Ein Sommernachtstraum in Nürnberg

Obwohl ich eigentlich ein Theaterfan bin, war ich schon länger nicht mehr im Theater. Am gestrigen Sonntag war es dann aber mal wieder so weit, und ich besuchte Shakespeares Ein Sommernachtstraum am Staatstheater Nürnberg. Es hat auch gelohnt, denn das Stück ist sehr unterhaltsam, auch wenn mir nicht alle Punkte der Inszenierung von Cornelia Crombholz gefallen haben. Hier meine Kritikpunkte:

  1. Die Schlammschlacht hätte man sich sparen können. Was sollte das?
  2. Was sollte die Erschießung der Männer am Ende? Kurz vorher gab es eine lesbische Andeutung (vielleicht war auch das Schlamm-Catchen eine solche), aber bitte nicht so platt!
  3. Die plötzliche Thematisierung von Drogen kurz vor Schluss erschien mir etwas aufgesetzt.
  4. Warum muss eine Neuübersetzung in altertümelnder Sprache her (noch dazu eine augenscheinlich schlechte)? Die klassische Shakespeare-Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck hätte viel besser gepasst.
  5. Warum sind die Schauspieler, wenn sie nackt sein sollen, nie richtig nackt? Ist das ein Tribut an die bayerische Sittsamkeit?

Schwamm drüber! Das Stück bleibt trotz aller Versuche (Neuübersetzung, unpassende Inszenierung) sehenswert, zumal die Schauspieler überzeugen. OK, ich gebe zu, dass Constantin Lücke ziemlich genau mein Typ ist, weshalb er mich auf der Bühne leicht für sich einnehmen konnte, und das gilt sicher auch für Sebastian Hölz. In der Pause hörte ich viele positive Bemerkungen über den Puck (alias Marco Steeger). Ich fand ihn nicht überzeugend, was allerdings nicht so sehr an der schauspielerischen Leistung lag, die hervorragend war, sondern an der Art und Weise, wie er inszeniert wurde.

Besonders dankbar sind natürlich die Rollen der Schauspieler des Stücks im Stück Pyramus und Thisbe; besonders glänzte Rolf Kindermann als Thisbe. Insgesamt war es ein schönes Theaterereignis. Ich muss mir einfach öfter für Theaterbesuche Zeit nehmen!

2 Responses to “Ein Sommernachtstraum in Nürnberg”

  1. Pylon says:

    Die Welt ist so verdammt klein… Constantin wohnte für 12 Jahre zwei Häuser neben mir. Jetzt sieht man sich nur noch an Weihnachten in der Kirche, wenn alle ausgeflogenen Kinder der Straße bei den Eltern zu Gast sind. Als letztes hatte ich auch nur erfahren, dass er das, was er er schon immer gut konnte, halt das Schauspielern, beruflich umsetzt.

    Danke für den Link auf seine Webseite :-)

  2. maha says:

    Wenn man jetzt noch bedenkt, dass der Vorschlag, in das Stück zu gehen, aus den Reihen des Erlanger CCCs kam, schließt sich der Kreis zu dir sozusagen (oder das Fünfeck). :-) Ich gebe auch zu, dass der Rhein-Ruhr-Akzent von Constantin Lücke sich positiv auf meinen Eindruck auswirkte.

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