Bulb Fiction

Ich habe gerade den Film Bulb Fiction gesehen, den ich allen empfehle, die sich für Polit-PR und Neusprech interessieren. Es geht um die Kompaktleuchtstofflampe, besser bekannt als Energiesparlampe und die mit ihr verbundene Propaganda. Besonders gegen Ende gibt es eine schöne Stelle, wo die Sprecherin des EU-Energiekommissars eindrucksvoll vorführt, wie politische Kommunikation funktioniert, indem man nicht nur die eigentlichen „offiziellen“ Antworten sieht, sondern auch, was davor oder danach passiert.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Doku, die sicher nicht zu viel verrät: Das Problem bei Energiesparlampen ist das darin enthaltene Quecksilber, das entweicht, wenn der Glaskörper zerbricht. Das ist besonders dann gefährlich, wenn der Glaskörper zerbricht, während die Lampe leuchtet, da dann alles Quecksilber gasförmig ist. Die Mengen sind nicht unerheblich und durchaus (besonders für Kinder) gefährlich. Zudem ist das Recycling der Lampen problematisch und es gibt kein Endlager für Quecksilber. Es geht in der Doku jedoch vor allem darum, wie die PR für diese Lampen gelaufen ist und immer noch aussieht. Dabei wird genau beleuchtet, wie es zu ihrer Durchsetzung kam.

Der Film verfehlt seine Wirkung nicht. Mancher Zuschauer ist wohl (wie ich) im Anschluss richtig wütend und möchte seine Energiesparlampen gleich gegen LED-Lampen austauschen, die leider im Film unerwähnt bleiben. Das ist eine Schwäche des Films, denn zu Heatball-Lampen zurückzukehren, ist sicher auch kein guter Weg.

16 Responses to “Bulb Fiction”

  1. Vorsicht, der Film ist üble Propaganda und hat vieles einer Verschwörungstheorie.

    Das mit dem Quecksilber wird völlig überhöht dargestellt. Normalerweise reicht es, den Raum zu verlassen, selbst wenn sie im Betrieb zerbricht.

    Die PR, die der Film anprangert, setzt er umgekehrt genauso ein.

  2. Finkregh says:

    Ahja, und wenn ich dann den Raum verlassen habe trollt sich das Quecksilber fort und stört niemanden mehr … just saying… ;-)

  3. Martin says:

    Ich finde den Bericht wenig hintergründig und ziemlich tendenziös.

    Auch die Anmoderation bei TTT, wo der Film vorgestellt wurde ( http://www.youtube.com/watch?v=ihbEv21ZfnM ) ist Humbug; warum sollte sich bspw die Kostenersparnis nicht bemerkbar machen? Das kann jeder mit dem Taschenrechner überprüfen.

    Im Bericht wird kaum auf Hintergründe eingegangen und Tatsachen auf die simple Formel “ESL kaputt > Kind auch und Haus gleich mit!” verkürzt. Über andere mögliche Gründe oder Folgen erfährt man nichts.

    Genauso wenig wie über neuere ESLs oder LED-Lampen, die gar kein flüssiges Quecksilver mehr haben und damit deutlich weniger gefährlich / ungefährlich (LEDs) sind.

    Mir ist vor Jahren auch schon eine ESL kaputt gebrochen, ich habe sie normal aufgekehrt und ich lebe noch.

    Der Film ist Panikmache und zielt, wie Konni oben sagt, mit Propaganda-Methoden auf Regulierungsgegner (“…die EU ist schuld…”), die diese Argumente nur zu gerne dankbar aufnehmen.

  4. Rainer says:

    Habe den Film nicht gesehen, aber der Film könnte auch selber Propaganda sein. Für eine etwas wissenschaftlichere Auseinandersetzung mit den Aussagen des Films: http://www.energie-lexikon.info/bulb_fiction.html

  5. Peter says:

    Hab den Film noch nicht gesehen, aber das erste was mir dazu einfällt ist, dass allein die Kohlekraftwerke in Deutschland mehre Tonnen Quecksilber pro Jahr ausstoßen. Da fragt man sich doch, wieviel davon durch Energieeinsparungen wieder wett gemacht werden kann? Genauso der immer angeprangerte 10x höhere Energieverbrauch zur Herstellung wird im Betrieb deutlich wieder kompensiert.

  6. Funatiker says:

    Ich sah gestern den Trailer. Mein erster Gedanken deckt sich mit der im Schlussabsatz benannten Aussage, dass das Thema LED totgeschwiegen wird. Es wirkt so, als würde der Film das Glühbirnenverbot direkt als „Energiesparlampen“-Gebot interpretieren. Der Trailer wirkt außerdem sehr verschwörungstheoretisch: Das abgeliche Energiesparlampengebot wird als Beginn eines neuen Kontrollwahns dargestellt.

