Slumdog Millionaire und andere Filme

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, den achtfach oscarprämierten Film Slumdog Millionaire im Kino zu sehen. Die Geschichte ist an sich sehr banal – um so erstaunlicher ist, was der Drehbuchautor Simon Beaufoy und der Regisseur Danny Boyle daraus gemacht haben. Die Erzählstruktur des Films ist ungewöhnlich. Der Film beginnt offenbar nach den Ereignissen; wie der Zuschauer später merkt, befindet man sich eher mitten in der Geschichte (ich will hier nicht zu viel verraten). Dann gibt es einen Rückblich auf das Fernsehquiz, um das es geht, und zu jeder Frage immer einen biografischen Rückblick, der ein mehr oder weniger chronologisches Mosaik ergibt. Leider gibt es in der Geschichte ein paar unplausible Ereignisse. Schnitt und Kameraführung warten dafür mit ein paar Überraschungen auf: So kommt die Hauptperson einmal von rechts unten ins Bild. An einer Stelle verschiebt sich die Erzählung kurz auf die Metaebene, wenn jemand sagt, dass dort nicht gefilmt werden dürfe (am Ende gibt es dann noch mal eine Ebenenverschiebung). Zusammenfassend kann man den Filmstil als ‚expressionistisch‘ bezeichnen, vor allem wegen der harten und effektvollen Schnitte und der sehr ausdrucksstarken Bilder. Den fingierten Bollywood-Stil finde ich auch sehr gelungen. Aber Vorsicht: Der Film ist trotz aller filmischen Glanzleistungen eine Schmonzette!

Inzwischen habe ich auch die ebenfalls oscarprämierte Dokumentation The Times of Harvey Milk (wieder) gesehen. Ich empfehle ihn unbedingt als Ergänzung zu Milk und am besten sieht man die Doku nach dem Film, damit die Spannung nicht weg ist (selbst wenn man weiß, wie der Film endet). Außerdem ist dann der Überraschungseffekt größer, wenn man die realen Akteure nach den Schauspielern sieht.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Filmkomödien empfehlen, die unbedingt im Original zu sehen sind: zum einen The Front Page von Billy Wilder: Solche Broadway-Komödien mit Jack Lemmon und Walter Matthau mögen ja nicht jedermanns Sache sein, aber die Karikatur von Presse und Politik ist nicht nur unterhaltsam, sondern durchaus auch lehrreich. Die andere empfehlenswerte Komödie ist Kind Hearts and Coronets, in der Sir Alec Guinness gleich acht Rollen spielt. Seine Wandlungsfähigkeit ist schon sehr beeindruckend und macht den Film sehenswert, der sonst ziemlich seicht ist.

One Response to “Slumdog Millionaire und andere Filme”

  1. Christian says:

    Also ein Film der hier nicht erwähnt wurde aber unbedingt eine Bemerkung verdient hätte: Zeitgeist. Und dann gibts noch andere wie: http://bonz.ch/blog/?cat=8
    Dies nur zur Anregung, bzw. weiterführende Literatur.

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