Archive for August, 2008

12 Konsonanten

Thursday, August 28th, 2008

Angstschweiß gilt bekanntlich unter Deutschlernenden als sehr schwieriges Wort, das so manchem tatsächlich den Angstschweiß auf die Stirn treibt, denn es enthält acht Konsonantenbuchstaben in Folge. Rein phonetisch betrachtet sind es natürlich nur fünf, denn <ng> ist ein Digraph  und <sch> ein Trigraph, also ein Laut, dessen graphische Darstellung sich aus mehreren Buchstaben zusammensetzt. So ergeben sich lediglich 5 aufeinander folgende Phoneme in /ˈaŋstʃvaɪs/, was  natürlich schon eine  Herausforderung darstellt.

Im Label 205 hatte ich heute ausführlichGelegenheit über Konsonantenhäufungen zu diskutieren, als mir plötzlich durch eine zufällige Gedankenassoziation ein Wort durch den Kopf ging, das immerhin zwölf Konsonantenzeichen enthält, nämlich: Borschtschschlürfer, und das noch dazu ein Doppel-sch aufweist. Allerdings handelt es sich bei <rschtschschl> auch nur um fünf Konsonantenphoneme, nämlich /rʃʧʃl/; wahrscheinlich ist das die Obergrenze. Dennoch ist Borschtschschlürfer zumindest für heute mein Wort des Tages.

Lighter Tillmans

Friday, August 22nd, 2008

Heute war ich im Hamburger Bahnhof, um die Austellung Lighter von Wolfgang Tillmans zu sehen. Die Ausstellung endet am Sonntag, es wurde also höchste Zeit! Zudem ist am Donnerstag der Eintritt frei, also ist es eine gute Gelegenheit, sich moderner Kunst zu widmen, insbesondere wenn man eine nette Begleitung hat. Die Ausstellung fand ich allerdings etwas enttäuschend, denn Tillmans mag ich doch eher als Portrait-Fotografen, und Portraits nehmen in dieser Ausstellung eine untergeordnete Stellung ein. Ich glaube auch, dass Tillmans die Portrait-Fotografie viel mehr liegt als das Abstrakte, das bei ihm irgendwie uninspiriert wirkt. Es gibt auch eine Reihe von Kollagen, die ganz interessant sind, allerdings fand ich nur zwei bis drei wirklich überzeugend.

Les Chansons d’amour

Tuesday, August 19th, 2008

Gerade komme ich aus Berlins schönstem Kino zurück, dem Kino International, wo sogar das Rauchverbotsschild noch volkseigen ist. Am schönsten sind ja die Plaste-Lüster im Barbereich, wo man durch riesige Fenster, die seit der Berlinale mit dem Berliner Bär verziert sind, einen sagenhaften Blick auf den Berliner Fernsehturm hat, bekanntermaßen die Antenne einer in Berlin abgestürzten Raumstation.

Heute gab es einen sehr schönen Kinofilm (in der Reihe Mongay), nämlich Les Chansons d’amour. Der Musikfilm erinnert so ein bisschen an 8 Frauen oder Das Leben ist ein Chanson, hat aber auch etwas „Hypersexuelles“ (den Terminus habe ich frei erfunden aufgrund eines Hinweises von Herrn Gesundbrunnen). Es ist ein zwar etwas tragischer, aber dennoch sehr hoffnungsvoller Wohlfühlfilm aus Frankreich, der mal wieder beweist, dass das europäische Kino sehr schön sein kann und möglicherweise unterschätzt wird. Sehenswert!

There Will Be Blood

Saturday, August 16th, 2008

Gerade habe ich den Film There Will Be Blood gesehen, der vom Ölrausch in Kalifornien und von religiösem Fanatismus handelt. Der Film basiert auf dem Roman Oil! von Upton Sinclair, ist aber nicht so stark gesellschaftskritisch angelegt, sondern konzentriert sich mehr auf die Personen und ihre Beziehung zueinander. Das Ende wirkt etwas gezwungen. Ein anderer Nachteil ist die sehr gewöhnungsbedürftige Filmmusik. Sie ist ja gar nicht so schlecht, aber anstrengend.

Zu empfehlen ist der Film jedoch wegen der schauspielerischen Leistung. Dass Daniel Day-Lewis den Oscar dafür gewonnen hat, ist wirklich nicht überraschend. Die englische Wikipedia nennt die von ihm verkörperte Rolle einen Greedmeister: Das Wort ist in noch keinem Wörterbuch zu finden, aber von der Wortbildung her sehr interessant, da ein deutsches Wortbildungselement verwendet wird (ähnlich wie englisch uber).

last.fm

Tuesday, August 5th, 2008

Gestern habe ich nach viel zu langem Zögern endlich last.fm ausprobiert. Ich war immer davon ausgegangen, dass das für mich mit meinem konfusen Musikgeschmack nicht taugt, denn ich mag ja besonders klassische Musik (Johann-Sebastian Bach, Franz Schubert, Gustav Mahler, Peter Tschaikowski, Richard Wagner und auch „Neoklassik“ wie Charles Ives, Edward MacDowell, Benjamin Britten), ein paar Unterbereiche des Jazz (Bossa Nova, Swing), a cappella-Gesang (von Johannes Brahms bis zu den Wise Guys), entspannte elektronische Musik, Chansons und vieles mehr. Und siehe da: meine ersten Versuche bei last.fm haben Erstaunliches zu Tage gebracht. Ich habe ein paar tolle Neu- und Wiederentdeckungen gemacht. Besonders interessant war die folgende Erfahrung: Ich schätze Hans Zimmer ja schon lange als Komponist genialer Filmmusik, aber habe seine Kompositionen praktisch nie losgelöst von Filmen wahrgenommen. Da mir last.fm ständig seine Kompositionen nahelegte, habe ich dann mal reingehört und war gleich begeistert. Hans Zimmer komponiert für seine Filme richtig gute (neu-) klassische Musik in Verbindung mit elektronischer und verwendet sehr geschickt Wagners Leitmotiv-Technik, die ja überhaupt sehr gut in die Filmmusik passt.

