Nachdem mich eine Reihe von Leuten gebeten haben, mal wieder Rechtschreibungs- und Sprachtipps zu verfassen und insbesondere Fragen zu den Anführungszeichen kamen, will ich das Thema mal aufgreifen, obwohl die Wikipedia schon die wichtigsten Tipps zusammenfasst, aber natürlich kann ein Besserwisser immer noch mehr zu so einem Thema sagen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich nur auf das Deutsche. In anderen Sprachen gibt es andere Regeln und andere Anführungszeichen.
Verwendung
Anführungszeichen (Gänsefüßchen, Hochkommata) werden verwendet:
- um die wörtliche Rede zu kennzeichnen: Er sagte: „Bis bald!“,
- um Zitate zu kennzeichnen: „Gallia est omnis divisa in partes tres.“ (C. Iulius Caesar: De bello gallico 1,1) und
- zur Kennzeichnung von Ausdrücken, die nicht wörtlich zu nehmen sind oder die nicht zur Stilebene des Textes passen, z.B. für Umgangssprache in schriftsprachlichen Texten: Auf der A1 ereignete sich ein „krasser“ Unfall.
Nicht verwendet werden Anführungszeichen, wenn innerhalb eines Textes fremdsprachige Wörter verwendet werden oder auch Wörter der Sprache des Textes, die aber als Wörter thematisiert werden; in solchen Fällen wird kursiv geschrieben: So ist krass im obigen Beispiel ein umgangssprachliches Wort – ähnlich wie im Englischen gross. Bedeutungsangaben werden (zumindest in der Linguistik) in einfache Anführungszeichen gesetzt. Der obige lateinische Satz bedeutet: ‚Gallien wird insgesamt in drei Teile geteilt.‘
Einfache Anführungszeichen werden auch verwendet innerhalb von doppelten Anführungszeichen (also als Anführungszeichen der zweiten Ebene). Eine besondere Rolle spielen sie in der (klassischen) Philologie (und möglicherweise auch in der Rechtswissenschaft; ich konnte leider nicht herausfinden, ob dieser Gebrauch dort noch aktuell ist): Sie dienen zur ungefähren Wiedergabe eines Textes (z.B. als Übersetzung oder bei Gedächtniszitaten). Sonst wird im Deutschen bei nicht-wörtlicher Rede- oder Textwiedergabe die indirekte Rede verwendet (auch so ein Kapitel für sich).
Titel von Werken können in Anführungszeichen gesetzt oder kursiv geschrieben werden (nicht beides!), wobei in der Tendenz bei selbstständigen Werken (Büchern, Zeitschriften) Kursivschreibung bevorzugt wird, sonst (doppelte) Anführungszeichen (also z.B. bei Aufsatztiteln, einzelnen Gedichten, Manuskripttiteln).
Form
Die öffnenden Anführungszeichen sind im Deutschen unten und sehen aus wie Kommata oder kleine tiefgestellte Neunen (, bzw. „); die schließenden wie kleine hochgestellte Sechsen (‘ bzw. “) – womit sie sich eindeutig vom Apostroph (’) unterscheiden. Microsoft Word und Powerpoint haben da leider beim schließenden einfachen Anführungszeichen ein Problem und setzen dort ein Apostroph ein (das identisch mit dem englischen schließenden Anführungszeichen ist). Das sieht ziemlich schlimm aus, insbesondere bei Powerpoint-Präsentationen.
Alternativ werden im Deutschen auch umgekehrte französische Anführungszeichen (guillemets) verwendet: »…«. Allerdings sind die einfachen Varianten dazu selten. Bei einfachen Anführungszeichen werden gelegentlich auch die englischen Varianten verwendet, also eröffnend das Zeichen, das wie eine hochgestellte Sechs aussieht (‘) und im Deutschen sonst ein schließendes Anführungszeichen ist, und schließend das Anführungszeichen, das wie ein Apostroph aussieht (kleine Neun: ’). Diese Verwendung hilft, wenn Microsoftprodukte es anders nicht können; man sollte sie nur nicht mischen.
Jede Sprache hat ihre eigenen typographischen Traditionen für Anführungszeichen. Fürs Deutsche merke man sich einfach: 99…66.
Hintergrund
Es ist nicht ganz klar, auf was die Anführungszeichen zurückgehen: möglicherweise auf das antike Absatzzeichen, die Diplé. Aufgrund der Form könnte es sich auch um eine Abbreviatur handeln für lateinisch quod (‚was‘ bzw. ‚dass‘) bzw. quot (‚wieviel‘), woraus sich das englische Verb to quote entwickelt hat. Bei der Entstehung des Buchdrucks entstanden dann unterschiedliche Gepflogenheiten, wie dieses Zeichen genau auszusehen hat. Dabei wollten die Typographen besonders ungünstige Kombinationen vermeiden: So sind deutsche Anführungszeichen im Französischen unschön, weil es dort eine Reihe von nachgestellten Adjektiven gibt, die auf -f enden, wonach ein schließendes deutsches Anführungszeichen einfach schlecht aussieht. Im Deutschen sehen französische Guillemets (« + Leerzeichen) vor T schlecht aus wegen des großen Abstands, die umgekehrten französischen Anführungszeichen passen besser. So haben sich unterschiedliche Traditionen entwickelt, die leider in Zeiten schlechter Textverarbeitungssysteme leicht in Vergessenheit geraten.
Anführungszeichen und weitere Satzzeichen
Eine besondere Klippe des Deutschen ist die Kombination von Anführungszeichen mit anderen Satzzeichen. Unproblematisch ist: Er sagte: „Bis bald!“, aber was geschieht, wenn der Einleitungssatz nachgestellt wird? Eigentlich ist das ganz einfach: Nach der wörtlichen Rede steht ein Komma; ein Punkt am Ende der wörtlichen Rede wird weggelassen, nicht jedoch Frage- und Ausrufungszeichen: „Bis bald!“, sagte er. „Der kommt nicht zurück“, meinte Helene. Frage- und Ausrufungszeichen bleiben auch nach der wörtlichen Rede erhalten: Hat Helene gesagt: „Der kommt nicht zurück“?, so dass im Extremfall sogar vor und nach dem schließenden Anführungszeichen das gleiche Zeichen stehen könnte, was man aber vermeiden sollte.
Für weitere Auskünfte verweise ich auf das amtliche Regelwerk. Zu den Anführungszeichen in anderen Sprachen schreibe ich vielleicht noch mal etwas mehr.