29. Lange Nacht der Museen

Am letzten Augustwochenende gab es wieder eine Lange Nacht der Museen in Berlin. Diesmal machte ich mich mit fünf Leuten auf den Weg.

  1. Wir trafen uns an der Großen Landesloge in Dahlem (Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland). Hier gab es eine interessante Führung durch die Räume der Loge und eine Ausstellung über die Freimaurerei. Überraschend war für mich, wie christlich die Große Landesloge geprägt ist. Ich hatte ja immer angenommen, dass die Freimaurerei explizit antiklerikal sei. Dem ist aber zumindest in der Großen Landesloge nicht so. Interessant war auch, dass nicht alle Logen eingetragene Vereine sind, weil sich die älteren auf den Status einer Körperschaft preußischen Rechts berufen können.
  2. Die nächste Station war das Bauhaus-Archiv in Berlin-Tiergarten, das ist das hässliche Gebäude gegenüber der CDU-Zentrale (die auch nicht gerade schön ist). Die Foto-Ausstellung über das Fagus-Werk fand ich weniger interessant. Aus der Dauerausstellung konnte ich jedoch eine interessante Lehre mitnehmen: Als die Welt 1911 das Fagus-Werk oder 1929 den Barcelona-Pavillon das erste Mal sah, muss das auf die Menschen sehr revolutionär gewirkt haben. Aus heutiger Sicht wirkt es eher wie gewohnte Architektur, weil die Formensprache sehr einflussreich auf die Architektur bis heute war und ist. Andererseits ist es auch erstaunlich, dass es in den letzten hundert Jahren keine vergleichbar revolutionäre Erneuerung der Formensprache in Architektur und Design gegeben hat. Das zeigt, wie wenig kreativ die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war.
  3. Anschließend fuhren wir zum Martin-Gropius-Bau, wo wir uns die Hokusai-Ausstellung und die Fotoausstellungen von André Kertész und Daniel Schwartz ansahen. Die Ausstellungen sind sehr unterschiedlich und lohnen alle.
  4. Eigentlich wollten wir noch ins Otto Bock Science Center. Da man das aber auch sonst (übrigens kostenlos) besuchen kann, entschieden wir uns, unsere Tour im Loxx fortzusetzen. Im Vergleich zum Miniatur-Wunderland ist es eine relativ kleine Ausstellung. Interessant fand ich, wie die Geografie Berlins auf einen Halbkreis gestaucht worden ist und natürlich erfreut die Blinkenlights-Installation, auch wenn dort nur eine Begrüßung der Lange-Nacht-Besucher lief.
  5. Vom Alexanderplatz ging es dann hastig zurück zum Potsdamer Platz, wo im Musikinstrumenten-Museum Berlin auf der Mighty Wurlitzer-Kinoorgel der Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari live begleitet wurde. Ich hatte den Film noch nicht gesehen und war sehr beeindruckt, insbesondere auch wegen der effektvollen Orgelbegleitung.

Insgesamt war es natürlich eine sehr interessante und abwechslungsreiche Museumsnacht, die Lust auf die nächste – die 30. – macht, die am letzten Januarwochenende stattfinden wird.

2 Responses to “29. Lange Nacht der Museen”

  1. ABK says:

    Dein Bericht über die Landesloge ist sehr interessant. Du musst noch einmal mehr erzählen, zumal ich nur sehr ungenaue Vorstellungen darüber habe. Solche Altvereine gibt es nur noch sehr selten; aber es ist interessant, dass hier noch eine recht alte Rechtsform weiterhin gültig ist.

  2. Gerd says:

    Das klingt wieder sehr interessant und Inhalte, auf die ich wohl mit meinem Landleben verzichten muß.

    Daher schätze ich es auch bei Dir, mitlesen zu dürfen. Ich wünsche Dir einen schönen Herbst.

    Alles Gute aus dem Westen

    Gerd

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