Archive for the ‘Berlin’ Category

Berlinale II: הזמן הוורוד

Friday, February 19th, 2010

Gestern habe ich dann den in meinem vorletzten Blogpost angekündigten Dokumentarfilm הזמן הוורוד (Hazman havarod, Gay Days) aus Israel gesehen. Er schildert die Entwicklung der Schwulen- und Lesbenszene in Israel bis 1998. Eine Fortsetzung ist geplant. Der Film ist sehr humorvoll, und trotz der bisweilen sehr ernsten Thematik verliert er nie seinen Optimismus und seine Heiterkeit.

Besonders faszinierend an dem Film ist es, die Protagonisten in alten Filmaufnahmen oder Fotos und heute zu sehen. Ihre persönliche Entwicklung, wie auch die rasante Entwicklung einer zunächst sehr homophoben Gesellschaft, ist beeindruckend. Überhaupt ist die Mischung aus Interviews und Filmmaterial sehr gelungen. Dabei sieht man auch eine Menge von Ausschnitten aus anderen israelischen Filmen. Der Film endet leider schon 1998, also vor 12 Jahren. Der Grund dafür ist, dass Regisseur und Produzenten dort den Höhepunkt der israelischen Schwulen- und Lesbenbewegung sehen, nämlich in den Ereignissen um den Sieg von Dana International beim Eurovision Song Contest 1998 (in Israel sei das so etwas wie der Oscar oder der Nobelpreis, sagt jemand im Film). Die Fortsetzung wird dann sicher trauriger enden, da ja im letzten Jahr einen mörderischen Anschlag auf ein Coming-Out-Zentrum in Tel Aviv gab.

Der Dokumentarfilm ist vor allem deshalb sehenswert, weil seine Botschaft ein allgemeines Plädoyer gegen Hass und Intoleranz ist. Ich freue mich daher auch schon jetzt auf die Fortsetzung.

Berlinale

Sunday, February 14th, 2010
Berlinale Bear in the Snow

Knapp über dem Schnee watet hier der Berlinale-Bär. Heute habe ich mich gleich mal ins Getümmel gestürzt und war in einem Film, nämlich in Весельчаки (englisch: Jolly Fellows). Der Episodenfilm (Filmtrailer ohne Untertitel) erzählt vom Leben verschiedener Drag Queens in Moskau. Ich hätte ihm die Höchstnote gegeben, wäre da nicht das völlig unangebrachte Ende gewesen. Man hatte wirklich das Gefühl, der Drehbuchautor habe keine Einfälle mehr. Das Ende ist überraschend tragisch und fast schon ärgerlich. Das gab einen Punktabzug.

Nächste Woche möchte ich mir noch den Dokumentarfilm הזמן הוורוד (englisch: Gay Days) ansehen, in dem es um die Entwicklung der israelischen Schwulenbewegung geht (der Titel müsste eigentlich – wie auch die israelische Schwulenzeitschrift – Pink Days heißen, dazu leider nur die hebräische Wikipedia). Mal sehen, ob es wieder so leicht sein wird, an Karten zu kommen.

Lange Museumsnacht

Monday, February 1st, 2010
Brandburg Gate Engraving

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war in Berlin wieder mal eine Lange Nacht der Museen. Diesmal schaffte ich es endlich (nachdem ich das schon 10 Jahre geplant hatte), ins Märkische Museum zu gehen. Das ist das Museum für Berliner Stadtgeschichte. Die Ausstellung zu den wichtigen Straßenzügen (Stalinallee, Nollendorfplatz usw.) ist sehr interessant, weil Architektur, Kunst, Historisches miteinander verwoben werden. Wissenschaftlich mag ich so einen Kultur-Mix ja nicht so gern, aber für ein Museum ist das sehr gut geeignet, weil es für den Betrachter einfach sehr abwechslungsreich ist und neue Sichtweisen eröffnet. Die Führung auf den Spuren des weltreisenden Alexander von Humboldt hat mir sehr gefallen. Da Alexander von Humboldt ja sozusagen die Leitfigur dieser Museumsnacht war, hatte ich es darauf angelegt, diese Führung mitzumachen, und bin nicht enttäuscht worden. Dafür spielte die im Museum auftretende Band etwas sehr laut. Das Besondere an den Museumsnächten ist ja immer, dass an vielen Standorten Musik, Speisen und Getränke angeboten werden. Die Veranstalter sollten aber nicht vergessen, dass ein Museum eben ein Museum ist, wo sich die Leute vor allem eben auf das museale konzentrieren wollen.

