Christian Wulff sagte dem BILD-Chefredakteur Diekmann, der Rubikon sei überschritten. Damit erinnerte er an eine Episode aus der römischen Geschichte: Gaius Iulius Caesar überschritt mit einem Heer den Fluss Rubikon, die damalige Grenze Italiens und marschierte mit seinen Soldaten in Richtung Rom. Daraus ergibt sich die von Wulff verwendete bildliche (metaphorische) Redensart: den Rubikon überschreiten ‚eine Grenze übertreten‘.
Wulffs Absicht
Über Wulffs Absicht kann hier nur spekuliert werden. Vermutlich wollte er gar nicht drohen, sondern gewitzt sein, denn ein Geistesblitz vermittelt ja den Eindruck, das Heft in der Hand zu halten. Und natürlich ist es witzig, einem Vertreter des Verlags Axel Cäsar Springer zu sagen, er habe den Rubikon (wie eben der antike Cäsar) überschritten. Auf jeden Fall klingt es gebildet.
Die Metaphernfalle
Offenbar liegt Wulffs Lateinunterricht schon zu lange zurück, und er hielt es nicht für nötig, die Geschichte mit dem Rubikon in der Wikipedia nachzuschlagen (vgl. Alea iacta est). Dann wäre ihm aufgefallen, dass er mit der Metapher auch feststellt, dass er selbst keine Chance mehr hat. Denn indem Cäsar den Rubikon überschritt, hatte sein Gegner, der damalige Staatschef von Rom Gnaeus Pompeius Magnus kaum eine Chance mehr, politisch zu überleben. Implizit vergleicht Wulff sich selbst mit dem glücklosen Pompeius, wenn er den Vertreter des Axel-Cäsar-Springer-Verlag mit Cäsar vergleicht. Pompeius hatte seine Beliebtheit in Rom über- und Cäsars Propaganda unterschätzt. Nachdem Cäsar den Rubikon überschritten hatte, verließen die Pompeianer Rom und es gelang Pompeius in der kurzen Zeit nicht, gegen Cäsar zu mobilisieren. Auch sein Vorhaben, gegen Cäsar juristisch vorzugehen, war damit hinfällig (ähnlich wie bei Wulff, der offenbar auch juristisch gegen Axel Cäsars Journalisten vorgehen wollte).
Wer den Rubikon überschreitet, ist in dem Bild eben auch der Gewinner, daher auch die nicht ganz korrekte Übersetzung von Cäsars Ausspruch alea iacta est mit ‚der Würfel ist gefallen‘ (obwohl er nur geworfen ist). Der andere, gegen den zu Feld gezogen wird, ist der Verlierer, sobald der Rubikon überschritten ist.
Somit hat Wulff eine für ihn ungewohnt klare Aussage über die weitere Entwicklung gemacht.
Schöne Dekonstruktion.
Es kommt noch etwas anderes hinzu. Wulff wurde nicht nur Opfer einer Metaphernfalle, sondern eines Metaphernquirls. Mit im Bild schwingen “das Maß ist voll” und dahinter bebt das Selbstmitleid des “Ich habe genug gelitten”.
Seine Nachricht wirkt wie vom http://sprichwortrekombinator.de/ komponiert.
ich habe die “zitate” stets so gelesen, als habe wulff nach diversen berichten selbst aktiv den rubikon überschritten. es gibt keine handlungsalternativen mehr, er macht ab jetzt “krieg” gegen springer.
ich bezweifle, dass die zitatfragmente präzise genug sind, eine genauere analyse durchzuführen.
hm .. ich kenn bisher nur “rubikon ist überschritten” oder gibt es schon die genaue abfolge? er könnte sich doch auch auf der gewinnerseite wähnen …
Wulff, der Patron von solchen subalterneen Figuren wie Glaeseker, wähnt sich hier, der Caesar zu sein.
Dass Axel C a e s a r Springer Wulffs Kontrahent sein könnte (hätte sein können), ist nicht ausgesagt.
Christian Wilhelm Walter Caesar Wulff spielte den Würfel aus; er wollte das Wagnis des Übergangs eingehen (wenn auch als Phrase).
Dass er .. nach einigen Tagen, dort im Rubikon, auf einer schlammichten Sandbank seinen Schergen Glaeseker mit einem “Funkstille” sendenden Handy zurückließ, macht sein Unglück aus.
