Archive for February, 2009

Milk

Thursday, February 26th, 2009

Gestern Abend habe ich den Film Milk über Harvey Milk im Kino gesehen – leider auf Deutsch, was mich doch etwas geärgert hat, denn die deutsche Übersetzung ist manchmal holperig: Da es mehrfach vorkommt, ist mir das folgende Beispiel in Erinnerung geblieben: jemanden rekrutieren für ‚jemanden für seine Sache gewinnen‘. Es ist ja richtig, dass man ein Wort beim Synchronisieren nicht durch eine Phrase ersetzen kann, weil die Zeit nicht reicht, aber es wäre möglich gewesen, eine Übersetzung wie ‚ich möchte euch gewinnen‘ oder ‚ich möchte euch überzeugen‘ zu verwenden. Das war auch nicht die einzige Übersetzung, bei der ich stutzen musste.

Aber nun zum Film selbst: Ich finde ihn sehr gut. Er ist nicht ganz linear erzählt, was es dem Drehbuchautor ermöglicht, eine bereits bekannte Geschichte spannend zu erzählen. Das Untermischen von Originalfilmmaterial ist auch sehr gelungen. In einer gespielten Szene gibt es sogar eine zeitgenössische Straßenbahn, die möglicherweise extra dafür aus dem Museum geholt wurde (oder es war Bluescreen-Technik). Es überrascht also gar nicht, dass das Drehbuch bei der Oscarverleihung 2009 berücksichtigt wurde – wie übrigens auch der wandlungsfähige Hauptdarsteller Sean Penn. Bis auf wenige Ausnahmen ist auch die Filmmusik erwähnenswert. Das Gefühl der späten 1970er wird dadurch sehr eindrucksvoll vermittelt.

Vor langer Zeit habe ich mal den Dokumentarfilm The Times of Harvey Milk gesehen, den ich jetzt gern noch einmal sehen möchte. Das wäre eine schöne Ergänzung. Auf jeden Fall möchte ich Milk empfehlen (insbesondere wenn man San Francisco etwas kennt) – aber natürlich als version originale.

Frost/Nixon und Syriana

Thursday, February 19th, 2009

Ich habe mir in den letzten Tagen (wohl wegen der verpassten Berlinale) gleich zwei Kinoabende gegönnt und war beide Male sehr zufrieden: Zunächst habe ich den Film Frost/Nixon gesehen, der mir sehr gefallen hat. Eine an sich unspannende Geschichte ist sehr spannend erzählt (vielleicht an manchen Stellen etwas überdramatisiert), und besonders das Katz-und-Maus-Spiel der Hauptpersonen ist sehr schön in Szene gesetzt. Hinzu kommt die eindrucksvolle Filmmusik von Hans Zimmer, die der Komponist wohl relativ zeitgleich mit der Filmmusik für The Dark Knight komponiert hat, denn gewisse Anklänge lassen sich erkennen. Jetzt hätte ich Lust, mal das Originalinterview von David Frost mit Richard Nixon zu sehen. Ein bisschen erinnert der Film übrigens an den von mir bereits besprochenen und hochgelobten Film Interview (2007), das Remake von Interview – Nächtliche Geständnisse von Theo van Gogh, dessen Originalfilm ich unbedingt noch sehen will.

Der andere Film, den ich gesehen habe, ist der schon nicht mehr ganz so neue Film Syriana mit einem sehr eindrucksvollen George Clooney und einem etwas blass wirkenden Matt Damon (was ein bisschen an seiner Rolle liegt). Der Film ist in der ersten Hälfte sehr verwirrend, wird dann aber zunehmend spannungsgeladen. Auch wenn er ein paar Fragen offen lässt (zum Beispiel nach den Interessen und Hintermännern der Terroristen), ist der Film durchaus lehrreich. Dafür, dass er am Anfang jedoch so komplex erzählt wird, dass man über lange Zeit nicht durchschaut, worum ist geht, ist er am Ende etwas eindimensional.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Tuesday, February 17th, 2009

Soeben habe ich die Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen unterschrieben. Die Argumente, die dafür sprechen, hat Tim Pritlove bereits treffend zusammengefasst. Dem kann ich nur hinzufügen, dass auch die Mindestlohn-Frage dadurch elegant gelöst wird (und zwar ganz liberal).

