Archive for the ‘CCC’ Category

Geburtstag im Club

Friday, November 3rd, 2006

Am unverdienten Allerheiligen-Feiertag habe ich meinen Geburtstag im Chaos Computer Club Berlin nachgefeiert. Schon mittags hatte ich mich mit wuerfel zum Einkaufen ins KaDeWe begeben. Da ist es zwar nicht ganz billig, aber man bekommt hervorragende Qualität und alles unter einem Dach. Zunächst gönnten wir uns eine kleine Stärkung an einem der dortigen Essensstände: Wir verspiesen fileto d'agnello auf Salaten der Saison, worunter sich auch Eisperlensalat befand, eine Salatart, die aussieht wie Tomaten-Stiele und -Blätter. Das Geschmackserlebnis war annehmbar, wenn auch nicht überragend. Dazu gab es leckeren Salcheto aus der Toskana.

Dann kam der eigentliche Einkauf, der nach etwa fünf Käufen zur Sperrung meiner Debitkarte führte. Offenbar war es der Postbank suspekt, dass ich zum ersten Mal in fünfzehn Jahren Lebensmittel mit der Karte bezahlte, und das gleich amokartig. Nachdem wir es dann doch geschafft hatten, fuhren wir zum Kochen in den Club: Es gab die folgende Menüfolge: Rinderbraten in Rotweinsoße an Rotkohl, dazu Thüringer Klöße, die mir beim Reiben der Kartoffeln einen richtigen Muskelkater bescheren sollten. Der Nachtisch bestand aus flambierten Feigen in Grünem Veltliner an Vanilleeis. Nach dem Essen gab es zudem auch noch Chunk.

Wahlcomputer

Friday, October 27th, 2006

Sie werden Wahlgeräte oder Wahlmaschinen genannt, wahrscheinlich um zu verschleiern, dass es sich eigentlich um Wahlcomputer handelt, die nicht nur zählen, sondern auch Schach spielen können und manipulierbar sind. Es ist darüber ja schon viel berichtet worden, daher kann ich mich kurz fassen: Wahlcomputer sind der Sargnagel der Demokratie, denn:

  1. sie sind manipulierbar (Video);
  2. die Stimmabgabe ist „beobachtbar“ (Van-Eck-Phreaking), also nicht geheim;
  3. eine Überprüfung des Wahlergebnisses ist unmöglich, da es keine Nachzählmöglichkeit gibt.

Das sind eigentlich genug Gründe, um gegen Wahlcomputer zu sein, besonders angesichts der Erfahrungen aus den Niederlanden, aus Cottbus oder aus Dachau. Zum Glück gibt es eine Petition gegen Wahlmaschinen, die es online zu unterzeichnen lohnt (keine Angst, dass der Bundestag auf einer britischen Website firmiert, ist korrekt!). Was man sonst noch so tun kann, verrät der CCC.

Ich möchte hier allerdings nicht technikfeindlich sein. Selbstverständlich haben Wahlcomputer einen Vorteil, nämlich das Auszählen der Stimmen zu automatisieren. Aber das Ergebnis muss überprüfbar, also nachzählbar sein. Dazu ist es bei der Verwendung von Computern absolut notwendig, dass eine Quittung auf Papier ausgedruckt wird, die der Wähler überprüft und in eine Urne wirft. Das Ergebnis kann dann unmittelbar nach Schließung der Wahllokale ermittelt werden und ist jederzeit nachher noch einmal auszählbar, zum Beispiel wenn ein Manipulationsverdacht besteht oder stichprobenartig oder wann immer das jemand will. Das Phreaking muss dann auch noch verhindert werden. Solange man sich aber auf Computer verlassen muss, also eine Wahlprüfung materiell nicht möglich ist, dürfen keine Wahlcomputer zum Einsatz kommen.

Programmplanung, Engel des Universums, schlechte Erziehung

Monday, October 16th, 2006

Das Wochenende war sehr erlebnisreich, aber auch anstrengend. Ich wäre eigentlich gern nach Hamburg gefahren – zum Jubliäum von gay-web.de, aber auch in Berlin gab es wichtige Termine, und da ich mich dort in der Pflicht sah, blieb ich in der Hauptstadt: Am Sonnabend und Sonntag fand dort der zweite Teil der Programmplanung für den 23. Chaos Communication Congress (23c3) statt. Es mussten noch über 100 Einreichungen bearbeitet werden. Ich hatte gedacht, alle Einreichungen schon gelesen und bewertet zu haben, aber es waren noch etwa zwanzig hinzugekommen und andere waren bearbeitet worden. Ich finde die Programmplanung ja immer recht interessant, weil man dabei eine Menge lernt, wenn man sich in die unterschiedlichen Thematiken etwas hineindenkt, aber irgendwann wird es dann auch anstrengend. Zum Glück wurde die Planungskommission von Chefkoch wuerfel sehr gut bekocht und der Wein war auch außerordentlich gut und reichhaltig.

