VW-Werbespots, deutsche Ingenieure und Politiker

Dass die deutschen Diplom-Ingenieure international einen sehr guten Ruf hat, beweist zum Beispiel die Kampagne, mit der Volkswagen in den USA für seine Autos wirbt (Spot 1, Spot 2, Spot 3). Man beachte dabei den gespielten deutschen Akzent! Während VW mit dem deutschen Ingenieur erfolgreich seine Autos verkauft, wird das Ingenieursdiplom in Deutschland gerade abgeschafft und durch den Bachelor ersetzt.

Dabei ist der studienzeitverlängernde Bachelor (Bologna-Prozess) gar nicht mal das Schlimmste. Ich kann ihm vielleicht sogar noch etwas Positives abgewinnen, weil er schlechteren Studenten die Möglichkeit gibt, mit Würde die Universität zu verlassen. Schlimm ist hingegen, dass die Auswahl der zu berufenden Hochschullehrer in Zukunft in Bayern nicht mehr von den Fachleuten (den Professoren einer Fakultät), sondern von Fachfremden durchgeführt wird.

Die Hochschulreform ist eindeutig gegen den Willen und die Interessen der betroffenen Hochschulangehörigen durchgeführt worden, sondern von Politikern, die offensichtlich von den Dingen, über die sie entscheiden, wenig bis gar keine Ahnung haben schlecht beraten wurden von Leuten, die vom Hochschulwesen offensichtlich auch wenig verstehen. Vorhaben wie die Gesundheitskarte, das Verbot so genannter Hackertools, der Ausbau von Videoüberwachung und Biometrie und die Vorratsdatenspeicherung sind weitere beredte Beispiele für die Ahnungslosigkeit der Entscheidungsträger, deren Unkenntnis zum Thema Computer und Internet kürzlich nachgewiesen wurde.

6 Responses to “VW-Werbespots, deutsche Ingenieure und Politiker”

  1. just be. says:

    Schlimm ist hingegen, dass die Auswahl der zu berufenden Hochschullehrer in Zukunft in Bayern nicht mehr von den Fachleuten (den Professoren einer Fakultät), sondern von Fachfremden durchgeführt wird.

    Wie kommst Du darauf? Gibts da ne Quelle zu?

  2. maha says:

    Das steht im Bayerischen Hochschulgesetz im Artikel, 20 bei den Zuständigkeiten der Hochschulleitung:
    Beschlussfassung über den Vorschlag der Hochschule für die Berufung von Professoren oder Professorinnen,
    bzw. genauer im Bayerischen Hochschulpersonalgesetz, Artikel 18:
    (1) 1 Ist oder wird eine Stelle für Professoren, Professorinnen, Juniorprofessoren und Juniorprofessorinnen (Professur) frei, prüft und entscheidet die Hochschulleitung, ob und gegebenenfalls in welcher fachlichen Ausrichtung die Stelle wiederbesetzt werden soll. […]
    (5) 2 Die Hochschulleitung beschließt den Berufungsvorschlag.

  3. just be. says:

    aha, danke für die Links.
    Weil ich habe gerade ein Berufungsverfahren an einer bayr. Uni mitbekommen, und aktuell läuft auch noch eines. Soweit wie ich das verstanden habe, beschließt eine Kommission wer berufen wird, und diese Kommission besteht aus verschiedenen Personen von Institut und Fakultät – also Fachleuten. Es sitzt sogar ein(!) Student mit drin, der auch eine Stimme hat. Werde mal genauer nachhaken dort…

  4. just be. says:

    wahrscheinlich ist es einfach nur in der Realität so, dass die Entscheidung der Kommission bzw des Berufungssausschusses nicht angezweifelt wird. Aber interessant, dass sie sich die Macht wahren, dort einzugreifen.

  5. maha says:

    Ja, den Berufungsausschuss gibt es weiterhin, aber bisher sah es so aus, dass es ein Berufungsausschuss der Fakultät war und der Berufungsvorschlag tatsächlich von der Fakultät beschlossen wurde, jetzt macht das die Hochschulleitung, die auch schon vorher über die Notwendigkeit und Ausrichtung der Stelle entschieden hat. Das ist der Unterschied.

  6. blackwing says:

    passend zum thema gab es gestern einen schönen artikel in der faz, also zum thema dipl-ing und warum man den wegwirft:
    http://berufundchance.fazjob.net/s/Rub1A09F6EF89FE4FD19B3755342A3F509A/Doc~ED2CFF017D4A54F18A2405F7121C2D546~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    hier wird recht schön umrissen was wir eh schon wissen: man wirft ein funktionierendes, international anerkanntes system wegen irgendsoeiner fixen idee über board…

    und zum thema hirnlose politiker fällt mir noch
    http://www.spreeblick.com/2007/05/09/ertrunken-in-der-datenflut-man-kann-mit-solchen-masnahmen-nichts-verhindern/
    ein – hauptsache mal datenspeicherung verlangen und keinen plan haben, was das bedeutet. clueless halt.

    nunja, in zeiten wo auch lehrer für deutsch, politik und soziologie sich als geistige tiefflieger auf höhe der grasnarbe im amt des bundesumweltministers profilieren dürfen oder fachlich “überqualifizierte” sozialpädagoginnen entscheiden sollen, wie das mit unserem maroden gesundheitssystem weitergehen soll, wundert es einen auch nicht mehr, wenn auch ein Müller-Meister als Technologie und Wirtschaftsminister die Geschicke leiten soll…

    Da sag ich nur: Weiter so!

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