Sizilien

Sicily

In der letzten Woche war ich auf einer Exkursion auf Sizilien, was sehr eindrucksvoll war. Das Foto zeigt die sizilianische Fahne: ein geflügeltes Medusenhaupt mit drei Beinen vor rot-gelben Grund. Die drei Beine sollen die drei Spitzen Siziliens symbolisieren.

Monreale Christus Pantokrator

Die Rundreise begann in Palermo: Die Stadt machte auf mich einen sehr entspannten und aufgeräumten Eindruck (trotz des lauten Verkehrs und des gleichzeitig dort gastierenden Giro d'Italia). Nach allem, was ich gelesen hatte, wirkte Palermo auf mich ganz anders: Im Vergleich zu Catania wirkt Palermo geradezu sauber und es zeigt sich auch, dass Sizilien nicht nur Emigrations-, sondern auch Immigrationsgebiet ist. Durch die Nähe zu Afrika überrascht es vielleicht nicht, hier viele Afrikaner zu sehen, aber die Große Zahl von Indern fand ich dann doch auffällig.

Scala dei turchi

Der nächste Aufenthalt war Agrigent, was aber als Stadt wenig zu bieten hat. Das Tal der Tempel fand ich nicht besonders beeindruckend, dann schon eher die Scala dei Turchi (‚Türkentreppe‘), imposante Kreidefelsen im nahen Realmonte, und das Haus von Luigi Pirandello im Nachbarort Porto Empedocle.

Bikini girls

Von dort ging es ins Landesinnere: die römischen Mosaiken von Piazza Armerina sind sehr eindrucksvoll, während der mittelalterliche Ort, eine norditalienische Sprachinsel mitten in Sizilien, außer für Linguisten wenig Interessantes zu bieten hat.

Taormina

Die nächste Station war Catania, das durch die Vulkanasche des Ätna etwas schmutzig wirkt, aber eine sehr lebendige Stadt ist. Ein Ausflug ins nahe gelegene Taormina, das zwar malerische, aber leider auch sehr touristisch ist, durfte natürlich nicht fehlen.

Mount Etna

Höhepunkt war allerdings die Besteigung des Ätna, der rechtzeitig ausgebrochen war, was den Besuch geradezu spektakulär machte. Immer wieder donnerte der Vulkan, während wir ihn im Nebel bestiegen. Es ist schon ein besonderes Gefühl, den Naturgewalten so nahe zu sein.

2 Responses to “Sizilien”

  1. Dario aus Italien says:

    Hallo Maha!

    Ich möchte ein paar Wörter zum Thema “Casa Pirandello” hinzufügen.

    Für mich zählt der Stein unter der blitzgeschlagenen Pinie auf dem kleinen Hügel an der Küste, wo die Asche von Pirandello, in der Nähe von seinem Geburtshaus, ohne christliche Symbole, nach seinem letzten Willen begraben ist, zu den rührendsten Stellen Siziliens.

    Du hast den faden Namen der heutigen Gemeinde “Porto Empedocle” gebraucht, aber die Ortschaft heißt “Càusu”, was Pirandello als “Chaos” interpretierte: daher kommt sein berühmtes Zitat “Ich bin ein Sohn des Chaos”, das seine skeptische/relativistische Weltanschauung ausdrückt, und für ein Mitglied des Chaos Computer Clubs ganz interessant sein sollte.

    (Der Mann war selbstverständlich kein Chaot: aus national-liberaler Familientradition und einer guten Dosis Opportunismus wurde er zwar Mitglied der faschistischen Partei, aber keine organische Regierungspuppe. Wahrscheinlich war das schwarze Hemd für ihn nur eine Narrenkappe (suchen) wie viele andere. Die Diskussionsseite auf Wikipedia bietet eine gute Synthese.)

    Zu “càusu” nun: Die angeblich griechische, heute gebräuchliche Schreibung “Kaos” (wie im Film der Brüder Taviani) stammt von Pirandello selbst. Die Interpretation als “Chaos” ist ein Versuch, den Namen mit einer griechischen Herkunft zu verschönen, denn jeder Sizilianer weiß, dass dieses Wort “Hose” bedeutet (fast nur im Plural, “càusi”, “Hosen”) und ist z.B. mit “calzone” verwandt.
    Wegen Pirandello gebraucht man es doch mit der Bedeutung “Chaos” auf der Seite Anarchìa der sizilianischen Wikipedia, aber das ist einfach lächerlich, allerdings hat man dort die italienische Übersetzung zwischen Klammern eingefügt, um den Text verständlich zu machen.

    Auf der Pirandello-Seite der italienischen Wikipedia (Note 1) steht das Zitat, wo Andrea Camilleri (auch aus Porto Empedocle) seine Version der Càvusu-Kaos-Geschichte erzählt.

    Die Behauptung, dass “Caos” sizilianisch für “Heimat” sei (so auf dieser Seite der deutschen Wikipedia) ist durchaus falsch.

    Heute, wie in den letzten Jahrhunderten in Westsizilien, spricht man es meistens “Càvusu” und “càvusi” aus (Google-Suchen nach “li cavusi” liefern u.a. erotische Erzählungen auf Westsizilianisch), aber der Familienname Li Causi, der aus dem selben Inselteil stammt und keine Variante “Li Cavusi” hat, bestätigt, dass die Einfügung des bilabialen v relativ neu ist. Wenn man nun eine Erwähnung des Namens der Ortschaft Càvusu finden könnte, die alt genug wäre, um das v als sekundäre Entwicklung hier auszuschließen, so könnte auch mein erster Eindruck, dass die ursprüngliche Bedeutung nicht eine in Ortsnamen seltsame “Hose”, sondern etwas wie “Höhle” (cavità, caverna, usw.) sei, geprüft werden… :-)

    Bis bald!
    Dario

  2. maha says:

    Hallo Dario!
    Sehr interessant! Ich gehe der Sache noch mal nach. Vielen Dank auch für die wirklich interessanten Links. Der Ort liegt ja in der Gegend, die altes au erhält (also nicht nach o ändert), wobei ein hiattilgendes v in der gesprochenen Sprache eingeführt wird. Da Ortsnamen dazu neigen, normalisiert zu werden, könnte ein etymologisch richtiges v auch mal hyperkorrekt weggelassen werden. Wir können also als Etymon cavus, caus, oder sogar κάβος annehmen.

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