In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag durfte dann noch ausgiebig in der c-base gefeiert werden, denn Kollege Weis feierte seinen Geburtstag nach. Es war eine nette Party, und ich habe ein paar sehr interessante und anregende Gespräche geführt, so dass ich mich kaum losreißen konnte und erst nach fünf Uhr morgens nach Hause kam. Dementsprechend war die Nacht eigentlich viel zu kurz, denn am Sonntag ging die Planung des Congress-Programms weiter. Beinahe wäre ich am Sonntagabend zu müde gewesen, um noch zwei Filme zu sehen, aber irgendwie verflog die Müdigkeit rechtzeitig. So konnte also der wöchentliche Videoabend auch mit mir stattfinden: Es gab zunächst den isländischen Film Angels of the Universe, der mir trotz seiner Melancholie sehr gut gefallen hat (besonders der Soundtrack). Der Film startet etwas seltsam, bekommt dann aber im entscheidenden Moment noch die Kurve und enthält viele sehr witzige Dialoge – sehenswert, aber nichts für zwischendurch!

Dann folgte ein weiteres Film-Highlight: La Mala Educación – Schlechte Erziehung von Pedro Almodóvar. Der Film erinnerte mich etwas an eine Oper, vielleicht weil er nach dem isländischen Film besonders leidenschaftlich wirkte. Besonders interessant ist die Erzählweise auf mehreren Ebenen mit einem Film im Film, was aber erst nach und nach klar wird. Dabei ist der Film im Film eine Prolepse (Flashforward). Die Struktur ist wie folgt (arabische Zahlen: mögliche Kapitelgliederung, römische Zahlen: mögliche Einteilung in Opernakte):

  1. (I) Madrid 1980 (Haupthandlung)
  2. vermeintlicher Rückblick, eigentlich Prolepse (Film im Film), dazwischen immer wieder Rückkehr zur Haupthandlung
  3. (II) im Film im Film: Rückblick auf die Kindheit
  4. (III) Haupthandlung, Galicien
  5. Einholen der Prolepse durch die Haupthandlung, Film im Film wird als solcher erkennbar, Abschluss der Dreharbeiten, Auftritt des echten Padres
  6. (IV) Rückblick: Erzählung des Padres
  7. (V) Ende der Haupthandlung
  8. Ausblick

Die Struktur steht in einem engen Zusammenhang zum Inhalt, denn schließlich geht es auch um so interessante Fragen wie die nach dem Verhältnis von Realität(en) zu Wahrheit(en) oder nach der Teilbarkeit von Schuld. Großartig ist Gael García Bernal als multiple Persönlichkeit, der seinen ganzen Körper einsetzt (sehr passend zu seiner Rolle). Der Film ist auch filmästhetisch ein Leckerbissen: schöne Landschaften treffen hier auf schöne Körper, und spannend ist der Film auch – was will man noch mehr? Den Film zweimal sehen!

Retrocomputing

Friday, October 13th, 2006

Gestern fand im Chaos Computer Club Berlin mal wieder ein Datengarten statt. Diesmal berichtete Dexter über Retrocomputing, also über das, was man mit alter Hardware noch so anfangen kann. Der relativ kurze Vortrag und der anschließende Workshop waren interessant, zumal Dexter auch ein paar Schätze aus seinem eigenen Computermuseum mitgebracht hatte, und auch andere hatten Hardware dabei. Das Publikum war auch etwas anders als die sonstigen Donnerstagsbesucher – und zwar durchaus auf eher angenehme Weise. Auch die leckere Gemüsesuppe und der Nachtisch trugen sehr zu einem gelungenen Abend bei.

