Archive for January, 2006

Lange Nacht der Museen

Sunday, January 29th, 2006

Es gab mal wieder eine Lange Nacht der Museen in Berlin, diesmal bereits zum 19. Mal. Diesmal bin ich mit fh unterwegs gewesen. Wir starteten beim Museum Kreuzberg-Friedrichshain, wo wir uns die Dauerausstellung und dann einen Film über die Geschichte der Blues-Messe in Berlin-Friedrichshain. Dieser Film wurde im Rahmen des Themenabends über Protestbewegungen gezeigt, zu denen es leider keine spezielle Ausstellung gab, wie ich erwartet hatte. Lediglich im Rahmen der Dauerausstellung wurde auch die Geschichte der Kreuzberger Hausbesetzungsszene aufgegriffen.
Anschließend fuhren wir zum Gesundbrunnen, um das Museum des Vereins Berliner Unterwelten anzusehen. Die Ausstellung ist sehr vielfältig und lohnt einen Besuch! Dann fuhren wir weiter zum Bahnhof Zoo, um im Museum für Fotografie die neueste Helmut Newton-Ausstellung zu sehen. Besonders gefallen hat mir der Film My Life über Helmut Newton von Gero von Boehm – sehr witzig und schön erzählt!
Von dort ging es weiter zum Internationalen Design Zentrum. Hier wollte ich gern den Vortrag „Typographie um Mitternacht“ hören. Das „Design Food“ und der Wein Errazuriz (baskisch: ‘mit weißem Rauch’) mundeten zwar, aber der Vortrag war schier unerträglich. Alles war sehr assoziativ und wenig witzig, die Fotos waren zum Teil ältere Schnappschüsse und um Typografie ging es fast gar nicht. Zudem hatte der ungeübte Sprecher ein erhebliches Zeitproblem und litt unter Selbstüberschätzung. Daher brachen fh und ich einmütig diese Erfahrung ab und machten uns noch auf zur Medizinhistorischen Sammlung der Charité. Die ist immer sehenswert, und um ein Uhr nachts ist es dort auch nicht mehr so voll.
Insgesamt war es eine interessante Nacht, nicht zuletzt auch dank der unterhaltsamen Begleitung. Eigentlich sollte die Lange Nacht der Museen länger dauern. Die nächste werde ich wahrscheinlich verpassen, weil sie genau in der Zeit liegt, in der Der Ring des Nibelungen in Bayreuth gegeben wird, was ich mir dank vorhandener Karten nicht entgehen lassen will.

Meine ersten Mac-Erfahrungen

Friday, January 27th, 2006

Zum Jahreswechsel habe ich dann doch den Sündenfall eines Open Source-Verfechters getan und habe mir ein Apple PowerBook inklusive iPod zugelegt. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber es kamen ein paar gute Gründe zusamen:

Hier nun meine ersten Erfahrungen:

  1. Die Umgewöhnung war äußerst unproblematisch. Manchmal gibt es noch Vertipper bei den Sonderzeichen, die nicht immer da sind, wo ich sie gewohnt bin. Inzwischen habe ich mich an einige Bequemlichkeiten so sehr gewöhnt, dass ich sie gar nicht mehr missen möchte: zum Beispiel das Exposé oder die Möglichkeit, mit der Tastenkombination Apfel+< zwischen den Fenstern einer Anwendung wechseln zu können oder mit [F11] den ganzen Schreibtisch freizuräumen (letzteres kann man sich auch unter KDE einrichten). Auch finde ich die Maus unter KDE (wie unter Windows) etwas zu unruhig.
  2. Mein Interesse an Podcasting ist weiter gestiegen. Das ist der ideale Radiokonsum für mich! Ich habe ja schon immer gern Radio gehört, aber das Problem war immer, dass die für mich interessanten Sendungen immer dann kamen, wenn ich gerade keine Zeit hatte, oder dass ich sie einfach verpasst habe. Das geht nun alles viel einfacher! Podcasting ist natürlich mehr als Broadcasting, also Radio, aber darüber schreibe ich demnächst mehr!
  3. Ich muss hier gleich mal eine Einschränkung machen: Dass die deutschen Radiosender hier nicht aktiver sind, ist schon eine Schande! Ich habe schon wieder ein paar interessante Sendungen auf Deutschlandradio verpasst, für die es keinen Podcast gibt. Da ist die BBC schon wesentlich weiter!
  4. Und noch eine Einschränkung tut Not: Das offene Audio/Video-Format Vorbis wird für den iPod nicht unterstützt! Das ist lästig, denn ich habe meine Lieblings-CDs und Radio-Mitschnitte alle im Vorbis-Format enkondiert, um sie auch unterwegs auf dem Notebook zu hören. Ich habe mich mit einer kleinen Routine beholfen, die ich euch nicht vorenthalten will:
    for file in *.ogg
    do
    oggdec -o - "$file" |
    lame -h -b 192 - "$(basename "$file" .ogg).mp3"
    done

    oggdec dekodiert Vorbis-Audiodateien in WAV (Format), diese werden dann mit lame als MP3-Dateien wieder enkodiert (-h erhöht die Qualität, -b die Bitrate, danach wird der Name richtig zusammengesetzt mit der Dateiendung .mp3).
  5. Ein paar Macuser, vor allem hukl, haben mir sehr geholfen, mich in der Mac-Welt zurechtzufinden. Dafür vielen Dank!

