Archive for the ‘Berlin’ Category

Musenstadt Berlin

Monday, September 1st, 2008

Dieses Wochenende stand für mich ganz im Zeichen der Kultur: Von Samstag auf Sonntag gab es mal wieder die Lange Nacht der Museen in Berlin:

  1. Ich startete mal wieder beim Schwulen Museum, obwohl mich die Ausstellung über Lesben in Berlin nicht so sonderlich interessierte. Sie war jedoch erwartungsgemäß gut gemacht. Bedauerlich war bloß, dass die übliche Führung um 17 Uhr nicht stattfand, mit der ich eigentlich gerechnet hatte. Die Dauerausstellung des Museums hatte ich seit längerem nicht gesehen und muss zugeben, dass sie enorm an Umfang gewonnen hat und fast schon beängstigend voll ist.
  2. Danach ging es zur Museumsinsel, wo wir zunächst im Alten Museum der Nofretete unsere Aufwartung machten. Da war ich zwar erst bei der letzten langen Nacht, aber das Ägyptische Museum ist ja immer einen Besuch wert und passte so wunderbar zu unserem nächsten Ziel, dem Pergamonmuseum
  3. Dort findet zur Zeit die Ausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit statt. Ich hatte mir zum Glück zuvor ein kostenloses so genanntes „Zeitfensterticket“ besorgt, das es ermöglichte, an der doch sehr langen Schlange vorbeizukommen. Die Ausstellung ist wirklich sehr eindrucksvoll. Ich finde es zwar gewöhnungsbedürftig, dass Ausstellungsgegenstände aus den unterschiedlichsten Epochen zusammenstehen, aber museumspädagogisch ist diese Ausstellung so gut aufbereitet, dass man mit Spannung so lange dort herumlaufen kann, bis die Füße wehtun.
  4. Nachdem wir viel Zeit in der Babylonausstellung verbracht hatten, besuchte ich anschließend das Bode-Museum, das mich aber nicht so beeindruckte. Irgendwie wirken die mittelalterlichen Skulpturen nach der großartigen Ausstellung im Pergamonmuseum nicht so richtig. Der Aufenthalt im Bode-Museum war auch deshalb so kurz, weil ein Wärter meine Begleiterin wegen ihrer Handtasche nicht ins Museum lassen wollte, obwohl wir anstandslos in die anderen Museen gekommen waren (wo es zum Teil viel strikter zuging). Außerdem gab es andere Besucher mit viel größeren Taschen (und sogar einem Rucksack!).
  5. Leider mussten wir den Weg bis zum Medizinhistorischen Museum zu Fuß zurücklegen, weil die Bus- und Tramverbindung vom Bode-Museum zum BMM nicht berauschend ist. Ich finde ja die Präparatesammlung nicht so angenehm zu betrachten und sparte sie mir dann auch. Unser eigentliches Ziel war die Sonderausstellung über Magnus Hirschfeld und sein Institut für Sexualwissenschaft, sowie dessen Schicksal im Zusammenhang mit der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland (ausführliche Information zur Ausstellung).

Bekanntlich fand die Bücherverbrennung der Nazis (mit dem Bestand von Hirschfelds Bibliothek) ja auf dem heutigen Bebelplatz
neben der Staatsoper Unter den Linden statt. Dort führten mich meine Wege am Sonntag hin, denn es wurde dort ein Freiluftkonzert von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Die Symphonie ist schon sehr mitreißend und entfaltet auf dem Forum Fridericianum so richtig seine Wirkung. (Ich empfehle die Beschreibung der Symphonie in der Wikipedia!) Leider verhielt sich das Publikum etwas störend: Manche klatschten zwischen den Sätzen und einige sogar mitten im letzten Satz in der Generalpause.

12 Konsonanten

Thursday, August 28th, 2008

Angstschweiß gilt bekanntlich unter Deutschlernenden als sehr schwieriges Wort, das so manchem tatsächlich den Angstschweiß auf die Stirn treibt, denn es enthält acht Konsonantenbuchstaben in Folge. Rein phonetisch betrachtet sind es natürlich nur fünf, denn <ng> ist ein Digraph  und <sch> ein Trigraph, also ein Laut, dessen graphische Darstellung sich aus mehreren Buchstaben zusammensetzt. So ergeben sich lediglich 5 aufeinander folgende Phoneme in /ˈaŋstʃvaɪs/, was  natürlich schon eine  Herausforderung darstellt.

