Archive for March, 2007

Dreiundzwanzig seltsame Fragen

Saturday, March 17th, 2007

Sadalwantar vom m-blog hat mich aufgefordert, dreiundzwanzig seltsame Fragen zu beantworten, und da ich immer artig tue, was man mir sagt, kommen hier meine Antworten. Ich garantiere für nichts! Die Fragen habe ich orthografisch und grammatisch leicht korrigiert; ich konnte nicht anders, eventuelle Fehler sind ja nicht von Saldalwantar zu verantworten.

1. Greife das Buch, das dir am nächsten ist, schlage Seite 18 auf und zitiere Zeile 4.

“[smell of air] and rain and turf and curduroy. But they were very holy” (James Joyce: A Portrait of the Artist as a Young Man. New York: Viking 1968)

2. Strecke deinen linken Arm so weit wie möglich aus. Was hältst du in der Hand?

…eine Flasche Club-Mate.

3. Was hast du als Letztes im Fernsehen gesehen?

Ich habe keinen Fernseher, habe zuletzt bei einem Freund Desperate Housewives gesehen.

4. Mit Ausnahme des Computers, was kannst du gerade hören?

Radio K (chilliger Hintergrund-Musik-Podcast – empfehlenswert; ich weiß allerdings nicht, ob dieser Podcast podsafe ist)

5. Wann hast du den letzten Schritt nach draußen getan?

Ich komme eigentlich mehr oder weniger gerade von draußen rein.

6. Was hast du gerade getan, bevor du diesen Fragebogen begonnen hast?

…mit Tim Pritlove den Chaosradio-Express-Podcast 43 produziert.

7. Was hast du gerade an?

…ein Alt+F4-Kapuzenshirt, Jeans, Unterwäsche, Socken, Schuhe.

8. Hast du letzte Nacht geträumt?

Ich habe wie so oft in der letzten Nacht von meinem Buchprojekt geträumt, das mich zur Zeit sehr in Anspruch nimmt. Infos folgen…

9. Wann hast du zum letzten Mal gelacht?

Irgendwie war die Podcast-Produktion heute nachmittag sehr lustig. Da haben wir eigentlich ständig gelacht.

10. Was befindet sich an den Wänden des Raumes, in dem du dich gerade befindest?

zufällig (?) das Alt+F4-Transparent – sehr schick: Wandschmuck und Kleidung passen, und Kenner wissen jetzt auch, wo ich gerade sitze. ;-)

11. Hast du kürzlich etwas Sonderbares gesehen?

Ja, ein Bild aus der Diesel-Werbekampagne “global warming ready”.

12. Was hältst du von diesem Quiz?

Quiz?

13. Was war der letzte Film, den du gesehen hast?

Idiocracy – ein intelligenter Film, über den ich noch bloggen muss.

14. Was würdest du kaufen, wenn du plötzlich Multimillionär wärst?

Ich würde das Geld so anlegen, dass ich bequem von den Kapitalerträgen leben könnte. Den Rest würde ich gemeinnützig stiften.

15. Sag mir etwas über dich, das ich noch nicht wusste.

Schwer zu sagen, da ich nicht so genau beurteilen kann, was du über mich weißt. Ich versuch’s mal: ich vertrage keine frischen Austern.

16. Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, was wäre das?

Da fallen mir so viele Dinge ein…

17. Tanzt du gerne?

Ich habe mal an einem schwul-lesbischen Tanzkurs teilgenommen und hatte viel Spaß beim Erlernen der Damenschritte. Ansonsten tendiere ich eher zu einem Nein.

18. George Bush!

…hätte ich nicht gewählt!

19. Stell dir vor, dein erstes Kind wäre ein Mädchen. Wie würdest du es nennen?

Ich glaube, darüber brauche ich mir keine Gedanken zu machen. Spontan fällt mir jetzt Lina ein, weil der Name so einfach ist. – Oder vielleicht Odette, weil ich gerade Schwanensee gehört habe.

20. Und einen Jungen?

Auch darüber brauche ich mir keine Gedanken zu machen. Komischerweise fällt mir jetzt nur Oded ein. – Oder doch Lino? Nicht sehr kreativ!

21. Würdest du es in Erwägung ziehen auszuwandern?

Obwohl es mir prinzipiell nicht schwer fiele – vor allem wenn das Ziel ein romanischsprachiges Land wäre –, möchte ich zur Zeit am liebsten in Berlin sein. Die Stadt ist einfach großartig!

22. Was würdest du Gott sagen, wenn du das Himmelstor erreichst?

Gott und Himmelstor? Ich wäre sprachlos!

