Archive for September, 2006

Was tun, wenn’s brennt? & The Man Who Wasn’t There

Tuesday, September 26th, 2006

Am Sonntag hatte ich mal wieder Filme für einen Video-Abend besorgt: zunächst gab es Was tun, wenn's brennt, eine deutsche Filmkomödie, deren Schauspieler (bis auf Til Schweiger) sich sogar durch eine auffällig gute Leistung auszeichnen – besonder Nadja Uhl. Der Film ist unterhaltsam, ansonsten aber relativ bedeutungslos. Der Wandel der Hausbesetzer in angepasste Spießer ist ja an sich nichts Besonderes. Und ansonsten beschränkt sich die Botschaft dieses Films darauf, dass es gut ist, sich (und anderen) treu zu bleiben. Aber das kann ja ruhig ab und zu mal gesagt werden.

Der zweite Film war der in der vorigen Woche verpasste The Man Who Wasn't There. Dieser Film der Coen-Brüder ist (natürlich) keinem Genre zuzuordnen. Es ist so eine Mischung aus Existenzialismus, Film Noir, Science Fiction, Thriller und anderem; so sieht es auch der IMDB-Eintrag. Der rote Faden mit dem UFO ist sehr nett! Sehenswert – auch wenn ich mehr erwartet hätte.

Vernissagen

Tuesday, September 26th, 2006

Am Samstag war ich zur Vernissage des 11. Gay Photo Awards in der auch sonst empfehlenswerten Weddinger Galerie Laine-Art; ich hatte die Moderation dieses Abends übernommen und schlug mich wacker. Wie immer gab es interessante Fotos zu sehen und das Abendprogramm war ganz schön: Es gab eine kurze Schlangenbeschwörung, die mich persönlich jetzt nicht besonders beeindruckt hat, und den Nachwuchssänger Daniel Soltwedel, der nicht nur hübsch aussieht, sondern auch singen kann. Die Texte seiner Pop-Balladen habe ich allerdings nicht so gut verstanden, weil die Gitarre etwas zu laut war. Danach waren wir dann noch im Schraders.

Anschließend schlug Rolf vor, noch eine weitere Vernissage zu besuchen, nämlich zu einer Ausstellung über einen frühen Fotografen namens Otto Ehrhardt im Kunstoffice. Auf dem Weg sah ich noch eine weitere Galerie, in der an diesem Samstag eine Vernissage stattfand (allerdings nicht mit Fotos). Das ist das Schöne an Berlin: Man kann (sogar spontan) an einem Samstag gleich mehrere Vernissagen besuchen. Das soll erst mal eine andere deutsche Stadt nachmachen!

Insider

Wednesday, September 20th, 2006

Nachdem am vorigen Sonntag der Film Inside Man auf dem Programm stand, folgte diesmal The Insider (besser auf Englisch: The Insider), ein ganz anderer Film über eine andere Art von Insider: Russell Crowe spielt einen Insider eines Tabakkonzerns, der in einem Nachrichtenmagazin (60 Minutes) Auskunft über die Praktiken der Tabakindustrie machen soll. Das ist ziemlich spannend und beruht noch dazu auf einer wahren Begebenheit. Ich kann den Film sehr empfehlen, vor allem wegen der guten schauspielerischen Leistung von Al Pacino und weil es um Demokratie und Meinungsfreiheit geht.

Den zweiten Film des Abends The Man Who Wasn't There hätte ich ja auch gern gesehen, denn ich mag das Genre des Film noir, besonders wenn es ein Nouveau Film Noir ist, aber ich war einfach zu müde nach der WOS, dem ganztägigen Wikipedia-Forschungssymposium und einem Date. Da passte eine lange Filmnacht nicht mehr ins Programm. Vielleicht ergibt sich ja noch einmal die Gelegenheit, diesen Film zu sehen.

