Archive for December, 2006

Menschenfeind statt schöner Helena

Sunday, December 24th, 2006

Kurz vor Weihnachten gehe ich traditionellerweise mit meiner Mutter ins Dortmunder Theater. Diesmal wollten wir Die schöne Helena von Jacques Offenbach sehen. Die Dortmunder Neuinszenierung war in der Presse schlecht weggekommen (überregional etwas besser), und als meine Mutter die Karten vor einer Woche gekauft hatte, waren wohl auch erst etwa 200 Karten für unsere Vorstellung verkauft (von über 1000!). Als wir dann zum Opernhaus kamen, mussten wir feststellen, dass die Vorstellung (angeblich aus Krankheitsgründen) abgesagt war. Stattdessen haben wir dann den Menschenfeind von Molière gesehen.

Ich fand die Inszenierung einigermaßen gelungen: vor allem die Modernisierung und das Spieltempo waren geglückt. Die Schauspielerinnen wirkten weniger brillant als die Männer, aber das mag am Stück liegen. So richtig zeitgemäß ist es ja nicht mehr! Wenn man übrigens eine aktualisierte Neuübersetzung auf die Bühne bringt, sollte man vom unzeitgemäßen Siezen zwischen Liebenden oder engen Freunden absehen; das wirkt zumindest auf Deutsch etwas seltsam! Obwohl es schade war, die schöne Helena nicht sehen zu können, war der Menschenfeind unterhaltsam genug.

Hacking Challenge

Thursday, December 21st, 2006

Wo ich gerade viel zu tun habe, freue ich mich auch immer wieder über Abwechslung. So wie gestern im Erlanger Chaos Computer Club. Dort befassten wir uns mit Hacking Challenges, also mit kleinen Aufgaben aus dem Bereichs des Hackens (im weitesten Sinn).

Einige hatten schon seit einiger Zeit bei Pull The Plug mitgemacht. Dort gibt es aber zur Zeit Serverprobleme. Daher haben wir uns zunächst mit balthasar.intruded.net auseinander gesetzt und sind nicht zuletzt auch dank linguistischer Intuition schnell ein paar „Level“ vorgerückt. Ich gebe allerdings zu, dass ich dabei sehr von den C-Kenntnissen der anderen profitiert habe. Ich bin eben kein H4x0r

Leider mussten wir uns dann bei der Aufgabe mit der DES-Kryptografie vorerst geschlagen geben, denn wir fanden einfach keine vernünftigen Werkzeuge für eine known-plaintext attack. Und den Schlüssel mit Bleistift und Papier zu errechnen dürfte zu schwierig sein.

Also wandten wir uns einer weiteren Herausforderung zu: nämlich try2hack.nl. Man musste viel um die Ecke denken, aber wir kamen mit vereinten Kräften bald zum Level 5, wo wir aber aussteigen mussten, weil es dann eine Aufgabe mit Visual Basic gab, und da fast niemand von uns über einen Windows-Rechner verfügt, haben wir das dann sein gelassen. Ich habe dann noch mit novice.intruded.net angefangen, was am Anfang ziemlich leicht ist, aber dann war die Zeit auch schon wieder um. Ich kann mich ja auf dem Chaos Communication Congress weiter drum bemühen, da ich dann ja auch im richtigen Umfeld bin und mal jemanden fragen kann, wenn’s gar nicht weiter geht. Ich bin dann doch manchmal etwas ratlos und sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Auf der Wikipedia-Seite Hacking Challenge gibt’s eine schöne Übersicht über im Web angebotene „Herausforderungen“ dieser Art.

Ich hab dann noch meinen persönlichen „Hacking Challenge“ lösen müssen: Seit neustem kann man bei der Deutschen Bahn Zugverspätungen zwar noch bahnhofsbezogen ermitteln, aber zugbezogen ist das nur noch nach einer Passwortabfrage möglich. Das hat mich ziemlich geärgert, denn mich als passionierten Bahnfahrer interessiert natürlich die Vorhersage einer zugspezifischen Verspätung viel mehr als die aktuelle Bahnhofstafel. Ein Blick auf die eine oder andere URL verrät zum Glück schnell, wie man doch an die gewünschte Information kommt. Das ist zwar jetzt kein großer Hack (eigentlich gar keiner), aber doch sehr nützlich. Man fragt sich dann nur, was die Passwortabfrage soll.

