Archive for January, 2011

Jahresrückblick 2010

Wednesday, January 19th, 2011

2010 war ein ertragreiches Jahr für mich, vor allem wissenschaftlich (wobei ich da noch von meinem Forschungssemester 2009 zehre): Ich habe mich wieder ausführlich der Sprachtypologie zugewandt und dabei zum Baskischen (wen wundert’s?) und zum Spanischen gearbeitet. Ende des Jahres erschien dann meine kleine Studie zu Modus und Modalität im Baskischen in: Mood in the Languages of Europe (genaue bibliografische Angabe zu meinem Beitrag), eine Übersicht über die Typologie des Baskischen wird in Kürze erscheinen in: The Languages and Linguistics of Europe — A Comprehensive Guide. Ein paar Aspekte daraus gibt es schon als Knol, sozusagen als Appetithappen. Ein bisschen zwischen Wissenschaft und Politik ist mein Vortrag über freies Wissen angesiedelt, den ich in etwas unterschiedlicher Fassung auf dem Linux-Infotag in Augsburg und auf der OpenRheinRuhr in Oberhausen hielt.

Auch politisch war das Jahr 2010 sehr interessant, obwohl es nur eine Wahl gab, nämlich in Nordrhein-Westfalen (wo ich mich dann auch aktiv einbringen konnte): Mit Unterstützung von zwei oberfränkischen Piraten startete ich Ende Februar den Klabautercast. Der Podcast brachte es 2010 auf stattliche fünfzig Folgen, also im Schnitt eine Folge pro Woche. Da mir das Podcasten viel Spaß macht, war mir gar nicht aufgefallen, wie viele Folgen es am Ende geworden sind. Natürlich habe ich nicht jede Woche gepodcastet, sondern zum Teil vorproduziert, insbesondere im verregneten August, als mein Urlaub im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen war. Es wäre allerdings ohne die technische Unterstützung von Christopher Schirner gar nicht möglich gewesen, den Podcast zu realisieren. Jede Folge wird ca. 2000x heruntergeladen, die Folge über das Bedingungslose Grundeinkommen brachte es auf über 15000 Downloads. So ein Erfolg inspiriert natürlich ungemein.

Neben der Beschäftigung mit freiem Wissen habe ich mich auch für einen Ausbau demokratischer Teilhabe stark gemacht, nämlich für die Verwendung von Liquid Feedback innerhalb der Piratenpartei Deutschland (Vortrag: Interaktive Demokratie). Ich bin mir sicher, dass dieses Projekt imstande ist, Politik nachhaltig zu verändern und bin gespannt, wie es damit weitergehen wird, weshalb ich auch für Anfang 2011 eine kleine Tagung zu dieser Thematik mit dem Titel OpenLiquid initiiert habe und mit organisiere. Sie wird vom 28. bis 30. Januar in Neu-Anspach (bei Frankfurt/Main) stattfinden.

Eine sehr schöne Verbindung zwischen meinem fachlichen Interesse und meinem politischen ist das Blog neusprech.org, das ich seit Frühjahr 2010 zusammen mit dem Journalisten Kai Biermann betreibe. Zum Start des Blogs gab es auch gleich eine schöne Sendung beim bayerischen Rundfunk und bei Deutschlandradio samt Interview (außerdem kürze Beiträge beim Saarländischen Rundfunk und bei Deutschlandfunk Corso); zu Neusprech gibt es auch zwei neue Vorträge von mir: Auf der Überholspur zum Stoppschild – Politiker sprechen über Datenautobahnen (Fassung von der re:publica, leider „out of sync“) und zum Jahresende Ich sehe nicht, dass wir nicht zustimmen – Die Sprache des politischen Verrats und seiner Rechtfertigung (auch als Textfassung).

10 Jahre Wikipedia

Sunday, January 16th, 2011

Zum zehnjährigen Wikipedia-Jubiläum hatte ich mehrfach Gelegenheit, mich über die Wikipedia medial auszulassen. Hier eine kleine Linkliste:

Ich muss leider befürchten, dass die Aufnahmen beim Bayerischen Rundfunk und beim Deutschlandradio dem Depublizieren zum Opfer fallen werden. Daher empfehle ich Interessenten einen baldigen Download.