Wikipedia-Forschungssymposium

Wednesday, September 20th, 2006

Am Sonntag fand das Wikipedia:Forschungssymposium statt, das ich in den vergangenen Wochen intensiv vorbereitet hatte. Die Mühe hat sich gelohnt, zumindest aus meiner Sicht, denn ich fand alle vorgestellten Forschungsprojekte ungemein spannend, und es war wichtig, dass sich die Wikipedisten auch mal kennen gelernt haben. Das allein ist schon ein wichtiger Faktor! Ansonsten gibt es bestimmt ein paar Anknüpfungspunkte für die weitere Zusammenarbeit, die einerseits informell genutzt werden können, andererseits eine Basis für weitere konzertierte Aktionen bilden werden. Demnächst muss ich dann mal über weitere Schritte nachdenken und mich mit den Kollegen austauschen. Da lässt sich einiges machen!

Mit Rüdiger Weis plane ich zudem einen Vortrag auf dem 23. Chaos Communication Congress, für den wir das begonnene Thema über das Zitieren aus der Wikipedia weiter ausbauen werden. Das wird bestimmt interessant! Ich bin gespannt! Mal abgesehen vom Wert der Forschung für die Wissenschaft ist es wohl auch immens wichtig, dass wir gut aufgestellt sind, bevor die „Barbaren über die Wikipedia herfallen“ (um eine Formulierung des Kollegen Weis zu verwenden; gemeint sind die Fundamentalisten und andere, die Wissen verdunkeln wollen).

Wizards of OS

Saturday, September 16th, 2006

Gestern war ich den ganzen Tag auf der Wizards of OS, einer Berliner Open Source-Tagung, die diesmal unter dem Motto stand: Information Freedom Rules. Bei so einem Motto durfte die Wikipedia nicht fehlen. So kam es, dass ich an einer Podiumsdiskussion über Quality Management in Open Content Projects teilnahm, um über das Qualitätsmanagement in der Wikipedia zu referieren. Die besondere Herausforderung war, gegen Larry Sanger anzutreten, der allerdings eine eher schwache Vorstellung seines neuen Projekts abgab. Ich denke, er konnte das Publikum nicht wirklich von seiner Idee der Notwendigkeit eines neuen Ablegers (Fork) der Wikipedia überzeugen. Meine eigene Vortragsleistung kann ich nur sehr schwer einschätzen. Ein Blogeintrag auf dem Sun Babelfish Blog zeigt jedoch, dass die Botschaft ankam. Und auch heise.de schließt sich der Skepsis aus Deutschland an, etwas weniger kritisch, aber kritisch genug ist auch focus.de.

Nach dem Vortrag wurde ich von Journalisten nur so umlagert. Ich hoffe mal, dass dabei etwas Gutes herausgekommen ist, denn vor Gericht, auf hoher See und bei Journalisten ist das eigene Schicksal ja bekanntlich kaum kalkulierbar. Auch sonst habe ich ein paar nette Leute getroffen und kennen gelernt. Das ist wohl auch der Hauptnutzen einer solchen Veranstaltung.

Das Parfüm

Friday, September 15th, 2006

Gestern kam ich in den Genuss der Premiere des neuen Kinofilms Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, die sich leider nur zum Teil erfüllt haben. Dustin Hoffman war hervorragend, leider hatte er eine zu kleine Rolle. Der Protagonist, gespielt von Ben Whishaw, ist insgesamt relativ verwandlungsfähig, obwohl die Mimik in Nahaufnahme (eine Spezialität des Regisseurs Tom Tykwer) eher eintönig war. Zudem ist der Hauptdarsteller vielleicht eine Spur zu hübsch für einen Bösewicht. Warum zwei seiner Opfer so auffallend rothaarig sind, erschließt sich auch nicht.

