Archive for January, 2010

Die sieben Todsünden des Powerpoint

Thursday, January 14th, 2010

Da ich mich immer wieder über Powerpoint-Präsentationen aufregen muss, habe ich hier mal die sieben Todsünden solcher Präsentationen aufgeführt, in der Hoffnung, dass mancher die eine oder andere zukünftig vermeidet. Und da Todsünden nur richtig lasterhaft sind, wenn sie einen lateinischen Namen haben, habe ich auch lateinische Namen dazu erfunden oder aus dem mittelalterlichen Lasterkatalog übernommen.

Heller Hintergrund (fundus albus)

In einem abgedunkelten Hörsaal flammt ein weißer Hintergrund auf der großen Leinwand auf und blendet die Zuschauer. Auf dem blendend-weißen Hintergrund erscheinen dann oft noch wenig kontrastreiche Farben. Die Augen ermüden schnell, und der Vortrag ist oft nur im wörtlichen Sinn „erhellend“.

Farben (colores)

Sinnvoll und sparsam eingesetzt können die richtigen Farben der Hervorhebung dienen. Leider werden Farben oft willkürlich eingesetzt und sind nicht kontrastreich genug oder zu dunkel bzw. zu hell (bei hellem Hintergrund). Ich bin zudem leicht rot-grün-blind (wie übrigens sehr viele Menschen!). Dummerweise werden aber Ampelfarben gern bedeutungsvoll eingesetzt.

Maßlosigkeit, Völlerei (gula)

Manche Folien sind randvoll mit Text (oft in kleiner Schriftart, damit noch alles passt) und der Zuschauer kommt mit dem Lesen nicht nach. In Ausnahmefällen kann natürlich mal Kontext angegeben werden, wenn ein kurzer Textausschnitt dabei hervorgehoben wird, aber sonst ist Textfülle unerträglich. Eine andere Form von Maßlosigkeit liegt vor, wenn in wenigen Minuten zig Folien durchgezogen werden, so dass fast der Eindruck eines Films entsteht. Wenn dann nur wenige Minuten Zeit sind, zwei bis drei Lambda-Kalküle mental zu „parsen“, freut sich das Publikum (die Beobachtung beruht auf einer wahren Begebenheit: über 100 Folien mit Lambda-Kalkülen in 60 min!).

Animierte Schriften (animatio)

Ich erinnere mich an den Vortrag eines Didaktikers, in dem Text nach und nach mit Geräusch in die Folien purzelte. Das war am Anfang noch ganz witzig, verlor aber seinen Reiz und viel Zeit. Außerdem lenkte es vom Inhalt ab. Ich erinnere mich nur noch an die Präsentation, sogar das Thema ist mir entfallen.

Ablesen der Folien (lectura)

Manche Vortragende lesen einfach ihre Folien vor, als ob das Publikum das nicht selbst könnte. Selbstverständlich soll auf den Folien das eine oder oder andere wichtige Schlagwort von dem stehen, was der Vortragende sagt, aber einfaches Ablesen der Folien wird schnell monoton.

Abschweifung (vagatio)

Wahrscheinlich um die zuletzt genannte Todsünde zu vermeiden, schreiben manche Referenten auf ihre Folien etwas völlig anderes als das, was sie erzählen. Für nur bedingt multitasking-fähige Zuhörer wie mich ist das dann wirklich die Hölle, gleichzeitig zuhören und lesen zu müssen.

Verstecken (latitio)

Manche Vortragende gefallen sich darin, eine Folie zu zeigen, die völlig leer ist und auf der nach und nach immer mehr eingeblendet wird. Ich fühle mich als Zuschauer dabei immer gegängelt, weil ich nicht gleich das Gesamtbild sehen kann. Außerdem kann es schnell langweilig werden, wenn man sieht, dass da noch sehr viel kommen muss.

Sicher gibt es noch viel mehr, was man falsch machen kann. Viele Fehler lassen sich vermeiden, wenn man ein vernünftiges Programm benutzt (und eben nicht Powerpoint). LaTeX Beamer ist zum Beispiel eine große Hilfe – oder Keynote für die Apple-Gemeinde. Allerdings bewahren auch die besten Programme nicht vor jedem Laster.

Jahresrückblick 2009

Sunday, January 3rd, 2010

2009 war für mich außergewöhnlich, was besonders daran lag, dass ich mir eine völlig neue Möglichkeit erschloss, Politik zu machen. Aber der Reihe nach: Da ich im Sommersemester ein Forschungsfreisemester hatte, ergriff ich die Gelegenheit, noch kurz vor Beginn des Sommersemesters als Gastwissenschaftler die Universität Caen in Frankreich zu besuchen. Da dort gerade heftig gestreikt wurde, hatte ich viel Gelegenheit mit französischen Wissenschaftlern und Studierenden über Bildungspolitik zu diskutieren, was sehr interessant war, gerade in Hinblick auf die späteren Bildungsproteste in Deutschland. Das Forschungssemester erlaubte es mir auch, wieder mehr zum Baskischen zu arbeiten und ein neues Forschungsprojekt zum Sprachkontakt in Galicien zu starten.