Ich halte diesen entlassenen Un-Helden, gegen den mittlerweile ermittelt wird, für die Quelle der fast tagtäglich lancierten Meldungen, die wie Bandspiele (hier auf das köngliche Billard bezogen) von weiteren Gehört-Habenden als Querschüsse weiterbandeliert werden.
Nachgetragen:
Bei Petron (im Satiricon 122, 174) heißt es: “Iudice Fortuna cadat alea.”
Fortuna sei die Richterin, wenn der Würfel fällt.
Wulffs fortune stand immer und steht final auf dem Spiel. Er glaubt sich im Schatten von BILD-Redakteuren seit langen Jahren wohl gewogen und salviert, ob er den Haarschnitt oder die Ehefrau wechselte.
Diese Machtattitüde als Glanz und Gloria und Gehabe im Schatten von Meinungsschurken ist/wird immer sein ein Vabanquespiel.
Herr Gauck hätte es ihm erklärt, wenn man ihn hätte hören wollen. Er hatte Erfahrungen mit schizoiden UnHelden der Geschichte.
Eine Metaphernfalle? Eher ein PhrasenSPIEL um die Macht.
@Lothar: Er wähnt sich vielleicht auf der Gewinnerseite, weil er nicht genau weiß, was es mit dem Rubikon auf sich hat.
@jojoo: sicher sind die Fragmente nicht sehr präzise, aber es ist doch auszuschließen, dass er sich selbst meint, wenn er vom Überschreiten des Rubikons spricht, denn das steht für das Übertreten einer Grenze und passt demnach nur zur Gegenseite. Zu sagen: „Ich habe eine Grenze übertreten.“ würde gar nicht zu Wulff passen.
Die Redensart “den Rubikon überschreiten” hat sich doch längst vom historischen Orginalbezug gelöst. Zu behaupten, jemand der sich dieser Worte bedient würde damit auf die konkrete politische Lage im alten Rom anspielen, ist abwegig.
Die gängige Deutung lässt sich mit “ab jetzt gibt es kein Zurück” oder “ab jetzt sind Fakten geschaffen, die die Lage komplett verändern” beschreiben.
Einen direkten Bezug zu Gaius Julius herzustellen mag als Scherz durchgehen. Dem Herrn Wulff mangelnde Bildung zu unterstellen, weil er eine Redensart korrekt anwendet, läuft unter der Rubrik Korinthenkackerei (und möglicherweise auch unter der Rubrik mangelnde Bildung bzgl. lebender Sprache).
Alles in allem: Nice try. Failed.
Haha: http://soundcloud.com/malotki/dieckmanns-ab
http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/wp-content/uploads/2012/01/jemanden-wulffen.jpg
Wahrscheinlich wurde der Rubikon mit einem Quantensprung überwunden.
Die Metapher “den Rubikon überschreiten” bezieht sich auf eine gesetzliche Regelung Roms, die es jedem eine Armee anführenden Feldherrn verbot, den Fluss Rubikon zu überschreiten; dies stellte eine allgemeine Demarkationslinie für alle Feldherrn dar, um Umstürze zu verhindern, hat also mit Cäsar nur inzidental etwas zu tun. Deswegen ist dieser Beitrag mit seinen Vergleichen von Wulff und Diekmann mit Pompeius und Caesar an den Haaren herbeigezogen.
Was stattdessen viel eher Betrachtung verdient hätte, ist das Medienverständnis Wulffs: das Überschreiten des Rubikons bezeichnet einen illegitimen Akt, was eigentlich bedeutet, dass Wulff denkt, dass irgendetwas an Diekmanns Handlungen illegitim gewesen wäre. Man sollte ihn daher einmal fragen, woraus er denn dieses Legitimitätskonstrukt ableitet wenn nicht aus einem Pakt, der zwischen Politik und der vierten Gewalt geschlossen wurde. Dies müsste man als ein offenes Eingeständnis werten, dass Medien und Politik begonnen haben, zusammen gegen die eigene Bevölkerung zu arbeiten. Hier ist auf eine allzu große Nähe der Politikerkaste zu den Medien im allgemeinen, und von Wulff zu den Springer-Medien im besonderen hinzuweisen.
Vielleicht will er damit nur ausdrücken, dass er sich bald nach Griechenland absetzt..
Oder Ägypten..
Evtl. hat Wulff den Rubikon auch mit dem Halys verwechselt.
Diesen Fluss hatte Krösus – trotz zweideutiger Warnung des Orakels – überschritten. (“Wenn du den Fluß … überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.”)