  7. Funatiker says:

    Was das den von Peter angesprochenen Quecksilberaustoß von Kohlekraftwerken betrifft:
    Der BUND rechnet, dass das Kohlekraftwerk Moorburg (Hamburg) unter Volllast (1730 Megawatt) 1,2 Tonnen Quecksilber jährlich ausstoßen wird. ( http://bund-hamburg.bund.net/fileadmin/bundgruppen/bcmslvhamburg/Proj1_Klima_Energie/Energiegewinnung/moorburg-V2.pdf )

    Nach meiner Rechnung würde das Kraftwerk unter Volllast 24 Stunden/Tag * 365 Tage/Jahr * 1730 Megawatt = 15.154.800.000.000 Wattstunden im Jahr an Energie liefern.

    Bei 1,2 Tonnen Quecksilber also 1.200.000.000 mg werden also 0,000079183 mg pro Wattstunde ausgestoßen.

    Eine Kompaktleuchtstofflampe enthält nach EU-Richtlinie bis zu 5mg Quecksilber.

    Um diesen Quecksilberaustoß einzusparen, müssten also ungefähr 63144,86 Wattstunden eingespart werden.

    Eine Kompaktleuchtstofflampe liefert bis zu 60 Lumen pro Watt, eine Glühbirne liefert bis zu 15 Lumen pro Watt. Die Kompaktleuchtstofflampe spart also 75% der Energie ein, die eine Glühbirne für die gleiche Dauer und Lichtintensität benötigen würde.

    Folglich muss die Kompaktleuchtstofflampe ein Drittel (denn uns interessieren ja die verbrauchten 25% im Vergleich zu den eingesparten 75%) von 63.144,86 Wattstunden im Laufe ihres Lebens verbrauchen, um den eigenen Quecksilbergehalt einzusparen.

    Um die geforderten 21.048,29 Wattstunden zu verbrauchen, müsste eine 11Watt-Kompaktleuchtstofflampe 1.913,5 Stunden leuchten. Das ist weitaus weniger, als sie mutmaßlich leuchten wird, denn die Lebensdauer einer solchen Lampe wird im Allgemeinen mit 10.000 Stunden abgeschätzt. Eine untere Schranke liegt bei etwa 3.000 Stunden.

    Der Vergleich hinkt jedoch an mehreren Stellen:
    - Energie wird nicht ausschließlich aus Kohlekraftwerken gewonnen. Da in Deutschland nur etwa die Hälfte, bei manchen Stadtwerken auch nur ein Viertel des Stroms aus Kohlekraftwerken kommt, würde sich die geforderte Lebensdauer verdoppeln oder sogar vervierfachen.
    - Hochwertige Kompaktleuchtstofflampe verwenden nur 1,5 mg Quecksilber. Die geforderte Lebensdauer würde sich auf weniger als ein Drittel reduzieren.
    - Hochwertige Kompaktleuchtstofflampe überleben auch mal 15.000 Stunden.

    Da selbst bei nur 25% Strom aus Kohlekraft und einem Quecksilbergehalt von 5mg (Maximum laut Richtlinie) weniger als 10.000 Stunden Lebensdauer erfordert werden, was laut Stiftung Warentest ( http://www.test.de/Energiesparlampen-Osram-strahm-hellsten-1327630-1334201/ ) bei etwa 40% der Lampen der Fall ist, würde ich abschätzen*, dass tatsächlich der eingesparte Ausstoß den zusätzlichen durch die Lampen selbst ausgleicht.

    *Unter Annahme, dass ich keine Rechenfehler begangen habe.

  8. Turtle says:

    Zu diesem Film sollte man auch mal die Gegenseite hören. Die Darstellung im Film ist sehr einseitig, insbesondere bei der Quecksilbergeschichte wird übertrieben.
    http://www.energie-lexikon.info/bulb_fiction.html

    Ob das Verbot der Glühlampe insgesamt sinnvoll war, kann man wohl unterschiedlich beurteilen, dieser Film ist aber keine gute Entscheidungsgrundlage.

    LEDs in Lampenform waren zum Zeitpunkt der politischen Entscheidung gg. Glühbirnen noch gar nicht soweit, dass sie massenhaft verfügbar waren (im Gegensatz zur Energiesparlampe, sprich Leuchtstoffröhre). Das kommt grade erst und ist auch noch nicht das Gelbe vom Ei. Auch die Produktion von LEDs ist nicht ohne, mit Silicium allein läuft da nämlich nichts.

    Der Film ist imho auch ein gutes Beispiel für Propaganda.

  9. Name says:

    Ich finds ja wirklich spannend, wie gerne diese eine Website dieses einen Profs hergemonnen wird um die eine Wahrheit rauszuziehen. Sogar auf I2P wird der Kerl angeschleift.

