Archive for June, 2008

Dr. Seltsam

Monday, June 30th, 2008

Als ich am Freitag erzählte, dass ich den Kultfilm Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben noch nie gesehen hatte, wurde er sofort hervorgekramt, und es kam zu einem spontanen Videoabend. So konnte ich gleich feststellen, warum dieser Film Kultstatus errungen hat: Einige Szenen (zum Beispiel die am öffentlichen Telefon) sind derart absurd, dass man den Film einfach lieben muss. Wenn Peter Sellers anfängt zu improvisieren, gelingen besonders interessante Szenen, so zum Beispiel die Szene, in der er als US-Präsident mit seinem russischen Kollegen telefoniert. Obwohl man nur seine Worte hört, kann man ziemlich genau erschließen, was auf der anderen Seite gesagt wird. Das ist schon aus gesprächsanalytischer Sicht einfach großartig. Man erkennt sehr deutlich, dass hier improvisiert ist, weil deutlicher mehr Merkmale gesprochener Sprache auftreten als im Drehbuch-Text.

Der Film ist übrigens eine Quelle von Filmzitaten, was mir aber erst klar wurde, als ich jetzt das Original gesehen habe; bisher dachte ich der Film Dark Star sei vor allem eine Parodie des Films 2001: Odyssee im Weltraum (ebenfalls von Stanley Kubrick), aber er enthält mehr Bezüge zu Dr. Seltsam. Es ist sicher ein Film, der sehr hilfreich ist, um das 20. Jahrhundert besser zu verstehen.

(Un-) Ruhe

Sunday, June 22nd, 2008

Zur Zeit beherrscht die Männer-Fußball-EM alle Terminpläne, was mir – wenn Deutschland spielt – ruhige Abende verschafft. Neulich war ich in einem Restaurant beinahe der einzige Gast (mit dem anderen war ich verabredet), weil alle Welt beim privaten oder öffentlichen Fußballschauen war. Allerdings kann man auch als Fußballverweigerer in solchen Situationen genau verfolgen, wie das Spiel abläuft, denn bei jedem Tor für Deutschland sind die Jubelrufe nicht zu überhören, und sogar bei gegnerischen Toren hört man entsprechende Reaktionen. Ansonsten herrscht angespannte Ruhe. Bestenfalls hört man noch aus einem offenen Fenster die sonore Stimme des Kommentators Béla Réthy (nur echt mit Zungenspitzen-R); nicht mal Autos fahren auf der Straße!

Mit der angespannten EM-Ruhe ist es natürlich nach dem Spiel vorbei. Dann übernehmen die Autokorsi das Regiment. Nach deutschen Siegen kann die Unruhe dann sehr lange andauern. Oft helfen da nicht einmal Ohrenstöpsel.

Filmmusik

Saturday, June 14th, 2008

Kürzlich habe ich den Film Sex & the City gesehen, der mir gut gefallen hat. Neben den opulenten Bildern aus New York City hat mir besonders die Filmmusik gefallen. Der Film startet mit dem Jingle der Sex and the City-Serie, der sofort abgebrochen wird und dann in einer modernen Hip Hop-Version fortgesetzt wird. Die alte Musik wird aber im Film fast wie ein Leitmotiv eingesetzt, wenn angezeigt werden soll, dass etwas „wie früher“ ist. So lassen sich ganz unterschwellig Informationen an den Zuschauer vermitteln. Auch sonst vermischt der Komponist Aaron Zigman verschiedene Musikstile, was zu interessanten Effekten führt. Ich habe selten einen Film gesehen, wo die Technik Richard Wagners so effektvoll im Kino mit modernen Mitteln umgesetzt wurde, ohne dass die Musik im Vordergrund stünde.

Sonntags in Berlin

Monday, June 2nd, 2008

Berlin ist eine Sommerstadt, denn nur im Sommer entfaltet sie mit ihrem vielen Grün ihren gesamten Zauber. Den Tag begann ich mit einem entspannten Brunch bei Chris und Jan, um dann nachmittags etwas spazieren zu gehen. Eigentlich war ja Wetter für das Strandbad Wannsee, aber da sich der Brunch länger hingezogen hat, konnte ich mich nicht mehr aufraffen.

Gay Memorial, Berlin

Dafür bin ich dann etwas spazieren gegangen. An diesem Sonntag war ja eine Kundgebung zum Autofreien Sonntag auf der Straße des 17. Juni und rund um das Brandenburger Tor. Bei der Gelegenheit stattete ich natürlich auch dem neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen einen Besuch ab, das in der letzten Woche eröffnet worden war. Das Denkmal mit seiner Videoinstallation (in einem kleinen Fenster an der Seite) gefällt mir sehr gut, weil es eine Verbindung schafft zwischen schwer verdaulicher Erinnerungsarchitektur (Steinblock) und der heutigen Zeit (Videoinstallation). Es ist auch ein ziemlicher Publikumsmagnet. Jedenfalls war es kaum möglich, das Fenster mit der Videoinstallation zu fotografieren, ohne dass sich andere Betrachter darin spiegelten.

Anti-Gay Demonstration

Unweit des Denkmals protestierte jemand im Rahmen der Kundgebung gegen Schwule. Ich habe das gleich mal fotografisch festgehalten, weil ich es an dieser Stelle unerhört fand und sich der abgelichtete Demonstrationsteilnehmer wohl kaum auf das Recht am eigenen Bild berufen kann, schon gar nicht im Rahmen einer öffentlichen Demonstration. Angesichts des Denkmals macht ein solcher Anti-Schwulen-Protest schon ziemlich sprachlos.

Am Abend aß ich mit Leuten vom Chaos Computer Club Berlin noch ein paar leckere Pizzastücke in der Foccaceria in der Fehrbelliner Straße 24 – nicht billig, aber sehr empfehlenswert! Hier an einem lauschigen Sommerabend bei Pizza und italienischem Wein zu sitzen, lässt sich sehr mediterran an. Anschließend sahen wir noch gemeinsam The Big Lebowski, der doch sehr zur entspannten Großstadtsommeratmosphäre passte.