Archive for the ‘Rechtschreibung, Sprache’ Category

Neusprech

Friday, April 30th, 2010

Es freut mich natürlich, dass Leute mein Blog vermissen, und leider habe ich in den letzten zwei Monaten hier nichts geschrieben. Das liegt unter anderem an ein paar neuen Projekten, die ich hier vorstellen möchte: Das eine ist ein weiteres Weblog, an dem ich mich beteiligt habe, nämlich das Neusprechblog. Meine hinlänglich bekannte Beschäftigung mit Neusprech – zuletzt noch einmal beim Bayerischen Rundfunk und auf der re:publica (YouTube-Video)– mündeten dank der Initiative meines Mitstreiters Kai Biermann in diesem Gemeinschaftsprojekt. Wir möchten hier Wörter aus der Politiker-PR näher durchleuchten, um aufzuzeigen, was sie vorder- und hintergründig bedeuten. Das Projekt lässt sich gut an und wir sammeln immer mehr, so dass ich so optimistisch bin zu hoffen, dass sich über kurz oder lang (eher sogar über kurz) ein ansehnliches Wörterbuch erstellen lassen wird. Natürlich ist es hilfreich, wenn uns auffällige Wortschöpfungen genannt werden, denn wir können unsere Augen und Ohren ja nicht überall haben.

Die Artikel des Neusprechblogs sollen vor allem zum Nachdenken anregen. Daher halte ich mich mit sprachwissenschaftlichen Ausführungen zurück. Es fällt mir allerdings nicht leicht, populärwissenschaftlich zu schreiben; somit erweist sich die Zusammenarbeit mit Kai Biermann als Glücksfall, weil es ihm als professionellem Journalisten immer wieder gelingt, sehr griffige Formulierungen zu finden – hoffentlich zur Freude der Leser.

Auslassungspunkte und Schrägstrich

Monday, January 12th, 2009

Ich bin mal wieder mit Korrekturarbeiten beschäftigt, und da ein paar Fehler immer wieder auftreten, möchte ich hier noch mal ein paar Tipps zur Zeichensetzung abgeben. Dass in der deutschen Interpunktion Satzzeichen wie Punkt, Komma, Doppelpunkt, Semikolon, Fragezeichen und Ausrufungszeichen direkt an das letzte Wort (also ohne Zwischenraum) angeschlossen werden, dürfte inzwischen ja jedem klar sein. Ein falscher Zwischenraum vor dem Satzzeichen wird als Plenk bezeichnet. Mit den Auslassungspunkten („…“) ist es da schon komplizierter. Sie stehen nur dann ohne Zwischenraum, wenn ein Wort unvollständig ist (verfl… statt verflucht). Wird ein ganzes oder mehrere Wörter ausgelassen, stehen die drei Punkte mit einem Leerzeichen: Ich kam, sah … für Ich kam, sah, siegte. Das Beispiel zeigt auch sehr schön, dass vor den drei Punkten kein Komma steht und danach kein zusätzlicher Punkt.

Hintergrund

Die drei Punkte sind eigentlich eine Abkürzung (Abbreviatur) für usw. oder etc. Sie werden auch als „und so weiter“ vorgelesen (und nicht als „Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen“). Vor usw. bzw. etc. steht natürlich kein Komma und somit auch nicht vor den Auslassungspunkten, die übrigens ein eigenes typographisches Zeichen sind und nicht einfach die Kombination aus drei Punkten.

Schrägstrich

Wenn es irgend geht, sollte man den Schrägstrich vermeiden, denn da er (außer in einer besonderen Funktion) ohne Abstand stehen muss, ergibt sich oft eine lange ununterbrochene Zeichenfolge, die keinen Zeilenumbruch erlaubt. Unvermeidlich ist der Schrägstrich wohl in Ausdrücken wie Wintersemester 2008/09 oder Flughafen Münster/Osnabrück. Viele Nutzer von Textverarbeitungsprogrammen schreiben Münster/ Osnabrück, was nicht nur schlecht aussieht, sondern schlicht falsch ist. Mit Abstand kann der Schrägstrich nur verwendet werden, wenn man Verse ohne Zeilenumbruch schreiben will: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden belebenden Blick / im Tale grünet Hoffnungsglück; / der alte Winter in seiner Schwäche, / …“ (Goethe).

Hintergrund

In den Beispielen Wintersemester 2008/09 oder Flughafen Münster/Osnabrück ist der Schrägstrich ein mit dem Bindestrich vergleichbares Satzzeichen und steht wie der Bindestrich ohne Abstand. Bei der Verstrennung handelt es sich um die Fortsetzung der Virgel, eines Trennzeichens, das auf mittelalterliche Handschriften zurückgeht. Hier ist es eine Vorlesehilfe, aber auch Abbreviatur für et ‚und‘; daher steht es frei. Aus der Virgel entsteht später das Komma, das dann als Satzzeichen wieder ohne Leerzeichen steht.