Urbane Penner

Thursday, October 12th, 2006

Nachdem ich am Wochenende und am Montag fleißig an meinem Buchmanuskript gearbeitet hatte, wurde es am Dienstag Zeit, mal was anderes zu tun. So traf ich mich morgens mit einer Freundin zum Brunch im Café Montevideo, das sie immer liebevoll als das „Monte“ bezeichnet. Es ist in der Tat ein schönes Café, in dem man sehr gut frühstücken kann. Das spanische Frühstück ist sehr zu empfehlen, wenn man Pimientos mag. Wie das so ist mit einem Brunch, war es im Nu Nachmittag. Ich musste dann doch etwas mit meinem Gewissen kämpfen, als ich meinen Aufenthaltsort aufgrund des schönen Herbstwetters nicht wieder an den Schreibtisch, sondern ans Café am Neuen See verlagerte. Hätte ich mein Laptop dabei gehabt, hätte ich mich wohl ganz als Urbaner Penner (alternativer Artikel) fühlen können.

Von dort aus ging es dann doch zurück zum Schreibtisch – allerdings nur für kurze Zeit –, denn abends war ich seit längerer Zeit mal wieder bei meinem Fotoclub zu Gast. Ich muss mich da ja aus beruflichen Gründen sehr rar machen, so war das dann eine willkommene Abwechslung. Es gab auch viele schöne Fotos zu sehen, weil einige ihre Arbeiten mitgebracht hatten. Der Fotoclub leidet zur Zeit darunter, dass praktisch niemand bereit ist, für den Vorstand zu kandidieren. Ich denke, dass das auch mit der allgemeinen Situation in Berlin zusammenhängt: die Einen haben zu viel Arbeit und daher keine Zeit, die Anderen haben keine Arbeit und dadurch auch keine Zeit, weil sie sich mit der Unbill der Arbeitslosigkeit herumschlagen müssen. Ich verstehe die Gründe, die die Einzelnen vorbringen, in jedem Fall sehr gut und befürchte, dass wir den Verein auflösen müssen, was schon sehr traurig wäre!

Anschließend bin ich dann noch in den Chaos Computer Club Berlin, der ja auch am Dienstag sein Plenum hat. Hier ging es zum Glück optimistischer zu; es war dann noch recht interessant, weil wir nach dem Plenum über alles Mögliche und Unmögliche diskutiert haben. Außerdem gab es eine Torte und Cherimoya zu essen. Ich kannte dies Frucht noch nicht, muss aber gestehen, dass sie mir außerordentlich gut geschmeckt hat.

Als ich dann zu sehr später Stunde zuhause im Bett lag, konnte ich kaum fassen, dass all das an nur einem Tag stattgefunden hatte (Monte, Neuer See, Schreibtisch, Fotoclub & CCC).

Wizards of OS

Saturday, September 16th, 2006

Gestern war ich den ganzen Tag auf der Wizards of OS, einer Berliner Open Source-Tagung, die diesmal unter dem Motto stand: Information Freedom Rules. Bei so einem Motto durfte die Wikipedia nicht fehlen. So kam es, dass ich an einer Podiumsdiskussion über Quality Management in Open Content Projects teilnahm, um über das Qualitätsmanagement in der Wikipedia zu referieren. Die besondere Herausforderung war, gegen Larry Sanger anzutreten, der allerdings eine eher schwache Vorstellung seines neuen Projekts abgab. Ich denke, er konnte das Publikum nicht wirklich von seiner Idee der Notwendigkeit eines neuen Ablegers (Fork) der Wikipedia überzeugen. Meine eigene Vortragsleistung kann ich nur sehr schwer einschätzen. Ein Blogeintrag auf dem Sun Babelfish Blog zeigt jedoch, dass die Botschaft ankam. Und auch heise.de schließt sich der Skepsis aus Deutschland an, etwas weniger kritisch, aber kritisch genug ist auch focus.de.

Nach dem Vortrag wurde ich von Journalisten nur so umlagert. Ich hoffe mal, dass dabei etwas Gutes herausgekommen ist, denn vor Gericht, auf hoher See und bei Journalisten ist das eigene Schicksal ja bekanntlich kaum kalkulierbar. Auch sonst habe ich ein paar nette Leute getroffen und kennen gelernt. Das ist wohl auch der Hauptnutzen einer solchen Veranstaltung.

