Archive for July, 2006

Baden, Baader, Brick

Monday, July 31st, 2006

Am Sonntagnachmittag habe ich eine neue Badeerfahrung in Berlin gemacht: Ich habe in Berlins größtem See, dem Müggelsee gebadet. Das Nordufer ist ganz lauschig, aber der See ist sehr weit sehr flach, wie man sogar auf den Satellitenfotos bei Google Earth sehen kann. Anschließend habe ich noch zwei Filme für einen sonntäglichen Videoabend besorgt, nämlich Baader und Nosferatu – Phantom der Nacht. Der Film über Andreas Baader ist ziemlich schwach. Das Drehbuch, das sich dokumentarisch gibt, aber ziemlich fiktiv ist, reduziert die Geschichte auf ein Räuber und Gendarm-Spiel mit unplausiblen Wendungen. Die Schnitte sind abrupt und unmotiviert. Oft sind die Personen nicht richtig im Bild und die Kamera wackelt. Diesen Film sollte man sich besser gar nicht erst ansehen und auf die Verfilmung von Stefan Austs Buch Der Baader-Meinhof-Komplex warten.

Dann schlug einer der anwesenden Videasten vor, als zweiten Film Brick, einen neuen US-Film zu sehen (imdb-Eintrag, Website). Der Film lohnte tatsächlich: Das Drehbuch gehört eigentlich zu einem Film noir, wie übrigens auch die hervorragende Filmmusik, der Geschichte ist allerdings ins High School-Milieu in Kalifornien versetzt worden, wodurch ein interessanter Verfremdungseffekt eintritt. Das ist besonders bemerkenswert, wenn die harten Kerle ihre Drinks (in Form von Saft und Milch) bei Muttern trinken. Großes Kino – auch wenn der Geschichte manchmal etwas Plausibilität fehlt. Da in dem Film sehr viel geredet wird und vieles sich nur aus den mündlichen Berichten erschließen lässt, empfiehlt es sich, den Film (auf Englisch) mit Untertiteln zu sehen oder die Handlung bei Moviespoiler mitzulesen.

Ein Sommernachtstraum in Nürnberg

Monday, July 24th, 2006

Obwohl ich eigentlich ein Theaterfan bin, war ich schon länger nicht mehr im Theater. Am gestrigen Sonntag war es dann aber mal wieder so weit, und ich besuchte Shakespeares Ein Sommernachtstraum am Staatstheater Nürnberg. Es hat auch gelohnt, denn das Stück ist sehr unterhaltsam, auch wenn mir nicht alle Punkte der Inszenierung von Cornelia Crombholz gefallen haben. Hier meine Kritikpunkte:

  1. Die Schlammschlacht hätte man sich sparen können. Was sollte das?
  2. Was sollte die Erschießung der Männer am Ende? Kurz vorher gab es eine lesbische Andeutung (vielleicht war auch das Schlamm-Catchen eine solche), aber bitte nicht so platt!
  3. Die plötzliche Thematisierung von Drogen kurz vor Schluss erschien mir etwas aufgesetzt.
  4. Warum muss eine Neuübersetzung in altertümelnder Sprache her (noch dazu eine augenscheinlich schlechte)? Die klassische Shakespeare-Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck hätte viel besser gepasst.
  5. Warum sind die Schauspieler, wenn sie nackt sein sollen, nie richtig nackt? Ist das ein Tribut an die bayerische Sittsamkeit?

Schwamm drüber! Das Stück bleibt trotz aller Versuche (Neuübersetzung, unpassende Inszenierung) sehenswert, zumal die Schauspieler überzeugen. OK, ich gebe zu, dass Constantin Lücke ziemlich genau mein Typ ist, weshalb er mich auf der Bühne leicht für sich einnehmen konnte, und das gilt sicher auch für Sebastian Hölz. In der Pause hörte ich viele positive Bemerkungen über den Puck (alias Marco Steeger). Ich fand ihn nicht überzeugend, was allerdings nicht so sehr an der schauspielerischen Leistung lag, die hervorragend war, sondern an der Art und Weise, wie er inszeniert wurde.

Besonders dankbar sind natürlich die Rollen der Schauspieler des Stücks im Stück Pyramus und Thisbe; besonders glänzte Rolf Kindermann als Thisbe. Insgesamt war es ein schönes Theaterereignis. Ich muss mir einfach öfter für Theaterbesuche Zeit nehmen!

9/11 für Paranoiker

Saturday, July 22nd, 2006

Vor ein paar Tagen habe ich das Doku-Video Loose Change 9/11 gesehen, das Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 zusammenfasst. Er ist recht spannend, obwohl man schon beim Sehen merkt, dass ein paar Verschwörungstheorien wirklich sehr weit hergeholt sind. Ein taz-Artikel entlarvt die meisten Verschwörungstheorien jedenfalls als Mumpitz. Interessant ist der Film dennoch!

