Radiohörverhalten

Dank ISDN verfüge ich über eine Reihe von MSNs: Ruft jemand ohne Rufnummernübertragung auf meiner öffentlichen Nummer an, so beantworte ich den Anruf nicht, um mir so alle Werbe- und Anpreiseanrufe vom Halse zu halten. Die meisten meiner Anrufer (Freunde, Familie) lassen ja die Rufnummer übertragen. Für diejenigen, die es einfach nicht lassen können, ihre Rufnummer zu unterdrücken, habe ich spezielle Rufnummern, bei denen sonst niemand anruft. Auf einer solchen Telefonnummer bekam ich neulich doch einen unerwünschten Anruf: Man wollte mich über meine Radiogewohnheiten befragen, und da mich diese Frage selbst interessierte, hab ich ausnahmsweise zugestimmt und wurde in eine sehr langwierige Befragung verwickelt.

Bei der ersten Frage wurde ich gefragt, welche Radiosender ich kenne. Dass der Hessische Rundfunk nicht auf der Liste der Befragerin war, konnte ich ja noch einsehen, weil die Befragung sich auf Berlin bezog. Offensichtlich ging es nicht um Podcasts, sondern um terrestrisches Radio. Als ich dann aber Deutschlandradio Kultur nannte, war die Befragerin wieder überfordert und fragte schließlich, ob ich „Deutschlandradio Berlin“ meine. Ich musste sie dann darüber aufklären, dass der Sender schon seit März 2002 nicht mehr so heißt, sondern eben „Deutschlandradio Kultur“. Die Befragerin verteidigte sich damit, dass die Umfrage ganz neu sei (2008!), was doch ziemlich erstaunlich ist. Und es ging munter weiter: Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) war nicht auf der Liste der Radiosender, obwohl er schon seit dem 1. Mai 2003 existiert. Ich fand dann heraus, dass die Befragerin zwar nach Sendern gefragt hatte, aber Programme meinte, denn Fritz und Kulturradio fanden sich auf ihrer Liste.

Der weitere Verlauf der Befragung zeigte dann, dass ich irgendwie gar nicht zur Zielgruppe der Befragung gehöre, denn die Musik, die mir gefällt (Klassische Musik, Jazz, Elektronische Musik), wurde gar nicht thematisiert. Es wurden mir lediglich Popmusik-Ausschnitte vorgespielt und ich sollte sagen, was mir am besten gefällt, und eigentlich gefiel mir gar nichts. Es wurde zwar nach „alter Musik“ gefragt, aber aus dem Kontext war erkenntlich, dass es sich um ältere Popmusik handelte. Die Befragerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr erklärte, dass Alte Musik für mich – wie wohl für viele Menschen – die Musik vor 1750 ist.

Vielleicht klinge ich etwas oberlehrerhaft, aber diese Umfrage ist einfach schlecht vorbereitet. Leider habe ich nicht herausfinden können, wer dahinter steht. Erschreckend ist auch, dass moderne Distributionsformen überhaupt keine Rolle spielten, obwohl ich sicher bin, dass Radio-Angebote im Internet schon jetzt einen erheblichen Anteil haben.

2 Responses to “Radiohörverhalten”

  1. Du durftest die Hilflosigkeit der klassischen Musikindustrie gegenüber der neuen Medienlandschaft bezeugen. Herzlichen Glückwunsch. Ein Haufen Leute, die ich kenne, hören Musik aus streams, casts oder youtube.

  2. Keks says:

    *g* Tja, “Sender” und “Programm” werden wohl im Alltagsgebrauch synonym verwendet — auch beim Fernsehen.

    Ich kann mich da wohl nicht ausschließen.

    Liebe Grüße, Keks
    http://www.blitztarif.de

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