Wahlcomputer

Sie werden Wahlgeräte oder Wahlmaschinen genannt, wahrscheinlich um zu verschleiern, dass es sich eigentlich um Wahlcomputer handelt, die nicht nur zählen, sondern auch Schach spielen können und manipulierbar sind. Es ist darüber ja schon viel berichtet worden, daher kann ich mich kurz fassen: Wahlcomputer sind der Sargnagel der Demokratie, denn:

  1. sie sind manipulierbar (Video);
  2. die Stimmabgabe ist „beobachtbar“ (Van-Eck-Phreaking), also nicht geheim;
  3. eine Überprüfung des Wahlergebnisses ist unmöglich, da es keine Nachzählmöglichkeit gibt.

Das sind eigentlich genug Gründe, um gegen Wahlcomputer zu sein, besonders angesichts der Erfahrungen aus den Niederlanden, aus Cottbus oder aus Dachau. Zum Glück gibt es eine Petition gegen Wahlmaschinen, die es online zu unterzeichnen lohnt (keine Angst, dass der Bundestag auf einer britischen Website firmiert, ist korrekt!). Was man sonst noch so tun kann, verrät der CCC.

Ich möchte hier allerdings nicht technikfeindlich sein. Selbstverständlich haben Wahlcomputer einen Vorteil, nämlich das Auszählen der Stimmen zu automatisieren. Aber das Ergebnis muss überprüfbar, also nachzählbar sein. Dazu ist es bei der Verwendung von Computern absolut notwendig, dass eine Quittung auf Papier ausgedruckt wird, die der Wähler überprüft und in eine Urne wirft. Das Ergebnis kann dann unmittelbar nach Schließung der Wahllokale ermittelt werden und ist jederzeit nachher noch einmal auszählbar, zum Beispiel wenn ein Manipulationsverdacht besteht oder stichprobenartig oder wann immer das jemand will. Das Phreaking muss dann auch noch verhindert werden. Solange man sich aber auf Computer verlassen muss, also eine Wahlprüfung materiell nicht möglich ist, dürfen keine Wahlcomputer zum Einsatz kommen.

6 Responses to “Wahlcomputer”

  1. jojoo says:

    Hallo Maha

    ich bin in dem Bezug absolut Technikfeindlich:

    Das Auszählen der Stimmen dauert so ca. 2h.

    Erstens find’ ich den Wahlabend trotz Wartezeit Spannend. War es nicht toll, als sich Stoiber schon als Kanzler gesehen hat? Das Langsame eintrudeln der Stimmen et cetrea gehört zum “Wir geben die Verantwortung an den Volksvertreter ab”-Ritual

    Dann ist da der Finanzielle Aspekt: Wahlcomputer sind scheiße Teuer, siehe Fefe. Lieber die kohle in mehr Wahlhelfer stecken, das Geld kommt dann auch dem lokalen Einzelhandel zu gute und keiner komischen Firma. So viel Kohle für 2 Stunden warten rauszuschmeissen find ich zu krass.

    Diese “Printouts” könnten zwar Abzählbarkeit erreichen, aber haben auch nachteile: 1) Overhead. 2) man könnte die stimmzettel immer etwas anders ausdrucken, z.B. den Rand immer einen mm weiter machen, filmen in welcher reihenfolge Menschen in die Kabine gehen, dann wüsste man beim auszählen, wer was gewählt hat.. 3. wer kontrolliert den printout? wann wird er kontrolliert? 4) an so sachen wie verblassende tinte auf den zetteln denk ich jetzt garnicht, das überlass ich der tinfoil-hat fraktion.

    -jojoo

  2. maha says:

    Hallo jojoo! Du hast völlig Recht. Ich mag das Rituelle der Stimmauszählung auch und finde Wahlmaschinen zu teuer. Das Szenario mit markierten Printouts ist auch mit dem traditionellen Verfahren denkbar. Richtig ist allerdings, dass der Einsatz von Technik das Risiko der effizienten Wahlfälschung vergrößert. Also: Wählen ohne Computer ist auf jeden Fall besser!

  3. jojoo says:

    ich geb dir völlig recht. eine anmerkung noch:

    (warum mir das mit den markierten wahlzetteln vorher entgangen war)

    das markieren von Stimmzetteln bei der konventionellen Wahl setzt meistens die hilfe aller Wahlhelfer voraus. (Diese müssen die Wahlzettel total regelmaqessig ausgeben, dürfen sie nicht vorfalten, etc pp.)

    Bei Wahlcomputern kann jmnd die Computer vorher präparieren und die Wahlhelfer müssen nicht “helfen”; es muss nur dieser “jmnd” nacher die stimmzelltel durchgucken.

  4. FloSch says:

    Bei sowas bin ich auch recht traditionell eingestellt. Das auszählen ist vergleichsweise schnell erledigt, es kommt auch nicht andauernd vor, dass gewählt wird. Wenn dann im Schnitt einmal im Jahr an einem Abend ein Dutzend Leute pro Wahlbezirk beschäftigt sind, ist das von der Manpower her auch leicht zu bewerkstelligen. Die selben Leute müssten vermutlich ohnehin da sein, auch wenn Computer die Sache erleichtern.

    Ob Wahlfälschungen ohne Computer so viel schwerer sind, will ich nicht bewerten. Funktionieren tut’s da nämlich auch, ist allerdings z.B. bei Bundestagswahlen angesichts der riesigen Menge an Wahlbezirken unmöglich. Bei kleineren Wahlen auf Gemeindeebene wird ohnehin viel gemauschelt …

  5. Chris says:

    Moin, ich bin zwar auch kein Freund von Wahlmaschinen, und war auch mal begeistert Wahlvorstand bei der Bundestagswahl von 1998, aber bzgl. der Situation hier in Amerika möchte ich doch anmerken, daß aufgrund der Eigenheiten des amerik. Systems, möglichst viele Wahlen zu kombinieren (was ja grundsätzlich demokratiefreundlich ist), es nicht mit 2 h getan wäre. Ich weiß nicht, was für Alternativen es gäbe, möchte nur damit den amerik. Hang zu Wahlcomputern erklären. Vgl. auch usaerklaert.wordpress.com, ein sehr informatives Blog. Nachfolgend eine Email, die ich als Reaktion auf einen Beitrag bei comp.risks geschrieben habe:

    not that I really want to defend electronic voting in the US, but as a European living in the US I can tell you that one of the big differences between Europe and the US is that Americans vote for much more many things than Europeans do on election day. Usually it is all coordinated so they all fall on the same day.

    So you have:

    • presidential elections
    • elections to the House
    • elections to the Senate
    • elections to the State House and State Senate
    • elections to the City Council
    • elections for mayor, police chief
    • elections for state judges, sometimes even state supreme court judges, district attorneys, sherriffs, and even judges of the peace
    • elections to the school board
    • state referenda and even city referenda
    • some states have also other bodies such as railroad commissions, agricultural boards etc.

    so if you have the same-sized precinct with 1000 voters, you will have to count a lot more. Now of course, not all of the above will be every year, but many things are every two or four years and thus coincide. Granted, what was going on right now was primarily state primaries which might be less work, but many states have laws that establish election days to the effect that certain elections and referenda can only be held on these dates, even if they are special elections or by-elections.

  6. Tim Pritlove says:

    Eine iPod-kompatible und leichter abspielbare Version des Videos wurde auf Chaos TV gepostet.

    http://chaosradio.ccc.de/ctv062.html

    Auch schön: http://chaosradio.ccc.de/ctv063.html

    Und “Der Wahlschrank”: http://chaosradio.ccc.de/ctv064.html

Leave a Reply