23. Drei Leute, die das hier auch beantworten sollen.

Niemand, denn ich bin gegen Schneeballsysteme! :-(

Thalheimers Faustinszenierung am Deutschen Theater

Wednesday, March 14th, 2007

Nach längerer Pause war ich mal wieder im Deutschen Theater: am Samstag in Faust I und am Sonntag in Faust II. Letzteres Stück hatte ich ja noch nie gesehen, denn es wird aufgrund seiner ‚Unspielbarkeit‘ auch selten aufgeführt. Ob nun die Berliner Inszenierung von Michael Thalheimer einen richtigen Eindruck hinterlässt, bleibt fraglich, denn immerhin ist der Text auf ein Drittel gekürzt und somit vielleicht gar nicht mehr als Faust II erkenntlich, wie ein Kritiker meint.

Thalheimer versucht durch heutige Kleidung einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Unschön ist jedoch, dass er junge Rollen mit alten und alternden Mimen besetzt. Möglicherweise liegt das daran, dass er davon so viele an seinem Theater hat, aber wirklich schön ist das nicht (Das Auge spielt mit!). :-) Überhaupt ist das Alter der Schauspieler recht hoch. Vermutlich ist Thalheimers deklamatorischer Stil wirklich modern und zeitgemäß, immerhin wird es so möglich, viel Text in kurzer Zeit herunterzurattern, aber so richtig hat mich das hier nicht überzeugt. Besonders die Hauptdarsteller werden auf diese Weise ihrer schauspielerischen Möglichkeiten beraubt. Bewegungstheater ist das wahrhaftig nicht! Allerdings sind die Schauspieler sehr gefordert und leisten eine Menge, was natürlich sehr positiv zu bemerken ist.

Insgesamt ist es eine gefällige Inszenierung, die vor allem durch die Schauspieler glänzt – eine Jahrhundertinszenierung, wie man es für Faust II in Berlin erhofft hätte, ist es aber nicht. Wenigstens habe ich jetzt der Tragödie zweiten Teil gesehen, jetzt fehlt mir nur noch Faust. Der Tragödie dritter Teil, eine parodistische Fortsetzung der Goethe-Dramen von Friedrich Theodor Vischer, die man im Projekt Gutenberg lesen kann.

Second Thoughts on Second Life

Saturday, March 10th, 2007

About a week ago, a friend of mine from the Chaos Computer Club introduced me to the hypy avatar chat community Second Life (SL). It took me some time to get into it, because I had to get used to moving my avatar through the virtual worlds of Second Life, in order to find interesting places, but in the meantime I feel at home in the SL universe and started to read some articles about the phenomenon. Strikingly enough, I found a number of misconceptions even among secondlifers, and the wider public seems to be particularly ill-informed. This may be due to Linden Lab’s sensationalist information policy (understandable with regard to investors) and the less understandable predilection of journalists for magnified and distorted information from cyberspace.

Second Life is not a virtual economy

Randolfe from Capitalism 2.0 has thoroughly analyzed the financial and internal economic implications of Second Life (with predictions on future developments). What is going on within SL is what Randolfe rightly labels “The Linden Dollar Game”. It is just a game with concepts of real-life economy where―as in real life—hazard and fraud play an important role. Such a game may even be funny, as long as one doesn’t expect to get money out of it. Unfortunately, Linden Lab and certain journalists present matters quite differently.

That doesn’t mean that it is impossible to make money with SL, but of course this happens in the real economy: Since SL is a popular platform, people who want to advertise and sell products in the real economy should be present in the virtual world as well. Programmers and skilled virtual designers can create virtual branches, agencies and stores within SL and get paid with real money. But again: this is part of “first life” economy and by no means a separate virtual economy.

Second Life is not a game

In Randolfe’s articles SL is considered a game, and I mentioned the economic game above, but SL as a whole is not a game. Normally, I would define game as a goal-oriented and rule-governed interaction between people (this is a very broad definition, other criteria, such as playfulness, break-off possiblity, conventions etc. may be added). The rules of SL are too general to be considered rules of a game and there is no common goal, nor even a set of common goals, that every participant of SL strives for. The “Linden Dollar Game”—though important—is one game out of many. SL is just a platform where people get into contact and interact, and most of the SLers that I have met (virtually and in real life) take no interest in the “Linden Dollar Game”. I would even go as far as calling SL a fancy-graphic chat room.

