Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (III) Adjektiv + Verb

Wie schon bei den Zusammensetzungen von Substantiv + Verb gilt auch bei Adjektiv + Verb, dass sie seit der Rechtschreibreform von 1996 (amtliches Regelwerk) in vielen Fällen getrennt geschrieben werden, obwohl sie eine Akzenteinheit bilden (der Hauptakzent also auf dem Adjektiv liegt).

Faustregel

Eine Faustregel kann wie folgt formuliert werden:

Wann immer ein Adjektiv als eigenständig angesehen werden kann, wird es auch getrennt vom Verb, zu dem es gehört, geschrieben. Die Auseinanderschreibung gilt immer für Adjektive auf -ig, -lich, -isch.

Hier ein paar Beispiele: nahe liegen, übrig bleiben, heilig sprechen, lächerlich machen usw.
Ein Kriterium für diese Eigenständigkeit ist die Steigerbarkeit des Adjektivs: zum Beispiel näher liegen, die aber nicht notwendig ist (vergleiche übrig bleiben). Ist ein Adjektiv im gegebenen Kontext nicht steigerbar, so ist Zusammenschreibung angesagt: krankschreiben, fernsehen, totschweigen …

Problem und Reform der Reform der Reform …

Leider ergibt sich eine Schwierigkeit bei dieser Regelung: Bedeutungs- und Betonungsunterschiede gehen verloren, wie eine Reihe von Beispielen zeigen. Dies ist auch einer der Gründe für die Reform der Reform (als PDF), in der verschiedene Auseinanderschreibungen zurückgenommen wurden. Ich nehme allerdings an, dass die Reform weiter reformiert werden wird. Das Ende der Reform wird wohl sein, die Zusammen- und Getrenntschreibung von Adjektiv + Verb freizustellen.

Hintergrund

Die Reformer wollten mit der Nicht-Steigerbarkeit offenbar ein klares Kriterium für die Zusammenschreibung einführen. Dem liegt die irrige Annahme zugrunde, dass nur die Zusammenschreibung zu regeln sei, da die Auseinanderschreibung den Normalfall darstelle. Das ignoriert die akzentuellen Gegebenheiten und die semantischen Unterschiede zwischen einem eigenständigen Wort und einem Kompositionsglied; man vergleiche: Der Torwart hat den Ball sauber gehalten. vs. Er hat das Auto sauber gehalten früher hier: saubergehalten. Im ersten Fall hat sauber metaphorische Bedeutung, die es im zweiten Beispiel nicht haben kann.
Ich halte es für sinnvoll, dass sich eine Orthografie an den phonologischen Gegebenheiten einer Sprache orientiert (hier also an der Akzentsetzung), daher ist eine Zusammenschreibung von Adjektiv + Verb weiterhin empfehlenswert, zumal wenn es zudem Bedeutungsunterscheidungen gibt.

4 Responses to “Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (III) Adjektiv + Verb”

  1. die Reihe gefaellt mir. wie schwierig doch deutsch wird, wenn mensch sich erst mal anfaengt gedanken zu machen. staendig die frage, wie wurde ich das eigentlich fragen und ich fuehle mich eigentlich sicher, und die ganze reform ist irgendwie entweder an mir vorbeigekommen oder hat sich bei mir voellig unbemerkt impleöentiert. aber noch mal zu dem torwart und dem auto. du schreibst, der unterschied waere, dass beim torwart das sauber methophorisch ist, also ein semantischer unterschied. aber es ist doch erstmal ein grammatikalischer. das sauber bezieht sich einmal auf das gehalten, quasi adverbiell, einmal auf das auto. ich finde das beispiel daher nicht so gelungen. nun, am ende ists auch egal. bin auf jeden fall froh, dass ich diese sprache nicht lernen muss.

  2. maha says:

    Du hast Recht: Es gibt einen syntaktischen Unterschied. Mir war das in dem Moment zu kompliziert zu erklären, aber es ist richtig: Das sauber des Torwarts bezieht sich auf die Handlung als ganze, ist also adverbial verwendet, das sauber in sauber halten ist das Ergebnis der Handlung (also so etwas wie ein prädikativ verwendetes Adjektiv). Gerade das ist ein guter Grund, die beiden unterschiedlich zu schreiben (im zweiten Fall also zusammen). Dass ein freies Adverb (bzw. adverbial verwendetes Adjektiv) sich unabhängig vom Verb metaphorisiert, ist sozusagen ein Seiteneffekt. Danke für den Hinweis!
    Die deutsche Orthografie ist nicht so einfach wie eine phonologische, aber doch wesentlich leichter zu beherrschen als zum Beispiel die englische – insbesonders was die Zusammen- und Getrenntschreibung betrifft.

  3. [...] … i wrote an comment to maha`s german orthography story. İ like this idea of correct language, not in the sense of rules, but logical, being aware the structuers of language. so some of you followed the link from their – blogging ist really amazing, some people realloy read, what others are writing and if you take part in the discussion, you will be recognized – and have to find really bad english. İ know, it`s not a page for enjoying the beauty of language. İ`m sad about this. Not only because of my vanity, İ`m sure, that language, wich is structered and therefore beauty is more able to hit the point to convince and to express complex statements. But if i want to be understood by other`s than those, who speak german, İ have to try to make me understood anyway. Do you know Brussels english? The language which is spoken by people at europaen comminity offices? Like this there`s sthing like istanbul english, too, ore this kind of simple language which is spoken by people with different >native< – stupid, could you speak when you were born – languages, to communikate which each other. İn general, language has much more functions than to communicate. often even more important is to include and exclude. Can you speak in my language? Do we find a common language? This stuff is building social relationships even more than the meaning. İntigration by language, this postulation seems to me to be the demand of assimilation far more. But we can talk about this issue another time. İ want to apologize to all my readers, who are disturbed by ugliness of the language used here, but i prefer to speak rough than to reduce the number of those, who are able to listen, if they want. And İ would prefer reading more posts – espacially those who critisize german identity – in bad english instead of good german. [...]

  4. [...] Wir erinnern uns: Die Reform favorisierte im Verbalbereich die Auseinanderschreibung auf Biegen und Brechen. Man sollte also immer wieder vereinigen, sitzen bleiben, Rad fahren, Eis laufen usw. schreiben, obwohl es natürlich Unterschiede gibt zwischen dem Sitzenbleiben in der Schule und dem Sitzenbleiben auf einem Stuhl gibt und Eis kein Objekt von laufen ist. Auch der Unterschied zwischen den folgenden Sätzen war durch die exzessive Auseinanderschreibung verwischt worden: Sie ist mir wohl (= vielleicht) bekannt. und Sie ist mir wohlbekannt. (= ich kenne sie gut), denn es sollte immer wohl bekannt geschrieben werden, obwohl sich die beiden Sätze auch durch ihre Betonung unterscheiden. [...]

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