Vom Märkischen Museum ging es dann nach Charlottenburg, wo wir uns das Bröhan-Museum ansahen. Das Jugendstil-Museum wird einem allerdings schnell langweilig, wenn man kein großer Fan von Vasen und Keramik ist. Dass zum Beispiel praktisch keine Architektur vorkommt, finde ich sehr schade. Gegenüber im Stülerbau ist jetzt die Sammlung Scharf-Gerstenberg, die ich sehr empfehlen kann. Dort konnte man in der Langen Nacht sogar selbst künstlerisch tätig werden. So fertigte ich (auf Styropor) einen Stich vom Brandenburger Tor an, der hier auch abgebildet ist. Außerdem versuchte ich mich (weniger erfolgreich) an Abklatsch und Frottage. Besonders interessant war es, im Anschluss an die praktischen Übungen eine Führung mitzumachen, in der die Techniken anhand der Werke alter und neuerer Meister vorgestellt wurden.

Danach besichtigte unsere kleine Gruppe noch das nahe gelegene und daher nahe liegende Schloss Charlottenburg, und schon war es fast zwei. Die Lange Nacht ist also eigentlich gar nicht so lang!

Lange Nacht der Museen und Staatsoper für alle

Sunday, August 30th, 2009

An diesem Wochenende fand zum 25. Mal die Lange Nacht der Museen statt, für mich war es wohl die dreiundzwanzigste, was ja auch keine schlechte Zahl ist. Auch diesmal war ich wieder mit ein paar netten Leuten unterwegs und erkundete die nächtliche Museenlandschaft.

  • Wir starteten wie so oft beim Schwulen Museum. Die Zeichnungen von Herbert List fand ich zwar nicht so überzeugend wie seine Fotos, aber dafür ist die Lange Nacht ja da, dass man auch mal was anderes sieht. Die Dauerausstellung und die Sonderausstellung der Sammlung Piske lohnen jedoch einen Besuch.
  • Pariser Platz
  • In der Akademie der Künste Berlin haben wir dann die Ausstellung Kunst und Revolution über die Wendezeit in Berlin. Das nebenstehende Foto habe ich aus dem Akademiegebäude aufgenommen. Die Ausstellung ist an sich nicht so interessant, aber zusammen mit der dazu passenden Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin mit dem Titel „In Grenzen frei“ ergibt sich ein interessanter Eindruck.
  • Der Tod von Edward Kennedy hatte mich spontan auf die Idee gebracht, das private Museum The Kennedys direkt gegenüber der Akademie zu besuchen. Die Ausstellung zeigt sehr schön, wie die Medien von den Kennedys ausgenutzt wurden, um sich ins rechte Licht zu setzen (von wegen Vierte Gewalt!).
  • Danach ging es zur Ausstellung ]Mythos Germania[ der Berliner Unterwelten über Albert Speers Projekt einer Welthauptstadt Germania. Die Ausstellung, die noch bist zum Jahresende zu sehen ist, kann ich sehr empfehlen, da sie einmal mehr die Abgründe des Nationalsozialismus sehr plastisch vor Augen führt.
  • Der anschließende Besuch im Kunstgewerbemuseum Berlin ergänzte den Besuch in der Akademie der Künste. Die Ausstellung „In Grenzen frei“ zeigt zum Teil staatliche Auftragsarbeiten derselben Künstler, die auch in der Akademie ausstellen: Diese Arbeiten wirken natürlich ganz anders – wie mir bei Roger Melis auffiel. Außerdem lernte ich, dass es offenbar nur Frauenmode im Exquisit-Laden gab. Jedenfalls scheint keine Männermode beworben worden zu sein.
  • Im Musikinstrumenten-Museum Berlin sahen wir dann den Stummfilm Der letzte Mann (1924) von Friedrich Wilhelm Murnau mit dem ersten Oscar-Preisträger Emil Jannings. Der Film wurde auf der Wurlitzer-Kinoorgel live begleitet. Das war recht eindrucksvoll, obwohl ich die Begleitung zu strauss-lastig fand.

Open Air Concert

Die Lange Nacht hatte ein „Nachspiel“ im sonntäglichen Freiluft-Auftritt der Staatskapelle Berlin: Unter dem Titel Staatsoper für alle wurde unter Daniel Barenboim auf dem Bebelplatz die Ouvertüre Romeo und Julia und die fünfte Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski gegeben. Durch den Kontrast mit der frühen Ouvertüre wirkt die fünfte Sinfonie besonders beeindruckend – zumal bei gutem Wetter und bester Stimmung auf dem mit 53000 Zuschauern übervollen Bebelplatz.

