Sprachtipp: Plural der Substantive auf -el

Kürzlich habe ich in einer renommierten Zeitschrift einen Artikel über ein „Nano Zentrum“ gelesen (wir wissen inzwischen, dass die Schreibung Nano-Zentrum richtig wäre). Dort wurde über verschiedene „Partikel“ berichtet, die das Zentrum erforscht. Es muss in der deutschen Standardsprache allerdings Partikeln heißen. Hier die Regel:

Bei maskulinen Substantiven auf -el wird der Plural (außer im Dativ) ohne -n gebildet, bei femininen mit -n.

Beispiele: Maskulinum: der Apfel > die Äpfel, der Knödel > die Knödel (außer – wie schon berichtet – bei Karl Valentin), der Artikel > die Artikel; Femininum: die Regel > die Regeln, die Partikel > die Partikeln usw.

Hintergrund

Diese Regel ist einmal willkürlich festgelegt worden, um Singular und Plural bei den Feminina besser unterscheiden zu können, sonst würden nämlich Artikel und Substantiv die gleiche Form haben, und man wüsste nicht, ob von einer Partikel oder von mehreren Partikeln die Rede ist. Beim Maskulinum stellt sich das Problem aufgrund der unterschiedlichen Artikelformen nicht. Da aber Partikel so ähnlich klingt wie Artikel, dessen Plural eben ohne -n gebildet wird, kommt es hier häufig zu Fehlern.

8 Responses to “Sprachtipp: Plural der Substantive auf -el

  1. Keks says:

    Hi Maha,

    sorry, das ist leider falsch. Denn es heißt schließlich “das Partikel”, somit lautet der Plural “die Partikel”. Es gibt zwar auch die feminine Form von “Partikel”, diese hat aber eine andere Bedeutung.
    http://de.wiktionary.org/wiki/Partikel

    Liebe Grüße, Keks

  2. maha says:

    Ja, du hast Recht. Eigentlich müsste es die Partikel (lat. particula (ein feminines Substantiv), manche Naturwissenschaftler sprechen aber von das Partikel. Dann heißt der Plural in der Tat: die Partikel. Die Regel ist trotzdem korrekt. Ich habe leider die Zeitschrift schon weggeworfen, aber ich meine mich zu erinnern, dass dort eine Partikel die verwendete Singularform war. Es ist ja auch keine Fachzeitschrift.

  3. Viktor Enns says:

    ein interessantes thema, das mich sofort zum stöbern angeregt hat.

    gefühlsmässig muss ich “keks” zustimmen, da das im beispiel verwendete “die Partikel” zu sehr nach einem Puraletantum aussieht und somit unbrauchbar wäre.

    ich habe mehrere (un)seriöse quellen konsultiert und bin nun genauso schlau wie zuvor da sich die gelehrten auch hier uneinig sind. zb duden.de sagt: das Partikel (n.) für ein einzelnes Teilchen aber leitet es vom lateinischen “pars” ab, das jedoch ein femininum ist.
    das DUDEN Fremdwörterbuch sagt:
    das Partikel und bezieht sich ebenfalls auf das physikalische/technische Partikel als kleinstes Teilchen (die sprachwissenschaftliche bedeutung lasse ich weg).

    das wörterbuch der uni leipzig (http://wortschatz.uni-leipzig.de/) hingegen gibt an, dass es ein femininum sein muss “die Partikel”, “geschlecht: weiblich”.

    die anschliessenden beispiele jedoch nutzen ebenfalls nur die plural form und kein mal das singular um deutlich zu machen wie das wort zu verwenden wäre, was wiederum für die definition des dudens und für mein “gefühltes” verständnis von dem wort spricht.
    weiterhin würde ich annehmen, da es ein fremdwort ist, dass man es mit dem artikel “das” schreibt, weil es noch nicht “domestiziert bzw germanisiert” wurde.

    das alles in betracht gezogen muss ich dein beispiel für mich selbst verwerfen, da es nicht zutrifft, weil du ein bereits im plural befindendes wort hyperpluralisiert hast, was im deutschen nicht gängig ist. die regel selbst ist unmissverständlich und auch von dir richtig zitiert – nur das beispiel hinkt.

    herzlichen,
    Viktor

  4. maha says:

    Ich glaube nicht, dass das Beispiel hinkt:

    • in der Physik (in der Bedeutung ‚Teilchen‘) ist Partikel Neutrum, also das Partikel, Plural: die Partikel,
    • in der Sprachwissenschaft und in der Philologie ist Partikel ein feminines Substantiv, also die Partikel, der Plural im Deutschen nach der Regel also die Partikeln.

    Ein plurale tantum liegt in keinem Fall vor. Die Sprachwissenschaft und die Philologie orientieren sich am ursprünglichen Genus von particula, die Physik orientiert sich wahrscheinlich am Genus der deutschen Entsprechung ‚Teilchen’.

  5. Viktor Enns says:

    woher kommt dieser unterschied zwischen der philologie und der physik? verwirrender könnte es nicht sein, vor allem wenn man versucht beide felder zusammenzubringen.

    in freier wildbahn habe ich “die Partikeln” noch nie angetroffen (vom aussterben bedroht?). im moment habe ich auch nicht mehr argumente als die schon vorgebrachten, um eine diskussion darüber führen zu können.

    -²-
    Viktor

  6. maha says:

    Über den Grund für den Unterschied zwischen Philologie und Physik kann ich nur mutmaßen: Die Philologie ist in der Regel sehr genau und orientiert sich gern an der Ausgangssprache. In der Physik handelt es sich hingegen wahrscheinlich um eine Rückübersetzung von Teilchen, was das Genus erklären würde.

    In freier Wildbahn kenne ich Partikeln seit ich mich mit Linguistik beschäftige. Google verschafft einem da auch schöne Beispiele.

  7. andrew says:

    Na also: da es sich bei den Partikeln um physikalisch kleinste Teilchen gehandelt haben dürfte (man darf kaum annehmen, daß sich ein Nano-Zentrum – was auch immer das genau ist – sich mit Philologie befasst), ist dann wohl die korrekte Form des Plurals “die Partikel”.
    Und genauso wird er auch im Sprachgebrauch gefunden….

  8. maha says:

    @andrew: zwar befasst sich ein Nano-Zentrum sicher nicht mit Philologie, aber das Problem war – wenn ich mich recht erinnere –, dass in dem besagten Artikel im Singular und im Plural von die Partikel die Rede war. Das geht wohl kaum! Also: entweder naturwissenschaftlich-technisch-fachsprachlich: Singular: das Partikel mit dem Plural: die Partikel oder philologisch-fachsprachlich und allgemein-sprachlich: Singular: die Partikel und Plural: die Partikeln.

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