Olfaktorische Wahrnehmung wird sehr anschaulich in visuell Wahrnehmbares umgesetzt. Das ist sicher der Hauptverdienst des Films, ansonsten ist gerade die Regie nicht sehr aufregend. Seltsam ist zum Beispiel, dass am Ende ein Tropfen des Parfüms sozusagen unbemerkt übrig bleibt, was eigentlich undenkbar ist, wenn man an die Wirkung von Spuren des Parfüms denkt.

Ich kann den Film durchaus empfehlen, denn er gehört zweifelsohne zu den besseren deutschen filmen der letzten Zeit, wobei ich weder den Film Der Untergang noch Sophie Scholl – Die letzten Tage gesehen habe. Das werde ich noch mal nachholen. Es ist aber ein Film, den ich nicht mehrmals sehen muss.

Fremder und Insider

Monday, September 11th, 2006

Kaum zurück von meinen Reisen leistet ich mir mal wieder einen Videoabend bei den Berliner Nerds. Als ersten Film gab es einen Klassiker, nämlich Der Fremde im Zug von Alfred Hitchcock in der etwas längeren Preview-Fassung (natürlich auf Englisch). Ein spannender Film, selbst wenn man ihn schon kennt. Besonders schön ist das spannende Tennismatch. Das ist so gut gefilmt, dass man auch als Nicht-Tennis-Experte mitgerissen wird. Ich denke, der Film ist nicht umsonst unter den Top 100. Sehr sehenswert!

Nach so einem Film schien mir eine Steigerung gar nicht mehr möglich. Sie kam dann aber doch, auch wenn der folgende Film künstlerisch nicht an Hitchcock heranreichte, aber doch erstklassig unterhaltend war: Inside Man, ein Leckerbissen für Thriller-Liebhaber. Man sollte allerdings vorher nichts über die Story wissen, denn das Überraschende sind die vielen unvorhersehbaren Wendungen im Film. Das ist schon sehr geschickt angelegt. Schön ist auch die Flashforward-Erzähltechnik. Ich liebe ja nicht-linear erzählte Filme!

Portugiesen

Wednesday, September 6th, 2006

Auch heute geht wieder ein anstrengender Tag zu Ende. Das warme Wetter und die Tagung, bei der ich ständig zwischen zwei bis drei Fremdsprachen hin- und herwechseln muss, sorgen dafür, dass ich abends immer ziemlich müde bin. Hinzu kommt die Zeitverschiebung. Daher muss ich mich heute mal kurz fassen, obwohl es wieder viel Berichtenswertes gibt. Ich bin ja kein Freund von Stereotypen, aber ich möchte doch mal ein paar Beobachtungen über „die Portugiesen“ loswerden: Insgesamt sind die Leute, mit denen ich hier bisher zu tun hatte, alle sehr freundlich und hilfsbereit und haben sehr viel Ruhe und Geduld. Selbst als ich in der Rushhour mit der Metro do Porto gefahren bin, wurde da nicht gedrängelt und niemand schien sich besonders zu beeilen. Daher entstand bei mir der Eindruck, dass ich mich gar nicht in einer Großstadt befände. In Portugal sterben bestimmt nicht viele Menschen an Herzinfarkt. Eine gewisse Gelassenheit oder Ataraxie ist bei der Hitze hier auch ganz angemessen. Dementsprechend kleiden sich die Leute auch sehr leger. Ich habe selten so viele Männer mit kurzen (in der Regel dreiviertellangen) Hosen gesehen wie hier. Dabei fiel mir auf, dass die meisten portugiesischen Männer sehr stark behaarte Beine habe, meist schon in jungen Jahren. Behaarte Männerbeine sind ja eigentlich nichts Besonderes, aber wenn die Haare schon Locken bilden, fällt die Behaarung sehr auf.

