Auslassungspunkte und Schrägstrich

Ich bin mal wieder mit Korrekturarbeiten beschäftigt, und da ein paar Fehler immer wieder auftreten, möchte ich hier noch mal ein paar Tipps zur Zeichensetzung abgeben. Dass in der deutschen Interpunktion Satzzeichen wie Punkt, Komma, Doppelpunkt, Semikolon, Fragezeichen und Ausrufungszeichen direkt an das letzte Wort (also ohne Zwischenraum) angeschlossen werden, dürfte inzwischen ja jedem klar sein. Ein falscher Zwischenraum vor dem Satzzeichen wird als Plenk bezeichnet. Mit den Auslassungspunkten („…“) ist es da schon komplizierter. Sie stehen nur dann ohne Zwischenraum, wenn ein Wort unvollständig ist (verfl… statt verflucht). Wird ein ganzes oder mehrere Wörter ausgelassen, stehen die drei Punkte mit einem Leerzeichen: Ich kam, sah … für Ich kam, sah, siegte. Das Beispiel zeigt auch sehr schön, dass vor den drei Punkten kein Komma steht und danach kein zusätzlicher Punkt.

Hintergrund

Die drei Punkte sind eigentlich eine Abkürzung (Abbreviatur) für usw. oder etc. Sie werden auch als „und so weiter“ vorgelesen (und nicht als „Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen“). Vor usw. bzw. etc. steht natürlich kein Komma und somit auch nicht vor den Auslassungspunkten, die übrigens ein eigenes typographisches Zeichen sind und nicht einfach die Kombination aus drei Punkten.

Schrägstrich

Wenn es irgend geht, sollte man den Schrägstrich vermeiden, denn da er (außer in einer besonderen Funktion) ohne Abstand stehen muss, ergibt sich oft eine lange ununterbrochene Zeichenfolge, die keinen Zeilenumbruch erlaubt. Unvermeidlich ist der Schrägstrich wohl in Ausdrücken wie Wintersemester 2008/09 oder Flughafen Münster/Osnabrück. Viele Nutzer von Textverarbeitungsprogrammen schreiben Münster/ Osnabrück, was nicht nur schlecht aussieht, sondern schlicht falsch ist. Mit Abstand kann der Schrägstrich nur verwendet werden, wenn man Verse ohne Zeilenumbruch schreiben will: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden belebenden Blick / im Tale grünet Hoffnungsglück; / der alte Winter in seiner Schwäche, / …“ (Goethe).

Hintergrund

In den Beispielen Wintersemester 2008/09 oder Flughafen Münster/Osnabrück ist der Schrägstrich ein mit dem Bindestrich vergleichbares Satzzeichen und steht wie der Bindestrich ohne Abstand. Bei der Verstrennung handelt es sich um die Fortsetzung der Virgel, eines Trennzeichens, das auf mittelalterliche Handschriften zurückgeht. Hier ist es eine Vorlesehilfe, aber auch Abbreviatur für et ‚und‘; daher steht es frei. Aus der Virgel entsteht später das Komma, das dann als Satzzeichen wieder ohne Leerzeichen steht.

15 Responses to “Auslassungspunkte und Schrägstrich”

  1. kosmar says:

    Die Ellipse (sagt man auch nicht so zu […] ?) gibt man am Mac übrigens mit der Tastenkombination [alt-.] ein, wie ist das unter Linux/Windows?
    In HTML heißt das entspr. Entity … .

    Und wenn ich schonmal da bin: heißt das zweite »Anführungszeichen« eigentlich Abführungszeichen?

    danke :)

  2. kosmar says:

    Klar, das entity wurde ausgeführt … & hellip ; (also ohne Leerzeichen)

  3. […] zu den oben genannten Praktiken im Umgang mit Rechtschreibfehlern anderer, gibt MaHa heute eine Lektion in Rechtschreibung, die wahrlich meisterhaft ist. Ohne erhobenen Zeigefinger, von der ersten bis zur letzten Silbe ein […]

  4. maha says:

    @kosmar: Genau genommen ist es keine Ellipse, sondern eine Aposiopese (die Ellipse ist eine grammatisch rekonstruierbare Auslassung wie in Ich kam, sah, siegte. für Ich kam, ich sah, ich siegte. Aber man muss es vielleicht nicht so genau nehmen. Die html-Entität heißt ja tatsächlich Ellipse. Danke für den Hinweis, dass ich das Auslassungszeichen mit alt+. unter Mac OS X ganz leicht tippen kann, wusste ich nämlich noch gar nicht. Unter gnome habe ich mir so eine Sonderzeichenauswahl ins Control-Panel gelegt.