Es gibt noch viel mehr zu berichten, aber das behalte ich mir einer weiteren Folge meines Blogs vor. Wenn die Texte zu lang sind, liest sie eh keiner mehr. Stay tuned!

Wir

Wednesday, January 25th, 2006

Heute habe ich den Roman Wir (russisch: Мы, allerdings in deutscher Übersetzung) von Jewgeni Iwanowitsch Samjatin zuende gelesen. Den Roman hatte ich eigentlich schon vor einigen Tagen durch, aber ich habe erst jetzt das Nachwort gelesen, das den Roman in seinen historischen Kontext einbettet und recht interessant ist, auch wenn es schon vor einigen Jahren geschrieben worden ist. Das Nachwort ist offensichtlich zur Zeit der Aufbruchstimmung im ehemaligen Ostblock verfasst worden und daher wird ein wichtiger Aspekt vernachlässigt: Der Roman ist hochaktuell, weil er einen (fast) perfekten Überwachungsstaat beschreibt – etwa das Modell no more secrets, auf das wir gerade zusteuern und das ganz ähnlich (aber düsterer und nicht mit der gleichen Konsequenz) von George Orwell in 1984 beschrieben wird oder mit einer etwas anderen Stoßrichtung von Aldous Huxley in Schöne Neue Welt. Beide haben sich von Samjatin inspirieren lassen – übrigens auch der Film Equilibrium, den ich neulich mal gesehen habe, der mir aber weniger gefallen hat (der Soundtrack ist ganz brauchbar, wird aber auf die Dauer auch anstrengend).
Man sollte jedoch durchaus mal zum Original, also zu Wir zurückfinden – möglicherweise sogar auf Russisch, denn der Stil des Romans ist sehr klar und einfach. Es gibt im Roman nämlich mehrere Ideen, die gerade auf der derzeitigen politischen Agenda stehen. Hier eine Auswahl:

  • Glücks- und Sicherheitssimulation durch Ordnung und totale Überwachung,
  • Einführung einer Personenkennzahl (zum Beispiel in Form des genetischen Fingerabdrucks),
  • erzwungenes heterosexuelles Paarverhalten „zum Wohle des Staates“,
  • Ersatz von Phantasie und Kreativität durch auf zweifelhafter Statistik gegründetes Erbsenzählertum (man denke an das „leistungsorientierte Hochschuloptimierungskonzept“),
  • biometrischer Pass: hier geht die derzeitige Entwicklung noch weiter: in Wir muss nur ein Abzeichen offen getragen werden, in Deutschland wird sogar ein RFID-Chip verwendet;
  • Beeinflussung von Wetter und Klima, Aussperrung/Domestizierung der Natur mit katastrophalen Folgen,
  • Herabwürdigung von Kunst und Geisteswissenschaft,
  • Zulassung von Folter gegen Staatsfeinde.

Natürlich sehen wir im Roman die fantastische Endstufe solcher Vorstellungen, aber wem bestimmte Aspekte von Samjatins „Einzigem Staat“ nicht gefallen, der sollte jetzt für seine Bürgerrechte kämpfen. Wie heißt es so schön: Wehret den Anfängen!