Diese Verwechselung habe ich jedenfalls schon an anderen Stellen gefunden, z.B. unter:
http://www.kaiser-barbarossa.de/kaiserkurier/kurier022/das_orakel.html
Majestät Wulff und der Krieg übern Rubikon…
Nicht nur dass Der Wulff einen Facebook-Nutzer wegen MajestätsbeleidigungVerunglimpfung des Bundespräsidenten angezeigt [1] hat (obwohl wenn dann war das Verunglimpfung seiner Frau, ist das Amt des Bundespraesis sippenbehaftet?), nein er rief auch noch…
[...] [...]
Vielleicht sehe ich das falsch, aber der Ausspruch “Alea iacta est” bedeutet doch, dass die Konfrontation unausweichlich ist (die geworfenen Würfel können nicht “zurückgeholt” werden), das Ergebnis aber noch nicht feststeht.
Daher hat der Ausspruch in diesem Zusammenhang noch die Note, dass Wulff zugibt,dass das Ergebnis des Konflikts höchst unsicher ist und er möglicherweise der Bild-”Zeitung” unterliegt.
Wer spricht denn von Würfeln, Felix aus Frankfurt?
Ich denke, da wird zuviel hineininterpretiert. Die Rubikon-Metapher existiert auch unabhängig von Cäsar und „Alea Iacta Est.”
Aus meinen Latein-Stunden ist hängen geblieben, dass eine Überschreitung des Rubikons gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an Rom war und das schon vor Cäsar. Übrigens handhabt Wikipedia das eben auch durchaus separat: http://de.wikipedia.org/wiki/Rubikon#Rubikon_als_Metapher
Die Assoziation zwischen Cäsar und dem Rubikon ist freilich gegeben, allerdings sehe ich ihn im Sinne des o.g. Lateinunterrichts und der Wikipedia im Recht.
Also ich verstehe die Rubikonmetapher auch eher so wie Felix und dein eigener Link zu Alea iacta est, von dem du sagst, Wulff hätte ihn lesen sollen, sagt das doch auch: „Der Ausspruch bezieht sich einerseits auf die nunmehr unwiderruflich eintretenden Rechtsfolgen der begangenen Gesetzesübertretung – der Würfel ist in der Luft und nicht mehr in der Hand –, andererseits auf das Risiko des unklaren Ausgangs: der Würfel kann auf jede Seite fallen.“
Pointe praecox, Herr Haase. Wenn Sie die Timeline der Zukunft noch fünf Jahre weiter in Richtung der Iden des Märzens schieben, werden sie das Blut des Chefredakteurs sich über die Kacheln der Macht verteilen sehen. Viktoria heißt schließlich Sieg.
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Ansonsten noch: Schöner Vortrag auf dem 28C3.
[...] Das mit dem Daumen bekommt in dem Zusammenhang, das die BILD den Rubikon überschritten hat eine ganz neue Bedeutung. Da wusste der Wulff schon vor Weihnachten mehr als alle anderen! [...]
Ich bin kein Fan von Wulff, aber ich vermute, dass er den Rubikon durchaus passend angeführt hat. Bei Überschreitung des Rubikons mit einer Armee hat sich der Befehlshaber (und seine Soldaten) eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht, also eine unumkehrbare, mit höchster Strafe belegte Tat begangen. Genauso die Bild Zeitung aus Wulffs Sicht: mit ihrem Bericht hätte sie unwiderruflich mit Wulff gebrochen.
Nun ja.
Ich finde das Wulff zurücktreten muss, keine Frage. Ein BP der einen Journalisten bedroht weil sie nicht Propaganda in seinem Sinne schreiben ist untragbar. Wie korrupt ist Deutschland eigentlich?
Aber der Vergleich hier, der passt einfach nicht.
Er kann damit nur die Grenze gemeint haben. Und zwar das es kein zurück mehr gibt.
Damit hat er NICHT zwangsläufig andere historische Ereignisse gemeint, nur weil das ein historischer Kontext implizieren würde!
Ich gebe hier ein Beispiel.
In China gibt es die 36 Strategeme. Das ist quasi eine Sammlung von historisch belegten Strategien. Und diese Strategien kann man in einzelne Teile untertrennen.
Was du hier machst in dem Beispiel ist das du unterschiedliche Strategien in eine zusammenfassen willst.