Im Label 205 hatte ich heute ausführlichGelegenheit über Konsonantenhäufungen zu diskutieren, als mir plötzlich durch eine zufällige Gedankenassoziation ein Wort durch den Kopf ging, das immerhin zwölf Konsonantenzeichen enthält, nämlich: Borschtschschlürfer, und das noch dazu ein Doppel-sch aufweist. Allerdings handelt es sich bei <rschtschschl> auch nur um fünf Konsonantenphoneme, nämlich /rʃʧʃl/; wahrscheinlich ist das die Obergrenze. Dennoch ist Borschtschschlürfer zumindest für heute mein Wort des Tages.

Lighter Tillmans

Friday, August 22nd, 2008

Heute war ich im Hamburger Bahnhof, um die Austellung Lighter von Wolfgang Tillmans zu sehen. Die Ausstellung endet am Sonntag, es wurde also höchste Zeit! Zudem ist am Donnerstag der Eintritt frei, also ist es eine gute Gelegenheit, sich moderner Kunst zu widmen, insbesondere wenn man eine nette Begleitung hat. Die Ausstellung fand ich allerdings etwas enttäuschend, denn Tillmans mag ich doch eher als Portrait-Fotografen, und Portraits nehmen in dieser Ausstellung eine untergeordnete Stellung ein. Ich glaube auch, dass Tillmans die Portrait-Fotografie viel mehr liegt als das Abstrakte, das bei ihm irgendwie uninspiriert wirkt. Es gibt auch eine Reihe von Kollagen, die ganz interessant sind, allerdings fand ich nur zwei bis drei wirklich überzeugend.

Les Chansons d’amour

Tuesday, August 19th, 2008

Gerade komme ich aus Berlins schönstem Kino zurück, dem Kino International, wo sogar das Rauchverbotsschild noch volkseigen ist. Am schönsten sind ja die Plaste-Lüster im Barbereich, wo man durch riesige Fenster, die seit der Berlinale mit dem Berliner Bär verziert sind, einen sagenhaften Blick auf den Berliner Fernsehturm hat, bekanntermaßen die Antenne einer in Berlin abgestürzten Raumstation.

Heute gab es einen sehr schönen Kinofilm (in der Reihe Mongay), nämlich Les Chansons d’amour. Der Musikfilm erinnert so ein bisschen an 8 Frauen oder Das Leben ist ein Chanson, hat aber auch etwas „Hypersexuelles“ (den Terminus habe ich frei erfunden aufgrund eines Hinweises von Herrn Gesundbrunnen). Es ist ein zwar etwas tragischer, aber dennoch sehr hoffnungsvoller Wohlfühlfilm aus Frankreich, der mal wieder beweist, dass das europäische Kino sehr schön sein kann und möglicherweise unterschätzt wird. Sehenswert!

Funkwelle

Monday, August 4th, 2008

Gestern habe ich mit Tim Pritlove auf Funkwelle FM meinen ersten Live-Podcast gemacht, und zwar unter dem Titel Qualitätsmanagement in der Wikipedia. Live war er deshalb, weil er nicht nur gestreamt wurde, sondern auch in Berlin als Radiosendung auf UKW live ausgestrahlt wurde (95,2 MHz). (Das klingt jetzt irgendwie nach Steinzeittechnik, aber ist auch ganz nett.) :-)

Eine Live-Sendung ist ganz schön stressig, zumal man in der Studio-Sofa-Situation bei Funkwelle nicht gut auf den Laptop schauen kann, weshalb ich einige Male überfragt war. Mit einem Headset am Tisch ist die Podcastproduktion praktischer. Es hat trotzdem irre Spaß gemacht! Ich sollte wirklich unter die Podcaster gehen. Das Equipment habe ich ja eigentlich.

Diejenigen, die den Podcast nicht live gehört haben, können ihn sich natürlich als Chaosradio Express 093 herunterladen. Viel Spaß und vielen Dank für alle Kommentare!