Hin und Her in Franken

Saturday, July 22nd, 2006

Heute war ich beim Wikipedia-Stammtisch im Lederer-Biergarten. Erst war es etwas schwierig, die richtige Gruppe zu finden, aber schließlich erkannte mich doch jemand. Der Nürnberger Stammtisch ist neu und eine nette Runde. Es kamen leute aus ganz Bayern. Leider konnte ich nicht lange bleiben, da ich um 19 Uhr Zeugnisse verleihen musste (verleihen íst eigentlich das falsche Wort, da die Zeugnisse ja nicht zurückgegeben werden müssen). :-) Nach der Verleihung habe ich noch etwas mit verschiedenen Anwesenden geplaudert, unter anderem mit dem Bamblogger. Ansonsten war es eine ziemlich langweilige Veranstaltung. Dann bin ich durch den Regen gleich wieder zum Bahnhof, wo mein Computer im Schließfach 23 auf mich wartete, um mit dem ICE wieder nach Mittelfranken zu fahren, diesmal zum Erlanger bits’n'bugs. Schon komisch, wenn man viermal die gleiche Zugstrecke fährt. Dabei habe ich festgestellt, dass der RegionalExpress besser klimatisiert ist als der ICE.

Welcome to the Berlin lesbian & gay street party

Monday, July 17th, 2006

Welcome to the Berlin lesbian & gay street party

The Berlin Gay pride week always starts with a two-day street party (ìStadtfestî in German) in and around Nollendorfplatz (the English version of the Wikipedia article is rather short) and Motzstrafle. This street party must not be confused with the big Gay pride parade which takes place on the following Saturday.

Since I won’t have time to go to the parade this year, I wanted to be at the Stadtfest at least. Actually, it can be much more interesting, because various gay and lesbian groups present themselves with information desks at the Stadtfest. Moreover, there are five stages with shows, DJs etc. So there is a lot to see and it is quite easy to get in touch with people at the different information desks.

My main interest though is to meet people I know but haven’t seen for a while. The Stadtfest is an ideal place to meet old friends. It worked out quite well although unfortunately there are people who I was sure to meet and who weren’t there this year. They don’t have a good excuse, because the weather was fine. Perhaps, the Love Parade which took place on Saturday was a strong competitor…

Jarhead

Sunday, July 16th, 2006

Vor einer Woche (ja, ich weiß, das ist schon etwas her) habe ich Jarhead (imdb-Eintrag) gesehen, einen Anti-Kriegsfilm, der zur Zeit ziemlich weit oben auf den deutschen DVD-Charts ist. Glücklicherweise konnte ich ihn auf Englisch sehen. Der Film basiert auf dem autobiografischen Bericht eines US-amerikanischen Elitesoldaten im Kuwait-Krieg. Ich finde den Film deshalb so gut, weil er sehr unterschiedliche Aspekte von Militarismus und Krieg zeigt: das sinnentleerte Soldatenleben, die Langeweile im Lager, sinnloses Sterben, die Schrecken des Krieges und was die Überlebenden erwartet. Obwohl im Film größtenteils fast gar nichts passiert, schafft es der Regisseur, die Spannung aufrechtzuerhalten. Sehr gut ist die schauspielerische Leistung der Soldaten, insbesondere Jake Gyllenhaal (imdb-Eintrag), den man spätestens seit Brokeback Mountain kennt, spielt sehr überzeugend. Zudem sieht man die meisten der Rekruten auch mal leicht bekleidet, was die Attraktivität des Films noch steigert. :-) Es ist schade, dass dem Film in den USA offensichtlich weniger Erfolg beschieden ist. Eigentlich sollten Anti-Kriegsfilme wieder Konjunktur bekommen.

Die Welt zu Gast in Franken

Thursday, July 6th, 2006

Eigentlich ist in Oberfranken nicht viel los. Im Sommer kann man aber sehr schön die Bierkeller-Kultur nutzen und somit über die sonstigen fehlenden kulturellen Angebote hinwegkommen. Wenn man dann noch bereit ist, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen, kann man so einige schöne Gegenden erkunden. Gestern bin ich zum Beispiel nach Mühlendorf (Stegaurach) geradelt, um dort ein Mühlendorfer Bier zu trinke (Genaueres unter bierkeller.by); heute ging es nach Oberhaid (Oberfranken), wo ich gleich zwei Keller besuchen konnte. Wer gutes Bier mag, ist hier sicher gut aufgehoben!

