Archive for June, 2006

Beim RBB

Friday, June 9th, 2006

Haus des Rundfunks

Gestern hat der Chaos Computer Club Berlin einen Ausflug zum Rundfunk Berlin-Brandburg gemacht, um mal zu sehen, wie man “old-skewl” Radio produziert. Wir konnten eine Menge lernen über Nachhall und Studiotechnik. Besonders interessant war das Schalltote Studio und das digitale Studio.

Auch das Gebäude selbst, das Haus des Rundfunks des Architekten Hans Poelzig fand ich sehr eindrucksvoll. Poelzig ist zwar kein Bauhaus-Architekt, wie ich dachte, aber seine Neue Sachlichkeit kommt dem Bauhaus schon sehr nahe. Was ich erst gar nicht bemerkt hatte: Die Farben des Gebäudes sind Schwarz-Rot-Gold (na, eher -Gelb).

Der RBB hat es noch nicht so mit Podcasting, aber das wird sicher noch kommen. Wenn man bedenkt, dass es mit dem Rundfunk in Deutschland 1925 losging, stellt sich die Frage, ob er auch noch sein 100-jähriges Jubiläum feiern wird, denn als Distributionsmethode wird es ihn vielleicht solange nicht mehr geben. Irgendwann wird es dann nur noch Internet-Distribution geben, also Podcasts.

Dass es Podcasts gibt, wird sich jetzt bald herumsprechen, denn sogar die Bundeskanzlerin macht jetzt einen: Die Kanzlerin > direkt. Tim hat auf seinem Blog schon die Parodie verlinkt: Die Bundescasterin von Ehrensenf. Die Parodie ist vor dem Original produziert worden, kommt aber dem Original erstaunlich nah (bis auf die fehlende Brille).

Fight Club

Tuesday, June 6th, 2006

[English parts below]

Nachdem ich gestern wegen eines Kurztrips nach Leipzig den informellen Chaos-Kino-Abend verpasst hatte, habe ich mir heute mal selbst einen Kinoabend im Berliner Chaos Computer Club gegönnt, da ich dort ohnehin abends allein war. (Seltsam! Man hat fast den Eindruck, der Club habe sich aufgelöst, ohne dass mir jemand Bescheid gegeben hätte.) Dafür hatte ich endlich Gelegenheit, den Film Fight Club (website, imdb, script) zu sehen. (Wegen des Verbots unfreier Abbildungen in der deutschen Wikipedia, sollte man auf jeden Fall auch den Artikel über Fight Club (film) in der englischen Wikipedia konsultieren.)

Wer meinen Filmgeschmack kennt, kann sich denken, dass mir der Film außerordentlich gut gefallen hat. Insbesondere die Idee mit den hineingeschnittenen Einzelbildern ist ziemlich gut! Auf jeden Fall ist es ein Film, der immer wieder Überraschungen bietet – bis zum Schluss! Die Dialoge sind durchweg witzig. Besonders witzig ist die Seifenszene: “We were selling rich women their own fat asses back to them.” (Man beachte auch die Satzkonstruktion!) Oder die Szene mit den eingeweihten Polizisten: “You know the drill. You said if anyone ever tries to interfere with Project Mayhem, even you, we got to get his balls.”

Da es in dem Film vordergründig auch um Terrorismus geht, dürfte er nach dem 11. September 2001 wohl nicht mehr möglich gewesen sein. In Wirklichkeit geht es in dem Film natürlich um die Grundfragen von Existenz, Individualität und Identität – zugegebenermaßen etwas märchenhaft à la Hollywood umgesetzt. Gesamtprädikat: sehr sehenswert!

Zum Abschluss noch zwei witzige Dialogfetzen:

1. [Conversation on a plane]

TYLER: You know why they have oxygen masks on planes?

JACK: No, supply oxygen?

TYLER Oxygen gets you high. In a catastrophic emergency, we’re taking giant, panicked breaths…

Tyler grabs a safety instruction CARD from the seatback, hands it to Jack.

TYLER: Suddenly, we become euphoic and docile. We accept our fate.

Tyler points to passive faces on the drawn figures.

TYLER: Emergency water landing, 600 miles per hour. Blank faces – calm as Hindu cows.

2. [After the flight Jack's baggage got distroyed because his suitcase was vibrating.]

AIRPORT SECURITY TASK FORCE MAN (to Jack): Throwers don’t worry about ticking. Modern bombs don’t tick.

