Zensur bei Flickr

English summary: I’m very alarmed and annoyed by flickr’s censoring which pictures German users can view and will leave the flickr community, if Yahoo doesn’t change its policy. In this article, I will argue that flickr’s interpretation of German law is not necessarily correct, albeit current German legislation doesn’t work either (my contribution to the flickr Forum).

Eigentlich haben ja schon genug Leute über Flickrs Bild-Zensur gebloggt, aber ich muss meinem Ärger hier auch mal Luft machen. Ich war ja immer ein Flickr-Fan, weil das Foto-Portal leicht zu bedienen ist (naja, wenn man sich eingedacht hat!) und durch seine Offenheit und die hervorragenden Bedingungen auch für nicht-zahlende Nutzer geglänzt hat. Es ist auch hinreichend international für meinen Geschmack. So habe ich flickr noch vor wenigen Tagen weiterempfohlen, ohne zu wissen, dass da jetzt eine neue Art von Zensur eingetreten ist – und zwar für Nutzer aus Deutschland! Sie können jetzt keine Bilder mehr sehen, die von der flickr-Gemeinschaft oder den Moderatoren als auch nur moderat bedenklich eingestuft wurden. Ich habe zwar keine solchen Bilder in meinem Account und suche bei flickr auch nicht speziell nach solchen Bildern, ab er allein die Tatsache, dass ich solche Bilder nicht sehen darf, finde ich nicht in Ordnung!

Ich könnte es nachvollziehen, wenn flickr angesichts der Jugendschutzgesetze in Deutschland nur registrierten und zahlenden Nutzern alles zu sehen gäbe, was sich dort bietet, aber auch zahlende Nutzer zu bevormunden, deren Alter durch die Kreditkartennutzung erwiesen ist, geht nun wirklich zu weit. Flickr wäre übrigens auf der sicheren Seite, wenn es das Postident-Verfahren nutzen würde. Ob das praktikabel oder wünschenswert ist, lasse ich mal dahingestellt, aber immerhin wäre es eine nachvollziehbare Maßnahme!

Zwei Aspekte sind hier auf jeden Fall bedenkenswert:

  1. Die deutschen Jugendschutzgesetze sind im Zeitalter des globalen Netzes ohnehin veraltet und bedürfen dringend der Überarbeitung. Am besten sollten alle Inhalte, die das Netz bietet, frei zugänglich sein, und Eltern auf ihre Kinder achten, denn nur so kann es funktionieren. Selbstverständlich können und sollen kriminelle Machenschaften im Netz, darunter das Online-Stellen von an sich verbotenen Inhalten auch künftig verfolgt werden.
  2. Zensurmaßnahmen, wie sie von Flickr jetzt durchgeführt werden, sind nur dazu geeignet, Nutzer zu vergraulen. Das muss sich flickr wohl noch einmal gründlich überlegen, um den Schaden zu begrenzen. Sie sind im Übrigen nicht nur ineffizient (denn jeder kann sich ja einen nicht-deutschen Account besorgen), sondern entlasten den Anbieter ja nicht davon, sich sein Angebot anzuschauen und zu moderieren; sich da allein auf die Nutzerschaft (die Community) zu verlassen, wird nicht funktionieren.

Jedenfalls werde ich meine Mitgliedschaft bei flickr nicht verlängern, wenn sich da nicht was tut. Ich habe den Eindruck, das sehen viele andere Nutzer genauso. Ich hoffe aber, dass die Leute von flickr bzw. Yahoo einsehen, dass es so nicht geht. Die Behauptung von flickr, es handele sich nicht um Zensur, ist übrigens unsinnig, denn flickrs Nutzerbevormundung entspricht genau der Definition von Zensur als Informationskontrolle. Weitere Links gibt es im Hamburg vs. Berlin-Blog und Alternativen zu Flickr gibt es auch.

Update: Eine schöne Zusammenfassung findet sich bei spiegel.de.

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