Ich finde das dies nicht ok ist. Man muss genau schauen ob der GESCHICHTLICHE Kontext gemeint war oder nur das SINGULAR EREIGNIS (nämlich, das Überschreiten des Rubikon, und nur das, und sonst nichts).
Du interpretierst es ja grösser in diesem Kontext, diese Meinung teile ich nur bedingt.
Cäsar, der Legende nach in dem Moment, als er den Rubicon überschritt.
Ich finde die Ausführungen gewiss sehr interessant. Sie können in Absehbarkeit der weiteren Entwicklung auch bestimmt selbstbezichtigend gedeutet werden. Jedoch allein der sprachliche Gebrauch des ‘Rubikon-Überschreitens’ m u s s in keiner Weise selbstbezichtigend bewertet bzw. ü b e r deutet werden. Die Redewendung kann sogar völlig anders interpretiert werden.
Rein historisch kam die Überschreitung des Rubikons schlicht mit einer Kriegserklärung gegen den Senat gleich. D.h., dass der, der den Rubikon überschreitet, damit der Republik den Krieg erklärt. Punkt. Der historische Verlauf, der dann an den ‘Fall Cäsar’ angelegt wird, muss nicht zwingend impliziert werden, auch wenn dies von (Küchen-) Psychologen gerne getan wird. Man könnte es aber so stehen lassen und auch so erklären: Da hat jemand eine Grenze überschritten und damit dem bestehenden System definitiv den Krieg erklärt.
Wer dann den weiteren Verlauf der Geschichte und einige Hintergründe betrachtet, weiß dann zudem auch, dass der mutmaßliche Gewinner (nämlich Cäsar) letzen Endes sogar der große Verlierer war. Indessen war der allergrößte Verlierer: die Freiheit der Menschen und der Niedergang der Republik. Eine zweifelhafte Republik übrigens…
Cäsar selber war schlicht ein psychopathischer Despot. Wie aber auch seine Widersacher; jene Vertreter der herrschenden Klasse in Rom, die alles andere als menschenfreundlich war. Aber bleiben wir kurz bei Cäsar. Denn man könnte bald meinen, dass seine berühmten Berichte über die gallischen Kriege ironischer Weise des gleichen nichts anders waren, als antike BILD-Zeitungs-Berichte. Reine, einseitige Propaganda nach Lust und Laune und psychopathischem Machtdenken… Berichte übrigens (so ganz nebenbei) letztlich über einen Genozid. Ein rumreicher Feldherr oder schlicht ein Massenmörder, der freie Menschen mordete oder in die Sklaverei schickte? Freilich: die Vertreter der Republik freuten sich darüber. Zumindest solange man selber in Amt und Würden blieb. Und heute erneut: der Übertritt über den Rubikon? Cäsar gegen die Republik? Antike-BILD gegen antike Diktatur, die sich den Anschein einer Republik gegeben hatte? Wer steht da heute gegen wen? Eine redliche, anständige Publikation gegen einen redlichen, anständigen Amtsinhaber? Stand man nicht zuvor sogar noch in gegenseitiger Nutznießerschaft? Was ist aus den alten Seilschaften geworden, dem Triumvirat, das sich selber inthronisiert hatte. Und zwar auf Kosten unzähliger Menschen… Man fragt sich bald, wann sich Schröder endlich zu Worte melden wird. Und fragwürdige Geldboten wie Maschmeyer. Ein übles Gespann…
Ja, man könnte die Analyse noch deutlich weiter spinnen. Ich denke, wer immer hier weiter nachdenkt, wird dann auch mal auflachen, mal weinen müssen. Denn beide Seiten sind ja fern jeder Redlichkeit und Anständigkeit, dafür aber umso verflochtener. Alles unter dem Mantel demonstrierter Spießbürgerlichkeit, Selbstgerechtigkeit und Harmlosigkeit. Unter Anmaßung, sich Recht und Gesetz nach Belieben für sich und seine Kumpanen auslegen zu können. Zwei Seiten. Zwei Abscheulichkeiten. Leider: zu unseren Lasten und auf unseren Kosten…
Wie immer Wulf dann auch diesen Satz verstanden wissen wollte, wissen wir nicht. Die Äußerung kann in alle Richtungen gedeutet werden. Nachgehend könnte man dann allenfalls noch hämisch interpretieren. Was indessen in der letzten Zeit auffällig ist, ist die zunehmende Demontage politischer Gestalten. Und dazu gibt es ja auch hinreichend Anlass. Den meisten Menschen ist zudem auch bewusst, dass es höchst psychopathischer und auch krimineller Anlagen bedarf, um im deutschen Parteien- und Lobby-Geflecht noch bestehen und aufsteigen zu können. Bei Guttenberg konnte/kann man sich da nur noch verwundern, dass er kriminelle Akte spitzbübisch, tatsächlich aber völlig pathologisch bagatellisiert. Wie nun auch bei Wulf. Aber was passiert da tatsächlich?