Pakanto

Tuesday, December 19th, 2006

Arnomane hat eine ziemlich gute Idee gehabt. Unter der Adresse pakanto.org hat er ein mehrsprachiges Wiki gestartet für Beschreibungen von Software- oder Programmpaketen. Jeder, der etwas über ein Programmpaket weiß, kann also darüber schreiben, und zwar in der Sprache, in der er will. Für eine solche Initiative gibt es zwei Gründe:

  1. Software-Pakete sind auch auf Englisch meist nur sehr kurz beschrieben. Die Beschreibungen taugen oft nur für Insider. So lautet die Beschreibung von less in etwa: less is the opposite of more oder less is similar to more. Wem das was sagt, der benötigt eh keine Beschreibung mehr.
  2. Es gibt eigentlich nur englische Paketbeschreibungen. Software-Pakete sollten aber auch für Leute nutzbar sein, die nicht über gigantische Kenntnisse in Computerenglisch verfügen.

Die Wikipedia ist auch nicht der richtige Ort für Paketbeschreibungen, denn dort kommen Relevanzkritierien zur Anwendung, die nicht alle Pakete erfüllen, und außerdem gehören in die Wikipedia enzyklopädische Informationen auch zur Geschichte eines Pakets, die nicht in eine Paketbeschreibung passen. Ein Wiki mit freien ausführlicheren und verständlicheren Paketbeschreibungen in verschiedenen Sprachen tut also Not! Der Name pakanto war übrigens mein Vorschlag und kommt aus dem Esperanto, wo es ‚Verpacker‘ oder ‚Paketemacher‘ bedeutet.

Ich denke, Arnomanes Initiative kann funktionieren, da die Ersteller und die Fans von Software-Paketen bestimmt ein Interesse daran haben, solche Beschreibungen zu produzieren und sich nicht mit Formulierungen wie most is more than less :-) zufrieden zu geben.

Blog-Spamming

Sunday, December 17th, 2006

Es reicht! Ich habe die Schnauze gestrichen voll: Seit ein paar Tagen erreichen mein Blog über 200 Spam-Kommentare am Tag, die ich alle durchschauen muss, um nicht einen netten und echten Kommentar zu übersehen. Das ist schon sehr lästig, besonders seit einige Spam-Kommentare ziemlich lang geworden sind. Das eine oder andere Mal hätte ich einen ernst gemeinten Kommentar sogar schon fast übersehen! Das musste anders werden! Wuerfel benutzt ja für sein Blog Serendipity, das von jedem Kommentator verlangt, eine als Grafik dargestellte Folge von Buchstaben oder Zahlen abzutippen. So etwas wollte ich auch, aber ohne die Grafik, denn die erschwert Schwachsichtigen wie mir selbst den Zugang doch ungemein. Zum Glück fand sich dann Did you pass math?, ein einfaches WordPress-Plugin, das demjenigen, der einen Kommentar schreiben will (und das noch nicht gemacht hat), eine einfache Rechenaufgabe stellt (zum Beispiel: 10+1=?). Das dürfte jeden Spam-Bot ausbremsen.

Pavel hat vor einiger Zeit mal über Blog-Spammer im Chaosradio 114 gesagt, es seien niedere Lebensformen. Ich kann ihm da nur beipflichten. Hoffentlich hab ich jetzt Ruhe! Alle, die bisher mein Blog nicht kommentiert haben, bitte ich, das jetzt zu tun, damit ich sehen kann, ob das System funktioniert. Vielen Dank!

Popular Music from Vittula, Donnie Darko

Monday, December 11th, 2006

Last night I watched two very interesting movies: The first one was a Swedish film with the title: Populärmusik frân Vittula. It takes place in the North of Sweden near the Finnish border and is about two boys who grow up there and try to set up a Rock'n'Roll band. The film is very funny, although it is about the horrors of growing up in a remote village.

The second film Donnie Darko is somewhat similar: it has an even more horrible setting: suburbia and a wonderful sound track (albeit of a different style). First of all, I was quite reluctant to watch this film, because the DVD cover reminded me of a horror movie, but I was wrong! Fortunately, hukl talked me into watching the movie and I liked it very much! Jake Gyllenhaal’s acting is superb, and the story is fascinating. It comes as no surprise that the film is among the best 250 films on imdb and has reached cult status even in Germany.