Da hätte die Musikindustrie gestern ganz schön an mir verdienen können, aber sie hat es mal wieder verbaselt: Den neuen Soundtrack von The Dark Knight gibt es zwar schon (The Dark Knight (soundtrack), Rezension, Interview mit den Komponisten Hans Zimmer und James Newton Howard), er wird aber in Deutschland erst vom 22. August an verkauft, dem Start des Kinofilms. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist jedenfalls gar nicht verkaufsfördernd. Die Regelung, dass man erst auf den deutschen Filmstart warten muss, hat doch in der globalisierten Welt überhaupt keinen Sinn (und auch sonst nicht) – genauso wenig wie der Regionalcode für DVDs. Man hat geradezu den Eindruck, die Musikindustrie möchte ihren Markt zerstören.

Und noch eine Wiederentdeckung habe ich gemacht, die ich sogar schon auf meinem Rechner hatte: God Wrote in LISP (Text) – wer’s noch nicht kennt, aber schon mal was von Programmiersprachen gehört hat: Dieser Song und diese Programmiersprache sind ein Muss!

Update: Da mich mehrere Leute gefragt haben, hier mein last.fm-Nick: mahabln (nur für den Fall, dass mich jemand dort kontaktieren will).

Interview

Monday, August 4th, 2008

Gestern habe ich den Film Interview (2007) gesehen, das US-Neuverfilmung eines Films von Theo van Gogh (deutscher Titel: Interview – Nächtliche Geständnisse), den ich leider nie gesehen habe (muss ich nachholen!). Der Film spielt größtenteils in einem Raum und könnte auch als Theaterstück überzeugen. Ich würde dann gern die Rolle des Journalisten übernehmen. Der Film ist sehr dialoglastig, aber Theodor Holmans Dialoge sind sehr witzig, und es entsteht eine dezente Spannung. Es ist unglaublich, wie ohne Aufwand hier Spannung, ja geradezu Action entsteht, obwohl praktisch nichts passiert. Das Katz-und-Maus-Spiel der beiden Protagonisten ist großartig und sehr sehenswert.

Funkwelle

Monday, August 4th, 2008

Gestern habe ich mit Tim Pritlove auf Funkwelle FM meinen ersten Live-Podcast gemacht, und zwar unter dem Titel Qualitätsmanagement in der Wikipedia. Live war er deshalb, weil er nicht nur gestreamt wurde, sondern auch in Berlin als Radiosendung auf UKW live ausgestrahlt wurde (95,2 MHz). (Das klingt jetzt irgendwie nach Steinzeittechnik, aber ist auch ganz nett.) :-)

Eine Live-Sendung ist ganz schön stressig, zumal man in der Studio-Sofa-Situation bei Funkwelle nicht gut auf den Laptop schauen kann, weshalb ich einige Male überfragt war. Mit einem Headset am Tisch ist die Podcastproduktion praktischer. Es hat trotzdem irre Spaß gemacht! Ich sollte wirklich unter die Podcaster gehen. Das Equipment habe ich ja eigentlich.

Diejenigen, die den Podcast nicht live gehört haben, können ihn sich natürlich als Chaosradio Express 093 herunterladen. Viel Spaß und vielen Dank für alle Kommentare!

Freiluft-Wagner

Friday, August 1st, 2008

Am letzten Sonntag besuchte ich mal wieder die Bayreuther Festspiele, allerdings war ich nicht auf dem Grünen Hügel selbst, sondern bei der Siemens Festspielnacht, einem Public Viewing auf dem Bayreuther Volksfestplatz.

Um uns einen guten Platz zu sichern, waren wir schon um 13 Uhr auf dem Festplatz. Um 16 Uhr begann dann die Übertragung der Wagneroper Die Meistersinger von Nürnberg in der Inszenierung von Katharina Wagner. Dass die Inszenierung umstritten ist, wusste ich ja schon vorher. Ich fand sie einfach zu plakativ. Es ist doch unnötig, seine Botschaft ad nauseam zu wiederholen bzw. auf jede erdenkliche Weise wieder und wieder zum Ausdruck zu bringen. Skandalträchtig ist die Inszenierung übrigens nicht – und wäre auch nicht sehr mitreißend, gäbe es nicht die Musik und die Leistungen von Chor, Orchester und Solisten, deren Anstrengungen in den Nahaufnahmen richtig deutlich wurden.

Der Freilicht-Wagner war rundum ein tolles Erlebnis – vor allem aufgrund der angenehmen sommerlichen Atmosphäre auf dem Festplatz und dem funktionierenden Catering. Es gibt dazu sogar einen Festspiel-Podcast.