Rubikon

Christian Wulff sagte dem BILD-Chefredakteur Diekmann, der Rubikon sei überschritten. Damit erinnerte er an eine Episode aus der römischen Geschichte: Gaius Iulius Caesar überschritt mit einem Heer den Fluss Rubikon, die damalige Grenze Italiens und marschierte mit seinen Soldaten in Richtung Rom. Daraus ergibt sich die von Wulff verwendete bildliche (metaphorische) Redensart: den Rubikon überschreiten ‚eine Grenze übertreten‘.

Wulffs Absicht

Über Wulffs Absicht kann hier nur spekuliert werden. Vermutlich wollte er gar nicht drohen, sondern gewitzt sein, denn ein Geistesblitz vermittelt ja den Eindruck, das Heft in der Hand zu halten. Und natürlich ist es witzig, einem Vertreter des Verlags Axel Cäsar Springer zu sagen, er habe den Rubikon (wie eben der antike Cäsar) überschritten. Auf jeden Fall klingt es gebildet.

Die Metaphernfalle

Offenbar liegt Wulffs Lateinunterricht schon zu lange zurück, und er hielt es nicht für nötig, die Geschichte mit dem Rubikon in der Wikipedia nachzuschlagen (vgl. Alea iacta est). Dann wäre ihm aufgefallen, dass er mit der Metapher auch feststellt, dass er selbst keine Chance mehr hat. Denn indem Cäsar den Rubikon überschritt, hatte sein Gegner, der damalige Staatschef von Rom Gnaeus Pompeius Magnus kaum eine Chance mehr, politisch zu überleben. Implizit vergleicht Wulff sich selbst mit dem glücklosen Pompeius, wenn er den Vertreter des Axel-Cäsar-Springer-Verlag mit Cäsar vergleicht. Pompeius hatte seine Beliebtheit in Rom über- und Cäsars Propaganda unterschätzt. Nachdem Cäsar den Rubikon überschritten hatte, verließen die Pompeianer Rom und es gelang Pompeius in der kurzen Zeit nicht, gegen Cäsar zu mobilisieren. Auch sein Vorhaben, gegen Cäsar juristisch vorzugehen, war damit hinfällig (ähnlich wie bei Wulff, der offenbar auch juristisch gegen Axel Cäsars Journalisten vorgehen wollte).

Wer den Rubikon überschreitet, ist in dem Bild eben auch der Gewinner, daher auch die nicht ganz korrekte Übersetzung von Cäsars Ausspruch alea iacta est mit ‚der Würfel ist gefallen‘ (obwohl er nur geworfen ist). Der andere, gegen den zu Feld gezogen wird, ist der Verlierer, sobald der Rubikon überschritten ist.

Somit hat Wulff eine für ihn ungewohnt klare Aussage über die weitere Entwicklung gemacht.

53 Responses to “Rubikon”

  1. Historian says:

    @ maha:

    Als C den Rubikon überschritt, wusste er, dass dies Bürgerkrieg bedeutet. Als unmittelbare Folge also musste er auf P treffen, ihn besiegen um letztlich erster Kaiser (Caesar) zu werden. Im Übrigen “musste” C den R überqueren, da man ihm ohnehin in Rom den (Kriegs)Prozess machen wollte.

    @ Wulff: 50% Chance dass er geht..

  2. [...] wäre ja doch zu viel Triumph für die BiLD – in Zukunft besser in Würde schweigen und das zum Rubikon lesen. Wulff steht – natürlich völlig zu Recht – als Aufklärungsverhinderer dar. Und [...]

  3. [...] Verantwortliche nicht davon. Wir, und das sind mittlerweile viele Tausende Menschen, haben den Rubikon überschritten allerdings wissen wir anders als Wulff was diese Metapher [...]

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