Archive for September, 2007

Metalab

Wednesday, September 26th, 2007

Gerade bin ich in Wien anlässlich einer Tagung, aber diese Tagung verliert an Bedeutung angesichts des Wiener Metalab, in dem ich viel Zeit verbringe. Das ist eine tolle Einrichtung, was letztlich auch an der Wiener Kaffeehaus-Mentalität liegt. Hier kann diskutiert werden, was das Zeug hält – einfach super! Heute habe ich viel mit kewagi diskutiert, unter anderem über das Nachfolgekonzept der Familie. So ein Hackerspace kann ein Nachfolger für die traditionelle Familie sein.

Das Metalab hat mir gezeigt, dass ich es in Wien gut aushalten könnte. Ich bin ja erblich vorbelastet, da ich einen österreichischen Großvater habe, aber bisher war mir gar nicht so klar, wie sehr ich mich in Wien heimisch fühlen kann.

documenta 12

Thursday, September 20th, 2007

Museum Fridericianum

Ich habe es doch noch geschafft zur documenta 12 nach Kassel zu fahren. Zum letzten Mal war ich ja zur letzten documenta in Kassel. Irgendwie reizt Kassel nur alle fünf Jahre. :-) Diesmal war ich mit fh unterwegs. Wie schon auf der documenta 11 gab es keine wirklich außerordentlichen Höhepunkt, aber doch viel Interessantes zu sehen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass es weniger Werke waren als beim letzten Mal. Besonders gut hat mir die Aufstellung der Kunstwerke gefallen, weil es den Organisatoren offenbar darum ging, eine gewisse Dramaturgie herzustellen. Das kann man besonders gut im documenta-Pavillon sehen. Die Dichte der Werke scheint zu steigen. Vor dem Gitarrenraum von Saâdane Afif (einer meiner Favoriten!) steht ein kleiner grüner Quader (Green Box von John McCracken), dahinter dann ein großer grüner aufgeblasener Quader von einem anderen Künstler, und im gleichen Raum läuft auf drei Mac-Displays eine DVD von Hito Steyerl, die lediglich monochromes Rot zeigt (Red Alert) – leider ohne Erwähnung im Katalog, dafür aber im sehr interessanten documenta-Blog.

Gay Teapot

Richtig gut gefallen hat mir Lukas Duwenhöggers Celestial Teapot. Die schwule Teekanne war als Mahnmal für die verfolgten Schwulen für den Tiergarten vom Künstler vorgeschlagen worden, wurde aber abgelehnt. Das ist eigentlich schade, denn so eine begehbare Teekanne hätte schon etwas hergemacht und wäre ein Attraktion gewesen (vor allem wenn sie höher als der Reichstag gewesen wäre). Besonders reizvoll ist die mehrfache Interpretationsmöglichkeit der Himmlischen Teekanne:

  1. Sie bezieht sich auf eine für eine Tunte wichtige Körperhaltung.
  2. Sie spielt auf die gerade in der Nazi- und Nachkriegszeit wichtige Bedeutung von Klappen an. (Heute sind sie ja von GayRomeo abgelöst worden.)
  3. Außerdem spielt der Titel des Werks auf Russells Teekanne an.

Red Room

Natürlich gab es weitere Höhepunkte: zu Iñigo Manglano-Ovalles Raumkunstwerk Radio hat fh ja schon einen Kommentar abgegeben, dem ich nur zustimmen kann: Wenn man nach ein paar Minuten Aufenthalt in dem roten Raum wieder in den Raum mit weißen Wänden zurückkehrt, sieht man das Weiß blau, bevor die Augen wieder einen Weißabgleich durchgeführt haben.

Ich habe meinen neuen Fotoapparat zum Glück nicht mitgeschleppt, sondern nur ein paar wenige Fotos geknipst. Die Fotoausrüstung hätte nur gestört, da man keine Taschen in die Ausstellungen nehmen darf. Die documenta 12 endet am 23. September. Wer also noch nicht dort war, sollte sich schleunigst auf den den Weg machen.


Frühstücken in Berlin

Monday, September 10th, 2007

Ich bin ja nicht so der Frühstücker, deshalb ist mir wohl auch das interessante Blog Frühstücken in Berlin entgangen. Erstaunlicherweise keine ich sogar die meisten der dort aufgeführten Frühstückstempel und habe jetzt sogar noch einen weiteren entdeckt, denn die Bloggerinnen vom Frühstücksblog bisher nicht kannten: das Opernpalais. Für schlappe 12,50 Euro kann man sich nach Herzenslust am Büffet bedienen. Eier, Eierkuchen und Omelette werden sogar im Front Cooking-Verfahren unmittelbar zubereitet und es gibt so viel Kaffee, wie man will und verträgt, was eher viel ist, da der Kaffee ziemlich dünn ist, Blümchenkaffee eben. Sollte man einen Kater haben, hilft da eher der angebotene Rollmops.

Besonders voll war es am Samstag eigentlich nicht. Der einzige ernstzunehmende Nachteil: um 12 Uhr wird das Büffet abgeräumt, um der eindrucksvollen Kuchenauswahl Platz zu machen, die natürlich im Preis nicht inbegriffen ist. Es empfiehlt sich also, früh aufzustehen, was mich wahrscheinlich davon abhalten wird, häufig dort zu frühstücken.

