Archive for January, 2009

Gomorra

Tuesday, January 27th, 2009

Endlich habe ich den Film Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra in der Originalfassung sehen können. Das war nicht ganz einfach, denn in Deutschland läuft der Film überwiegend synchronisiert, aber für mich war vor allem die Originalsprache interessant: das Neapolitanische. Nun war der Film endlich für wenige Tage im Original mit Untertiteln zu sehen. Leider waren meine Erwartungen etwas hoch und wurden – vielleicht weil sie so hoch waren – gar nicht erfüllt.

Die Laienschauspieler haben ihre Sache gut gemacht, aber leider kam die Handkamera zu oft zum Einsatz, was natürlich die Authentizität unterstreichen sollte, aber ich mag es nicht, wenn ich unter wackelnden Bildern oder unprofessionellen Bildausschnitten leiden muss. Zudem hat der Film erzählerische Mängel: die Geschichten haben zum Teil weder Anfang noch Ende oder weisen zumindest logische Brüche auf: Warum kommen zum Beispiel die Müllschieber in Schutzanzügen aus einem Container? Die Szene erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich muss man das Buch gelesen haben, um alles zu verstehen. Wieso explodiert das Boot, auf das die beiden jungen schießen? (Das ist völlig unerklärlich; man hat den Eindruck, dass es nur ein Effekt ist.) Warum bekommt jemand eine hohe Anzahlung für einen Auftrag, von dem der Auftraggeber weiß, dass die Auftragnehmer ihn nicht ausführen können, aber auch ohne Anzahlung annehmen würden? Der Auftraggeber sieht nicht so aus, als könne er Geld verschenken. In welchem Zusammenhang steht die Solariumszene des Anfangs mit den übrigen Episoden?

Der Film schildert Episoden aus der Welt der Camorra, ohne wirklich das System der Camorra deutlich zu machen. Es bliebt eigentlich bei der Botschaft: Wer sich darin verstrickt, kommt darin um – oder hat Glück. Das finde ich unbefriedigend. Vielleicht ist der Film aber nur eine Werbung für das gleichnamige Buch. Aber so richtig macht er keine Lust darauf.

Abstieg in die Unterwelt

Tuesday, January 27th, 2009

Berliner Unterwelten

Damit man mir auch wirklich glaubt, dass man bei den Berliner Unterwelten mal mit der Leiter in ein enges Loch runter muss, hier das Beweisfoto als Nachtrag zum letzten Blogeintrag. Man sieht dort den Revisionsschacht, über den man in den unter Wasser stehenden Bunker einsteigen kann. Das war schon abenteuerlich!

Berliner Unterwelten

Monday, January 26th, 2009

Gestern Nachmittag stand wieder eine Nerdtour auf dem Programm: Die Tour D durch die Berliner Unterwelten: Wie der Name dem Kenner verrät, befasst sich die Tour mit der ehemaligen U-Bahn-Linie D (jetzt in etwas anderer Streckenführung die U8). Zuerst erkundeten wir den U-Bahnhof Oranienplatz (Dresdner Straße). Dort war von 1927 bis 1987 ersatzweise eine BEWAG-Schaltstelle untergebracht. In einen Teil des Bahnhofs war zudem ein Bunker eingebaut worden, dessen Besuch besonders abenteuerlich war, denn es waren Gummistiefel nötig wegen des Regenwassers, das sich hier angesammelt hatte (das kalte Wasser ging knapp bis über die Knöchel). Auch der Zugang über eine Leiter war nicht gerade bequem. Der Bunker reicht von Kreuzberg bis Mitte und ist nach dem Mauerbau durch eine Mauer und eine Stahlplatte zur DDR-Seite abgeriegelt.

Danach ging es in den U-Bahnhof Moritzplatz, der ja zunächst gar nicht geplant war, später jedoch sogar zu einem S-Bahnhof ausgebaut werden sollte, was aber aufgegeben wurde. Auch hier sind in die Rohbauten Bunker eingebaut worden. Hier (wie auch in dem anderen Bunker) erwies sich die mitgebrachte Taschenlampe als nützlich. Man sollte eine kleine, handliche, aber sehr lichtstarke Taschenlampe mit sich führen, da manchmal kein Licht vorhanden ist. Große Taschenlampen eignen sich nicht so gut, wenn man mal eine Leiter oder Revisionstreppe hinabklettern muss.