Neusprech im Bayerischen Rundfunk

Sunday, January 11th, 2009

Vorgestern (Freitag, 9. Januar) brachte der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über Neusprech. Der Beitrag ist sehr professionell gemacht. Erklärungen der Sprecherin und Interview sind gut aufeinander abgestimmt. Was ich besonders erfreulich finde (und beim Bayerischen Rundfunk kaum erwartet hatte), ist folgende Beobachtung: Dass das BKA-Gesetz problematisch ist, wird als gegeben angesehen. Das ist unter Journalisten sicher keine Minderheitenmeinung. Schade ist, dass es auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks den Beitrag nicht zum Hören gibt. Falls ihn doch jemand findet, der Beitrag kommt erst in der zweiten Hälfte der Sendung (nach den 20 Uhr-Nachrichten).

12 Konsonanten

Thursday, August 28th, 2008

Angstschweiß gilt bekanntlich unter Deutschlernenden als sehr schwieriges Wort, das so manchem tatsächlich den Angstschweiß auf die Stirn treibt, denn es enthält acht Konsonantenbuchstaben in Folge. Rein phonetisch betrachtet sind es natürlich nur fünf, denn <ng> ist ein Digraph  und <sch> ein Trigraph, also ein Laut, dessen graphische Darstellung sich aus mehreren Buchstaben zusammensetzt. So ergeben sich lediglich 5 aufeinander folgende Phoneme in /ˈaŋstʃvaɪs/, was  natürlich schon eine  Herausforderung darstellt.

Im Label 205 hatte ich heute ausführlichGelegenheit über Konsonantenhäufungen zu diskutieren, als mir plötzlich durch eine zufällige Gedankenassoziation ein Wort durch den Kopf ging, das immerhin zwölf Konsonantenzeichen enthält, nämlich: Borschtschschlürfer, und das noch dazu ein Doppel-sch aufweist. Allerdings handelt es sich bei <rschtschschl> auch nur um fünf Konsonantenphoneme, nämlich /rʃʧʃl/; wahrscheinlich ist das die Obergrenze. Dennoch ist Borschtschschlürfer zumindest für heute mein Wort des Tages.

Rechtschreibung: Und was kommt jetzt?

Friday, March 3rd, 2006

Soeben hat die Kultusministerkonferenz den Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung zugestimmt, und somit gibt es wieder eine Reform der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 – bekanntlich nicht die erste „Reformreform“ in dieser Angelegenheit.

Jetzt scheint aber alles gut zu werden, denn das Wesentliche an der Reformreform ist, dass nun wieder zusammengeschrieben wird, was zusammengehört. :-)

Wir erinnern uns: Die Reform favorisierte im Verbalbereich die Auseinanderschreibung auf Biegen und Brechen. Man sollte also immer wieder vereinigen, sitzen bleiben, Rad fahren, Eis laufen usw. schreiben, obwohl es natürlich Unterschiede gibt zwischen dem Sitzenbleiben in der Schule und dem Sitzenbleiben auf einem Stuhl gibt und Eis kein Objekt von laufen ist. Auch der Unterschied zwischen den folgenden Sätzen war durch die exzessive Auseinanderschreibung verwischt worden: Sie ist mir wohl (= vielleicht) bekannt. und Sie ist mir wohlbekannt. (= ich kenne sie gut), denn es sollte immer wohl bekannt geschrieben werden, obwohl sich die beiden Sätze auch durch ihre Betonung unterscheiden.

Nun hat alles wieder seine Ordnung. Dinge dürfen uns wieder schwerfallen, ohne dass wir schwer fallen müssen. Und die Parteien für und gegen die Neue Rechtschreibung (jetzt auch mit Recht mit großem N) können sich näherkommen, um dem Ziel einer geeigneten Rechtschreibung näher kommen zu können.

Es gibt noch ein paar kleinere Reförmchen, die aber andere besser referieren können als ich.

Sprachtipp: Plural der Substantive auf -el

Friday, November 18th, 2005

Kürzlich habe ich in einer renommierten Zeitschrift einen Artikel über ein „Nano Zentrum“ gelesen (wir wissen inzwischen, dass die Schreibung Nano-Zentrum richtig wäre). Dort wurde über verschiedene „Partikel“ berichtet, die das Zentrum erforscht. Es muss in der deutschen Standardsprache allerdings Partikeln heißen. Hier die Regel:

Bei maskulinen Substantiven auf -el wird der Plural (außer im Dativ) ohne -n gebildet, bei femininen mit -n.