Second Life is cybersex

I’m pretty convinced that cybersex is one of the main attractions of Second Life and therefore an important factor for its success. Recently, a German lawyer concluded that engaging in cybersex in Second Life can be punished as making pornography accessible to people under the legal age. For something to qualify as pornographic, it has to be sexually arousing, but the avatars in SL are less arousing than explicit drawings in public toilets. The eroticism of Second Life comes from the conversation between people (and I know what I’m talking about—thanks to Kip, Flori and Enrique, you were great!). I wonder how such conversations can be forbidden. If the telephone had been invented only now, German “youth protection” would certainly try to prohibit phone sex, perhaps even normal phone calls, because they could potentially convey pornographic content to people under the age of 18, who should not be allowed to touch a telephone! And even under the present circumstances, I wouldn’t wonder if it is forbidden to imitate animal sounds while having phone sex.

Don’t underestimate Second Life!

Although I maintain that SL is just a platform for chatting, trading, having (mostly virtual) sex, playing games etc., I am pretty sure that it will be more and more successful: people advertising and selling goods through Second Life will make a lot of money (in real-life economy). In the end, Second Life or future similar platforms may substitute the World Wide Web, or the World Wide Web will at least be similar to a Second-Life derived platform. I wouldn’t be surprised to find a Second-Life client integrated into Apple’s iPhone.

Don’t overestimate Second Life!

From a technical point of view, Second Life is not much more than a multi-media web browser with fancy animations, a built-in chat and instant messaging modules. SL simply is the vanguard of a technical development that will change our habits of using the World Wide Web, but it will neither redistribute wealth nor create a new economy.

Fremdkörper

Thursday, March 8th, 2007

Berlin ist vor allem deshalb so ein tolles Pflaster, weil man alle Nase lang außergewöhnliche Leute trifft, die außergewöhnliche Dinge tun. So habe ich schon vor einiger Zeit Chris kennen gelernt, einen jungen Filmemacher, und vor kurzem war ich zur Premiere seines Kurzfilms Fremdkörper eingeladen. Es ist ein etwas düsterer Kurzfilm über ein junges Mädchen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich gebe zu, dass das Thema für mich persönlich seit meiner Pubertät nicht mehr das virulenteste ist, aber der Film ist sehr schön: (fast immer) gelungene Schnitte und eine sehr schöne (selbstkomponierte) Hintergrundmusik vermitteln sehr viel Gefühl.

Besonders gefällt mir eine zentrale Szene, die in einer Urberliner Kneipe spielt, in der auch die Premiere stattfand, nämliche in der Weinhandlung und Likörfabrik Leydicke. Dort wurde auch ein bundesweit ausgestrahlter Werbespot für eine Fernbedienung gefilmt. Ich mag den Film vor allem wegen dieses und anderer lokaler Bezüge, denn der Film spielt schließlich genau in der Ecke Berlins, in der ich mich besonders zuhause fühle zwischen den Yorckbrücken, dem Kreuzberg und der Bülowstraße sowie in Berlin-Mitte.

Ich hoffe sehr, dass Chris das Filmemachen fortsetzen und vielleicht sogar studieren wird. Mit etwas mehr Erfahrung und erlernbarer Technik wird er bestimmt ein sehr guter Filmemacher. Möglicherweise benötigt er einen guten Drehbuchschreiber, denn seinen bisherigen Filmen fehlt eigentlich immer eine richtige Story. Sie geben eher Seelenzustände wieder, haben aber keinen richtigen Plot, wie man neudeutsch so sagt.

Sprachenpodcast, Wii

Tuesday, March 6th, 2007

Vor ein paar Tagen habe ich mit Tim Pritlove zusammen einen Chaosradio-Express-Podcast über Sprachen aufgenommen. Das war eine interessante Erfahrung, und ich denke, das Ergebnis kann sich sehen bzw. hören lassen. Insgesamt war das Gespräch mit Tim sehr interessant, und ich kann nur hoffen, dass meine Ähs und Nees nicht zu sehr stören. Das muss ich mir noch abgewöhnen, bevor ich selbst auf Sendung gehe. Leider fehlt auf der Chaosradio-Website noch ein Weblog mit Kommentarfunktion, so dass es wohl leider nicht viel Feedback geben wird. Wer will, kann ja hier was schreiben – oder in Tims Blog – oder in beide.

Nach dem Podcast konnte ich dann bei Tim und Verena noch eine Neuheit ausprobieren: die neue Nintendo-Spielkonsole namens Wii (sprich: [wiː]). Bisher hatten mich ja Spielkonsolen gelangweilt, aber diese hat etwas Besonderes: Die Steuergeräte (Controller, auch Wii-Remote genannt) haben einen Beschleunigungssensor, was besonders lustig ist, wenn man Tennis spielen will: Man kann wie mit Schlägern schlagen. Zum ersten Mal kann man sich also beim Videospiel wirklich bewegen! Das ist großartig! Wenn ich einen Fernseher hätte, würde ich das sofort kaufen…