Im Detail kann ich der Petitionsbegründung nicht vollständig zustimmen. Ich halte es für eher ungünstig, wenn das Steuersystem auf die Konsumsteuer reduziert wird, denn dann hätten in Deutschland nicht steuerpflichtige Menschen das Nachsehen. Der Einwand, diese könnten sich ja die Konsumsteuern erstatten lassen, ist nicht schlüssig, denn die Erstattung gelingt einem nur unter Preisgabe seiner Identität und wenn man eine Adresse im Ausland hat.

Ich favorisiere vielmehr das Ulmer Modell, das auf dem Konzept der Negativsteuer beruht. Das bedeutet, dass jede Person, die im Prinzip ihr persönliches Einkommen versteuern müsste (auch wenn sie mangels Einnahmen keine Steuern zahlt), einen Einkommenssteuerabzug von zum Beispiel € 750 im Monat erhält. Wer gar keine Einkommenssteuern entrichten muss (Lohnsteuer zähle ich hier mal zur Einkommenssteuer), bekommt einfach € 750 ausgezahlt. Wer Tausende von Euro verdient, bekommt die € 750 von der Steuerlast abgezogen. So ergibt sich eine gewisse Gerechtigkeit, denn für jemanden, der gar nichts verdient, sind die € 750 Euro viel Geld, für jemanden der viel verdient, handelt es sich um einen vernachlässigbaren Betrag. (Die Zahl von € 750 ist jetzt nur eine „Hausnummer“.)

Wie man das Grundeinkommen realisiert, ist eigentlich ein Detail, ansonsten stimme ich Tims Argumentation zu: Mit dieser Maßnahme würde sich unsere Gesellschaft zum Positiven verbessern, und wirklich alle hätten etwas davon!

Silvester im Februar

Saturday, February 14th, 2009

Unix Timestamp Installation

Gestern war ich in der Kreativfabrik Wiesbaden zu einer Silvesterparty des Chaos Computer Clubs Mainz. Bevor sich jetzt jemand wundert, nach welchem Kalender gefeiert wurde: Es ging um die Unixzeit 1234567890, die um 1.31 Uhr erreicht wurde. Das wurde mit einer Party, Feuerwerk und allem, was man so zu Silvester macht, begangen. Die Mainzer haben da einen schönen Standort in Wiesbaden aufgetan, direkt hinterm Bahnhof (allerdings wird im Meta-Rhein-Main-Gebiet eher Auto gefahren), wo sie sich regelmäßig treffen und eben auch solche chilligen Veranstaltungen durchführen können.

Dort steht sogar ein Matemat, also ein mit Club Mate befüllter Getränkeautomat, und selbstverständlich gab es Tschunk und andere Cocktails. Die Mucke war am Anfang recht seltsam, wurde aber im Laufe des Abends immer besser. Die Stücke der Darmstädter Band Pornophonique haben mir besonders gefallen (“Gameboy meets Lagerfeuer”) – sehr zu empfehlen! Vielleicht spielen sie ja auf der sigint09.

Übernachtet habe ich als couch surfer in einer echten Nerd-WG in Frankfurt-Sachsenhausen, was mir unter anderem gezeigt hat, was man als Technikbegeisterter alles mit Autos anstellen kann. Nur Apfelwein gab’s diesmal keinen, dafür Lassi und leckeren Nerd-Kaffee.

Auf der Rückfahrt habe ich mich im Zug mal wieder so richtig verwöhnen lassen, und zwar mit einer Käseplatte und Spätburgunder. Ich weiß gar nicht, warum so wenige Leute Bahn fahren. Gibt es was Schöneres?

Rost

Wednesday, February 11th, 2009

Christoph hat einen neuen Kurzfilm gedreht, der zwar nur 99 Sekunden dauert, aber doch Film noir-Qualitäten hat. Diesmal bin ich richtig prominent beteiligt. Ich sage zum Glück wenig und spiele trotzdem eine wichtige Rolle – sozusagen mein Beitrag zur Berlinale 2009. Die Musik des Films gefällt mir sehr und natürlich Christophs Regie! Die Filmaufnahmen haben wir am vorigen Wochenende gemacht, und es war sehr kalt. Bevor ich jetzt viele Worte verliere, verlinke ich lieber gleich den Film, der übrigens Rost heißt und für sich spricht. Demnächst wird es wohl auch noch eine „Langfassung“ von ca. 3 Minuten geben. Viel Spaß!