Gewohnheiten

Monday, July 3rd, 2006

Wenn man in einer Großstadt wie Berlin mit ausgeprägtem ÖPNV an einem bestimmten Tag zur gleichen Zeit – vorzugsweise in den frühen Morgenstunden – immer den gleichen Weg zurücklegt, zum Beispiel um zur Arbeit zu gelangen, begegnen einem jedes Mal dieselben Zeitgenossen. Man kann sogar seine Uhr nach ihnen stellen. So war ich heute drei Minuten früher unterwegs und der rauchende Mann an der Mauer lehnte dort noch nicht, obwohl er sonst immer genau an der Stelle eine Zigarette raucht. Möglicherweise ist er auch seinem Laster erlegen, denn Rauchen soll gefährlich sein; der Riese, der mir am Ende der Bülowstraße entgegen kommt, stand heute noch auf der anderen Seite der Yorckstraße. Da es sich wirklich um einen außerordentlich großen Menschen handelt, habe ich bei dieser Begegnung immer das Gefühl eines Déjà-vu; dann folgt der Zeitungsmann und die Bäckerei… ich kaufe eine belegte und eine unbelegte Schrippe, und schon bin ich an der S-Bahn Berlin, wo ich mit den gleichen Leuten wie das letzte Mal zum Bahnhof Berlin-Südkreuz fahre. Im Zug sitzt mir jetzt der gleiche Mann gegenüber, der dort auch neulich schon saß. Gut, dass ich nur an einem Tag in der Woche (und das auch nicht jedes Mal) eine solche Routine absolviere. Sie hat zwar etwas Heimeliges, aber wenn täglich das Murmeltier grüßt, hat das auch etwas Erschreckendes: Man hat das Gefühl, in der Matrix gefangen zu sein.

Berliner Sonntag, schräge Filme

Monday, July 3rd, 2006

Ich liebe sommerliche Sonntage in Berlin: Nach ausgiebigem Ausschlafen schwinge ich mich dann gern auf mein Fahrrad und fahre zu einem Freund, um gemeinsam zu brunchen. Das Besondere an Berlin ist ja, dass man sich hier zum Frühstück verabredet. Kurt Tucholsky war ja der Meinung, das liege daran, dass der Berliner sonst keine Zeit habe. In Wahrheit handelt es sich allerdings eher um ein „Spätstück“, denn angesichts des späten Nachtlebens hat der Berliner zum frühstücken jedenfalls keine Zeit.

Heute war ich bei einem Fotokünstler zu Gast, mit dem man sich sehr gut über Kunst, Literatur und Film unterhalten kann. Das ist immer sehr kurzweilig! Außerdem leiht er mir immer ein paar Filme aus seiner üppig bestückten DVD-Sammlung aus. Einen davon konnte ich gleich in den Video-Abend einbringen, der für mich häufig den krönender Abschluss eines erholsamen Sonntags darstellt.

Gestern gab es dort gleich zwei schräge Filme, wobei ich schräg hier durchaus auch im Sinne von queer verstehe: Zunächst wurde Naked Lunch (imdb) gezeigt: ein wirklich seltsamer und oft unappetitlicher Film (David Cronenberg eben!); ich sollte unbedingt die Romanvorlage auf meine Leseliste setzen. Auf David Cronenbergs Website gibt es eine interessante Filmkritik aus Gay Times, in der Cronenberg ein unangemessener Umgang mit der Schwulenthematik des Romans vorgeworfen wird. Ich halte diese Kritik für unberechtigt: der Kritiker hat die an der kritisierten Stelle vorhandene Metapher mit der Europäischen Gottesanbeterin offenbar nicht verstanden oder nur das gesehen, was er sehen wollte.

Praktischerweise gab es im Anschluss an diesen Film dann die von mir eingebrachte leichtere Kost, nämlich: The Producers von Mel Brooks (und zwar die ältere Fassung): ein angenehmer Filmspaß mit vordergründigem und hintergründigem Humor (so dürfte die Person des Regisseurs auf Ed Wood anspielen, was natürlich nur Eingeweihte merken). Mit all seinen Anspielung ist der Film (vielleicht eher unfreiwillig) eine Generalabrechnung mit dem 20. Jahrhundert – insbesondere was Kultur und den Kulturbetrieb betrifft. Sehenswert schräg!

The Fog of War

Sunday, July 2nd, 2006

So ganz nebenbei und zufällig sah ich heute den Dokumentarfilm The Fog of War (imdb, website) über Robert McNamara, den ehemaligen US-Verteidigungsminister. Leider war ich sehr unkonzentriert, aber der Film ist durchaus sehenswert, insbesondere durch die künstlerische Mischung von Bildern, Filmmusik und Interview. Wenn man die Kombination aus Bild und Ton sieht, ist das Bild des Politikers nicht immer positiv – allerdings ist der Film nicht sehr kritisch, jedoch lehrreich und auf jeden Fall handwerklich gut gemacht (bis auf die eingeschnittenen Interviewfragen).