Beispiele: Maskulinum: der Apfel > die Äpfel, der Knödel > die Knödel (außer – wie schon berichtet – bei Karl Valentin), der Artikel > die Artikel; Femininum: die Regel > die Regeln, die Partikel > die Partikeln usw.

Hintergrund

Diese Regel ist einmal willkürlich festgelegt worden, um Singular und Plural bei den Feminina besser unterscheiden zu können, sonst würden nämlich Artikel und Substantiv die gleiche Form haben, und man wüsste nicht, ob von einer Partikel oder von mehreren Partikeln die Rede ist. Beim Maskulinum stellt sich das Problem aufgrund der unterschiedlichen Artikelformen nicht. Da aber Partikel so ähnlich klingt wie Artikel, dessen Plural eben ohne -n gebildet wird, kommt es hier häufig zu Fehlern.

Rechtschreibtipp: ß

Tuesday, October 18th, 2005

Eigentlich wollte ich gar nicht über die (neue) ß-Regel schreiben, weil ich dachte, sie sei allgemein bekannt und völlig unproblematisch. Die Lektüre der letzten Tage hat mich allerdings eines Besseren belehrt. Hier also noch einmal die Regel:

Ein „scharfes“, also stimmloses [s] wird nach kurzem Vokal mit ss orthografisch wiedergegeben, nach langem Vokal oder Diphthong mit ß.

Beispiele: kurzer Vokal vor ss: Kuss, Fässer, Masse; langer Vokal vor ß: Fuß, Maße, Diphthong vor ß: weiß, außer (häufig sieht man falsches *ausser).
Eigentlich eine einfache Regel, wenn einem der Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen klar ist. Für die meisten deutschen Muttersprachler dürfte das aber kein Problem sein.
Schwierigkeiten ergeben sich am Wortende: Da dort wegen der Auslautverhärtung das s immer stimmlos ist, stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht ein einfaches s reicht: Schreibt man Fleis? – oder Fleiß? Vlies oder Vließ? Mus oder Muß? Das „Verlängern“ des Wortes hilft, wo dies möglich ist: fleißig, also Fleiß, Vliese oder Vließe, also beides (Vließ ist eher süddeutsch/österreichisch); Mus lässt sich schlecht verlängern, der Plural müsste Muse sein, also ist Mus richtig (vgl. auch Gemüse, mit dem Mus entfernt verwandt ist). Übrigens ist Müsli ein Müslein und wird daher nicht mit ß geschrieben – wie auf mancher Speisekarte zu sehen.
Ganz trickreich ist das Suffix -nis: Da der Plural -nisse lautet, würde man für den Singular *-niss erwarten, aber man schreibt seit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901 -nis im Singular.

Hintergrund

Das Latein kannte nur ein stimmloses s, das in der Schreibung des Deutschen für stimmhaftes s (IPA [z]) übernommen wurde. Stimmloses s wurde durch Doppelschreibung bzw. ß angezeigt, wobei ß eine Ligatur für ss war (in der Typografie). Später wurde dann die typografische Regel zu einer orthografischen: Nach kurzem Vokal wurde ss geschrieben, wenn das (Teil-) Wort nicht zuende ist und kein Konsonant folgt (Flüs-se), sonst (Fluß-u-fer). Die neue Regel mit der Vokallänge ist einfacher und passt besser in das Grundprinzip der deutschen Orthografie, dass Vokalkürze durch Doppelkonsonanten gekennzeichnet wird. Die neue ss/ß-Regel ist eine der wenigen überzeugenden Verbesserungen der neuen deutschen Rechtschreibung.
Die Schreibung -nis mit einfachem s wurde übrigens damit begründet, dass dieses Suffix immer unbetont ist. Die Begründung ist nicht wirklich überzeugend.

Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (III) Adjektiv + Verb

Monday, October 3rd, 2005

Wie schon bei den Zusammensetzungen von Substantiv + Verb gilt auch bei Adjektiv + Verb, dass sie seit der Rechtschreibreform von 1996 (amtliches Regelwerk) in vielen Fällen getrennt geschrieben werden, obwohl sie eine Akzenteinheit bilden (der Hauptakzent also auf dem Adjektiv liegt).

Faustregel

Eine Faustregel kann wie folgt formuliert werden:

Wann immer ein Adjektiv als eigenständig angesehen werden kann, wird es auch getrennt vom Verb, zu dem es gehört, geschrieben. Die Auseinanderschreibung gilt immer für Adjektive auf -ig, -lich, -isch.