    Andere Quellen für die Harmlosigkeit des Quecksilbers?

  10. 123energie says:

    Der Film ist sicherlich mit Vorsicht zu genießen. Schließlich gibt es genügend Alternativen zur Energiesparlampe. Wir haben uns damit mal auseinandergesetzt: http://blog.123energie.de/bulb-fiction-ist-das-ende-der-gluhbirne-das-ende-der-demokratie/

  11. Hallo “Name”

    Ich bin der “Prof” (nein, nur Dr. habil.), von dem “die eine Wahrheit” stammt, aber nicht die Behauptung, Quecksilber sei harmlos. Nur hängt die Gefährlichkeit von der Menge ab (wer staunt darüber?), und die ist in den Lampen ziemlich gering. Es ist nun relativ einfach, beispielsweise den in meinem Artikel genannten Thunfisch-Vergleich zu überprüfen. Damit findet man ganz schnell heraus, dass die Horror-Geschichten von krankem Kind, unbewohnbar gewordenem Haus usw. absolut unplausibel sind. Auch viele andere Dinge in meinen Artikeln zum Thema sind gut überprüfbar:

    http://www.energie-lexikon.info/bulb_fiction.html

    http://www.energie-lexikon.info/energiesparlampen__toedliche_gefahr_durch_quecksilber.html

    http://www.energie-lexikon.info/energiesparlampen_gesundheitsschaedlich.html

    Im Übrigen hat bisher niemand auch nur einen einzigen Fehler in diesen Artikeln identifiziert, und diverse von mir vor mehreren Wochen kontaktierte Akteure (Filmautor, ttt-Redaktion beim Bayrischen Rundfunk, Quer-Redaktion sowie diverse in Bulb Fiction interviewte “Experten” haben es bislang nicht fertig gebracht, auf meine Vorwürfe auch nur zu antworten, geschweige denn Gegenargumente zu liefern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger Paschotta

  12. ZombieWithHeart says:

    Weshalb sind denn diese “heatballs” so schlimm? ist es so warm bei dir?

    40 watt verbrauch sind 40 watt verbrauch, alles andere ist totaler humbug.
    die herstellung ist simpler, die entsorgung einfach. das licht angenehm.

    im prinzip ist das die glasflasche unter den lampen. jetzt eingetauscht gegen 40 watt quecksilber-kunststoff-verarschung. das sind die wegwerf-dosen. die lebensdauer einer energiesparlampe ist dazu noch geringer, jedenfalls wenn man billigteile von mcgeiz kauft, wie die meisten armen menschen.

    die menschheit hat nichts anderes verdient.

  13. ZombieWithHeart says:

    oh, hab mich vertan. die sparen ja echt. ich spar 28 watt bei jeder glühbirne.
    das ist ne menge holz. immerhin 5 min pc nutzung, und das in der std.
    wenn ich jetzt noch schnell rausrenne, wenn die mal platzt, kann mir nix passieren. und es schafft noch arbeitsplätze für jugendliche.
    irgendwer muss ja das giftige vom wiederverwertbarem trennen.

    die menschheit ist ja doch nicht so ekelhaft. widerlich. abartig. grauenvoll. pervers. saudumm. korrupt. asozial. penetrant. niederträchtig. gierig. böse. teuflisch. dreckig. verirrt. wie ich dachte.

    sorry, für meinen kleinen fehler…

  14. Funatiker says:

    @ZombieWithHeart
    Keine Leistungsaufnahme in Watt entspricht einer gewissen Zeit PC Nutzung, da die Leistungsaufnahme unabhängig von der Zeit ist. Das wäre etwa wie „28 km/h ist der halbe Weg von Rathenow nach Potsdam“.

    28 Watt ist übrigens doppelt so viel die Leistungsaufnahme eines Toshiba AC100 unter Volllast.

  15. Tobias says:

    Interessant, dass fast jeder 2. Kommentar den selben Link zum “Gegenbeweis” anbringt. :-)
    Ich habe an mir selbst folgende Wirkungen der ESLs beobachtet:
    - Kopfschmerzen
    - schlechtere Lesbarkeit von Texten (obwohl ich noch nicht so alt bin :-)
    - schwer erkennbare Farben
    - unangenehmer Geruch
    Obwohl ich teure Marken-Energiesparlampen mit hohem RA-Wert verwendet hatte.
    Zumindest einige Argumente im Film scheinen also zu stimmen.
    Nun habe ich sie durch Halogenlampen mit Standardfassung ausgetauscht, die immerhin 30% Energie sparen. (Gibt es im Zehnerpack online für ca. 1 Euro/ Stück) Alles ist prima wie vorher mit normalen Glühlampen.

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