Google+

Seit letztem Donnerstag teste ich Google+ und kann mich freuen, weil sich nachgerade herausstellt, dass es gut war, facebook auszulassen, denn Google+ ist einfach besser. Auch zum Microblogging komm ich weniger, weil auch das über Google+ besser geht (es ist allerdings eher „Miniblogging“ als Microblogging). Allerdings muss ich Isotopp zustimmen, dass es sich bei Google+ nicht einfach um ein besser facebook handelt, eventuell noch vermischt mit Twitter. Google+ ist mehr:

  1. Es fasst eine Reihe von Google-Diensten zusammen (Buzz, Reader, Talk, Google Profile, +1 und Picasa). Allein aus dieser Verknüpfung ergibt sich ein zusätzlicher Nutzen: Man kann Empfehlungen und Fotos besser austauschen, über Profile kann man gleich auf Inhalte zugreifen, man findet Informationen schneller usw.
  2. Der eingebaute Videokonferenzdienst „Hangout“ ist so ziemlich der erste schmerzfreie Dienst seiner Art. Ich habe mal an einer Seminarsitzung über Skype teilgenommen, weil eine Gastdozentin in der Vulkanasche steckengeblieben war, und das war seinerzeit (so lange ist es ja noch nicht her) richtig anstrengend. Mehrfach brach die Verbindung zusammen oder stockte zumindest. Eine Diskussion war praktisch nicht möglich, weil dann immer die Kamera geschwenkt werden musste, von den Lautstärkeschwankungen und Störgeräuschen ganz zu schweigen! Mit Hangout geht das ganz leicht – wie ich bereits testen konnte.
  3. Die eigentliche Neuerung, die wirklich revolutionär ist, sind die Kreise: Man entscheidet damit, wer was von einem wissen darf. Das klingt jetzt eher banal, aber (außer bei Diaspora) wurde diese nahe liegende Idee bisher nicht verwirklicht (bei Diaspora auch nicht so konsequent): Ich kann für alle meine Inhalte (nicht nur für meine Buzzes und Fotos, sondern auch für Profildaten usw.) genau bestimmen, wer was sehen darf. So kann ich mit Freunden, Bekannten, Kollegen jeweils getrennt kommunizieren und Daten austauschen. Ein Kontakt erfährt nur, dass er bei mir in einem Kreis ist, weiß aber nicht in welchem. Ich kann dabei auch Kreise anlegen wie „Unsympathen“ oder „Mimosen“, die ich ggf. mit gewissen Inhalten verschone, oder auch „sehr gute Freunde“, die dann andere Kontaktdaten und Informationen über mich bekommen als „Geschäftspartner“. Das ist schon sehr gut durchdacht. Damit dürften die Rufe nach einem Digitalradierer bald etwas leiser werden.

Google macht mit dem neuen Dienst viel richtig und die Sache hat großes Potenzial: Der Dienst kann vielleicht sogar E-Mail ersetzen, denn über Google+ kommuniziert es sich leichter und schneller. Viele Probleme können so unverzüglich – quasi per Instant Messaging – gelöst werden. Selbstverständlich wäre eine verteilte Lösung besser, in der jeder seinen eigenen Google+-Server haben könnte, aber bis Google+ zu einer freien und verteilten Plattform wird, dürfte noch einige Zeit vergehen: Die Verknüpfung aller über Google+ ausgetauschten Informationen und das kollaborative Bewerten von Inhalten ist natürlich ein enormes Kapital für Google. Hier liegt auch die Gefahr: Google wird nach und nach Informations- und Kommunikationsmonopolist (noch mehr als es schon ein solcher ist). Zum Glück gehört es zu Googles Geschäftsmodell, nicht böse zu sein, aber da ist das ja ähnlich wie bei Rechtsstaaten, die eigentlich auch nicht böse sind und doch immer eine Gefahr für die Freiheit darstellen. Ich würde ruhiger schlafen, wenn anstelle nur eines Anbieters kleine dezentrale Strukturen interagieren würden, die nicht von Monopolisten oder Staaten beherrscht werden.

Wer mir beim Testen von Google+ über die Schulter schauen möchte, muss nur auf mein G+-Profil klicken.

6 Responses to “Google+”

  1. [...] äußern sich einige geschätzte Blogger-Kollegen sehr lobend über Google+. Martin Haase freut sich vor allem über einen Multipoint Videochat in Google+ und die Möglichkeit, verschiedene [...]

  2. Hirnbloggade says:

    Bei aller Begeisterung, die ich dir gerne zugestehe, fehlt mir ein wenig die Kritik. Und der Aluhut sagt hierzu, dass folgender Teilsatz eine Fehleinschätzung enhält: “aber bis Google+ zu einer freien und verteilten Plattform wird, dürfte noch einige Zeit vergehen.”
    Google+ wird nie zu einer freien und verteilten Plattform werden, weil es ja gerade Googles Motivation ist, einen Anreiz zu schaffen, dass sich die Leute durch’s Netz bewegen, während sie auf ihrem Server eingeloggt sind. So melden dann all die kleinen Google-Werbeplätze überall im Netz nicht nur: “Die IP, die gerade nach ‘Punkrock Konzert Düsseldorf’ gegooglet hat, klickt sich jetzt durch einen Webshop für Kuckucksuhren”, sondern “Der User kevin-marcel hat gerade nach ‘Punkrock Konzert Düsseldorf’ gesucht, der User friedhelm, der Kevin-Marcels Opa ist kauft gerade Kuckucksuhren.”
    Youtube und Googlemail hat wohl noch nicht gereicht. Sie wollen mehr eingeloggte und damit besser in Profilen erfassbare Internet-Nutzer.
    Es bringt Goggle gar nichts, wenn das dezentral und distributed auf vielen kleinen FreedomBoxes passiert.

  3. maha says:

    @Hirnbloggade: Ja, ich stimme dir zu. Das „dürfte noch einige Zeit vergehen“ hatte auch einen ironischen Unterton, den du treffend begründest.

  4. Interessante Meinung zu Google+. Hatte nur Schlechtes darüber gehört. Werde das verfolgen.

  5. Corwyn says:

    Hi
    ich würde google+ sehr gerne mal antesten. Über eine Einladung würde mich freuen. Danke im Voraus.
    Gruss Max

  6. Kunar says:

    Ist Punkt 3 wirklich neu? Das kommt mir so bekannt vor von Xing und Facebook.

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