Archive for February, 2008

Interpreter, Persepolis, Kiss Kiss Bang Bang

Wednesday, February 20th, 2008

Da gerade Berlinale ist, gibt es heute mal geballt Kino, aber keine Angst, ich werde auch wieder andere Themen behandeln; das soll hier kein Kino-Blog werden. Am letzten Berlinale-Tag wollte ich eigentlich Caos Calmo in der Urania sehen, aber der Film mit Nanni Moretti war leider ausverkauft. Also musste ich mir etwas anderes überlegen. Zunächst entdeckte ich eine Kneipe, die ich bisher nur von außen kannte, nämlich die Böse Buben Bar in Berlin-Mitte. Dort gibt es selbstgebrautes Bier, das zwar etwas teuer, aber durchaus wohlschmeckend ist (zumindest das dunkle), auch sonst ist die Kneipe sehr gemütlich und angenehm untouristisch für die zentrale Lage.

Später gab es dann den Film The Interpreter, den ich schon länger mal sehen wollte, weil dort eine erfundene afrikanische Sprache namens Ku verwendet wird, was ich sehr interessant fand. Es ist eine typischer Vertreter der Bantusprachen. Das war aber auch schon der interessanteste Aspekt des Films, der mir sonst nicht sonderlich gefallen hat. Ich kann nicht sagen, ob es am Drehbuch, an der Regie oder an der ansonsten guten schauspielerischen Leistung von Nicole Kidman gelegen hat, aber irgendwie war der Charakter der Hauptfigur niemals undurchschaubar. Zudem hätte die Geschichte nicht so linear erzählt werden dürfen.

Da hatte mir das Filmprogramm der Vorwoche besser gefallen, über das ich noch gar nicht berichtet habe. Ich hole das hier bei der Gelegenheit gleich mal nach: Sehr gut gefallen hat mir Persepolis, ein Zeichentrickfilm, der auf dem gleichnamigen Comic basiert. Die Erzählung hat bei aller Tragik immer Witz und die Möglichkeiten des Zeichentricks werden sehr effektvoll genutzt – sehr sehenswert! Für den gleichen Abend hatte ich noch Kiss Kiss, Bang Bang ausgewählt, einen neueren Film Noir, der in Hollywood spielt. Er scheint zunächst etwas konventionell zu sein, entfaltet dann aber eine außergewöhnliche Erzählform, die am Ende auch vor der Metaebene nicht zurückschreckt. Großes Kino!

Mahlers Siebte und Charles Ives

Monday, February 18th, 2008

An diesem Wochenende war ich bei einem Konzert der Bamberger Symphoniker; es gab zwei sehr interessante Stücke zu hören: Zunächst Central Park in the Dark von Charles Ives (ausführlicher auf Englisch), den ich nicht kannte, und anschließend die 7. Sinfonie meines Lieblingskomponisten Gustav Mahler (Symphony No. 7 in der englischen Wikipedia). Ives und Mahler sind Zeitgenossen, ihre Musik ist aber doch recht unterschiedlich. Ives klingt viel moderne, obwohl beide in ihren Werken Klangexperimente durchführen, die als modern im besten Sinne des Wortes bezeichnet werden können. Der Unterschied wurde umso deutlicher, da Ingo Metzmacher den Mahler direkt an den Central Park anschloss, was harmonisch möglich und daher sehr effektvoll war.

Charles Ives’ Stück besteht aus einer gleichbleibenden Streichersequenz, die sich immer wiederholt und Stille im Central Park symbolisiert. Darüber spielen andere Instrumente Sequenzen, die für die verschiedenen Geräusche der Stadt stehen, die in den Park eindringen: die Klarinette spielt einen Gassenhauer (den Ives wohl neu komponiert hat, der aber irgendwie bekannt klingt), zwei Klaviere spielen Barmusik. Für das Orchester wird es dabei richtig schwer, denn die verschiedenen Instrumentengruppen müssen teilweise unabhängig voneinander spielen. So übernimmt der Konzertmeister zeitweise die Führung der Streicher, während der Dirigent einen Ragtime dirigiert. Das ist schon sehr eindrucksvoll!