re:publica09

Friday, April 3rd, 2009

Gerade bin ich auf der (bald zu Ende gehenden) re:publica09. Sie war voller und anders als die beiden vorangegangenen re:publicas, aber wieder sehr interessant. Auf der ersten war ja das Web 2.0 noch ganz neu, und man fühlte sich als Avantgarde. Das war schon bei der zweiten re:publica etwas anders. Damals war Twitter gerade der letzte Schrei und stand ziemlich im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diesmal gab es keine solche Welle des Neuen. Dafür setzte man sich mehr mit Detailfragen auseinander. Hier die Vorträge, die mich am meisten beeindruckt haben:

  • Alvar Freudes Vortrag über Netzzensur. Der Vortragende hat sich da richtig intensiv eingearbeitet, nachrecherchiert und nachgefragt. Das war sehr aufschlussreich!
  • Das tvmagnet-Projekt von Kristian Müller und Rüdiger Weis finde ich sehr unterstützenswert. Das vorgestellte Programm ist wirklich praktisch und funktioniert. Ich glaube, dass das sicher ein kleiner, aber wichtiger Schritt in der gerade stattfindenden Medien-(R)Evolution ist.
  • Jon Worths Beitrag über die Atheist Bus Campaign hat mir sehr gut gefallen; das ist eine oft missverstandene Kampagne, denn es geht ja nicht darum, gläubige Menschen vom Atheismus zu überzeugen, sondern sie will zeigen, dass es nicht zwangsläufig ist, an einen Gott glauben zu müssen – schade, dass die Buskampagne wohl in Berlin nicht stattfinden wird. Unabhängig davon, welche religiöse Einstellung man hat, regt das doch sehr zum Nachdenken und Diskutieren an.
  • Kai Sostmann kannte ich schon von der letzten re:publica, und im Grunde ging es um dasselbe Thema, aber es war doch ein informativer Vortrag mit neuen Hinweisen wie man das Web zum Lehren und Lernen nutzen kann (aber bitte keine Titel mit „2.0“ mehr!).
  • John Kellys Visualisierungen fand ich sehr erhellend. Leider habe ich nur seinen zweiten Vortrag sehen können. Hoffentlich finde ich seine Folien irgendwo verlinkt.
  • Die Hedonistische Internationale hat es nicht so mit der Selbstpräsentation, aber inhaltlich fand ich den Beitrag sehr sehenswert.

Sehr angenehm war es natürlich wieder, vielen Leuten, die man sonst nur in der virtuellen Welt trifft, mal real in die Augen zu schauen. Das macht dann auch die virtuellen Kontakte wieder spannender. Da ist es dann auch zweitrangig, wenn die Internet-Ausdrucker immer noch nicht wissen, wie das Internet funktioniert.

Rost

Wednesday, February 11th, 2009

Christoph hat einen neuen Kurzfilm gedreht, der zwar nur 99 Sekunden dauert, aber doch Film noir-Qualitäten hat. Diesmal bin ich richtig prominent beteiligt. Ich sage zum Glück wenig und spiele trotzdem eine wichtige Rolle – sozusagen mein Beitrag zur Berlinale 2009. Die Musik des Films gefällt mir sehr und natürlich Christophs Regie! Die Filmaufnahmen haben wir am vorigen Wochenende gemacht, und es war sehr kalt. Bevor ich jetzt viele Worte verliere, verlinke ich lieber gleich den Film, der übrigens Rost heißt und für sich spricht. Demnächst wird es wohl auch noch eine „Langfassung“ von ca. 3 Minuten geben. Viel Spaß!

Abstieg in die Unterwelt

Tuesday, January 27th, 2009
Berliner Unterwelten

Damit man mir auch wirklich glaubt, dass man bei den Berliner Unterwelten mal mit der Leiter in ein enges Loch runter muss, hier das Beweisfoto als Nachtrag zum letzten Blogeintrag. Man sieht dort den Revisionsschacht, über den man in den unter Wasser stehenden Bunker einsteigen kann. Das war schon abenteuerlich!

Berliner Unterwelten

Monday, January 26th, 2009

Gestern Nachmittag stand wieder eine Nerdtour auf dem Programm: Die Tour D durch die Berliner Unterwelten: Wie der Name dem Kenner verrät, befasst sich die Tour mit der ehemaligen U-Bahn-Linie D (jetzt in etwas anderer Streckenführung die U8). Zuerst erkundeten wir den U-Bahnhof Oranienplatz (Dresdner Straße). Dort war von 1927 bis 1987 ersatzweise eine BEWAG-Schaltstelle untergebracht. In einen Teil des Bahnhofs war zudem ein Bunker eingebaut worden, dessen Besuch besonders abenteuerlich war, denn es waren Gummistiefel nötig wegen des Regenwassers, das sich hier angesammelt hatte (das kalte Wasser ging knapp bis über die Knöchel). Auch der Zugang über eine Leiter war nicht gerade bequem. Der Bunker reicht von Kreuzberg bis Mitte und ist nach dem Mauerbau durch eine Mauer und eine Stahlplatte zur DDR-Seite abgeriegelt.

