Archive for May, 2006

Brokeback Mountain

Monday, May 29th, 2006

Ja, ich weiß, ich locke damit niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und ich bin wahrscheinlich der Letzte, der diesen Film gesehen hat, aber heute abend war ich im Kino und habe endlich Brokeback Mountain gesehen. Und ich war beeindruckt. Der Film ist besser als die gleichnamige Kurzgeschichte von E. Annie Proulx. Ich hatte die Kurzgeschichte schon vorher als Hörbuch gehört und fand, dass sie trotz aller Wirkung Schwächen hat: Ich hatte das Gefühl, dass sie irgendwie unzeitgemäß war, eben so eine Geschichte aus den 1980ern, als schwule Liebe einfach unerfüllt bleiben musste, aber die mächtige Bildersprache und die sehr gelungene filmische Adaptation haben mich nun doch überzeugt: Es ist ein großartiger Film! Beeindruckend ist, wie deutlich die Erbärmlichkeit der Rancher wurde. Trotz aller Tragik ist der Film durchaus optimistisch, denn es wird schnell klar, dass hier Menschen nicht deshalb Probleme haben, weil sie schwul oder sonstwas sind, sondern weil sie sich selbst im Wege stehen und sich Dinge einreden, die nicht eigentlich so sind, wie sie meinen. So richtig verarbeitet habe ich das noch gar nicht, und ich hoffe, in dieser Nacht einigermaßen Schlaf zu finden…
Die Filmmusik ist übrigens auch sehr schön. Ich hatte mir die CD zum Film (Lyrics) ja schon vor einiger Zeit gekauft, was ein Fehler war, denn wenn man einen Soundtrack schon gut kennt, kommt er einem im Film zu bekannt vor. Ich empfehle also, erst den Film zu sehen und dann den Soundtrack zu erwerben. Verdientermaßen hat der Film bei der Oscarverleihung 2006 je einen Oscar für die Regie, die Drehbuch-Adaptation und die Musik bekommen!

Es ist schon erstaunlich, dass ich in weniger als einer Woche mit Capote und diesem Film zwei herausragenden Hollywood-Filme gesehen habe, nachdem in den letzten zwei Jahren ja eher mittelmäßiges Hollywood-Kino dominierte. Das lässt hoffen, und ich traue mich jetzt auch öfter ins Kino zu gehen.

Berlin Südkreuz

Sunday, May 28th, 2006

Berlin Südkreuz

Heute hatte ich Besuch aus Iowa City, Iowa, wo ich zufällig ja auch kürzlich selbst war. Dann musste ich aber auch schon los, um diesmal deutlich schneller nach Franken zu gelangen. Vom neuen Bahnhof Berlin Südkreuz sind es nur noch 3 Stunden und 42 Minuten. Das ist mit dem Auto nun wirklich nicht mehr zu toppen. Wenn man bedenkt, dass ich noch vor eine Woche 4 Stunden und 42 Minuten gebraucht habe oder günstigstenfalls 4 Stunden und 32 Minuten, so ergibt sich eine Ersparnis von 50 Minuten bzw. 60 Minuten (bei ungünstigen Verbindungen sind es manchmal auch nur 42 Minuten). Jedenfalls hat man das Gefühl, dass es ziemlich schnell geht, vor allem bis Leipzig!

Die von mir gewählte Verbindung war deshalb so schnell, weil der Abendzug überraschenderweise (aber auch sinnvollerweise) nicht mehr in Saalfeld und Lichtenfels hält. Ich war richtig überrascht, als die Schaffnerin in Jena Paradies durchsagte: „Nächster Halt: Bamberg“. Eigentlich müsste bei zwei gesparten Bahnhöfen der Zug ja noch schneller sein.

Ich gebe allerdings zu, dass ich diesmal nicht vom Südkreuz aus gestartet bin. Ich wollte mir nämlich den neuen Hauptbahnhof mal im Realbetrieb ansehen. Auf diese Idee mussten auch andere Menschen gekommen sein, denn es war dort richtig voll. Dabei ist mir aufgefallen, dass es doch ein Bahnhof der langen Wege ist, denn vom Gleis 11 zum Gleis 4 habe ich über fünf Minuten benötigt. Man muss in diesem Bahnhof zum Umsteigen viel Zeit einplanen, besonders wenn viel Betrieb ist. Ich war zum Glück früh genug dort, und konnte meine Fotosammlung über den Hauptbahnhof und den Bahnhof Südkreuz noch erweitern.

