotti ein. Nach einem sehr guten Döner ging es weiter zum Bierhimmel, wo die kanadischen Gäste gleich mal einen Eindruck in deutsche Befindlichkeiten bekamen, denn als wir zwei Tische zusammengestellt hatten (die ohnehin fast nebeneinander standen), wurden wir vom Kellner erst mal gerügt – da könnte ja jeder kommen! Der andere Kellner räumte dann nur die leeren Gläser ab, ohne nach weiteren Wünschen zu fragen – auch etwas merkwürdig. Es könnte vielleicht daran gelegen haben, dass wir nicht szenig genug aussahen und daher nicht willkommen waren, oder es war einfach schwäbische Ordnungsliebe (wenn man nach dem Pseudoberliner Akzent des Kellners geht) oder aufgesetzte Berliner Unfreundlichkeit (die kommt nur gut rüber, wenn der Akzent stimmt).
Wir wechselten also das Lokal und begaben uns (immer noch auf der Oranienstraße) ins Max & Moritz, wo es donnerstags das lokale Bier „Kreuzberger Molle“ im Angebot gab. Das hat die Kanadier natürlich schwer beeindruckt. Jedenfalls hat sie das Bier geschafft, denn ein Besuch beim Kuchenkaiser, wo es die Molle auch gibt, war nicht mehr drin. Wir haben auf dem Rückblick dann nur noch die angesagte „Trinkhalle“ Möbel Olfe von außen angeschaut, wo es eh erwartungsgemäß zu voll war, und sind mit der U-Bahn nach Hause gefahren.