Interessant ist, dass man diese Männer erst in Amt und Würden kommen lässt. Trotz der Tatsache, dass schwerste Vergehen bereits v o r m a l s bekannt waren. Vergehen, die dann plötzlich ausgepackt werden. Plötzlich? Oder hatte man da lediglich etwas aufgespart?
Und wer wird da tatsächlich diskreditiert? Diese Leute, die ohnedies jede Redlichkeit vermissen lassen und von denen der Volksmund doch weiß, dass sie allesamt eigentlich hinter Schloss und Riegel gehörten? Oder sind es die politischen Ämter, die tatsächlich mit diesen armseligen Gestalten diskreditiert werden?
Ich meine, die große Gefahr besteht derzeit darin, dass die politische Kultur gerade diskreditiert und schließlich drangegeben wird. Die Ämter werden gezielt in Missruf gebracht. Die Amtsinhaber sind dabei alles andere als Opfer. Aber sie sind die Gestalten, von denen man jederzeit wusste, dass sie niemals für diese Ämter geeignet waren, aber das Amt definitiv beschädigen würden. Dieser Effekt ist in der letzten Zeit außerordentlich deutlich. Cui bono? Wem zum Vorteil?
Das ist die tatsächlich interessante Frage. Und im übrigen wissen wir doch: der Rubikon ist schon l a n g e überschritten worden. Aber wiederum wiederholt sich nur das Rad der Geschichte. Draufzahlen wird die Masse der Menschen, die nicht psychopathisch genug ist, sich an den Machtkämpfen zu beteiligen, während sie sich den Marodeuren aber nicht entziehen können…
Nachtrag: Wenn man die ernste politische Reichweite ansonsten mal außer acht lässt, dann bleibt bei dem ganzen Affentheater übrigens auch nur noch ein mitleidiges Schmunzeln übrig. Über Popanze, die sich weit hinauslehnen, sich lächerlich machen, während sie leider in unserer Republik in Amt und Würden stehen oder Verlage/Redaktionen leiten usw. Der Niedergang der westlichen Demokratien. Mit den armseligsten, lächerlichsten Gestalten in der Besetzungsliste, die man sich überhaupt vorstellen könnte… Ein Trauerspiel. Von Diekmann zu Wulf. Von Merkel zu Obama. Wenn diese Hans-Würste wenigistens etwas Format hätten…
Das war wie damals mit Blocher und Philippi oder so:
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/wiedersehen_bei_philippi_1.6677583.html
Es gab dann Leute, die ihn auf die Seite von Brutus stellten. Harr, harr.
Zitat_WP: “Im Jahr 42 v. Chr. gingen Antonius und Octavian nach Griechenland, wo die Caesarmörder Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus ihre Streitkräfte gesammelt hatten. Deren Niederlage in der Schlacht bei Philippi in Makedonien im Herbst bedeutete den endgültigen Untergang der römischen Republik. Da der Sieg im Wesentlichen Antonius zu verdanken war, nahm dessen Gewicht innerhalb des Triumvirats weiter zu.”
Der Witz daran ist, dass es die SVP tatsächlich geschafft hat, aus unserem Bundesrat eine Republik des Personenkults zu machen. Insofern sollte man vllt. solche Bemerkungen tatsächlich ernst nehmen, denn heute sind fast in jeder Partei drei Leute an der Spitze und medial auch präsent: Fraktionschef, Bundesrat und Parteipräsident. Leute ausserhalb von Bern werden nicht beachtet oder betreiben – wie in Zürich – klandestine Realpolitik durch die Wirtschaft…
http://www.ladyofthecake.com/mel/space/sounds/destruct.wav
Eigentlich bedeutete ja das Überschreiten des Rubikon nur den Ausbruch des Bürgerkriegs, denn der Rubikon galt als Grenze zum römischen Kernland. Das Überschreiten des selben mit bewaffneten Truppen heißt also zunächst nur das die Republik angegriffen wird. Obwohl zwar Cäsar den darauffolgenden Bürgerkrieg gewinnt, kann man die Metapher des Überschreitens auch als Eskalation des Konflikts deuten. Man muss vielleicht noch darauf hinweisen, dass Caesars Angriff einen klaren Rechtsbruch bedeutete, eine Sichtweise die Herr Wulff unter Umständen teilt.
