Maurice

Heute bin ich mal wieder eine weitere Strecke Zug gefahren. Normalerweise arbeite ich ja immer im Zug, aber nach dem Stress der Woche und des heutigen Tages gönnte ich mir mal einen Film. Ein Freund hatte mir eine DVD geliehen, die ich eh mal wieder zurückgeben sollte… Es handelte sich um den Film Maurice. Ich hatte den gleichnamigen Roman von Edward Morgan Forster schon vor einigen Jahren gelesen und fand das viktorianische Englisch zwar interessant, aber auch manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Da fielen die Filmdialoge schon leichter, auch wenn es trotz britischem Englisch keine Untertitel gab. Auch ohne die philosophischen Diskussionen des Buches war der Film wirklich ausgezeichnet. Als ich mir die Extras anschaute, bemerkte ich plötzlich, dass ich schon fast am Ziel war. Die Zeit verging also quasi wie im Zug. :-)
Jetzt weiß ich übrigens auch, dass sich der Name des Protagonisten Morris ausspricht. Man lernt nie aus. ;-)

4 Responses to “Maurice”

  1. lev says:

    Spricht sich der Name des Protagonisten im Film nicht nur Morris aus, weil der moderne Brite kein Französisch mehr spricht? In der Viktorianik galt in Paris bereits seit ~100 Jahren der Code Napoléon und Größen der Zeit, die ihre Dramen auf Französisch verfaßten, damit Sarah Bernhard die Hauptrolle übernähme, setzen sich als Sebastian Melmoth in Paris ab, ähnlich wie es, wenn ich das recht erinnere, die Protagonisten im Roman und sein Verfasser auch tun. Nichtsdestotrotz fand ich den Film im Vergleich zum Buch ziemlich konturlos. Einige Schlüsselszenen fehlten mir völlig und das ganze wurde wie in einem Zeitraffer aufgereiht. Ich würde meinen, jemand, der das Buch nie las, hätte Probleme, der Handlung verständig zu folgen. Das Buch hat mich begeistert, der Film aber ließ mich kalt.

  2. maha says:

    Ich hab das mal in Daniel Jones’ englischem Aussprachewörterbuch nachgeschlagen; immerhin ist er Maurice’ Zeitgenosse und auch recht frankophil (möglicherweise auch schwul, jedenfalls lässt George Bernard Shaw sowas durchblicken in der ersten Version von Pygmalion, Prof. Higgins’ Charakter ist bekanntlich an Jones orientiert). Jones arbeitet streng positivistisch, also hätte er mit Sicherheit auch eine französisch-orientierte Aussprache in sein Lexikon aufgenommen. Das ist aber nicht der Fall. Er notiert sogar: ['mɒrɪs].

    Ja, die Schlüsselszenen mit Dick fehlen vollständig, obwohl sie gedreht und ediert worden sind. Das ist unverständlich. Aber das die Vorlagen von Literaturverfilmungen meist besser sind, ist ja nichts Neues.

  3. lev says:

    Das ist ja interessant. Als anständiger Linguist weiß man natürlich sofort, wo man soetwas genau recherchieren kann. Bewundernswert! Ich hätte da erst einmal bibliographieren müssen.

    Wundern tut es mich natürlich schon. Wenn ich mir vorstelle, dass die ganzen Floskeln und Gemeinplätze, die man in England, weil es als schick galt, so vor sich hersagte, vielleicht alle mit englischem Akzent ans Ohr gedrungen sein könnten… Allerdings habe ich auch schon festgestellt, dass, wenn ich englische Bücher originalsprachig lese, ich französische Namen, die darin auftauchen, an den englischen “Duktus” anpasse, weil sonst irgendwie ein Bruch im Sprachfluss entsteht, selbst wenn das alles beim stillen Lesen nur im Kopf passiert. Tauchen längere Sätze in Französisch auf, passe ich mich dem Klang wiederum an.

    Faszinierend dieses Ding, das sich da Sprache nennt.

  4. maha says:

    Ja, das geht mir auch so. Dass längere Passagen auf Französisch auftreten, ist mir in englischen Büchern allerdings weniger vorgekommen, aber so viel Viktorianik habe ich auch nicht gelesen. Bei russischen Werken aus der Zeit ist das allerdings häufig. Allerdings ist mein Russisch inzwischen zu schlecht für die flüssige Lektüre von Belletristik. Da müsste ich mich auf die französischen Abschnitte beschränken. :-(

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