JACK: Excuse me? “Throwers?”

SECURITY TFM: Baggage handlers. But when a suitcase vibrates, the throwers have to call the police.

JACK: My suitcase was vibrating?

SECURITY TFM: Nine time out of ten, it’s an electric razor. But, every once in a while … (whispers) …it’s a dildo. It’s airline policy not to imply ownership in the event of a dildo. We use the indefinite aricle: “A dildo.” Never “Your dildo.”

plazes.com

Monday, June 5th, 2006

plazes.com ist eine relativ neue Web 2.0-Anwendung, die ich seit dem easterhegg kenne und die ansonsten noch nicht sehr bekannt zu sein scheint, was eigentlich schade ist. Plazes dient dazu, seine Freunde und Bekannten in der realen Welt zu orten, also herauszufinden, wo sie sich gerade aufhalten. Wie viele Web-2.0-Anwendungen hat das einen Big Brother-Beigeschmack. Und besonders die Funktion, mit der man hinterlassene Spuren abrufen kann, also sehen kann, wer kürzlich wo gewesen ist, bestätigt diesen Eindruck auch. Allerdings kann man alle dies Funktionen als Nutzer auch abschalten. Dann werden sie auch nicht auf den Servern gespeichert, wie der Anbieter behauptet. Das System ist allerdings auch ziemlich leicht zu täuschen, z.B. wenn man einen Tunnel (z.B. VPN oder SSH). Und mit einem Anonymizer kann ich mich schnell an irgendeinen Ort der Welt versetzen (jedenfalls virtuell).

Ich kenn keinen

Sunday, June 4th, 2006

Passend zu meinen Landerlebnissen habe ich gerade den Film Ich kenn keinen – Allein unter Heteros (imdb, website) gesehen. Es ist ein Dokumentarfilm über Schwule in der schwäbischen Provinz und recht gut gemacht, auch wenn manche der Interviews Längen haben. Er ist sicher besser als Cycles of Porn, ein anderer Film des gleichen Filmemachers Jochen Hicks, den (Regisseur und Film) ich mal auf der Berlinale gesehen habe. Der Film über Schwaben wirkt einfach authentischer als die Dokumentation über Los Angeles.

Gute Dokumentarfilme zu machen, ist schon verdammt schwer. Ich mag das Genre aber sehr und werde demnächst mal meine Bestenliste hier veröffentlichen. Sicher wird The Power of Nightmares unter den Spitzenreitern sein.

Schwules Landleben und Bahnfahren

Saturday, June 3rd, 2006

Eines der Themen von Brokeback Mountain ist ja das Landleben in den USA. Damit habe ich ja wenig Erfahrung – auch in Deutschland! Jetzt konnte ich auch auf diesem Gebiet mal Erfahrungen sammeln, wenn auch nur kurz: Gestern habe ich einen Freund von mir besucht, der vor einiger Zeit zu seinem Freund aufs Land gezogen ist, und durchaus daran Gefallen gefunden hat. Allerdings muss man dazu sagen, dass er selbst auch ein „Landei“ ist und nur zum Studium unter die Städter gegangen ist. Es war für mich sehr eindrucksvoll zu sehen, wie sehr er im Landleben aufgegangen ist. Die Liebe macht’s möglich und sicher hilft das Internet dabei auch, denn so kann man selbst in der Pampa noch etwas von der Welt mitbekommen – dank SkyDSL! Für mich wäre das Landleben allerdings nichts! Aber die Menschen sind halt verschieden.

Der Grund für meine Reise nach Westdeutschland war ein Gastvortrag in Westfalen, der auch recht erfolgreich war – jedenfalls gab es positives Feedback, was mir auch mal wieder gut getan hat! Ich hätte diesen Gastvortrag vielleicht nicht gehalten, wenn ich nicht über eine BahnCard 100 verfügte; damit kann man schnell mal durch die Republik fahren, ohne sich über die Kosten Gedanken zu machen, denn die sind schon bezahlt. Das ist schon eine nette Angelegenheit, vor allem, wenn wir anlässlich der Männerfußball-WM demnächst für kurze Zeit einen brauchbaren Fahrplan haben werden. Übrigens kann man jetzt auch die Zugverspätungen im Internet abrufen. (Diesen tollen Tipp habe ich von effpunkt, dessen Flickr-Fotos ich übrigens sehr empfehle).