Im Supermarkt sieht man oft Waren, die auch griechisch beschriftet sind, was mich wundert, denn Griechenland ist ja weit weg. Ansonsten kaufen die Leute hier wohl vor allem in kleinen Geschäften. Morgens reinigen deren Inhaber den Gehweg vor ihrem Laden. Überhaupt ist man hier sehr reinlich. Man sieht wenige Raucher, und meistens sind sie älter oder Frauen. In Kneipen und Restaurants scheint grundsätzlich Rauchverbot zu herrschen, denn wenn man mal jemanden rauchen sieht, dann bestenfalls auf der Straße. Das Essen ist sehr preisgünstig und immer sehr lecker, aber auch sehr nahrhaft, denn es werden Unmengen von Olivenöl verwendet. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum eine gewisse Neigung zum Bauchansatz zu beobachten ist.

Portugal – erste Eindrücke

Tuesday, September 5th, 2006

Seit gestern bin ich in Portugal, und zwar in Braga, um an einer Tagung teilzunehmen. Es ist mein erster Besuch in Portugal. Daher will ich meine ersten Eindrücke mal zusammenfassen: Ich war doch sehr überrascht, als ich in Porto gelandet bin, denn der hochmoderne Flughafen, die hypermoderne Metro do Porto und der blitzblanke und geräumige Pendlerzug der Caminhos de Ferro Portugueses mochten sich gar nicht mit meinen Vorstellungen decken. Das Land ist wirklich enorm modernisiert worden. Ich merke, dass wir in Deutschland da etwas nachhinken. Kein Wunder, dass wir so hohe Arbeitslosenzahlen haben. In Portugal sieht das sicher besser aus. Dort stehen auch im Flughafen überall uniformierte Helfer bereit, die einem an den Fahrkartenautomaten helfen und einem erklären, wie man zurecht kommt und dabei gern ihre Englischkenntnisse zur Schau stellen, die allerdings nicht immer überragend sind. Es wird einem aber selten Gelegenheit gegeben, sein Portugiesisch zu erproben – jedenfalls in den genannten Situationen.

Womit wir beim Thema Sprache wären. Portugiesisch ist eigentlich nicht besonders schwer, wenn man schon ein paar romanische Sprachen beherrscht. Jedenfalls lese ich alles ziemlich problemlos und kann auch meine Wünsche zum Beispiel beim Einkaufen artikulieren. Schwer fällt es mir allerdings, die Leute zu verstehen. Die Phonologie ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Die Regeln sind mir zwar klar, aber schließlich klingt alles für mich immer noch sehr unverständlich. Brasilianisches Portugiesisch verstehe ich deutlich besser, und heute habe ich zwei Vorträge auf Galizisch gehört, das praktisch identisch mit dem Portugiesischen ist, nur anders ausgesprochen wird, und ich konnte beide Vorträge völlig problemlos verstehen. Als dann aber beim letzten Vortrag Fragen auf Portugiesisch gestellt wurden, war ich mit „meinem Latein“ mal wieder am Ende – zumindest was die Fragen anging. Ich denke, ich muss mich einfach noch ein bisschen einhören, dann geht es sicher besser.

Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling

Monday, September 4th, 2006

Am Sonntag hatte ich für den traditionellen Nerd-Videoabend, den Film Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling (Website) ausgewählt, denn zwei Leute wollten einen Martial-Arts-Film sehen, und da hielt ich diesen Film für eine gute Alternative auf halbem Weg. Ich kannte den Film noch nicht, hatte aber viel Gutes gehört und gelesen, und auch die Bewertung des Films in der IMDB konnte überzeugen. Der Film ist auch unbedingt sehenswert. Besonders die Landschaftsaufnahmen und die Musik fand ich sehr eindrucksvoll. Auch ein paar buddhistische Lehren sollten einem unter die Weste gejubelt werden. Ob das dem Film allerdings wirklich gelingt, ist fraglich. Ich denke, das kann erst funktionieren, wenn man den Film ernst nimmt und vielleicht etwas darüber diskutiert. Leider ergab sich diesmal aber kein wirklich gutes Gespräch. Ich selbst war auch nicht dazu aufgelegt, weil ich nicht zu spät zuhause sein wollte.