Archive for December, 2008

Jahresrückblick 2008

Thursday, December 25th, 2008

Das Jahr 2008 war sehr ereignisreich und ist wahrscheinlich auch deshalb blitzartig vergangen. Die ersten zwei Monate gingen ganz schnell vorüber, weil ich stark in die Organisation der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft eingebunden war. Da blieb praktisch keine Zeit zum Durchatmen. Das konnte ich erst zu Ostern, und zwar in Köln. Dort nahm ich am Easterhegg teil und verband den Besuch mit einer kleinen Reise in meine Vergangenheit. Ich hatte ja in Köln studiert, und nutzte den Aufenthalt, um meine Studienstadt wiederzuentdecken.

Ich hatte mich überreden lassen, im April in Dresden einen Vortrag über den Neusprech unserer Politiker mit Bezug auf die neuen Überwachungsgesetze zu halten. Das Thema war neu für mich, und ich musste mich irgendwie dazu erst aufraffen. Da kam es sehr passend, dass Tim Pritlove mir vorschlug, mal wieder einen Podcast zu machen und von dem Thema ganz begeistert war. So kam es, dass wir eine sehr erfolgreiche Chaosradio Express-Folge (Folge 81) produziert haben, die mir dann noch einen zusätzlichen Auftritt bei Trackback einbrachte. Es sollte nicht mein einziger Beitrag bei Chaosradio Express bleiben, denn im Sommer folgte noch eine Sendung über Qualitätsmanagement in der Wikipedia. Auch den Neusprech-Vortrag aus Dresden konnte ich wiederholen, und zwar in Bamberg, worüber sogar der Vorwärts berichtete und in Bielefeld – natürlich immer etwas anders.

Auch das Frühjahr sollte im Flug vergehen, schließlich gab es zwischen dem Easterhegg und meinem Auftritt in Dresden noch die re:publica; auch in diesem Jahr fand ich das Blogger- und Podcastertreffen wieder ziemlich anregend. Kaum hatte dann das Sommersemester begonnen, ging es schon auf eine erlebnisreiche Exkursion nach Sizilien. Da ich danach noch ein Blockseminar organisiert hatte, war vor lauter Geschäftigkeit schon bald der Sommer da, der mich zunächst mal wieder zu den Bayreuther Festspielen führte. Diesmal hatte ich zwar keine Karten (man kann nicht immer Glück haben!), aber es gab ja diesmal ein Public Viewing: aus dem Richard-Wagner-Festspielhaus wurde eine Aufführung der Meistersinger von Nürnberg auf eine Großbild-Leinwand übertragen. Gerade von der Atmosphäre her, war das ein beeindruckendes Erlebnis.

Meinen eigentlichen Sommerurlaub verbrachte ich im Zelt auf der ICMP4. Das war ganz entspannend, auch wenn das Wetter – wie schon vor zwei Jahren – nicht wirklich gut war. Nach den Ferien ging es dann an die Vorbereitung der Tagung in Siggen, die den Sommer erfolgreich abschloss. Ende Oktober folgte eine opulente Geburtstagsfeier. Von da an durfte ich bei der Deutschen Bahn das Ersatzzugwesen genießen, was wegen der fehlenden Steckdosen nicht gerade ein Genuss war.

Anfang November trudelte mein neues Apple MacBook Pro ein, das mir schon viel Freude bereitet hat, weil es einfach mal problemlos funktioniert. Man kann es übrigens auch als Schminkspiegel verwenden. Ich nahm es gleich mit zum Wikipedia-Workshop in Köln, der mir wieder sehr gefallen hat. Man lernt ja auch immer gern nette und interessante Leute kennen!

Erstaunlicherweise habe ich es in diesem Jahr geschafft, den Jahresrückblick schon vor dem 25. Chaos Communication Congress zu verfassen, der bestimmt sehr spannend werden wird und zu dem es zu gegebener Zeit mindestens einen Extra-Eintrag geben wird. Ansonsten bin ich in diesem Jahr gar nicht so oft zum Bloggen gekommen, wie ich gehofft hatte. Es war einfach zu viel los!

My 2008 favorites

Sunday, December 21st, 2008

Schönberg und Kantscheli

Saturday, December 13th, 2008

Vorgestern hatte ich das Vergnügen, mal wieder die Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott zu hören. Das Konzert begann gleich mit dem Höhepunkt des Abends, nämlich mit Arnold Schönbergs Konzert für Streichquartett und Orchester B-Dur nach Georg Friedrich Händels Concerto grosso Opus 6 Nr. 7. In einer Einführung vor dem Konzert gab es auch Ausschnitte aus Händels Original. Ich frage mich bloß, warum man nicht gleich das ganze Concerto grosso als erstes Stück gespielt hat. Das hätte viel besser gepasst, als nach dem Schönberg noch ein Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach (nach Bach-Werkeverzeichnis 1060) nachzulegen. Wahrscheinlich hat man das nur gemacht, um zu verhindern, dass zu viele Konzertabonnenten nach dem modernen Schönberg die Flucht ergreifen. (Die Leute neben mir sind aber trotz des gefälligen Bachs gegangen.)

Nach der Pause ging es dann weiter mit einem sehr gewagten Stück, nämlich Voice & Violin des georgischen Komponisten Gia Kantscheli. Es ist ein Konzert für Tonband, Solovioline und Streichorchester. Auf dem Tonband ist die Stimme von Hamlet Gonashvili, einem verstorbenen georgischen Sänger, der Kantscheli zu seinem Stück inspirierte und dem dieser ein Denkmal setzen wollte. Die dissonanten Dauertöne der Geige sind allerdings gewöhnungsbedürftig und forderten das Publikum etwas, das dann aber durch Franz Schuberts Unvollendete wieder versöhnt werden sollte.

Kantschelis Komposition ist durchaus interessant, auch wenn ich mehr erwartet hatte. In jedem Fall hätte ich sie an den Anfang gestellt, dann Händels Concerto grosso aufgeführt und nach einer Pause schließlich Schönbergs Version. Damit wäre der Abend viel abgerundeter gewesen, so wirkte er etwas konzeptlos. Schönbergs Händelbearbeitung fand ich auch deshalb so eindrucksvoll, weil sie das Orchester und besonders die Solisten sehr gefordert hat, was ich gut finde, denn so können die Künstler zeigen, was sie wirklich können. Das wäre am Ende eines Abends sicher noch wirkungsvoller gewesen als Schuberts gefällige Unvollendete, die wie ein Stück aus dem Standardrepertoire wirkte. Dass der Dirigent sie auswendig dirigiert, verstärkt diesen Eindruck leider nur.