I wasn’t sure whether I liked the ending of the film, but the more I think about it the better it gets, because there is a certain circularity in the whole plot and, as my readers know, I like non-linear plots. The story shares similarities with The Butterfly Effect, because both are about time travel; Donnie Darko, however, leaves more questions unresolved. Fortunately, there is a helpful FAQ on the net, which I recommend after you have watched the film at least twice.

Von dummen, smarten und oberschlauen Karten

Saturday, December 9th, 2006

Am Donnerstag war mal wieder ein Datengarten im Chaos Computer Club Berlin, diesmal der 25. Es ging um Chipkarten. Der Vortrag war – wie vom Referenten Dexter nicht anders zu erwarten – sehr technisch, dabei aber doch gut verständlich und interessant. Anschließend konnte man sich dann selbst eine DeveloperCard zusammenlöten, die im Wesentlichen aus einem Microcontroller bestand (ATmega8), der mit einem offenen Kartenbetriebssystem namens ECOS ausgestattet ist.

Während Magnetstreifen-Karten eher als „dumm“ bezeichnet werden können, sind Chipkarten richtig kleine Computer, weshalb man sie auch “SmartCards” nennt; wenn man die Karte durch einen richtigen Microcontroller ersetzt, wird sie so richtig schlau und man kann sich mit ihr nett unterhalten. Um das tun zu können, musste ich mir allerdings mein Exemplar selbst zusammenlöten, was sich bei den schlechten Lichtverhältnissen und meinem irregulären Astigmatismus als nicht gerade leichte Aufgabe herausstellte. Umso größer war das Erfolgserlebnis, als meine Karte auf Anhieb funktionierte. Das ging natürlich nur dank Dexters ausführlicher Bauanleitung, Beschriftung und tatkräftiger Unterstützung.

Wer jetzt traurig ist, den Datengarten verpasst zu haben, kann sich einen Mitschnitt herunterladen, denn den Datengarten gibt es auch als Chaosradio-Podcast. Und Dexter hat noch eine größere Zahl von Bausätzen! Viel Spaß am Gerät!

Lucky Number Slevin & The Departed

Saturday, December 9th, 2006

Neulich stand mal wieder ein Kinoabend an. Es gab Lucky Number Slevin, einen wirklich sehr empfehlenswerten Thriller in Pulp Fiction-Manier. Man braucht einige Zeit, um dem Rätsel auf die Schliche zu kommen; man sollte es aber vermeiden, sich vorher über die Handlung zu informieren – ein paar schöne Sprüche tun ihr Übriges. Die hochkarätige Besetzung macht den Film auch schauspielerisch zu einem Vergnügen.

Dann habe ich natürlich noch den neusten Film von Martin Scorsese gesehen: The Departed, eigentlich ein Remake von Infernal Affairs, einem wirklich guten Thriller aus Hongkong. Auch der Scorsese-Film ist mit guten Schauspielern besetzt, von denen aber eigentlich nur Matt Damon und Jack Nicholson schauspielerisch glänzten, Leonardo DiCaprio hat man schon in eindrucksvolleren Rollen gesehen (in Gilbert Grape), aber das lag sehr an der besonderen Herausforderung zwischen gutem und bösem Charakter zu wechseln: so richtig böse wirkt er nicht! Allerdings passt er gut zu Matt Damon. Mark Wahlberg wirkte schauspielerisch dagegen eher blass. Die Story ähnelt sehr dem Original, obwohl sie in den Details verändert und leicht aktualisiert wurde. Auf jeden Fall empfehle ich Original und Remake!

Teaching democracy: my contribution

Friday, December 8th, 2006

Aristotle

Today I received a book from the Center of Civic Education. It’s called We the People: Project Citizen Level 2 and is a high school book that teaches civic participation in public policy.

I got the book, because I contributed to it: For the last section I contributed a picture of Aristotle (a 19th-century statue in Freiburg). Here is what the editors wrote to me:

“Thank you very much for allowing us to use your superb photo. It might be gratifying for you to know that this book, and thus your photo, will be in circulation for about 10 years. We plan to print more than a millian copies, most of which will be distributed to high school students around the United States and in about 70 countries around the world. The book will enable readers to influence local public policy and will encourage civic participation.”

Wow… it feels good to be published in over a million copies and to advance civic participation and democracy!

Uccidete la democrazia!

