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Kursivierung

Monday, June 20th, 2011

Nachdem ich letztens ausführlich über Anführungszeichen gebloggt habe, sollte ich wohl noch etwas zur Kursivierung (Kursivschreibung) verfassen. Diese besteht darin, dass eine Schriftart durch eine leicht nach rechts geneigte ersetzt wird. Bei echten Kursiven sehen manche Buchstaben auch tatsächlich anders aus (a, g); statt von unechten Kursiven spricht man auch von obliquen Schriften oder Schrägschreibung. Die nach links geneigte Kursivierung, die in der traditionellen Kartographie Gewässernamen kennzeichnet, wird heute leider kaum noch verwendet. Für das Gegenteil von Kursiven gibt es meines Wissens nur die Bezeichnung Normalschrift. Es ist wohl besser von Schriften ohne Auszeichnung zu sprechen. Die Kursivschreibung ist natürlich nicht möglich, wenn man mit der Hand schreibt. Dann (und nur dann) wird ersatzweise unterstrichen.

Was schreibt man kursiv?

Die Kursivschreibung dient vor allem dazu, zwischen Metasprache und Objektsprache zu unterscheiden: Wenn ich einen Text verfasse, dann ist die Sprache des Textes die Metasprache, denn sie ist nicht Objekt (also Thema) meiner Ausführungen. Wenn ich allerdings Sprache im Text thematisiere, dann wird diese thematisierte Sprache zum Objekt meiner Ausführungen und das muss natürlich besonders angezeigt werden. So etwas geschieht zum Beispiel wenn ich über ein Wort schreibe. Hier ein Beispiel:

Das Wort Kursivierung ist in diesem Text gleichbedeutend mit Kursivschreibung oder Kursivsetzung.

Die Kursivierung erlaubt es übrigens auch am Satzanfang klein zu beginnen:

und ist eine Konjunktion. Und wird zu häufig verwendet.

Das erste und ist objektsprachlich, das zweite metasprachlich.

Daneben kann mit der Kursivierung einfach etwas hervorgehoben werden:

Man sollte immer nur eine Schriftauszeichnung verwenden.

Hier wird angedeutet, dass eine besonders zu betonen ist, es sich also um das Zahlwort und nicht den unbestimmten Artikel handelt.

Die Titel selbstständiger Publikationen (Bücher, Zeitschriften Filme usw.) werden in der Regel auch durch Kursivierung gekennzeichnet, während unselbstständige (also zum Beispiele Artikel in Büchern) in Anführungszeichen stehen.

Wenn man innerhalb eines kursiven Textes wieder etwas hervorheben möchte, benutzt man einfach die Nicht-Kursiven.

Kursivschreibung und Satzzeichen

Endet die Kursivschreibung vor einem Satzzeichen, so gibt es zwei Möglichkeiten:

  • die einfache: das Satzzeichen wird mit kursiviert (wie in dem Beispiel weiter oben),
  • die komplizierte: Wenn das Satzzeichen nicht einfach nur ein Punkt ist, sondern zum Beispiel ein Anführungszeichen oder eine Klammer, die aus logischen Gründen nicht zum kursivierten Text gehört (weil in der Klammer zum Beispiel auch nicht kursivierter Text steht), dann sollte das Satzzeichen nicht mit kursiviert werden; in dem Fall ist aber darauf zu achten, dass der letzte kursivierte Buchstabe nicht zu dicht an der Klammer steht. Dies geschieht durch das Einfügen eines festen (nicht dehnbaren) kleinen Zwischenraums (Spatium); in einem landläufigen Textverarbeitungssystem ist so etwas natürlich schwierig zu bewerkstelligen.

Wer mehr über solche Feinheiten wissen will, kann sich bei Belles Lettres ausführlicher informieren.

Herkunft

Oft wird behauptet, die Kursivschreibung ginge auf die Schreibschrift zurück, zumal die Zeichen der Schreibschrift ähnlicher sind (besonders im Kyrillischen). Das ist natürlich Unsinn, denn jede Schrift geht letztlich auf eine Schreibschrift zurück, denn die Typografie gibt es ja erst seit es den Buchdruck gibt. Im Anfang des Buchdruckes war das handschriftliche Schreiben immer das Vorbild. Schriftsetzern aus Venedig gelang ziemlich früh die Erstellung von besonders eleganten Schriften, die als italisch (italic) bezeichnet wurden. Um Auszeichnungen vorzunehmen, wechselte man dann zwischen italisch und nicht-italisch.