Wikipedia Academy in Göttingen

Sunday, May 28th, 2006

Kanaldeckel

Gestern habe ich mal wieder einen Kurztrip an die Leine gemacht, diesmal zum Vorbereitungstreffen der Wikipedia Academy. Leider kann ich hier nicht mehr dafür werben, weil die Veranstaltung schon ausgebucht ist, aber man kann sich schon für 2007 voranmelden! Ich habe große Erwartungen an die Veranstaltung und bin auch ziemlich sicher, dass es gut wird. Im Moment habe ich nur Sorge wegen des Internet-Zugangs in der Staats- und Universitätsbibliothek. Das geht nur mit einem Cisco-Treiber, der unter Mac OS X und Linux nicht unproblematisch sein soll. Gestern ist es dann nicht mehr gelungen, das auszuprobieren…

Eröffnung des Hauptbahnhofs mit Abenteuer

Saturday, May 27th, 2006

Berlin Central Station on the river Spree

Gestern abend war ich zunächst auf der Eröffnung von ph-neutral, aber ich wollte dann doch noch einen Blick auf den neuen Hauptbahnhof werfen, der zur Feier seiner Eröffnung ziemlich eindrucksvoll beleuchtet war.

Dummerweise hatte ich das Auto genommen und erlebte daher das Feuerwerk im Stau, aber es war eh nicht so berauschend, weil das helle Licht den Effekt des Feuerwerks etwas schmälerte. Ich habe mir dann das Fotografieren an dieser Stelle gespart. Dann durfte ich noch ein kleines Abenteuer erleben: Als ich endlich die Marschallbrücke erreicht hatte – so gegen kurz nach elf – war hier kein Durchkommen mehr. Zu Hunderten strömten die Zuschauer vom Reichstagsgebäude kommend Richtung Friedrichstraße. Mein Auto war zwischen den Menschen förmlich gefangen. Zudem stand vor mir ein entgegenkommender Wagen quer. Der Menschenauflauf an der Ecke Wilhelmstraße und Reichstagufer wurde immer bedrohlicher. Ich rief deshalb die Polizei an. Dort erklärte man mir, dass nichts zu befürchten sei; es seien ja nur Fußgänger. Ich sah das etwas anders und biss auf Vorschlag des freundlichen Polizisten geduldig ins Lenkrad.

Marschallbrücke

Dass er nicht Recht behalten sollte, wurde wohl dann auch ihm bald klar, denn kaum hatte ich es geschafft, über die Brücke zu kommen, trafen eine Menge Krankenwagen. Erst einen Tag später erfuhr ich aus spiegel.de, dass es offenbar unmittelbar um mein Auto herum zu einem Amoklauf gekommen war.

(Mir ist bei der ganzen Sache übrigens ein Wortspiel eingefallen, das ich hier kaum äußern mag, weil das Ereignis so furchtbar ist: Für Amokläufer kann man auf Englisch spree killer sagen, was hier sogar doppelt passt, denn das Ereignis fand an der Spree statt…)

Ich war jedenfalls froh, dieser beängstigenden Ausnahmesituation heil entkommen zu sein und konnte auch gleich nach der Brücke mein Auto parken. Dann habe ich mich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof gemacht und konnte ein paar schöne Fotos machen. In den Bahnhof selbst kam man nur durch eine lange Schlange hinein, daher entschied ich mich zum Bahnhof Friedrichstraße zurückzukehren und einfach die Berliner S-Bahn zu bemühen, mit der ich dann auch in den Bahnhof gelangte. Auf dem Weg konnte ich noch beobachten, wie jemand unter großem Hallo in der Spree badete.

Insgesamt ist der Bahnhof sehr eindrucksvoll. Ich bin mal gespannt, wie sich das neue Pilzkonzept anfühlt, wenn ich es dann ab morgen im realen Leben nutze…

Capote

Friday, May 26th, 2006

Am Mittwochabend habe ich mir Capote in der OmU-Fassung angeschaut. Ich habe mal einen Trailer in deutscher Synchronisation gesehen, und die deutsche Stimme von Philip Seymour Hoffman ist einfach unerträglich. Also sollte man den Film unbedingt im Original sehen! Es ist übrigens einer der besten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe, vor allem wegen der schauspielerischen Leistung. Der Hauptdarsteller hat ja dafür auch den Oscar bekommen – sehr zu Recht! Allein wie er bis ins Detail hinein die Tunte spielt (wie er am Anfang die Zeitung hält oder im Kamelhaar-Mantel herumläuft)! Oder wie sich in einer Szene Äderchen auf seiner Stirn abzeichnen… großartig! Aber auch die Nebendarsteller sind große Klasse! Besonders Clifton Collins Jr. als Perry Smith ist sehr gut. Die Subtilität der Beziehung zwischen Capote und Smith wird von beiden sehr gelungen dargestellt. Ein sehr sehenswerter Film, nicht zuletzt auch wegen ein paar sehr schönen Dialogen!