Man muss Marzipanstern, Robert und den anderen hier einfach rechtgeben, ob man den Bundespäsidenten oder Diekmann jetzt mag oder nicht.
Die Überschreitung des Rubikon ist eine ehrlose Handlung für einen römischen Feldherrn, hat aber für Caesar keine politisch negativen Folgen, da Rom gegen seine eigenen Truppen nicht wehrhaft ist. Einem Feldherrn steht der Marsch gegen Rom aber nicht an.
Wulff hielt die Angriffe gegen ihn wohl eindeutig für grenzüberschreitend und einem Bundespräsidenten gegenüber für ehrlos, man kann aber doch kaum davon ausgehen, dass eine solch allgemeine Drohung tatsächliche negative Folgen für die Bild und Springer hat. Im Übrigen ist Wulff gegen einen Angriff der Bild wohl auch nicht wehrhaft, er ist aber der Meinung, eine Boulevardzeitung dürfe den Bundespräsidenten nicht angreifen.
Man kann den Spruch – subjektiv gesehen – wohl kaum besser einsetzen.
So sieht also ein Flamewar unter Altphilologen aus.
Köstliche Demontation! Sehr passend und psychologisch gut interpretiert, da seine Majestät ja wusste, dass er von Anfang an keine Chance hatte. http://blog.fefe.de/?ts=b1fda647
Beim Wort nehmen…
Ja, Sprachanalyse macht sehr viel Sinn und kann zu sehr erhellenden Ergebnissen führen.In den letzten Tagen wird ja immer die Nachricht zitiert, die der Bundespräsident auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs hinterlassen hat: Bei einer Veröffentlichun…
“Nachdem Cäsar den Rubikon überschritten hatte, verließen die Pompeianer Rom und es gelang Pompeius in der kurzen Zeit nicht, gegen Cäsar zu mobilisieren. ”
-> Was ist mit der Schlacht bei Pharsalos? Dort trafen beide Heere aufeinander. Und Pompeius’ Heer war fast doppelt so groß, dazu nicht erschöpft wie Cäsars Gallien-Legionäre. Pompeius dachte, er hätte leichtes Spiel. Siehe auch hier die ppt am Ende http://www.schulzeux.de/geschichte/antike/caesar-und-die-eroberung-galliens_powerpoint-praesentation.html
Gut, daß Wulff auf die Nachfragen der ZEITUNG nicht mit “gleich hat der Arsch aber Kirmes” geantwortet hat – der Interpretationsspielraum in den Blogposts und Kommentaren wäre riesig gewesen: Von der Kirmes als seit dem Mittelalter gefeiertem Volksfest bis hin zu wessen Arsch hier überhaupt genau gemeint ist oder ob es sich um eine Personifizierung handelt…
Die Rubikon-Metapher in Wulffs Mailboxnachricht bezeugt im Rückblick eine paradoxe Intervention. Er sagt dem, der ihm mit eigener Billigung zu nah gekommen war, Du kommst mir zu nah.
Das Werkzeug der Macht (Bild bzw Cäsars Armee) fällt die Macht an. Ich fand insofern die Aussage Frau Höhlers im heute journal treffend, dass Wulff sein Amt wie eine Beute betrachtet, die er selbst erobert hat und nicht mehr hergibt. Keine gute Aussicht.
Wenn überhaupt verwende auch ich das Rubikon – Zitat, wie offensichtlich auch der Herr Bundespräsident, bestenfalls im Sinne von “es reicht”. Insofern hätte Maha aber auch RECHT. Wulff dachte bei Ausspruch auf die Mailbox sicher nicht daran, dass es damit, entgegen seiner Annahme, nun wirklich allen Leuten reichen könnte. Als er den potenziellen Schaden bemerkte, kam die Entschuldigung. Zu spät. Der Rubikon ist überschritten.
“Somit hat Wulff eine für ihn ungewohnt klare Aussage über die weitere Entwicklung gemacht.”