Danach ging es in den U-Bahnhof Moritzplatz, der ja zunächst gar nicht geplant war, später jedoch sogar zu einem S-Bahnhof ausgebaut werden sollte, was aber aufgegeben wurde. Auch hier sind in die Rohbauten Bunker eingebaut worden. Hier (wie auch in dem anderen Bunker) erwies sich die mitgebrachte Taschenlampe als nützlich. Man sollte eine kleine, handliche, aber sehr lichtstarke Taschenlampe mit sich führen, da manchmal kein Licht vorhanden ist. Große Taschenlampen eignen sich nicht so gut, wenn man mal eine Leiter oder Revisionstreppe hinabklettern muss.

Nach der dreistündigen Tour waren wir ziemlich erschöpft, ausgehungert und verfroren. Wir wärmten uns also in einer Kreuzberger Café-Institution auf, nämlich bei Tante Horst, und genossen dann noch Berliner Küche und Kreuzberger Molle beim Max und Moritz. Die Küche und der Originalberliner Umgangston sind sehr zu empfehlen.

Geburtstag

Tuesday, October 28th, 2008

Am Wochenende wurde ich mal wieder älter, konnte mich aber in lustiger Runde darüber hinwegtrösten. Die Feierlichkeiten begannen mit dem Einkauf im KaDeWe schon gegen 11 Uhr. Auch wenn es sich das KaDeWe nicht nehmen ließ uns mit einer Weinprobe, kostenlosem Kaffee und Schampus zu verwöhnen und wir uns unsererseits noch Bäckchen vom Chianina-Rind mit Pastinaken-Gemüse gönnten, war der Einkauf sehr anstrengend, denn die Feinschmeckerabteilung war von Schaulustigen überfüllt, die uns beim Einkaufen zusehen wollten. Zum Glück half uns ein hauseigener Träger, dem wir allerdings den Weg zum Aufzug zeigen mussten, weil er ihn gerade nicht fand. Bevor mir jetzt Konsumismus vorgeworfen wird, möchte ich gleich erklären, dass es in Berlin eigentlich nur im KaDeWe möglich ist, einen Lebensmittelgroßeinkauf für größere Kochaktionen in nur einem Geschäft zu erledigen. Andere Geschäfte wären vielleicht billiger, aber das herumfahren, die Parkgebühren usw. würden den Einkauf verteuern, verlängern und in Stress ausarten lassen.

Hier also nun die Menüfolge des Abends, die dank Chefkoch wuerfel und gregoas heldenhafter Hilfe zustande kam:

  1. knoblauchscharfe Kürbis-Suppe
  2. gepökelter Schinken und Prager Schinken mit Sauerkraut und Kartoffeln
  3. Zabaione mit Pfirsich
  4. Chunk

Dazu gab es Wein aus Valdepeñas, Berliner Pilsner und Veldensteiner Zwickelbier – natürlich vom Fass – sowie Club-Mate und Schorle.

Sicher lag es an den kulinarischen Genüssen, dass der Abend sehr angenehm verlief. Vor allem lag es aber an der Mischung der Leute, die gekommen waren. Ich fand die Zusammensetzung der Gäste ausgesprochen stimulierend, und es ergaben sich viele spannende Gespräche. Ein paar Leute hatten sich und mich auch länger nicht gesehen, so dass es auch ein paar interessante Neuigkeiten auszutauschen gab. Ich denke, das ist auch Sinn und Zweck solcher Feiern: Leute zusammenzubringen, die sich oft oder selten sehen, aber doch viel zu sagen haben.

Sommerbilder

Saturday, October 4th, 2008
Capital Beach

Endlich bin ich dazu gekommen, meine Sommerbilder bei flickr online zu stellen. Da bekommt man gleich eine richtige Sommernostalgie, die aber wohl noch bis zum nächsten Jahr anhalten muss, denn der Sommer wird in Deutschland vorher sicher nicht mehr spürbar sein.

Auf dem Foto sieht man das Spree-Ufer gegenüber vom Berliner Hauptbahnhof, von wo aus man einen schönen Blick auf diesen hat. Da ich ja begeisterter Bahnfahrer bin (und demnächst dann wohl auch Bahnaktionär), finde ich die Aussicht von hier besonders schön. Außerdem ist man so schnell am Zug. :-)