Durch mein Engagement im Chaos Computer Club war ich 2009 viel in Sachen IT-Grundrechte unterwegs, vor allem ab dem Frühjahr gegen das gefährliche Zensurerleichterungsgesetz. So war ich einer der Vertreter des „Internet“, als Martin Dörmann und Kajo Wasserhövel für die SPD zum Gespräch über das Gesetzesvorhaben einluden. Durch den positiven Eindruck eines Seminars über Freiheit und Sicherheit bei der Georg-von-Vollmar-Akademie in Kochel am See hatte ich die vage Hoffnung, man könne die SPD von diesem hochproblematischen Gesetz abbringen. Weit gefehlt: die SPD war zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht im Geringsten bereit, sich zu bewegen und wollte nur verkünden, sich um die Einwände aus dem „Internet“ bemüht zu haben. Jedenfalls löste die Aktion und besonders die anschließende Pressemitteilung der SPD bei mir ein Wutgefühl im Bauch aus, und ich überlegte, wie es weitergehen sollte: Sich weiter über die Politik zu ärgern, erschien mir schon gesundheitlich der falsche Weg. So entschloss ich mich, in die Piratenpartei einzutreten, und muss sagen: es hat sich gelohnt! Ich habe ein bisschen was bewegen können, ein neues Sprachrohr gefunden und sehr viele neue und nette Mitstreiter kennen gelernt. Jeder Entgleisung auf Seiten der Internetausdrucker (leider ist der Begriff irrelevant für die deutsche Wikipedia) brauche ich jetzt nur noch mit „Fazialpalmierung“ zu begegnen und kann mich darüber freuen, dass sie wahrscheinlich den Zulauf bei den Piraten erhöht.

Der Piratenwahlkampf war eine interessante Erfahrung, weil mir dadurch klar wurde, wie Politik an der Basis offline funktioniert. Außerdem lernt man beim lokalen Wahlkampf auch sehr viel über die Gegend, in der man wohnt. Sehr wichtig ist für mich die Umsetzung des partizipativen Parlamentarismus, der neue Möglichkeiten in der Politik eröffnet – unabhängig von „Parteigegruschel“.

Im Sommer wollte ich eigentlich zur HAR2009 und anschließend zur Wikimania reisen, was ich aber beides unterließ, weil ich im Juli heftige Rückenprobleme bekommen habe, die aber dank stetiger Physiotherapie jetzt hoffentlich nicht wieder auftreten werden. Zum Glück konnte ich mich, als die Rückenprobleme besser geworden waren, in Berlin gut ablenken, weil das Wetter ins Strandbad Wannsee lud und natürlich auch der Wahlkampf in die heiße Phase kam.

So beschränkte sich meine Reisetätigkeit auf Kurzreisen zu verschiedenen Veranstaltungen der Erfa-Kreisen und Chaostreffs des CCC, aber die SigInt in Köln entschädigte durchaus für die verpasste HAR (Köln liegt ja auch fast in NL). Im September ging es dann noch eine Woche nach Slowenien zu einem Fachkongress über Dialektologie. Es war sehr eindrucksvoll, dieses schöne Land neu zu entdecken, wo ich seit der Wende nicht mehr war.

Der Herbst war sehr arbeitsreich, besonders weil ein Riesenberg Klausuren zu korrigieren war, so dass kaum Zeit für andere Aktivitäten blieb. Zwischendurch gab es Kurzauftritte bei Studienwahl.tv und Breitband und natürlich die Vorbereitung auf den Chaos Communication Congress. Dort hielt ich wieder einen Vortrag, der offenbar gut ankam. Da aber das Thema Zensursula eigentlich durch ist, wird er bestimmt nicht so viel Echo finden wie der Vorjahresvortrag über Neusprech.

Interessanterweise hat sich 2009 auch mein Internet-Kommunikationsverhalten grundlegend geändert (was wohl auch mit der Anschaffung eines iPhone zusammenhängt): Während ich vorher Informationen im Netz meist über RSS erhalten habe (und immer weniger über E-Mail), verfolge ich RSS-Feeds gar nicht mehr, sondern verlasse mich auf Mikroblogging. Das funktioniert deutlich besser, weil wichtige Informationen wiederholt „getickert“ werden, was das „Aufmerksamkeitsmanagement“ erleichert. Daneben spielt Jabber eine sehr wichtige Rolle in meiner Kommunikation, während E-Mail für mich wegen des Informationsüberflusses fast nicht mehr verwendbar ist (das auch als Hinweis für diejenigen, die noch auf eine Antwort warten). Ich weiß leider noch nicht, wie ich das E-Mail-Problem gelöst bekomme. Mikroblogging ist wohl inzwischen das neue Leitmedium, was sich auch darin zeigt, dass viele Leute (und auch ich) weniger „makrobloggen“.

My favorites 2009

Saturday, January 2nd, 2010

  • best movie I saw in 2009: Primer, a must-see low-budget cult movie on time traveling,
  • best TV series: Seinfeld: this is not a new series, but I got the complete collection only this year (thanks to hukl), and enjoyed it so much!
  • best book I read in 2009: A Most Wanted Man by John le Carré, a most plausible story about post-cold-war espionage in Germany,
  • best podcast, as in 2008 & 2007: Der Tag, on Hessischer Rundfunk; this year’s best episode: Yo-ho und ne Buddel voll Bits (Yo-ho and a bottle of bits),
  • best Compact Disk I bought in 2009: I can hardly believe I didn’t buy any; obviously, the age of the CD is over,
  • best music I discovered in 2009: Dave Van Ronk’s songs;
  • in June 2009, I finally bought an iPhone, so here’s the best App I found so far: iThoughts, a very practical mindmapping tool, which made me rediscover mindmapping.