Einen Klabautercast soll es auch noch geben, aber erst Ende Januar. ich werde den genauen Link hier nachreichen.

Demokratiefix

Thursday, January 6th, 2011

Lawrence Lessig hat kürzlich einen sehr interessanten TED-Kurzvortrag über Demokratie gehalten: Er zeigt auf, dass die westliche Demokratie in Gefahr ist, weil so genannte „Funders“ (Geldlobbyisten) Einfluss auf die Legislative nehmen, die letztlich nicht mehr für das Volk, sondern für die Interessen der Lobbyisten arbeitet. Die Initiative Fix Congress First möchte hier Abhilfe schaffen – allerdings bleiben die Vorschläge sehr oberflächlich. Die einzige Lösung ist meiner Meinung nach, mehr Menschen an parlamentarischen Prozessen zu beteiligen. Natürlich reicht es nicht, einfach ein paar mehr Parlamentarier zu haben, es müssen vielmehr breite Teile der Bevölkerung beteiligt werden. Damit wird es für „Funder“ schwieriger, einen Ansatzpunkt für ihre Einflussnahme zu finden. Natürlich ist es nicht damit getan, einfach die gesamte Bevölkerung mittels Referendum über alle Gesetze abstimmen zu lassen, denn ein solcher Ansatz fördert Populismus und Demagogie, die dann wiederum von diversen Geldgebern finanziert werden könnten. Viel sinnvoller ist es, Prinzipien der Liquid Democracy zu verwirklichen. Da der Ansatz einen Kompromiss zwischen direkter und repräsentativer Demokratie darstellt, vermeidet sie Demagogie und Geldlobbyismus zugleich. Zu diesem Demokratiefix ist in Deutschland nicht mal eine Verfassungsänderung nötig, denn Tools wie Liquid Feedback können ganz unproblematisch bei der politischen Willensbildung innerhalb von Parteien eingesetzt werden, wie es die Piratenpartei Deutschland ja inzwischen seit Anfang 2010 (auf Landesebene, seit Sommer auf Bundesebene) vormacht.

Die Piratenpartei wird ja gern als Internetpartei bezeichnet. Allerdings können sich auch andere Parteien manche meist sehr konkrete netzpolitische Forderung der Piraten zu eigen machen. Viel wichtiger ist allerdings die Rolle der Piraten als „Demokratiefixer“ durch die von der Piratenpartei betriebene kollaborative Willensbildung.

Ich halte dieses Thema für so wichtig, dass ich mich entschlossen habe, zusammen mit Heide Hagen und Simon Weiß eine kleine Tagung dazu zu organisieren unter dem Titel Openliquid, die vom 28. Januar bis 30. Januar in der Nähe von Frankfurt in Neu-Anspach stattfinden wird (Teilnehmerbeitrag bei Vollverpflegung, also rundumsorglos beträgt: 50 €). Vorgesehen ist ein Rückblick auf den Einsatz von Liquid Feedback im vergangenen Jahr, die Diskussion offener Fragen und wie es in Zukunft mit Liquid Democracy in der Piratenpartei (und darüber hinaus) weitergehen soll. Damit man gemeinsam um einen Tisch herum diskutieren kann, soll der Teilnehmerkreis nicht zu groß sein. Bis zum 10. Januar 2011 kann man sich noch anmelden. Von der Tagung verspreche ich mir sehr viel.

Update: Link auf Lessigs Vortrag wurde aktualisiert (13.1.)

My 2010 Favorites

Sunday, January 2nd, 2011

  • best movie I saw in 2010: Inception, mostly thanks to Hans Zimmer’s soundtrack,
  • best TV series: Boston Legal: this is not a new series, but I came to know and appreciate it only in 2010,
  • most interesting fiction book I read in 2010: Watchmen,
  • best non-fiction book I read in 2010: Schwarzbuch Deutsche Bahn,
  • best podcast in 2010 (I only discovered it on the last day of the year): Raumzeit,
  • most interesting language I studied in 2010: toki pona,
  • best music I re-discovered in 2010: songs by the Basque singer and song writer Mikel Laboa;
  • best gadget: in June 2010, I bought an iPad,
  • so here’s the best App I found so far: iAnnotate,
  • and here’s the best iPhone App I found in 2010: CamScanner.
  • .