Meine Lieblingspodcasts

Wednesday, September 5th, 2007

Mein Podcast-Geschmack hat sich in den letzten zwei Jahren ziemlich gewandelt, was allerdings auch am Angebot liegt. Am Anfang habe ich ja überwiegend Amateur-Podcasts gehört, denn es gab ja kaum professionelle. Inzwischen höre ich fast nur noch Profi-Podcasts von Radiosendern (dafür höre ich kein traditionelles Radio mehr!). Meine aktuellen Lieblinge sind:

  1. Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter: eine sehr schöne Satire, die besonders gut nachweist, wofür man Podcasts braucht, denn wer möchte schon am Sonntagmorgen um 9 Uhr am Radio sitzen. Schade nur, dass es das erst am Montag online gibt.
  2. Zeitzeichen habe ich früher immer im Radio gehört (um kurz nach neun), als ich noch in einem Sendegebiet wohnte, wo man es hören konnte – jetzt als Podcast: toll! Ich verpasse keine Folge mehr und kann es überall und zu jeder Zeit hören; wenn das kein Zeitzeichen ist!
  3. Ohrzucker ist der einzige nicht-professionelle Podcast, den ich noch wirklich regelmäßig höre (wenn auch leider zu selten). Das liegt auch daran, dass dieser Podcast sehr professionell gemacht ist.
  4. hr2 – der Tag ist für mich eine der letzten Bastionen eines guten kritischen Journalismus. Da kann man gut auf viele andere Medien verzichten, vielleicht sogar auf den:
  5. Tagesschau-Podcast, den ich dennoch fast täglich sehe/höre.

Podcasts sind schon eine feine Sache, und ich weiß endlich, wofür ich all die Jahre meine Rundfunkgebühr bezahlt habe (die Gebühr, die die GEZ einzieht). :-) Einen Fernseher habe ich ja schon seit Jahren nicht mehr, mein Radiogerät schalte ich auch nicht mehr ein. Es ist einfach lästig, wenn man nicht zu jeder beliebigen Zeit genau das hören kann, was man will. Da sind Podcasts einfach überlegen wegen der örtlichen und zeitlichen Unabhängigkeit. Es kommt natürlich vor, dass ich mich mal nur berieseln lassen will. Dann sollte es Klassik oder Jazz sein, wobei ich dann doch lieber eine gezielte Auswahl treffe und auf Streaming Media verlasse. Das geht höchstens bei Ambient, die ich ab und an über den Stream OEMRadio zur Entspannung höre.

3 Filme: Roma, Der Mieter & Heaven

Tuesday, September 4th, 2007

Ich hatte in der Woche irgendwie so viel zu tun, dass ich die Filmabende der letzten beiden Sonntage hier zusammenfassen muss. Es gab recht unterschiedliche Filme zu sehen, davon zwei Klassiker:

Zunächst gab es den Film Roma von Federico Fellini, den ich vor vielen Jahren schon einmal gesehen hatte und damals – wohl aufgrund damals mangelnder Italienischkenntnis – nicht besonders unterhaltsam fand, zumal es ein Film ohne Handlung ist. (Die deutschen Untertitel sind auch nicht sehr gut!) Diesmal war es ganz anders! Ich fand den Film ausgesprochen eindrucksvoll, denn er spiegelt das Leben in Rom und die Mentalität der Römer sehr gut wieder. Die Filmmusik ist auch sehr schön! Besonders eindrucksvoll ist sie bei der Modenschau in einer Kirche gegen Ende des Films. Hier wird die Musik immer atonaler, je absurder die Modenschau wird. Das Zusammenspiel von Bildern und Musik ist sehr gelungen.

Passend zum Film gab es Spaghetti Bolognese (ok, Rom ist nicht Bologna, aber auch dort ist man so etwas), die besonders bolognesisch schmeckten und einen Wein aus den Abruzzen, wie man gerade an warmen Sommertagen gern in Rom trinkt. Besonders eindrucksvoll ist die ausgiebige Essensszene auf Römischen Straßen, die mir selbst auch aus der jüngeren Vergangenheit sehr bekannt vorkam. Insgesamt ein gelungenes Ereignis!

Weniger gefallen hat mir der Film Der Mieter von Roman Polanski. Er ist zwar durchaus manchmal lustig, aber insgesamt doch irgendwie seltsam. Allerdings wurde der Abend wieder durch tolles Essen und Trinken abgerundet: Es gab Spaghetti mit selbst gemachtem grünem Pesto und frischem Trebbiano aus Norditalien. Als es dann doch noch einen zweiten Film gab, war der Abend auch filmisch gerettet: Der Film Heaven ist zwar nicht ganz so anspruchsvoll wie der Polanski-Film, aber immerhin schön gefilmt (tolle Kamerafahrten, gute Schnitte) und stellt Italien mal wieder in den Mittelpunkt, was zum Essen passte. Im Film wird sehr viel Italienisch gesprochen, was vielleicht für manchen Zuschauer anstrengend ist, mir aber sehr gefallen hat.