In Mission Impossible III spielt Hoffman ja den Bösen und sicher wieder ganz anders. Wahrscheinlich nur seinetwegen werde ich mir den Film dann auch noch ansehen, obwohl ich Tom Cruise ja nur schwer erträglich finde.

Wikipedia-Grillen & Paul Thomas Anderson

Monday, May 22nd, 2006

Heute gab es in Berlin wieder einen Wikipedia:Berlin-Stammtisch in der c-base, diesmal mit Grillen! Außerdem war die Presse anwesend und es wurde wie wild gefilmt. Offensichtlich gibt es viele neue Wikipedianer in Berlin und der ganze Trubel wurde mir schnell zuviel. Daher verlagerte ich mich in den Chaos Computer Club Berlin, wo es mal wieder einen Filmabend gab: Im Mittelpunkt standen Filme von Paul Thomas Anderson, dem Regisseur von Magnolia, aber im Gegensatz zu letzterem war Punch-Drunk Love eine Enttäuschung: Der Film ist etwas anstrengend erzählt. Ich glaube es liegt daran, wie der Film geschnitten ist. Mir gefiel er nicht wirklich, obwohl die David Phillips-Story (the “pudding guy”) an sich witzig ist.

Der zweite Film Hard Eight war deutlich besser, obwohl die Story wieder etwas seltsam war. Auch hier wäre vielleicht ein besserer Schnitt sinnvoll gewesen. Jedenfalls werde ich kein Anderson-Fan – wenn man mal von Magnolia absieht.

Eurovision Song Contest 2006

Sunday, May 21st, 2006

Ich finde ja die alte Bezeichnung des Eurovision Song Contest viel stilvoller: Grand Prix Eurovision de la chanson. Daher heißen die dazugehörigen Partys wohl auch immer noch Grand-Prix-Partys. Auch ich war heute wieder auf einer solchen, denn der Grand Prix ist ja in schwulen Kreisen so ungefähr das, was die Männerfußball-Weltmeisterschaft für Heteros ist. Kurz vor der Party hatte ich noch das Halbfinale gesehen und war mir da schon ziemlich sicher, dass beim Eurovision Song Contest 2006 die Finnen eine gute Chance hätten, sofern nicht noch was anderes Sensationelles hinzukommen würde. Da das nicht geschah, tippte ich auf die Finnen und dass Deutschland auf den 14. Platz kommen würde, denn sie waren auf diesem Platz auf meiner Favoritenliste. Ziemlich genauso ging es ja auch aus. Auch ich fand den finnischen Beitrag originell, obwohl ich persönlich die lettische a cappella-Gruppe Cosmos am interessantesten fand, aber es war natürlich klar, dass sie wenig Chancen hätten, denn ihre Musik war einfach zu revolutionär für den Schlagergeschmack (etwa die lettische Version der Wise Guys). Auch der russische Beitrag hat mir gefallen, sofern man von der Frau im Klavier absieht.

Dieser Grand Prix war von der musikalischen Vielfalt wahrscheinlich einer der außergewöhnlichsten, auch wenn mich das Gewinnerlied jetzt nicht wirklich so sehr anspricht. Auf jeden Fall war es ein lohnendes Ereignis – natürlich auch wegen der netten Leute auf der Party. Ich habe mich dann noch sehr angeregt mit Christoph und Jan unterhalten, was auch sehr interessant war. Christoph ist ein talentierter Nachwuchsfilmer, dem bestimmt noch eine große Karriere bevorsteht, wenn er sein Talent auszubauen versteht und sich mit weniger depressiven Themen auseinandersetzt. Und von Jan wird man bestimmt auch noch hören oder lesen…

Sex sells

Friday, May 19th, 2006

Von Sapir habe ich den Hinweis bekommen, dass das französische Mode-Label shaï seine neue Mode-Kollektion mit Pr0n für jeden Geschmack anbietet. Es gibt interaktive Filmchen, die man sich anschauen oder in verschiedenen Formaten herunterladen kann, z.B. für den iPod – dann aber weniger interaktiv. Man hat die Wahl zwischen schwul, hetero und lesbisch und kann dann in der interaktiven Version auf die einzelnen Kleidungsstücke klicken, die nach und nach abgeworfen werden. Aber Vorsicht! Es ist definitiv nicht jugendfrei, weshalb ich es auch hier nicht direkt einbinde! Dafür ist es professionell produziert. Das Making-Of, für das man eine E-Mail-Adresse preisgeben muss, lohnt übrigens nicht; es wird dort vor allem gebügelt und auf französisch palavert.