    Abführungszeichen: Nein, die Anführungszeichen heißen insgesamt Anführungszeichen (also beide zusammen).

  5. maha says:

    @Woodpeckar: Danke für das Lob!

  6. Johannes says:

    es kommt ja auch immer wieder vor, dass Sätze oder Absätze mit drei Punkten beginnen. Das kann man dann ja schlecht als “und so weiter” lesen, wenn man laut vorliest. Gibt es da auch eine Löung?

  7. maha says:

    @Johannes: Drei Punkte am Anfang können eigentlich nur vorkommen, wenn man anzeigen will, dass dem Zitat noch etwas vorausgeht, z.B. „… und das ist auch gut so!“ In diesem Fall braucht man die Punkte gar nicht zu lesen, oder man muss kreativ sein, wenn es denn unbedingt nötig sein sollte.

  8. Daniel says:

    Ueber Anfuehrungszeichen wuerden mich ‘mal die Details der einfachen, doppelten, oben und unten stehenden, auf diverse Arten schraeg stehenden (siehe auch deinen Kommentar vom 14. Januar) – und nicht zu vergessen – franzoesischen Zeichen interessieren. Hier kommt man dann an die Grenze zwischen Rechtschreibung und Typographie, wenn ich mich nicht irre. Und ausserdem an die Grenze von Tekstverarbeitern…
    Im Hollaendischen heissen die uebrigens “aanhalingstekens” was doch von der woertlichen Bedeutung wieder interessant abweicht vom Deutschen. Wobei hier mein beliebtestes Beispiel noch immer “uitnodigen” anstelle von “einladen” ist.

  9. Tom says:

    Die Erläuterungen zum Schrägstrich mit und ohne Leerzeichen leuchten ein – wie verhält es sich aber, wenn zwei Namen, die jeweils aus zwei Teilen bestehen, mit Schrägstrich verknüpft werden?

    Mir gehts um “Bündnis 90/Die Grünen”. Ohne Leerzeichen sieht das in meinen Augen komisch aus, weil “90/Die” ja weniger zusammengehört als “Bündnis 90″ und “Die Grünen”.

    “Bündnis 90 / Die Grünen”, also mit Leerzeichen, gefällt mir aber auch nicht.

    (Den letzten Satz hätte ich gern mit frei Punkten beendet, aber das lass ich wohl besser)

  10. maha says:

    @Daniel: danke für die Anregung, werde ich tun.

    @Tom: Ja, das ist seltsam. Ich denke, es muss ohne Leerzeichen sein, aber das sieht nicht wirklich gut aus. Eigentlich müsste da ja ein Gedankenstrich oder ein Komma gesetzt werden. Die Gedankenstrich-Lösung scheint mir die beste zu sein.

  11. Es ist seltsam.
    Mir leuchtet ein, daß man bei Zahlen (z.B. Wintermsemester 08/09) keine Leerzeichen setzt. Aber zwischen zwei Wörtern tue ich mich wirklich schwer, auch wenn das Argument des Zeilenumbruchs wirklich einleuchtet…

    Gilt die Regel auch für das optisch wenig ansprechende und/oder bzw. und / oder?

  12. maha says:

    @Stadtneurotiker: ja, es gilt auch bei und/oder. Vielen Leuten erscheint es merkwürdig, dass vor Satzzeichen kein Leerzeichen gesetzt wird, deshalb plenken ja so viele. Im Französischen ist das Plenken übrigens erlaubt.

  13. […] Es sei denn, sie nehmen sich kurz Zeit und lesen was MaHa Ihnen zu diesem Thema verrät. […]

  14. Manuela says:

    Hallo “Maha”, ♥

    per Zufall kam ich heute auf Ihrer Webseite vorbei.
    Ihre Erklärungen sind wunderbar, und ich danke Ihnen,
    dass Sie sich die Zeit nehmen, Ihr fachliches Wissen so
    “bürgernah” öffentlich zu machen.

    Tja, das mit diesen Satzzeichen hat es in sich!
    Und die Leerstellen sind auch so ein Thema,
    das mir immer wieder im Netz begegnet,
    wenn ich nach interessanten Artikeln forsche.

    Eine Frage tut sich mir gerade auf:
    Finde ich auf Ihrer Seite auch was zum Thema
    Anführungszeichen bzw. wörtliche Rede?

    Gerne würde ich dazu lesen, was Sie darüber schreiben.

    Ich wünsche Ihnen einen herrlich sonnigen und
    entspannten Frühlingstag!

    Herzliche Grüße aus Bayern
    Manuela ♥

  15. maha says:

    @Manuela: dazu hatte ich mal einen Artikel begonnen. Den zu Ende zu schreiben, hol ich demnächst mal nach.

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