H4x0r-Quiz

Monday, August 7th, 2006

Gestern fand ein 1337es H4x0r-Quiz auf der ICMP statt. Die Macher hatten wirklich ein gutes Händchen, denn so ziemlich alle Themenbereiche waren vertreten. Da man in Gruppen teilnahm, konnten sich alle Gruppenmitglieder einbringen. Wir, das Orga-Team, haben auch ganz gut abgeschnitten, allerdings gab es zwei bessere Teams. An der Schnitzeljagd habe ich mich nicht beteiligt, weil mir das Wetter einfach nicht zusagte, denn gestern gab es dann doch den befürchteten Starkregen, und um das Hauptzelt mussten Gräben ausgehoben werden. Daher das Hinweisschild: „Du stehst vor einem Graben“ (in Anlehnung an das Telefon-Labyrinth des POC, wo es immer heißt: „Du stehst vor einer Wand.“)

Abends wurde noch heftig Geburtstag gefeiert, denn um Mitternacht gab es zwei Geburtstagskinder und damit Rotkäppchen (Sekt) und Chunk; beides regt ja an und so war ich bis drei Uhr wach, um dann aber umso besser zu schlafen.

Schwein gehabt

Sunday, August 6th, 2006

Der dritte Tag der ICMP stand ganz im Zeichen des Schweins, denn tox und wuerfel hatten ein Spanferkel besorgt und auf den Spieß gespannt. Der musste dann von Hand gedreht werden, bis das Schwein nach fast neun Stunden gar war und ziemlich gut schmeckte. So ein Schwein selbst zu grillen, zeigt sehr schön, wie schwer es ist, gutes Essen zuzubereiten. Dazu gab es Krugbräu aus Waischenfeld-Breitenlesau und Hetzelsdorfer von Penning-Zeißler aus Pretzfeld-Hetzelsdorf. Beide Biere schmeckten sehr gut, allerdings schmeckte mir das dunkle Krugbräu doch eine Spur besser.

Am Sonntagvormittag folgte dann eine Brauereiführung bei Loscher, die ich allerdings wegen der frühen Stunde verpasste. (Eigentlich war ich schon wach, aber ich wollte bei Regen nicht aus dem Zelt.) Am Nachmittag war das Wetter dann frisch, aber trocken. Mal sehen, ob es so bleibt. Dann hätten wir auch im übertragenen Sinn Schwein. :-)

Forensik

Friday, August 4th, 2006

Der Abend des ersten Tages der ICMP brachte noch einen interessanten Vortrag mit sich über Computer- und Netzwerk-Forensik. Der Vortrag sollte Folgen für den zweiten Tag haben, denn es gab eine Hausaufgabe (sozusagen einen kleinen Wettbewerb). Die erste Forensik-Aufgabe konnte ich sogar lösen (nach fünf Stunden und mit Hilfe): es ging darum, aus log-Dateien, den Ablauf eines Angriffs herauszubekommen. Die zweite, in der es darum ging, die Rohdaten eines Image zu analysieren, war mir dann doch zu schwer, oder besser: zu anstrengend. Die dritte Aufgabe ist ein richtiger Hack auf einem SCO Unix-Server. Das ist mir allerdings zu hoch.

Das Wetter des zweiten Tage ließ nach einem guten Start etwas zu wünschen übrig. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. blackwing hat leckeren Couscous zubereitet, dazu gab es Spätburgunder aus der Pfalz.

CSU im Grunde gegen Videoüberwachung?

Friday, August 4th, 2006

Nachdem der CSU-Generalsekretär Markus Söder gestern in der Tagesschau über die Vorteile der Videoüberwachung sinniert hatte (Beitrag, Diskussion), schloss er seine Ausführungen mit den folgenden Worten:

Insofern gibt es überhaupt keinen Grund, der dagegen sprechen könnte, nicht eine Videoüberwachung zu machen.

Moment, nicht eine bedeutet ,keine‘, also spricht nichts dagegen, keine Videoüberwachung zu machen, oder noch anders formuliert: es spricht nichts dagegen, auf Videoüberwachung zu verzichten. Ob das ein Freudscher Versprecher war? Ich vermute ja, dass auch führende CSU-Politiker schlau genug sind, zu verstehen, dass Videoüberwachung kein einziges Attentat verhindern konnte noch können wird, schon gar kein Selbstmordattentat. Lediglich bei der Aufklärung von Attentaten könnten sie hilfreich sein, aber sie bieten keinen Schutz vor Attentaten, wie man uns glauben lassen will. Mehr allgemeine Aufmerksamkeit, mehr Personal auf Bahnhöfen und in Zügen (damit sind keine Gorillas gemeint, sondern echte Dienstleister) wäre viel wirkungsvoller und würde zudem die Bequemlichkeit der Reisenden steigern. Die Tagesschau-Journalisten scheinen das verstanden zu haben, denn sie stellten die Meinung des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar hinter die CSU-Meinung. Da kann man hoffen, dass sich eine kritischere Haltung zur Videoüberwachung auch sonst verbreitet.