Die Idee ist originell, und wird sich bestimmt für das Unternehmen auszahlen: Ich denke, das Angebot wird den Bekanntheitsgrad dieser Kollektion und des Labels erheblich steigern und somit auch die Verkaufszahlen! Eine solche Werbung wäre in Deutschland wahrscheinlich undenkbar – „dank“ Jugendschutz und PorNO-Kampagne. Dabei trägt eine vorsichtige Enttabuisierung sicher dazu bei, eine aufgeklärtere und somit freiere Gesellschaft zu schaffen.

Bahn für alle

Friday, May 19th, 2006

Heute war meine Bahnfahrt besonders interessant, denn ich hatte ein interessantes Gespräch mit einem verantwortlichen IT-Experten der Bundesagentur für Arbeit. Da konnte man aus erster Hand erfahren, was dort alles so schief läuft. Dummerweise finde ich jetzt seine Visitenkarte nicht mehr. Ich hoffe, die findet sich wieder oder er meldet sich von sich aus; ich könnte ihn vielleicht mal zu so einer Veranstaltung wie dem Chaos Communication Congress holen, denn er hat eine Menge zu erzählen, und das tut er auch auf sehr interessante Art.

Ja, Bahnfahren macht schon Spaß, besonders wenn man wie ich eine Flatrate hat. :-) Umso beunruhigter war ich aufgrund der Information eines Bekannten über die möglichen Folgen des bevorstehenden Börsengangs der Deutschen Bahn. Möglicherweise wird dann sogar irgendwann die BahnCard 100 wegfallen, was schade wäre! Die Gegner der Privatisierung formieren sich unter dem Motto: „Bahn für alle“. Mit den Argumenten muss ich mich noch ausführlich beschäftigen. Auch Attac ist dabei, was mich etwas beunruhigt, denn ich habe mit der Attac-Ideologie bis zu einem gewissen Grad Probleme: So bereitet mir die  von Attac vertretene Idee der Kulturflatrate als Zwangsabgabe leichte Bauchschmerzen (wie ich schon berichtet habe). Mir sind viele Ideen von Attac auch nicht liberal genug. Man kann ja vor den Gefahren der Globalisierung warnen, aber stattdessen den Staat zu stärken, kann ja kein Rezept sein. Ich will einfach mehr Freiheit!

Lange Nacht der Wissenschaften

Sunday, May 14th, 2006

Gestern war ich mit Axel, Verena, fh und Cryx bei der Langen Nacht der Wissenschaften unterwegs, wobei wir uns auf die TU Berlin konzentrierten, denn Verenas Aibo-Stand war der Treff- und Ausgangspunkt unserer Wanderungen durch die Wissenschaft. Diese führten uns zunächst zu den Schienenfahrzeugbauern in die Dovestraße, wo wir eine Schalldämmung und eine Knorr-Bremse vorgeführt bekamen. Dann ging es zurück ins Hauptgebäude. Dort tranken wir zunächst authentisches TU-Bier von angehenden Brauern, denn dort kann man ja auch Brauwesen studieren. Das TU-Bier kann ich sehr empfehlen. Es schmeckt würzig, aber nicht zu herb und ist relativ alkoholisch. Zum Ausgleich gab es dann noch einen alkoholfreien Cocktail von den Suchtberatern der Universität.

Anschließend streiften wir noch etwas ziellos im Hauptgebäude umher und schauten uns das eine oder andere Projekt an. Ich hatte auch Gelegenheit, erstmals ein Theremin zu sehen und zu spielen. Danach ging es zum Mathematikgebäude, wo wir uns zwei Stereoskopie-Filme anschauten, einen eindrucksvollen Flug über die Oberfläche des Mars und einen ganz seltsamen, der eine Präsentation aus den 1950ern wiederhergestellt hatte.

Anschließend war ich dank eines weiteren TU-Biers bettreif…