Jahresrückblick 2010

2010 war ein ertragreiches Jahr für mich, vor allem wissenschaftlich (wobei ich da noch von meinem Forschungssemester 2009 zehre): Ich habe mich wieder ausführlich der Sprachtypologie zugewandt und dabei zum Baskischen (wen wundert’s?) und zum Spanischen gearbeitet. Ende des Jahres erschien dann meine kleine Studie zu Modus und Modalität im Baskischen in: Mood in the Languages of Europe (genaue bibliografische Angabe zu meinem Beitrag), eine Übersicht über die Typologie des Baskischen wird in Kürze erscheinen in: The Languages and Linguistics of Europe — A Comprehensive Guide. Ein paar Aspekte daraus gibt es schon als Knol, sozusagen als Appetithappen. Ein bisschen zwischen Wissenschaft und Politik ist mein Vortrag über freies Wissen angesiedelt, den ich in etwas unterschiedlicher Fassung auf dem Linux-Infotag in Augsburg und auf der OpenRheinRuhr in Oberhausen hielt.

Auch politisch war das Jahr 2010 sehr interessant, obwohl es nur eine Wahl gab, nämlich in Nordrhein-Westfalen (wo ich mich dann auch aktiv einbringen konnte): Mit Unterstützung von zwei oberfränkischen Piraten startete ich Ende Februar den Klabautercast. Der Podcast brachte es 2010 auf stattliche fünfzig Folgen, also im Schnitt eine Folge pro Woche. Da mir das Podcasten viel Spaß macht, war mir gar nicht aufgefallen, wie viele Folgen es am Ende geworden sind. Natürlich habe ich nicht jede Woche gepodcastet, sondern zum Teil vorproduziert, insbesondere im verregneten August, als mein Urlaub im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen war. Es wäre allerdings ohne die technische Unterstützung von Christopher Schirner gar nicht möglich gewesen, den Podcast zu realisieren. Jede Folge wird ca. 2000x heruntergeladen, die Folge über das Bedingungslose Grundeinkommen brachte es auf über 15000 Downloads. So ein Erfolg inspiriert natürlich ungemein.

Neben der Beschäftigung mit freiem Wissen habe ich mich auch für einen Ausbau demokratischer Teilhabe stark gemacht, nämlich für die Verwendung von Liquid Feedback innerhalb der Piratenpartei Deutschland (Vortrag: Interaktive Demokratie). Ich bin mir sicher, dass dieses Projekt imstande ist, Politik nachhaltig zu verändern und bin gespannt, wie es damit weitergehen wird, weshalb ich auch für Anfang 2011 eine kleine Tagung zu dieser Thematik mit dem Titel OpenLiquid initiiert habe und mit organisiere. Sie wird vom 28. bis 30. Januar in Neu-Anspach (bei Frankfurt/Main) stattfinden.

Eine sehr schöne Verbindung zwischen meinem fachlichen Interesse und meinem politischen ist das Blog neusprech.org, das ich seit Frühjahr 2010 zusammen mit dem Journalisten Kai Biermann betreibe. Zum Start des Blogs gab es auch gleich eine schöne Sendung beim bayerischen Rundfunk und bei Deutschlandradio samt Interview (außerdem kürze Beiträge beim Saarländischen Rundfunk und bei Deutschlandfunk Corso); zu Neusprech gibt es auch zwei neue Vorträge von mir: Auf der Überholspur zum Stoppschild – Politiker sprechen über Datenautobahnen (Fassung von der re:publica, leider „out of sync“) und zum Jahresende Ich sehe nicht, dass wir nicht zustimmen – Die Sprache des politischen Verrats und seiner Rechtfertigung (auch als Textfassung).

5 Responses to “Jahresrückblick 2010”

  1. Grumpy says:

    Schöne Zusammenfassung – auch wenn ich (wahrscheinlich politisch influiert) zuerst ‘furchtbar’ anstelle ‘fruchtbar’ las.

    Du könntest vllt. trotz Verlinkung auf das Weblog der OpenLiquid-Tagung sowohl den Termin als auch den Titel nennen – ich sehe solche Dinge oft aus der werblichen Sicht und finde es schade, daß dieser Termin etwas zu kurz kommt.

    Was Deinen Vortrag der Sprache des politischen Verrats angeht, möchte ich Dir sagen: er wird in meinem Umfeld der Menschen, die viel mit Sprache zu tun haben, sehr angenommen und auch weitergegeben. Ein ‘Strike’ sozusagen.

    Wenn Du Dich sprachlich irgendwann wieder ein wenig vom Esperanto, dem Baskischen und dem Spanischen lösen kannst – Finnisch steht bei mir als nächstes auf der Lernkarte. Die finugrischen Ursprünge fehlen mir definitiv – zudem hörte ich mehrfach, es gäbe japanische Einschläge. Wäre das keine neue Herausforderung für 2011/2012?

  2. maha says:

    @Grumpy: hab deine Vorschläge beherzigt: fruchtbar ist jetzt ertragreich und es sind mehr Infos zur Tagung drin. Ja, Finnisch steht definitiv auf der Liste, wobei ich Ungarisch noch interessanter finde (sofern man überhaupt eine finno-ugrische Sprache interessanter als eine andere finden mag). Prioritär habe ich mir allerdings jetzt erst mal Türkisch vorgenommen.

  3. Grumpy says:

    Danke. Und stimmt: im deutschen heißt es ‘finno-ungarisch’ :-)

    Türkisch wäre auch keine schlechte Idee, ist mir aber in der Praxis doch etwas zu nah am Griechischen (was natürlich aus patriotischen Gründen der Bürger beider Nationen niemand zugeben würde …)

    Ein Beispiel: ‘Köfte’ vs. ‘Keftedes’ – sowohl in der Form, der Aussprache und dem Geschmack ;-) Spaß beiseite – wenn Griechen sich konzentriert türkische Sendungen anschauen (nein – keine Spaß-Folter, oder so).

    Laut Aussagen mehrerer Griechen, die ich kenne, wäre es ein Leichtes.

    Dummerweise bin ich schultechnisch Lateiner und kein Altgrieche – Mist.

  4. maha says:

    @Grumpy nein, finno-ugrisch, nicht finno-ungarisch, aber finnugrisch kann man auch sagen.

  5. Grumpy says:

    Argh – ein gedachter Tippfehler – welch Frevel!

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