Nach der dreistündigen Tour waren wir ziemlich erschöpft, ausgehungert und verfroren. Wir wärmten uns also in einer Kreuzberger Café-Institution auf, nämlich bei Tante Horst, und genossen dann noch Berliner Küche und Kreuzberger Molle beim Max und Moritz. Die Küche und der Originalberliner Umgangston sind sehr zu empfehlen.

Sprache-Deutsch-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

Saturday, January 24th, 2009

Helix

Heute war ich in der Ausstellung Sprache Deutsch im Deutschen Historischen Museum. Die Ausstellung begann sehr interessant, nämlich mit der allgemeinen Sprachwissenschaft, hatte dann einen weniger gelungenen Mittelteil über alte Bücher und wurde schließlich sehr spannend, als es um die Brüder Grimm, Konrad Duden und das Deutsche der Gegenwart ging.

Besonders unterhaltsam fand ich die Umfrage zum DDR-Wortschatz. Das hätte eigentlich noch etwas vertieft werden müssen, zum Beispiel zur Frage der Sprachmauer. Ein Aspekt fehlte völlig: Neusprech, also der Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Auch zur Mehrsprachigkeit hätte ich mir mehr gewünscht. Aber insgesamt ist es schon eine Ausstellung, die ich empfehlen kann. Der Katalog ist gut gemacht.

Auslassungspunkte und Schrägstrich

Monday, January 12th, 2009

Ich bin mal wieder mit Korrekturarbeiten beschäftigt, und da ein paar Fehler immer wieder auftreten, möchte ich hier noch mal ein paar Tipps zur Zeichensetzung abgeben. Dass in der deutschen Interpunktion Satzzeichen wie Punkt, Komma, Doppelpunkt, Semikolon, Fragezeichen und Ausrufungszeichen direkt an das letzte Wort (also ohne Zwischenraum) angeschlossen werden, dürfte inzwischen ja jedem klar sein. Ein falscher Zwischenraum vor dem Satzzeichen wird als Plenk bezeichnet. Mit den Auslassungspunkten („…“) ist es da schon komplizierter. Sie stehen nur dann ohne Zwischenraum, wenn ein Wort unvollständig ist (verfl… statt verflucht). Wird ein ganzes oder mehrere Wörter ausgelassen, stehen die drei Punkte mit einem Leerzeichen: Ich kam, sah … für Ich kam, sah, siegte. Das Beispiel zeigt auch sehr schön, dass vor den drei Punkten kein Komma steht und danach kein zusätzlicher Punkt.

Hintergrund

Die drei Punkte sind eigentlich eine Abkürzung (Abbreviatur) für usw. oder etc. Sie werden auch als „und so weiter“ vorgelesen (und nicht als „Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen“). Vor usw. bzw. etc. steht natürlich kein Komma und somit auch nicht vor den Auslassungspunkten, die übrigens ein eigenes typographisches Zeichen sind und nicht einfach die Kombination aus drei Punkten.

Schrägstrich

Wenn es irgend geht, sollte man den Schrägstrich vermeiden, denn da er (außer in einer besonderen Funktion) ohne Abstand stehen muss, ergibt sich oft eine lange ununterbrochene Zeichenfolge, die keinen Zeilenumbruch erlaubt. Unvermeidlich ist der Schrägstrich wohl in Ausdrücken wie Wintersemester 2008/09 oder Flughafen Münster/Osnabrück. Viele Nutzer von Textverarbeitungsprogrammen schreiben Münster/ Osnabrück, was nicht nur schlecht aussieht, sondern schlicht falsch ist. Mit Abstand kann der Schrägstrich nur verwendet werden, wenn man Verse ohne Zeilenumbruch schreiben will: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden belebenden Blick / im Tale grünet Hoffnungsglück; / der alte Winter in seiner Schwäche, / …“ (Goethe).

Hintergrund

In den Beispielen Wintersemester 2008/09 oder Flughafen Münster/Osnabrück ist der Schrägstrich ein mit dem Bindestrich vergleichbares Satzzeichen und steht wie der Bindestrich ohne Abstand. Bei der Verstrennung handelt es sich um die Fortsetzung der Virgel, eines Trennzeichens, das auf mittelalterliche Handschriften zurückgeht. Hier ist es eine Vorlesehilfe, aber auch Abbreviatur für et ‚und‘; daher steht es frei. Aus der Virgel entsteht später das Komma, das dann als Satzzeichen wieder ohne Leerzeichen steht.