Obwohl ich Mahlers Musik sehr schätze, hatte ich die 7. Sinfonie etwas vernachlässigt – zu Unrecht, denn diese Sinfonie ist wahrscheinlich eine der innovativsten, weil Mahler dort eine Reihe von Klangexperimenten durchführt: Kirchenglocken, Kuhglocken, Gitarre und Mandoline mischen sich in den Orchesterklang und die Geigen werden bisweilen als Perkussionsinstrumente verwendet. Das ist schon sehr gewagt, aber auch sehr effektvoll. Wie immer bei Mahler kommen die volkstümlich anmutenden Melodien und Rhythmen hinzu, die gerade durch den zu ihrem Charakter unpassenden Orchesterklang eine besondere Wirkung bekommen. Ein tolles Stück!

Die Bamberger Symphoniker gerieten zwar an den Rand ihrer Möglichkeiten, haben sich aber insgesamt sehr gut geschlagen. Solche großen Orchesterwerke bieten ja auch was fürs Auge, weil im Orchester sehr viel los ist. Im Kontrabass gab es sogar wenigstens einen hübschen Mitwirkenden, was den Genuss natürlich durchaus erhöhte. Leider muss man sich ein anderes Publikum wünschen, denn bei den Zuschauern stießen die Stücke auf wenig Verständnis. So murmelte hinter mir jemand nach dem Ende des ersten Satzes: „Gott sei Dank!“ und an der Garderobe kommentierte ein anderer: „Viel Lärm um nichts!“ Das hohe Durchschnittsalter der Abonnenten wird bestenfalls durch niedriges Musikverständnis ausgeglichen.

Zum Glück kann man das Konzert demnächst auch im Bayerischen Rundfunk hören. Obwohl der Termin anscheinend noch nicht feststeht, habe ich mir das mal vorgemerkt. Vielleicht gelingt mir ja ein Mitschnitt. Außerdem habe ich mir auch gleich das Buch von Ingo Metzmacher Keine Angst vor neuen Tönen bestellt. Seine CDs der Serie Who is afraid of 20th Century Music sind ja leider vergriffen.

58. Berlinale

Tuesday, February 12th, 2008

Einer meiner Lieblingspodcasts hr2 Der Tag berichtete unter dem Titel: „Brutalstmögliche Aufklärung“ darüber, dass bei der diesjährigen Berlinale die Sparte Dokumentarfilm eine besondere Rolle spielt. Daher wundert es nicht, dass auch ich in einen Dokumentarfilm geriet, zumal ich ja die Berlinale immer nur in Auswahl besuche – möglichst wenn sich andere um die Karten kümmern, denn mir ist der Trubel immer zu anstrengend.

Ich war also gestern Abend in der Premiere von East/West – Sex & Politics, einem Dokumentarfilm von Jochen Hick (im Gespräch bei dradio) über die Moskauer Schwulenszene und den Московский Гей-Прайд, die verbotene Demonstration in Moskau.

Der Film war vielleicht nicht so beeindruckend wie Jochen Hicks Ich kenn keinen – Allein unter Heteros, aber doch sehr interessant, weil er außergewöhnliche Eindrücke in aktuelle russische und Moskauer Befindlichkeiten ermöglichte, obwohl man die Angriffe auf Volker Beck nun schon oft genug gesehen hatte (sogar ich, der ich gar keinen Fernseher besitze). Berichtet wurde unter anderem über das Treffen der Bürgermeister europäischer Hauptstädte, auf dem der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë den Moskauer Bürgermeister öffentlich auf die Verbote angesprochen, Klaus Wowereit jedoch geschwiegen habe, :-( wie Jochen Hick im Anschluss an den Film berichtete. Das Schöne an der Berlinale ist ja, dass man gleich mit den Filmemachern sprechen kann. Im Film wird viel russisch gesprochen, was aber dank der Untertitel gar nicht so schwer zu verstehen ist (trotz meiner eingerosteten Kenntnisse).