Das “für ihn” ist, für mich persönlich, der wahre Tenor des “Methapher” Beitrags. Darunter ist jegliche Rubikoninterpretation zu subsumieren…
Ich habe mal irgendwo gelesen, C. Iulius Caesar habe nicht, wie meistens behauptet, “alea iacta est” (der Würfel ist geworfen) gesagt, sondern “alea iacta esto” (der Würfel sei geworfen), in dem Sinne, daß er wußte, daß er mit höchstem Einsatz spielte, als er die Verfassung brach und mit seinen Truppen den Rubikon überschritt.
Die Psychogeografie ist reich an Fließgewässern – panta rhei und zwar bergab. Womöglich handelt es sich also einfach nur um eine Verwechslung des Rubikon mit der Beresina, wenn nicht gar dem Styx.
[...] der laut Wulff “überschritten” sei, hält der sprachlich versierte Blogger Maha für ein entlarvendes Bild. Weitersagen:E-MailHerr Kaliban kommt nochmal auf die Causa Wulff zurück. Sorry. Aber die Sache [...]
Das Zitat, man habe “den Rubicon überschrittenen”, meint nicht einfach, man habe eine Grenze überschritten, sondern es bedeutet:
Wenn man eine bestimmte Grenze überschreitet, gibt es keine Umkehr mehr, d.h. die Grenzüberschreitung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, ab diesem Punkt kann man nur noch weitermachen oder man hat verloren!
Der spezielle Witz in Bezug auf Wulff ist dessen völlige Verkennung der Tatsachen, denn er hat mit diesem Anruf den Rubicon überschritten.
Maha, ich bin enttäuscht. Als zukünftiger Präsidentschaftskandidat der Piraten solltest du es dir verkneifen, den jetzigen Amtsinhaber anzugreifen. Das gehört sich nicht.
[...] die Klarstellung, wer den Rubikon überschritten hat und wer Gewinner und wer Verlierer war. [...]
Ihm wird (von Plutarch mit Verweis auf die nicht überlieferte Quelle eines Augenzeugen) zugeschrieben, auf Griechisch: ἀνερρίφθω κύβος gesagt zu haben; das heißt tatsächlich: ‚Hochgeworfen sei der Würfel!‘ Ähnlich wie heute Latein von gebildeten Menschen verwendet wird (die eben auch die Zusammenhänge der Zitate verstehen), so verhielt es sich mit dem Griechischen in römischer Zeit.
@Historian: Vermutlich hat sich Pompeius ständig selbst überschätzt. Die Schlacht von Pharsalos ist erst mehr als 1,5 Jahre später.
[...] Wulff Oliver Kalkoffe – Wulffs Rücktrittsrede “Der Rubikon sei überschritten” Als man seine Kucheltiere abgab Wie wäre es mit einem neuen Planeten? Kepler 22b Alpha Centauri [...]
Ich bringe “den Rubikon überschreiten” auch nicht mit Chancenlosigkeit seitens Pompeius in Verbindung, sondern mit des (späteren) Diktators Cäsar Angriff auf die res publica.
Stephan Löwenstein & Michael Hanfeld von der FAZ sehen das offenbar auch so:
Doch wurden diese Antworten kurz vor Redaktionsschluss zurückgezogen. Und erst danach, es war Montag, 12. Dezember, 18.19 Uhr, sprach Wulff auf Diekmanns Mailbox. Allein schon durch diese zeitliche Abfolge wird die Einlassung des Bundespräsidenten, er habe die Berichterstattung nicht verhindern wollen, einigermaßen erschüttert.
Im Interview bei ARD und ZDF bleibt die Behauptung stehen. Abnehmen muss man sie Christian Wulff nicht. Wer hier den Rubikon überschritten hat, von dem auf der Mailbox die Rede ist, ist eigentlich keine Frage mehr.
Quelle: FAZ.NET-Fernsehkritik. Wir sind doch nicht seine Mailbox, 04.01.2012
[...] sondern auch bewiesen hat, das er Dinge behauptet, von denen er keine Ahnung hat, könnt ihr hier nachlesen. Ist Wulff eigentlich schon nominiert für „kompetenter Entscheider des [...]
Egal, ob der […] das jetzt richtig oder falsch verwendet hat:
Der Satz hört sich so schön althumanistisch plusterig plusterig plusterig an, dass es eine wahre Wonne ist.
Beitrag wurde aus Gründen gekürzt: bitte keine unsachlichen und womöglich beleidigenden Formulierungen verwenden.