Was uns motiviert

Eines meiner Lieblingszitate von Wilhelm von Humboldt lautet:

„Allein freilich ist Freiheit die nothwendige Bedingung, ohne welche selbst das seelenvollste Geschäft keine heilsamen Wirkungen […] hervorzubringen vermag. Was nicht von dem Menschen selbst gewählt, worin er auch nur eingeschränkt und geleitet wird, das geht nicht in sein Wesen über, das bleibt ihm ewig fremd, das verrichtet er nicht eigentlich mit menschlicher Kraft, sondern mit mechanischer Fertigkeit.“ (W. v. Humboldt: „Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen“, 1792 [Breslau: Trewendt 1851, 25])

Eine sehr schöne Illustration für diese Feststellung zeigt die Bologna-Reform in Deutschland: Durch die Modularisierung (Neusprech für ‚Verschulung‘) des Studiums wird den Studierenden ihre traditionelle Freiheit genommen, so kommt es dazu, dass die gefühlte Belastung gestiegen ist (FAZ-Artikel dazu). Und angesichts dieser Beobachtungen sind Maßnahmen wie die leistungsorientierte Vergütung oder die Zielvereinbarung in Bereichen, in denen Kreativität, Originalität und Intellekt eine Rolle spielen, kontraproduktiv.

Eine weitere Illustration dieser Überlegungen zeigt eine preisverdächtige Animation, auf die mich Sebastian Jabbusch in einem Google+-Beitrag hinwies.

2 Responses to “Was uns motiviert”

  1. Thomas says:

    Als Lehrer in Bayern kann ich das nur unterschreiben. Ich fühle mich sehr kompetent und zufrieden mit Unterricht, weil hier kaum Kontrolle herrscht und ich ein Ziel habe. Da will ich sogar besser werden in dem, was ich da mache.

    Sobald allerdings die verwaltungstechnische Seite Überhand nimmt, ist das vorbei. Ich werde kopflos gelähmt und kann nicht einmal anständige pädagogische Entscheidungen treffen, die damit zusammen hängen.

  2. Andreas says:

    Bei einem Management-Training, an dem ich teilnehmen durfte, wurde gesagt, man könne Menschen nicht motivieren. Meiner Erfahrung nach ist das auch korrekt. Wenn Menschen in ihrer Arbeit nicht intrinsisch motiviert sind, wird man sie auch mit viel Geld nicht zu besseren Leistungen bringen können.

    Hat ein Unternehmen jedoch viele Mitarbeiter, die prinzipiell intrinsisch motiviert sind, dann kann das Unternehmen das fördern, oder zu Nichte machen. Den Ansatz des BBRT finde ich sehr gut, und dass Unternehmen wie Google, ALDI oder Dell so vorgehen zeigt, dass dies auch zu großem Erfolg führt.
    Unternehmen im High-Tech Umfeld im besonderen, müssen angesichts des Mangels an Fachkräften dazu übergehen, von Zielvereinbarungen wegzukommen. Das zeigt uns dieser Beitrag sehr schön.

    Danke dafür!

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