Archive des Öffentlichen

Friday, February 8th, 2008

Gerade befinde ich mich auf der Rückfahrt aus Viersen, wo ich an dem Symposium Archive des Öffentlichen teilgenommen habe, und zwar als Wikipedia-Experte. Im Mittelpunkt stand dort nämlich die Frage nach dem Einsatz eines Wikis für die Dokumentation von Kunst im öffentlichen Raum, das publicartwiki, das ich für eine sehr viel versprechende Initiative halte. Allerdings muss es noch verändert werden:

  1. Es muss in die Trägerschaft eines Vereins überführt werden oder in die Trägerschaft der öffentlichen Hand, damit gewährleistet ist, dass das Wiki auch Bestand hat und nicht von Privatinteressen abhängig ist.
  2. Das Wiki sollte unter einer freien Lizenz stehen (das muss wohl nicht weiter begründet werden; ein Grund ist oben schon genannt worden).
  3. Das Wiki sollte als offenes Wiki funktionieren, das heißt: es sollte mehr oder weniger frei zugänglich sein, vielleicht beschränkt auf angemeldete Nutzer, um deren Klarnamen man bittet. Damit kann sichergestellt werden, dass man es mit „Experten” im weitesten Sinne zu tun hat (Künstler, Kunstinteressierte usw.).

Wenn diese Punkte erfüllt sind, wird das publicartwiki wahrscheinlich über kurz oder lang ziemlich erfolgreich sein können. Ich bin mir (vor allem nach der Tagung) sicher, dass es ein Bedürfnis gibt, Kunst im öffentlichen Raum zu dokumentieren. Dies kann nur beschränkt in der Wikipedia geschehen, denn in einem speziellen Wiki stellen sich Fragen der Relevanz ganz anders als in der Wikipedia, zudem muss das publicartwiki auch Informationen enthalten, die in der Wikipedia keinen Platz haben (zum Beispiel über die Erreichbarkeit des Kunstwerks, touristische Informationen, Bedienungsanleitung, unter Umständen subjektive Interpretationen, ästhetische Urteile usw.); ein eigenes Wiki scheint daher unumgänglich und wäre für die unterschiedlichen Mitspieler in der öffentlichen Kunstszene sicher ein Gewinn. Vielleicht kann ich die Macher und Wikimedia Deutschland zu einer Zusammenarbeit bewegen.

Das Andere

Thursday, February 7th, 2008

Das Andere, der Kurzfilm, in dem ich meine erste Filmrolle spiele – wenn auch nur eine ganz kleine – ist jetzt endlich als Flash Video online verfügbar auf den Seiten des Filmemachers. Also schaut euch das mal an und hinterlasst mir und dem Regisseur eure Kommentare. Man merkt deutlich, dass hier Nachwuchsschauspieler am Werk sind, aber mir gefällt der Film. Die Idee ist witzig und auch gut umgesetzt. Ich hoffe, dass Christoph auf diesem Weg weitermacht. Ich hoffe, die Filmhochschule, bei der er sich mit dem Film beworben hat, nimmt ihn noch. So ein Studium ist wohl genau das Richtige für ihn. Jedenfalls freu ich mich, dass ich jetzt auch als „Filmstar“ zu sehen bin, wenn auch nicht von meiner vorteilhaftesten Seite. :-)

The Player

Tuesday, February 5th, 2008

Vor Kurzem habe ich den Film The Player gesehen, den mir jemand mal empfohlen hatte (ich weiß bloß nicht mehr wer, bitte eventuell melden!): Am Anfang fand ich den Film etwas seltsam und sehr durchschaubar, dann aber stellte sich im letzten Drittel eine interessante Wende ein und ich verstand endlich, dass ich mich hatte hinters Licht führen lassen. Der Film ist wirklich gut. Ich rate jedem, der ihn sehen möchte, am Anfang (so in den ersten fünf Minuten) gut aufzupassen (oder den Film ein zweites Mal zu sehen). Außerdem sollte man auf die Filmplakate und auf die erwähnten Filme achten. Wenn man den Film für sich sieht, sollte man die Wikipedia bereithalten, zwischendurch den Film anhalten und mal nachlesen. Für gebildete Cineasten ist es natürlich einfacher, aber wer kennt sich schon so gut aus – ich leider nicht. :-(