Gomorra

Endlich habe ich den Film Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra in der Originalfassung sehen können. Das war nicht ganz einfach, denn in Deutschland läuft der Film überwiegend synchronisiert, aber für mich war vor allem die Originalsprache interessant: das Neapolitanische. Nun war der Film endlich für wenige Tage im Original mit Untertiteln zu sehen. Leider waren meine Erwartungen etwas hoch und wurden – vielleicht weil sie so hoch waren – gar nicht erfüllt.

Die Laienschauspieler haben ihre Sache gut gemacht, aber leider kam die Handkamera zu oft zum Einsatz, was natürlich die Authentizität unterstreichen sollte, aber ich mag es nicht, wenn ich unter wackelnden Bildern oder unprofessionellen Bildausschnitten leiden muss. Zudem hat der Film erzählerische Mängel: die Geschichten haben zum Teil weder Anfang noch Ende oder weisen zumindest logische Brüche auf: Warum kommen zum Beispiel die Müllschieber in Schutzanzügen aus einem Container? Die Szene erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich muss man das Buch gelesen haben, um alles zu verstehen. Wieso explodiert das Boot, auf das die beiden jungen schießen? (Das ist völlig unerklärlich; man hat den Eindruck, dass es nur ein Effekt ist.) Warum bekommt jemand eine hohe Anzahlung für einen Auftrag, von dem der Auftraggeber weiß, dass die Auftragnehmer ihn nicht ausführen können, aber auch ohne Anzahlung annehmen würden? Der Auftraggeber sieht nicht so aus, als könne er Geld verschenken. In welchem Zusammenhang steht die Solariumszene des Anfangs mit den übrigen Episoden?

Der Film schildert Episoden aus der Welt der Camorra, ohne wirklich das System der Camorra deutlich zu machen. Es bliebt eigentlich bei der Botschaft: Wer sich darin verstrickt, kommt darin um – oder hat Glück. Das finde ich unbefriedigend. Vielleicht ist der Film aber nur eine Werbung für das gleichnamige Buch. Aber so richtig macht er keine Lust darauf.

One Response to “Gomorra”

  1. AndreasPraefcke says:

    Ich konnte den Film in der oberschwäbischen Provinz ebenfalls im Original mit Untertiteln (so wie auch die Italiener übrigens) sehen und muss sagen, dass ich sehr, sehr beeindruckt war. Die offene, Perspektiven schnell und unerwartet wechselnde Erzählstruktur macht mir spätestens seit “Pulp Fiction” nichts mehr aus… Dass man nicht alles sofort versteht, fand ich nicht schlimm, im Gegenteil: dass der Alltag in einem EU-Land für uns derart rätselhaft sein kann, fasziniert mich. Ich hab danach das Buch gelesen, das mit dem Film eher weniger bis gar nichts zu tun hat, aber ebenfalls grandios ist. Übrigens habe ich bei “Il Divo” noch viel, viel weniger verstanden… Fremdes Land Italien.

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