Sunday, December 3rd, 2006

In his blog Tim mentioned the Italian film Uccidete la democrazia! which documents a possible fraud during the last elections in Italy. The film is mixture of a documentary and a movie (in German: Doku-Drama). It starts with Clinton Curtis statement before the U.S. House of Representatives. Later in the film Clinton Curtis is interviewed and shows how election results can be manipulated. The film assumes that during the transmission of the results from the Prefectures to the Ministry of the Interior blank votes were changed into votes for the right-wing coalition House of Freedoms. This could have happened in those four regions where the transmission went through a computer-network system set up by the American firm Accenture. Berlusconi's government had signed a contract with Accenture in order to test the treatment and transmission of election results by a computer network.

The following observations endorse this hypothesis:

  1. The network transmission took very long and was interrupted several times.
  2. During the transmission the difference between the two coalitions diminished continuously (always by 0.5%), which seems to be a very peculiar behavior.
  3. The number of blank votes was significantly low.
  4. The difference between exit polls and the actual results was much higher than usual. The exit polls predicted a large victory for the left-wing coalition The Union.
  5. When the votes were being transmitted to Rome, the minister of the Interior Giuseppe Pisanu (whose son worked with Accenture on the project) left his office at least twice to meet Berlusconi.
  6. Berlusconi explained how votes could be manipulated at an internal party meeting before the elections.
  7. Blank votes are not counted, which facilitates their recycling.
  8. Normally, a thorough report on the elections is published by the Ministry of the Interior. This didn’t happen this time.

The question that remains open is why the right-wing coalition didn’t “win” the elections in the end. There are two possible explanations:

  • Only four regions participated in the automated transmission of voting results. Perhaps, that wasn’t enough.
  • There were less blank votes than expected. And more people voted for the left…
  • Giuseppe Pisanu may have realized at a certain point that it was difficult to save the right-wing government and therefore did not carry through the manipulation to the end. Or he was too scrupulous and didn’t turn the screw far enough. Perhaps, information leaked through, or Pisanu played on his own. Perhaps, he himself was outside the plot. On the other hand, he had changed 14 prefects before the elections. And there could be a link to the arrest of a very prominent Mafia leader in Sicily at the same time. Pisanu must have known about it or may even have ordered or permitted the arrest in the case of Berlusconi’s defeat.

I’m not really sure what to think about the film. At least, it is very well made and interesting. I like the references to the history of Italy a lot. The election fraud seems possible, but of course no irrefutable evidence is presented. Still, the mere possibility of such a scenario is a good argument against electronic voting.

Ubuntu

Friday, December 1st, 2006

Eigentlich habe ich ja im Moment keine Zeit, weil ich ein Buchmanuskript fertig stellen muss, aber gerade in solchen Situationen macht man ja gern auch mal was anderes. So habe ich heute – so ganz nebenbei – Ubuntu auf meinem heimischen Desktop-Computer installiert. Der tat es nach einem missglückten Update von Suse Linux nicht mehr, und ich war heilfroh, dass das mal einen Anlass geben konnte, das System zu wechseln. Und siehe da: Installation und Update liefen so richtig glatt ab und ich war – eh ich mich versah – schon wieder im Netz. Also solch eine einfache Installation kenne ich sonst nur vom Mac! Großes Lob an die Entwickler!

Den größten Vorteil von Ubuntu sehe ich darin, dass man nach der Installation des Basissystems seine Komponenten einfach aus dem Internet hinzulädt, ohne dass man irgendwelche CDs einschieben muss und sich über Dependencies den Kopf zerbricht. Das Advanced Packaging Tool mit dem Synaptic-Frontend kümmert sich um alles, und einfach alle möglichen Programme, die man ab und an braucht, landen einfach und bequem in der neusten Version auf dem Rechner. Alles geht wesentlich ruckelfreier als bei Suse und natürlich Gentoo Linux. Ich mag Gentoo ja sehr, weil man sich dabei so richtig wie der Herr über seinen Computer fühlt, aber es ist doch lästig und behindert die Produktivität einigermaßen. Das ist mit Ubuntu ganz anders.

Wahrscheinlich werde ich auch im Büro früher oder später auf Ubuntu umstellen und mein Abo bei Suse abbestellen. Ich denke, mit Ubuntu auf den Desktops und Mac OS X im Produktivbetrieb auf dem Laptop habe ich schon ein gewisses Optimum erreicht.