Curing a cold

Monday, January 12th, 2009

The new year started badly. On January, 2nd I fell ill and suffered from a very bad cold (with fever, a bad cough and a headache). The only thing I could do was staying in bed. It was difficult for me even to read or listen to a podcast, I just couldn’t concentrate on anything. I slept very badly, so I was constantly in a state between being awake and sleeping. The physician advised me to stay in bed, and that really helped. After a week I got better again. It seems that there are only two remedies for such virus infections: sleeping and drinking tea (that must be the reason for the German saying: “Abwarten und Tee trinken!” ‘Wait and drink tea!’). Of course, I added lots of vitamins and zinc to my diet. For want of appetite, I didn’t eat very much and lost 2.5 kg (which is certainly a positive side effect).

Fortunately, for my entertainment, I had rediscovered Get Smart, a television series of my childhood (in German called Mini-Max). Since one episode is about 20 minutes long, it was just the right length for my lacking concentration. I can highly recommend the series, because of the interesting spy gadgets. The shoe phone is just great, as is the miniature record player, and all the other stuff. The New York accent of the main character and the German accent of scientists and evil spies are also very funny. So, if you happen to fall ill and want some light entertainment, try Maxwell Smart!

Neusprech im Bayerischen Rundfunk

Sunday, January 11th, 2009

Vorgestern (Freitag, 9. Januar) brachte der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über Neusprech. Der Beitrag ist sehr professionell gemacht. Erklärungen der Sprecherin und Interview sind gut aufeinander abgestimmt. Was ich besonders erfreulich finde (und beim Bayerischen Rundfunk kaum erwartet hatte), ist folgende Beobachtung: Dass das BKA-Gesetz problematisch ist, wird als gegeben angesehen. Das ist unter Journalisten sicher keine Minderheitenmeinung. Schade ist, dass es auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks den Beitrag nicht zum Hören gibt. Falls ihn doch jemand findet, der Beitrag kommt erst in der zweiten Hälfte der Sendung (nach den 20 Uhr-Nachrichten).

25th Chaos Communication Congress

Sunday, January 4th, 2009

maha's Neusprech Talk by nr1@flickr cc-by-sa

This year’s Chaos Communication Congress was an overwhelming experience, mostly because of the great number of participants and the good atmosphere, although everybody had a hard time to find empty seats in the lecture halls. Fortunately, the lectures were streamed. So, I didn’t always fought my way through the crowd, but simply watched the stream instead. This is, of course, not quite the same thing. Here are some impressions of the lectures I attended or watched as a stream:

  • I was late at the opening event and wasn’t particularly captured by the keynote, so I gave up on it after some minutes. I cannot tell exactly why the keynote didn’t touch me; possibly it was John Gilmore’s way of speaking. Moreover, the opening event should be more stimulating.
  • As expected, Hacking the iPhone was the highlight of the first day. The lecture hall was very crowded; fortunately, I came early enough to get into the room and sit on the floor. Unfortunately, one of the speakers was almost incomprehensible, but the talk was certainly very interesting.
  • My personal favorite of the first day was the live feature on Kurt Gödel. Such presentations are always very funny and informative at the same time. I hope there will be more!
  • The talk on swarm robots on the second day was very thought-stimulating. In this project, the robots communicate through infra-red sensors, but it gave me an idea of how they could communicate even without a special communication device. Perhaps, I should start my own project on robot communication….
  • Magnus Manske’s talk on DNA sequencing was interesting to me, because it’s a field I don’t know anything about.
  • Rose White’s talk The Infinite Library was very entertaining, although it didn’t yield much new information. I liked it nonetheless for its entertainment value.
  • I started the third day with my own contribution on Newspeak (recording) which provoked some interesting discussions. I even gave four interviews afterwards: a very short videocast on Netzpolitik (with closed eyes), :-( one for Bayerischer Rundfunk (aired on January 9th, 2009), one for a free radio in Southern Germany and another one for the German Free Radio Network. I’m very happy that so many people found my ideas interesting.

I followed some other lectures, but passed most of the time in the Speakers’ Room, which is a cosy, unfortunately a little too small room where speakers like myself were accepted and could prepare their talks (there is always need for last-minute preparations). I coordinated the Speakers’ Room volunteers, which was an easy task this year, because the group worked together very harmoniously and effectively. Moreover, the Speakers’ Room is always a good place to meet interesting people.

Not surprisingly, with so many people around, it is easy to catch some viruses (computer viruses and others). Unfortunately, I caught a bad cold and had to spend the first days of the new year in bed. :-(