Vimperator

In letzter Zeit verwende ich wieder vermehrt den Firefox-Webbrowser – vor allem im Büro. Der Grund dafür ist, dass ich inzwischen am liebsten auf die Maus verzichte. Ich benutze im Büro nämlich einen Desktop-Computer, der kein Trackpad, sondern eine normale Tastatur und eine USB-Maus hat. Es ist also ein weiter Weg von der Tastatur zur Maus und wenn ich da oft rübergreife, habe ich nach kurzer Zeit schon das Gefühl, einen Tennisarm zu bekommen. Am liebsten möchte ich also meine Finger an der Tastatur behalten. Das würde beim Surfen im Web natürlich schwerfallen, gäbe es da nicht dieses geniale Firefox-Plugin Vimperator. Damit ist es möglich, die beim Surfen ja brach liegende Tastatur anstatt der Maus zu verwenden. Die Tastaturbefehle entsprechen den Befehlen, die im Editor Vim verwendet werden und die ich so ungefähr im Kopf habe (auch wenn ich kein Power-User dieses Editors bin). Das ist schon sehr praktisch: Um ein neues Tab zu öffnen, tippe ich logischerweise einfach ein t, reload ist r, runterscrollen kann man mit j, ctrl-d oder space, ganz ans Ende der Seite mit G, mit gg an den Anfang usw.

Besonders schön ist die Textvervollständigung: Wenn ich nach t anfange zu tippen, macht der Browser gleich Vorschläge aus der History und den Bookmarks, so dass eigentlich wenig zu tippen ist. Tippt man f kann man einen Link öffnen, und zwar über eine Zahl, die neben allen Links auf der gerade sichtbaren Seite erscheint, oder indem man einfach anfängt, den Linknamen einzutippen. Sobald eine eindeutige Zeichenfolge eingetippt ist, öffnet sich auch schon der zugehörige Link. Das ist überaus praktisch, denn man braucht meist nur ein paar Buchstaben zu tippen. Das geht in der Regel schneller als der Griff zur Maus, das Mausgeschubse und der nachfolgende Klick. Mit F öffnet sich der Tab im Hintergrund.

Einmal getätigte Kommandos (in die Kommandozeile kommt man mit dem Doppelpunkt) lassen sich natürlich aus der Kommando-Historie mit dem Pfeil nach oben wieder hervorholen. b zeigt die Buffer (also die offenen Tabs) an, die man dann über ihre Nummer anspringen kann. Aus alter Gewohnheit lasse ich mir aber die Tabs am oberen Browserrand anzeigen, weil ich eh einen großen Bildschirm habe. Ich kann dann mit ctrl-n/ctrl-p zum nächsten oder vorletzten springen oder mit gt/gT (davor kann ich auch eine Zahl angeben, um einen Tab direkt anzuspringen). Alle anderen Toolbars kann ich mir sparen, zumal der geöffnete Link sowieso unten angezeigt wird (und natürlich ob ssl verwendet wird), d.h. man hat fast eine Vollbilddarstellung.

Für Mac-User kommt erleichternd hinzu, dass cmd und ctrl unterschiedliche Tasten sind und sich deshalb nicht ins Gehege kommen, bei Nicht-Macs muss man aufpassen, dass man nicht versehentlich ctrl-c mit y (yank) für das Kopieren in den Zwischenspeicher verwechselt. Der Vimperator kann natürlich noch viel mehr, was zu entdecken ich den interessierten Lesern überlasse.

Meine Surf-Geschwindigkeit und auch mein Surf-Komfort haben sich dadurch ziemlich erhöht (vor allem durch den Verzicht auf die Maus). Ich verstehe gar nicht, wieso die Browser nicht standardmäßig so eine Tastaturbedienoption haben, denn wenn man nicht gerade irgendein Formular ausfüllt, ist die Tastatur ja beim Websurfen ungenutzt.

Update: Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten! So wies mich @spicewiesel gerade darauf hin, dass der klassische Vimperator inzwischen unter pentadactyl als Fork von Vimperator von dem ursprünglichen Vimperator-Team weiterentwickelt wird. Ich sehe wenige Unterschiede, außer einem wichtigen: Unter Pentadactyl kann man https besser von http unterscheiden, was natürlich wichtig ist. Ich teste mal den Fork und bleibe möglicherweise dann dabei.

3 Responses to “Vimperator”

  1. janwo says:

    Ooooh, das ist was für mich! Danke für den Hinweis.

  2. tobstone says:

    gibt es so ähnlich auch für chrome und heisst dort vimium

    http://goo.gl/hF4WX

  3. maha says:

    @tobstone: Gut zu wissen, danke für den Hinweis, dann kann ich ja auch mal Chrome nutzen!

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