Rückblick 2005

Saturday, January 21st, 2006

Endlich komme ich dazu, den längst überfälligen Jahresrückblick für 2005 zu schreiben. Es war viel los in jenem Jahr, das mit dem Rest meines Forschungsfreisemesters begann. Leider gab es dann eine Menge zu tun – nicht zuletzt in Bezug auf die derzeitige Studienreform. Im Februar war ich zu Gast im Deutschlandradio, wo ich eine Stunde lang zu verschiedenen meiner Interessen (Esperanto, freies Wissen, Linguistik usw.) interviewt wurde.
Im März war ich als Gastprofessor in Caen, was zwar sehr anstrengend, aber auch sehr interessant war. Es war einfach mal wieder schön, in Frankreich zu sein! Über Ostern gönnte ich mir dann ein paar Tage Urlaub und fuhr auf den Easterhegg in Hamburg. Ich hatte mir dort mit Henriette zusammen eine Ferienwohnung gemietet und konnte die Veranstaltung tatsächlich wie einen Urlaub genießen.
Eigentlich stand das Jahr 2005 ganz im Zeichen von Wikipedia: Ende Juni wurde ich in den Vorstand von Wikimedia Deutschland gewählt und am 30. Juni 2005 war ich einer derjenigen, die für die Wikipedia den Grimme Online Award entgegengenommen haben. Das war eine Interessante Erfahrung!
In den Sommerferien gönnte ich mir noch mal ein paar Tage Urlaub in der bereits genannten Reisegruppe: Ich fuhr in die Niederlande zur What The Hack. Trotz des schlechten Wetters war das ein ziemliches cooles, interessantes und sogar entspannendes Event. Im August stand dann eine weitere Erfahrung bevor, nämlich mein erster Besuch bei den Bayreuther Festspielen. Zur Eröffnung meiner Bayreuth-Erfahrung gab es passenderweise den Parsifal.
Der Rest des Jahres verlief eigentlich mehr oder weniger unspektakulär: Ich hatte eine Menge Arbeit (Lehre, Artikel, Studienreform usw.) und hinzu kamen meine Aktivitäten für Wikimedia bzw. Wikipedia.
2005 habe ich auch wieder eine Menge gelesen: Am Anfang des Jahres Steven Levys Hackers: Heroes of the Computer Revolution, das ich als Sachbuch Nr. 1 auf meiner persönlichen Liste für 2005 bewerten würde; erstaunlich, dass ich das nicht schon früher gelesen habe! Als belletristisches Buch empfehle ich Tessa Korbers Kriminalroman Tiefe Schatten, der mir natürlich besonders gefallen hat, weil ich die Universitätsstadt Erlangen inzwischen kennen gelernt habe. Ich habe ja sogar an der dortigen Universität (wie übrigens auch in Bayreuth) zwei Gastauftritte gehabt.
Wie schon das Jahr 2004 endete auch das gerade vergangene für mich mit dem Cbaos Communication Congress, an dessen Programmgestaltung ich auch beteiligt war. Wenn ich jetzt sage, dass das Programm ziemlich interessant war, klingt das fast wie Eigenlob! :-)
Wie man diesem kurzen Bericht unschwer entnehmen kann, war 2005 für mich ein ereignisreiches und sehr angenehmes Jahr. Neben meiner nun auch organisatorischen Aktivität für Wikipedia war eine weitere Besonderheit kennzeichnend: 2005 hatte ich zum ersten Mal eine BahnCard 100, die es mir ermöglichte, ungehemmt durch Deutschland zu reisen. Das war natürlich eine sehr interessante Erfahrung, die ich auch weidlich genutzt habe, obwohl ich nicht alle Ziele angesteuert habe, die ich ansteuern wollte.

Ruhig geworden

Saturday, January 21st, 2006

Schön, dass es einige gemerkt haben: In letzter Zeit ist es in meinem Blog etwas ruhig geworden. Das hat drei Gründe:

  • Seit einiger Zeit möchte ich einen Jahresrückblick hier schreiben und habe irgendwie bisher nicht die Muße dazu gefunden. Dafür habe ich dann einfach alle anderen möglichen Einträge auch erst mal links liegen gelassen, weil ja dieser Rückblick erst kommen musste.
  • Zum neuen Jahr habe ich meinen neuen PowerPC samt iPod in Betrieb genommen, die mich zeitlich ziemlich in Beschlag genommen haben.
  • Das Jahr fing auch sonst sehr arbeitsintensiv an: Eine neue Version meines Artikels über Sprachpurismus musste fertig werden, und da blieb noch genug zu tun, obwohl es sich nur um die Überarbeitung einer früheren Version handelt – allerdings auf Spanisch, was die Sache nicht unbedingt leichter machte. Dazu dann noch die unersprieslichen Aktivitäten in Hinblick auf die Einführung neuer Studiengänge… Und die Steuererklärung steht auch noch aus! :-(

Aber ich habe mir wirklich vorgenommen, in diesem Jahr mehr zu schreiben: Nicht nur hier, sondern auch auch sonst! Ich hab ein paar schöne Projekte für wissenschaftliche Artikel und hoffe, diese auch umsetzen zu können. Ich bin gespannt, was das Jahr so bringen wird und habe mir fest vorgenommen, mich nicht so sehr durch zweifelhaftes Reformfieber und nervige Kollegen in Beschlag nehmen zu lassen.

22c3 Review

Wednesday, January 11th, 2006

The 22nd Chaos Communication Congress is over and I have recovered in the mean time… Well, I didn’t need to recover very much, because contrary to the 21c3 it was a very relaxing Congress, although I was more active than last year. Here are three reasons why the Congress was so relaxing:

  1. Smoking was discouraged inside the bcc, which improved breathing conditions considerably.
  2. The Congress was a day longer than before.
  3. The wired and wireless Internet connection was fully functional all the time. Lacking internet access made me very nervous last year.

Most talks I listened to were really interesting, and fortunately I can download the recordings of what I missed. That is why the congress is not yet over. As soon as the recordings will be available in a format that I can put on my Apple iPod—or even better: in an open format. :-)
I met some interesting people during the Congress, as e.g. Victor Eliashberg and Jake Appelbaum whose photos are quite impressive (btw., don’t miss the 22c3 Photo Documentation and the photos on flickr). It’s a pity that I didn’t have more time to speak with these people, but perhaps I’ll meet them again at the 23c3