Archive for September, 2008

The Fountain

Tuesday, September 23rd, 2008

Am Sonntag habe ich The Fountain von Darren Aronofsky gesehen. Es ist ein leicht esoterischer Film, der ganz offensichtlich – wie viele Filme – von 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert ist. Der Film vermischt drei Realitätsebenen, die auf den ersten Blick charakterisiert werden können als Vergangenheit (Spanische Invasion Südamerikas), Gegenwart (ein Medizin forscht an einer Arzenei, um die Krebskrankheit seiner Frau zu heilen) und Zukunft (ein Astronaut reist durch das Weltall). Es sind aber eigentlich keine reinen Zeitebenen, sondern die Geschichte des Konquistadors in Lateinamerika ist eine Geschichte in der Geschichte, nämlich ein Romanfragment, an dem die Frau des Mediziners arbeitet. Die Raumfahrt ist offensichtlich ein Traum des Mediziners, in dem sich traumtypisch die Realitäten mischen (sie tun das nämlich nur hier).

Der Film ist sehr poetisch und bietet eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten. Die Filmmusik wird gegen Ende (in der Raumfahrtszene) etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn sich der Produzent da mehr an Stanley Kubrick orientiert hätte, wäre der Film noch besser geworden, den ich im Übrigen sehr empfehle. Er ist bei aller Philosophie auch noch spannend und hat die 7,5 bei IMDB durchaus verdient.

Inland Empire von David Lynch

Friday, September 19th, 2008

Neulich habe ich Inland Empire, den neuen Film von David Lynch gesehen. Es ist der letzte Film aus der Trilogie, die mit Lost Highway begann und mit Mulholland Drive fortgesetzt wurde. Allerdings ist Lost Highway ein geradezu geradliniger und gut verständlicher Film. Da ist Inland Empire vollkommen anders. Zum Glück hatte ich jemanden in meiner Nähe, der Polnisch konnte, und dem sich dadurch noch andere Interpretationen erschlossen haben, denn ein Teil der Dialoge ist auf Polnisch (ohne Untertitel). Es ist ein sehr seltsamer Film, in dem sich verschiedene Realitätsebenen durch einen Film im Film immer wieder mischen. Ich habe sogar den Eindruck, dass die erste Ebene möglicherweise gar nicht die erste (außerhalb des Films im Film) ist, was so ein bisschen an David Cronenbergs Film eXistenZ erinnert, der allerdings relativ leicht verständlich ist. Leider ist Inland Empire auch sehr lang, was ihn anstrengend macht. Ich kann den Film also nur empfehlen, wenn man wirklich Zeit und Muße hat und ein David-Lynch-Fan ist.

Für mich hatte der Film jedoch einen interessanten Nebeneffekt: Durch ihn habe ich Nina Simone entdeckt, die ich zwar schon mal gehört hatte, aber als Sängerin noch nicht bewusst kannte. Dafür hat es sich gelohnt!

Musenstadt Berlin

Monday, September 1st, 2008

Dieses Wochenende stand für mich ganz im Zeichen der Kultur: Von Samstag auf Sonntag gab es mal wieder die Lange Nacht der Museen in Berlin:

  1. Ich startete mal wieder beim Schwulen Museum, obwohl mich die Ausstellung über Lesben in Berlin nicht so sonderlich interessierte. Sie war jedoch erwartungsgemäß gut gemacht. Bedauerlich war bloß, dass die übliche Führung um 17 Uhr nicht stattfand, mit der ich eigentlich gerechnet hatte. Die Dauerausstellung des Museums hatte ich seit längerem nicht gesehen und muss zugeben, dass sie enorm an Umfang gewonnen hat und fast schon beängstigend voll ist.
  2. Danach ging es zur Museumsinsel, wo wir zunächst im Alten Museum der Nofretete unsere Aufwartung machten. Da war ich zwar erst bei der letzten langen Nacht, aber das Ägyptische Museum ist ja immer einen Besuch wert und passte so wunderbar zu unserem nächsten Ziel, dem Pergamonmuseum
  3. Dort findet zur Zeit die Ausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit statt. Ich hatte mir zum Glück zuvor ein kostenloses so genanntes „Zeitfensterticket“ besorgt, das es ermöglichte, an der doch sehr langen Schlange vorbeizukommen. Die Ausstellung ist wirklich sehr eindrucksvoll. Ich finde es zwar gewöhnungsbedürftig, dass Ausstellungsgegenstände aus den unterschiedlichsten Epochen zusammenstehen, aber museumspädagogisch ist diese Ausstellung so gut aufbereitet, dass man mit Spannung so lange dort herumlaufen kann, bis die Füße wehtun.
  4. Nachdem wir viel Zeit in der Babylonausstellung verbracht hatten, besuchte ich anschließend das Bode-Museum, das mich aber nicht so beeindruckte. Irgendwie wirken die mittelalterlichen Skulpturen nach der großartigen Ausstellung im Pergamonmuseum nicht so richtig. Der Aufenthalt im Bode-Museum war auch deshalb so kurz, weil ein Wärter meine Begleiterin wegen ihrer Handtasche nicht ins Museum lassen wollte, obwohl wir anstandslos in die anderen Museen gekommen waren (wo es zum Teil viel strikter zuging). Außerdem gab es andere Besucher mit viel größeren Taschen (und sogar einem Rucksack!).
  5. Leider mussten wir den Weg bis zum Medizinhistorischen Museum zu Fuß zurücklegen, weil die Bus- und Tramverbindung vom Bode-Museum zum BMM nicht berauschend ist. Ich finde ja die Präparatesammlung nicht so angenehm zu betrachten und sparte sie mir dann auch. Unser eigentliches Ziel war die Sonderausstellung über Magnus Hirschfeld und sein Institut für Sexualwissenschaft, sowie dessen Schicksal im Zusammenhang mit der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland (ausführliche Information zur Ausstellung).

Bekanntlich fand die Bücherverbrennung der Nazis (mit dem Bestand von Hirschfelds Bibliothek) ja auf dem heutigen Bebelplatz
neben der Staatsoper Unter den Linden statt. Dort führten mich meine Wege am Sonntag hin, denn es wurde dort ein Freiluftkonzert von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Die Symphonie ist schon sehr mitreißend und entfaltet auf dem Forum Fridericianum so richtig seine Wirkung. (Ich empfehle die Beschreibung der Symphonie in der Wikipedia!) Leider verhielt sich das Publikum etwas störend: Manche klatschten zwischen den Sätzen und einige sogar mitten im letzten Satz in der Generalpause.