flattr, Kulturwertmark und freies Wissen

Nun ist geschehen und die flattr-Buttons finden sich in diesem Blog. Ich habe ja lange gezögert, hier flattr-Buttons einzubauen. Der Hauptgrund war, dass ich dieses Blog als reines Privatvergnügen betrachte, für das ich natürlich nicht um Geld betteln wollte. Die schon lange andauernde Diskussion über die Kulturwertmark beim Chaos Computer Club hat mich dann aber doch dazu bewogen, mir – schon vor geraumer Zeit – ein flattr-Konto einzurichten. Hinzu kam, dass wir beim neusprech.org mal flattr selbst getestet hatten und ich schließlich auch bei meinem neuen Podcast 1337kultur einen flattr-Button einbauen ließ – mehr getrieben durch meine Mitstreiter als aus eigener Überzeugung. Das Ergebnis hat mich dann schon sehr beeindruckt. Viel Geld konnte ich zwar nicht verdienen (bei meinem Podcast gab’s im vergangenen Monat ein Plus von 8 Euro), aber die hohe Zahl von flattr-Klicks war schon ein positives Feedback, das ich sehr motivierend fand.

Der Community-Gedanke hinter flattr hat schon etwas sehr Sympathisches: Bisher habe ich noch keine flattr-Mittel entnommen (ich habe das auch vorläufig nicht vor), sondern nutze das Geld einfach zum Weiterflattrn. Ich hoffe, dass sich die Idee auch weiter verbreitet, denn nur so kann die Kulturwertmark funktionieren. Eine Zwangsabgabe würde ich stets ablehnen, aber so eine spendenbasierte Zahlung, mit der es möglich werden könnte, Inhalte zu befreien oder die Erstellung freier Inhalte auch finanziell attraktiv zu machen, halte ich für sehr sinnvoll. Das ist der richtige Weg und da ist es mir dann auch egal, dass flattr 10% für sich abzieht.

Negativ sehe ich allerdings, dass wie fixmbr zu recht kritisiert, in der flattr-Community auch Nazis unterwegs sind. Das ist gerade vor dem Hintergrund des Community-Gedankens abzulehnen. Das Argument von Peter Sunde, das flattr die Meinungsfreiheit sichern muss, ist nicht stichhaltig, denn die Meinungsfreiheit ist ein Freiheitsrecht gegenüber dem Staat. Peter Sunde als Geschäftsmann (und insbesondere als Community-Manager) muss Meinungsfreiheit nicht sichern und sollte das auch nicht, denn das Engagement gegen Nazis ist bürgerliches Engagement im besten Sinne. Besonders ärgerlich finde ich, dass Peter Sunde in den Kommentaren auf fixmbr sich hinter „feuerpolizeilichen Bestimmungen“ versteckt, indem er vorgibt, ein schwedisches Gesetz verhindere es, Nazis aus der Community auszuschließen. Es ist gar nicht nötig, hier eine Rechtsauskunft einzuholen, denn natürlich gilt in Schweden auch das Menschenrecht auf Assoziationsfreiheit.

Wo ich gerade schon über freie Inhalte schreiben, sollte ich noch auf meinen Vortrag bei der re:publica hinweisen, bei der ich über Freies Wissen schwadronieren durfte. Die Netzpiloten haben dazu eine schönes Kurzvideo gemacht und mich auch etwas ausführlicher interviewt. Das Video des Vortrags wird hoffentlich bald auf der zugehörigen re:publica-Seite online gehen.

Update: Das Video ist inzwischen auf der angegebenen Seite der re:publica online und alternativ bei Youtube und Videogold zu finden.

4 Responses to “flattr, Kulturwertmark und freies Wissen”

  1. Sammelmappe says:

    Mir gefällt die Grundidee des Glättens sehr gut. Das Erflattrte nehme ich auch meistens zum weiterflattren

  2. RIP says:

    Naja, ich würde nicht sagen, dass Sunde sich hinter irgendwelchen Bestimmungen versteckt, er weißt ja extra darauf hin, dass der rechtliche Aspekt nur ein Teil ist und Flattr auch ohne irgendwelche Rechtsbindung so handeln würde.

    Außerdem ist sein Argument nicht, dass Flattr die Meinungsfreiheit sichern muss, sondern dass es das will und sollte, es also eine bewusste und freie Entscheidung ist und nicht von den Rahmenbedingungen erzwungen wird. Ich stimme ihm da zu, und die Tatsache dass “Engagement gegen Nazis [...] bürgerliches Engagement im besten Sinne [ist]” (was absolut stimmt) hat nichts damit zu tun, dass man die Meinungsfreiheit beeinträchtigen dürfte. Meiner Meinung nach muss diese unter allen Umständen und ohne Einschränken existieren.

    Für den Fall, dass jetzt das Argument “Faschismus ist keine Meinung” kommt: Stimmt, aber die NPD (und um die ging es in der Flattr-Diskussion) bewegt sich leider in den Grenzen dessen was im deutschen Rechtssystem legal ist und so lange sind ihre Äußerungen nun mal eine legale Meinung, egal wie abstoßend sie sind.

    In diesem Sinne: Ich finde deinen Flattr-Einsatz moralisch absolut vertretbar :)

  3. [...] Blogartikel von maha zu flattr, Kulturwertmark und freies Wissen [...]

  4. luzum says:

    flattr is nicht schlecht

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