Mehr Demokratie wagen

Monday, July 14th, 2008

Der Titel dieses Beitrags Mehr Demokratie wagen erinnert an Willy Brandts berühmten Slogan, der der SPD immerhin 1969 zur Regierungsverantwortung der sozial-liberalen Koalition verhalf. Seit seiner Verfassungsänderung 2006 wagt das Land Berlin tatsächlich mehr Demokratie: unlängst gab es Volksentscheide über den Flughafen Tempelhof, die Rudi-Dutschke-Straße und an diesem Wochenende über das Mediaspree-Projekt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Und ich glaube, man kann mit den Ergebnissen zufrieden sein: Das Volk entschied sich nicht für den Flughafen, die Rudi-Dutschke-Straße darf wirklich nach Rudi Dutschke benannt sein, und die Initiative Mediaspree versenken kann einen großen Erfolg verbuchen: Fast 90 Prozent derjenigen, die an der Abstimmung teilgenommen haben (etwa 19%), stimmten für den Antrag der Initiative – zum Glück, denn die Einbetonierung der Spree muss abgewendet werden. Hoffentlich funktioniert das auch, denn der Volksentscheid hat ja nur empfehlende Wirkung. Ich denke aber, dass die politische Kraft, die von ihm ausgeht, stark genug sein wird.

Sonntags in Berlin

Monday, June 2nd, 2008

Berlin ist eine Sommerstadt, denn nur im Sommer entfaltet sie mit ihrem vielen Grün ihren gesamten Zauber. Den Tag begann ich mit einem entspannten Brunch bei Chris und Jan, um dann nachmittags etwas spazieren zu gehen. Eigentlich war ja Wetter für das Strandbad Wannsee, aber da sich der Brunch länger hingezogen hat, konnte ich mich nicht mehr aufraffen.

Gay Memorial, Berlin

Dafür bin ich dann etwas spazieren gegangen. An diesem Sonntag war ja eine Kundgebung zum Autofreien Sonntag auf der Straße des 17. Juni und rund um das Brandenburger Tor. Bei der Gelegenheit stattete ich natürlich auch dem neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen einen Besuch ab, das in der letzten Woche eröffnet worden war. Das Denkmal mit seiner Videoinstallation (in einem kleinen Fenster an der Seite) gefällt mir sehr gut, weil es eine Verbindung schafft zwischen schwer verdaulicher Erinnerungsarchitektur (Steinblock) und der heutigen Zeit (Videoinstallation). Es ist auch ein ziemlicher Publikumsmagnet. Jedenfalls war es kaum möglich, das Fenster mit der Videoinstallation zu fotografieren, ohne dass sich andere Betrachter darin spiegelten.

Anti-Gay Demonstration

Unweit des Denkmals protestierte jemand im Rahmen der Kundgebung gegen Schwule. Ich habe das gleich mal fotografisch festgehalten, weil ich es an dieser Stelle unerhört fand und sich der abgelichtete Demonstrationsteilnehmer wohl kaum auf das Recht am eigenen Bild berufen kann, schon gar nicht im Rahmen einer öffentlichen Demonstration. Angesichts des Denkmals macht ein solcher Anti-Schwulen-Protest schon ziemlich sprachlos.

Am Abend aß ich mit Leuten vom Chaos Computer Club Berlin noch ein paar leckere Pizzastücke in der Foccaceria in der Fehrbelliner Straße 24 – nicht billig, aber sehr empfehlenswert! Hier an einem lauschigen Sommerabend bei Pizza und italienischem Wein zu sitzen, lässt sich sehr mediterran an. Anschließend sahen wir noch gemeinsam The Big Lebowski, der doch sehr zur entspannten Großstadtsommeratmosphäre passte.

Indiana Jones & Michael Clayton

Monday, May 26th, 2008

Nach den Anstrengungen der letzten Woche (allein 47 Klausuren, deren Korrektur mich viele Stunden und eine Nacht gekostet hat) habe ich mir am Wochenende eine kleine Auszeit genommen und gleich zwei Kinofilme angeschaut: zum einen den neuen Indiana Jones-Film Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels und Michael Clayton. Der Indiana-Jones-Film ist natürlich seichtes Popcorn-Kino und war trotz der haarsträubenden Geschichte durchaus amüsant: besonders witzig waren die Überblendung vom Paramount-Logo auf die allererste Einstellung des Films und die linguistischen Bemerkungen des Helden (zum Beispiel über die verdunkelten Vokale der Ostukraine). Ansonsten kann man sich den Film auch schenken (da ist Indiana Jones und der letzte Kreuzzug schon besser).

Nicht schenken sollte man sich jedoch Michael Clayton. Dass mir der Film besonders gefallen hat, liegt allein schon daran, dass der Film nicht linear erzählt und – was ich besonders mag – ein Teil der Geschichte zweimal erzählt wird, und zwar beim zweiten Mal mit einer dazwischen geschnittenen Parallelhandlung, die Ereignisse der Haupthandlung erklärt. Zudem ist die schauspielerische Leistung von George Clooney und in einer heimlichen Hauptrolle Tilda Swinton eindrucksvoll. Letztere bekam dafür zurecht einen Oscar als beste Nebendarstellerin.

