Archive for July, 2008

Mehr Demokratie wagen

Monday, July 14th, 2008

Der Titel dieses Beitrags Mehr Demokratie wagen erinnert an Willy Brandts berühmten Slogan, der der SPD immerhin 1969 zur Regierungsverantwortung der sozial-liberalen Koalition verhalf. Seit seiner Verfassungsänderung 2006 wagt das Land Berlin tatsächlich mehr Demokratie: unlängst gab es Volksentscheide über den Flughafen Tempelhof, die Rudi-Dutschke-Straße und an diesem Wochenende über das Mediaspree-Projekt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Und ich glaube, man kann mit den Ergebnissen zufrieden sein: Das Volk entschied sich nicht für den Flughafen, die Rudi-Dutschke-Straße darf wirklich nach Rudi Dutschke benannt sein, und die Initiative Mediaspree versenken kann einen großen Erfolg verbuchen: Fast 90 Prozent derjenigen, die an der Abstimmung teilgenommen haben (etwa 19%), stimmten für den Antrag der Initiative – zum Glück, denn die Einbetonierung der Spree muss abgewendet werden. Hoffentlich funktioniert das auch, denn der Volksentscheid hat ja nur empfehlende Wirkung. Ich denke aber, dass die politische Kraft, die von ihm ausgeht, stark genug sein wird.

Dave Van Ronk & Gus Van Sant

Monday, July 14th, 2008

Der neuste Film von Gus Van Sant Paranoid Park kam beim sonntäglichen Videoabend allgemein nicht so gut an, was vielleicht an der etwas eindimensionalen Geschichte lag. Filmisch fand ich ihn schon sehr interessant – vielleicht etwas zu anspruchsvoll im Vergleich zum Inhalt, den ich hier natürlich nicht verrate. Sehr ansprechend sind die Skateboard-Szenen, die mit einer verrauschten Camcorder-Technik aufgenommen wurden, diese und vielleicht zu häufig eingesetzte Zeitlupe haben eine sehr eigene, aber durchaus ansprechende Ästhetik. Jedenfalls gelingt es dem Regisseur, Gefühle und Stimmungen optisch zu vermitteln. (Bei dieser Gelegenheit muss ich gleich mal auf das Portal:Skateboarding und den Skateboarder-Jargon in der Wikipedia hinweisen, die hoffentlich nicht so bald den „Wikipedia-Löschern“ zum Opfer fallen werden.)

Auch dieser Film hat eine nicht-lineare Erzählstruktur (ich muss wohl nicht wieder erwähnen, dass ich das mag), die sich daraus ergibt, dass der Protagonist mehrfach ansetzt, seine Geschichte zu erzählen. Die Unterschiede zwischen den Versionen sind übrigens sehr interessant und lassen letztlich daran zweifeln, ob die letzte Version auch wirklich die einzig Richtige ist, bzw. ob sie genau so richtig ist, wie sie hier erzählt wurde.

Nach dem Film legte hukl dann noch ein paar Songs von Dave Van Ronk auf, von denen ich einige kannte, ohne Dave Van Ronk zu kennen, der dann aber gleich zu meinen Lieblingssängern aufstieg – zumindest für verregnete Sommerabende, wenn der Blues über einen kommt.

Lord of War

Sunday, July 13th, 2008

Gestern habe ich den Film Lord of War gesehen, den ich bis dahin irgendwie ignoriert hatte, wohl weil ich den Hauptdarsteller Nicolas Cage nicht sehr mag. Ich finde, er hat kaum Ausstrahlung und spielt auch nicht sehr überzeugend – eher etwas hölzern. Schade, denn der Film ist sehr gut. Die Dialoge sind sehr gut geschrieben, manchmal jagen sich die Pointen so schnell, dass man vor Lachen die nächste Pointe fast überhört. Dabei ist es natürlich keine Komödie, sondern ein sehr informativer Film über den Waffenhandel. Besonders gelungen ist die Bildsprache: Ein schöner Kameraschwenk jagt den nächsten und der Filmschnitt ist sehr gelungen. Insbesondere im ukrainischen Waffendepot gibt es ein paar sehr gelungene Bilder, die Reise einer Patrone am Anfang des Films ist sehr eindrucksvoll und die Darstellung der Hochzeit der Hauptpersonen ist in der Endversion sehr gelungen. Text, Kamera und Schnitt sind geschickt aufeinander abgestimmt, so dass man wirklich erkennen kann, dass zwischen den beteiligten Künstlern zusammengearbeitet wurde und dass der Regisseur Andrew Niccol den Überblick behalten hat. Auch sein früherer Film Gattaca fiel ja schon sehr angenehm auf.

Besser als Cage spielt übrigens (erwartungsgemäß) Ethan Hawke, der allerdings leider im Drehbuch etwas zu kurz kommt. Niccol erwähnt in einem Interview, dass die Ambivalenz des von Hawke verkörperten Ermittlers so interessant fand. Das wird aber nicht wirklich herausgearbeitet.

Der Soundtrack ist auch sehr gelungen, besonders die Gitarrenmusik ist eindrucksvoll. Auf den Walkürenritt hätte ich allerdings verzichtet; aber vielleicht ist das nur für ein europäisches Publikum zu platt. Es sollte vielleicht nur an den Klassiker Apocalyse Now erinnern.

Eigentlich sollte es mehr solche Filme geben, die zugleich sehr unterhaltsam wie aufklärend sind. Es macht dann auch nichts aus, dass der Film zwei Stunden dauert. Die vergehen garantiert im Flug!

Rufus & Judy

Thursday, July 3rd, 2008

Due to my interest in modern cinema, I came across the singer and song writer Rufus Wainwright and I bought a couple of his discs. I like his Chanson style very much, but what is more important: thanks to his remake concert at Carnegie Hall I discovered Judy Garland’s famous concert recording. I had known Judy Garland before, mainly from The Wizard of Oz (a performance of which I had once seen in Sausalito when I studied in California), but I didn’t know about the concert. So, I’m not so critical about Rufus redoing Judy as other people seem to be (among them my colleague Ben Munson), since Rufus made me discover a very entertaining concert with great songs. Of course, Judy’s performance is not always flawless, but it is very enjoyable and I like her interpretation better than the remake which is still quite good; however, as Rufus himself says during the concert: he is more a song writer than a singer, at least when it comes to jazz music (or rather swing), which is certainly more difficult than pop music.

My favorite song of Judy’s and Rufus’s concert is Puttin' on the Ritz, a musically very interesting song by Irving Berlin. There is a slight textual change in Rufus’s version which I can’t explain:

  • Judy sings:
    That’s where each and every lulu-belle goes
    Every Sunday evening with her swell beaux
    Rubbin’ elbows
  • Rufus sings:
    That’s where each and every lulu-belle goes
    Every Sunday evening with her swell girls
    Rubbin’ elbows

Why does he change beau to girl? Is this some kind of Gender mainstreaming? It is not really a good idea, because the rhyme gets lost.