Stöckchen zum persönlichen Onlinegang

Von FloSch bekam ich gerade ein Stöckchen zu den Anfängen meines persönlichen Online-Lebenslaufes zugeworfen, also darüber, wie ich zu meinem Online-Leben gefunden habe. Also dann nichts wie los:

Was war Deine erste „echte“ PC-Hardware?

1986 oder 1987 hat die Deutsche Esperanto-Jugend einen Atari ST gekauft für die Redaktion der Verbandszeitschrift. Der Stand dann im Bonner Büro der Esperanto-Jugend bzw. bei einem Freund. Ich habe dann selbst sehr oft darauf gearbeitet, vor allem mit einem Programm namens Signum.

…die erste Anwendung, die Du benutzt hast?

Signum ist eine grafische Textverarbeitung, mit der man für damalige Verhältnisse tolle Schriftsätze produzieren konnte. Ein Jahr später habe ich dann mit Microsoft Word auf einem PC in der Uni meine Magisterarbeit angefangen zu schreiben.

Aber eigentlich bin ich ja so alt, dass meine ersten Computererfahrungen in die Vor-PC-Zeit zurückreichen, so habe ich 1985 schon Pascal, LISP und (etwas später) Prolog gelernt – und zwar auf einer CDC Cyber noch mit Lochkarten, bei der man ewig auf die Ausdrucke warten musste, nur um festzustellen, dass man ein Semikolon vergessen hatte. :-( Außerdem habe ich als Hiwi auf einer Prime arbeiten dürfen mit dem für damalige Zeiten genialen PrimOS.

…Dein erstes Spiel?

Dort gab es ganz tolle Textadventure-Spiele auf Englisch, die insgesamt zu den einzigen Computerspielen gehören, die mich je wirklich interessiert haben. Ich freue mich schon, dass es auf dem Camp ein Revival dieses Genres geben wird (dazu werde ich dann einen Link nachliefern). Ansonsten habe ich nie auf dem Computer gespielt.

Hattest Du von Anfang an Spaß an der Materie?

Ja, immer!

Seit wann bist Du online, und mit welchem Anbieter?

1991 kam ich als Student an die University of California, Santa Cruz und bekam dort nicht nur eine Sozialversicherungsnummer, auf die ich aus unerfindlichen Gründen stolz war, sondern auch eine Karte, auf der mein Familienname stand und dahinter so ein komisches @-Zeichen und die Abkürzung ucsc.edu. Man erklärte mir, dass ich damit aus meinem Studentenwohnheim heraus Nachrichten an die anderen Studenten schicken könne. Das schien mir seltsam zu sein, da ich ja auch einen Zettel an deren Wohnheimstür heften konnte. Dann erklärte mir ein nicht-universitärer Freund, dass ich ihn auch im Büro damit erreichen könne und dass ein gemeinsamer Bekannter in Deutschland auch so eine Adresse habe. Das habe ich natürlich auch gleich ausprobiert. Dieser deutsche Freund erklärte mir dann auch das Chatten, und ich war plötzlich so richtig vernetzt.

Als ich dann nach Hamburg zurückgekehrt war, führte mich mein erster Weg ins Rechenzentrum. Dort fragte ich, ob ich eine E-Mail-Adresse bekommen könne und erntete nur erstaunte Blicke (es war – wie gesagt – 1991). Schließlich meinte jemand von den Hiwis, ich solle mich mal an den Herrn Graff wenden – das war so ein Richard Stallman-Typ, der für ausgefallene Probleme immer eine Lösung hatte. Und der verschaffte mir dann eine kryptische BITNET-Adresse auf einer alten Siemens-Maschine. Ausgehende Mail war da nicht abspeicherbar („Schreiben Sie Ihre E-Mails doch auf Lochkarten, dann können Sie sie mit nach Hause nehmen und abheften.“), und eingehende musste man schnell löschen, da man bei jedem Neustart des Mailprogramms immer alle Mails durchlaufen lassen musste (angefangen bei der ältesten). Dank Herrn Graffs Förderung durfte ich aber bald schon an eine Unix-Maschine, was eine echte Erleichterung, offenbar aber auch ein großes Privileg für einen Studenten darstellte.

Das Stöckchen werde ich jetzt niemandem aufdrängen, weil ich ein Kettenbrief-Massakrierer bin, aber wenn sich jemand berufen fühlt, seinen Online-Lebensweg zu beschreiben, würde mich das sehr interessieren.

One Response to “Stöckchen zum persönlichen Onlinegang”

  1. [...] Stöckchen zum persönlichen Onlinegang By Jonathan Maha hat in seinem Blog einen Fragenkatalog zu seinem persönlichen Onlinegang veröffentlicht. Diesen hat er von einem anderen Blogger zugeschickt bekommen, der ihn seinerseits beantwortet und von einem anderen Menschen bekommen hat. So ne art Kettenbrief in Web 2.0 also. Man nennt das ganze “Stöckchen” und man verschickt das Stöckchen nicht, sondern wirft es. Maha war so klug, niemanden diesen “Kettenbrief” aufzuzwängen, sondern es jedem offen gelassen, das Ding aufzugreifen. Ich fühle mich berufen! [...]

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