Da ich den ersten der beiden Filme im Berliner Cubix gesehen habe, gleich noch ein paar Worte zum Kino: Ich mag ja Multiplex-Kinos nicht so, aber der Ausblick aus dem obersten Stock des Cubix ist atemberaubend (insbesondere wenn man in der verglasten Ecke steht!) und die Beschallung im großen Saal 9 (ganz oben) ist nicht von schlechten Eltern. Warum man allerdings am Eingang unaufgefordert eine Packung Kondome erhält, selbst wenn man auf einem gut einsehbaren Platz am Mittelgang sitzt, entzieht sich meinem Verständnis.

Tempelhof

Sunday, April 27th, 2008

Heute findet der erste Volksentscheid in Berlin seit der entsprechenden Verfassungsänderung statt. Es geht um den Flughafen Tempelhof: Der Senat von Berlin hatte die Schließung beschlossen, weil sie eine Voraussetzung war für den Ausbau des Flughafens Berlin-Brandenburg-International (in offizieller englischer Orthografie ohne die im Deutschen erforderlichen Bindestriche). Flughafenbefürworter haben daraufhin über ein Volksbegehren den heutigen Volksentscheid durchgesetzt. Ihre Argumente kann ich nicht nachvollziehen:

  • Die Mehrheit der Berliner sei für den Erhalt des Flughafens: Das ist natürlich ein Scheinargument, denn das wird ja erst im Volksentscheid ermittelt, und mit der Masse zu schwimmen sollte keine Tugend sein.
  • Die Aufgabe des Flughafens zerstöre Arbeitsplätze: Dafür schafft dann eben der Flughafen BBI neue, zumal die auch in Brandenburg viel eher gebraucht werden; außerdem sind sie auch für Berliner erreichbar.
  • Tradition
  • Die Aufgabe eines Innenstadtflughafens mache Berlin provinziell, da auch andere große Städte einen Innenstadtflughafen hätten. Auch hier liegt ein Scheinargument vor: Provinzialität misst sich nicht an Flughäfen; zudem grenzt Schönefeld direkt an Berlin und ist – im Gegensatz zum Münchner Flughafen – problemlos in einer Viertelstunde vom Stadtzentrum aus erreichbar.

Viel schwerer wiegen die Gegenargumente:

  • Ein innerstädtischer Flughafen bringt lästigen Fluglärm in die Stadt; ich selbst habe darunter gelitten, als ich noch in Friedenau wohnte.
  • Die Einflugschneisen über Wohngebiete bergen ein erhebliche Risiken.
  • Der Flughafen ist unrentabel.
  • Die Beibehaltung des Flughafens könnte zu einem Ausbaustopp beim Flughafen BBI führen (das wäre zwar gut für die dortigen Anwohner und die Natur, aber schlecht für Berlin).
  • Anstelle des Flughafens könnte hier das Tempelhofer Feld mit einem Park und einer Gartenstadtsiedlung neu entstehen. Zudem würde das Flughafenmuseum zu einem Museum, das an den Flughafen und die Berliner Luftbrücke erinnern soll; das wäre eine vernünftige Art, mit Geschichte umzugehen.

Ich vermute mal, die Flughafen-Befürworter werden sich nicht durchsetzen. Das ist aufgrund der oben angeführten Argumente auch zu hoffen.

re:publica – Tag 2 & 3

Saturday, April 5th, 2008

Vom Programm des zweiten re:publica-Tages habe ich nicht soviel mitbekommen, weil ich mich überwiegend mit Leuten unterhalten haben, wozu eine solche Veranstaltung ja da ist, denn endlich sieht man mal die Gesichter, die hinter den Blogs stecken, die man so liest. Das ist sehr spannend! Höhepunkt des Tages war dann Verenas Vortrag über emergente Intelligenz, den ich sehr stimulierend fand – auch wenn die Diskussion danach etwas ins Metaphysische abglitt.

Am dritten Tag gab ich mir dann fast die gesamte Subkonferenz der Hard Bloggin’ Scientists. Das gelegentliche Professorenbashing fand ich zwar etwas unwissenschaftlich, aber ich konnte doch eine Menge lernen. Danach folgte dann nur noch die Abschlussveranstaltung und free beer, das aber knapp und eher mittelmäßig im Geschmack war.

Insgesamt hat mir die re:publica 08 vor allem wegen der netten persönlichen Kontakte gefallen. Da kommt man gern wieder!