Hier ein paar Beispiele: nahe liegen, übrig bleiben, heilig sprechen, lächerlich machen usw.
Ein Kriterium für diese Eigenständigkeit ist die Steigerbarkeit des Adjektivs: zum Beispiel näher liegen, die aber nicht notwendig ist (vergleiche übrig bleiben). Ist ein Adjektiv im gegebenen Kontext nicht steigerbar, so ist Zusammenschreibung angesagt: krankschreiben, fernsehen, totschweigen …

Problem und Reform der Reform der Reform …

Leider ergibt sich eine Schwierigkeit bei dieser Regelung: Bedeutungs- und Betonungsunterschiede gehen verloren, wie eine Reihe von Beispielen zeigen. Dies ist auch einer der Gründe für die Reform der Reform (als PDF), in der verschiedene Auseinanderschreibungen zurückgenommen wurden. Ich nehme allerdings an, dass die Reform weiter reformiert werden wird. Das Ende der Reform wird wohl sein, die Zusammen- und Getrenntschreibung von Adjektiv + Verb freizustellen.

Hintergrund

Die Reformer wollten mit der Nicht-Steigerbarkeit offenbar ein klares Kriterium für die Zusammenschreibung einführen. Dem liegt die irrige Annahme zugrunde, dass nur die Zusammenschreibung zu regeln sei, da die Auseinanderschreibung den Normalfall darstelle. Das ignoriert die akzentuellen Gegebenheiten und die semantischen Unterschiede zwischen einem eigenständigen Wort und einem Kompositionsglied; man vergleiche: Der Torwart hat den Ball sauber gehalten. vs. Er hat das Auto sauber gehalten früher hier: saubergehalten. Im ersten Fall hat sauber metaphorische Bedeutung, die es im zweiten Beispiel nicht haben kann.
Ich halte es für sinnvoll, dass sich eine Orthografie an den phonologischen Gegebenheiten einer Sprache orientiert (hier also an der Akzentsetzung), daher ist eine Zusammenschreibung von Adjektiv + Verb weiterhin empfehlenswert, zumal wenn es zudem Bedeutungsunterscheidungen gibt.

Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (II) Substantiv + Verb

Tuesday, September 13th, 2005

Während die Faustregel für zusammengesetzte Substantive lautete, diese immer zusammenzuschreiben oder einen Bindestrich zu verwenden, heißt es bei der Kombination von Substantiv und Verb seit der Rechtschreibreform von 1996 (Kurzfassung der Reform): In der Regel werden sie auseinandergeschrieben, also: Rad fahren (als Substantiv allerdings: das Radfahren), Recht haben, Essen fassen (als Substantiv das Essenfassen) usw. Es gibt eine Ausnahme, nämlich bei so genannten verblassten Substantiven: preisgeben, teilnehmen usw. (preis- hat nicht mehr viel mit Preis zu tun, teil- wenig mit Teil). Natürlich entstehen bei der Abgrenzung von verblassten und nicht-verblassten Substantiven Probleme: so schreibt man Acht geben, obwohl Acht mindestens so verblasst ist wie preis-. Im Zweifelsfall würde ich die Wörter eher zusammenschreiben.

Hintergrund

Natürlich handelt es sich auch bei Substantiv + Verb um eine Komposition – wie bei Substantiv + Substantiv. Die Akzentuierung von Essen fassen und Essenfassen ist gleich und es liegt die gleiche semantische Modifikation vor. Die Entscheidung für die Auseinanderschreibung beim Verb liegt in einer besonderen Eigenschaft des Deutschen: Bei der Flexion eines Verbs (ich fahre Rad, ich fasse Essen wird das zusammengesetzte Verb getrennt. Das ist zwar nicht spektakulär, denn es geschieht auch bei Verben, deren Erstglied eine betonte Partikel ist (nachfragen: ich frage nach). Würde Rad fahren radfahren geschrieben (wie nach alter Orthografie üblich), müsste man auch ich fahre rad (wie ich nehme teil). Das wollten die Reformer wohl vermeiden.
Nun zum Thema Verblassung: Der unterschiedliche Status von Acht geben und teilnehmen ist eigentlich syntaktisch: Man kann Acht syntaktisch erweitern: Ich muss Acht auf meinen Hund geben. ist ein möglicher Satz, während *Ich muss Teil an dem Treffen nehmen. kaum möglich ist.

Rechtschreibtipp: Zusammen oder getrennt? (I) Substantive

Thursday, September 8th, 2005

Ich werde zunächst über die Zusammen- bzw. Getrenntschreibung von zusammengesetzten Substantiven schreiben, denn bei den Verben gibt es immer noch ein heilloses Durcheinander, zu dem ich später ausführlicher Stellung nehmen werde. Das wird dann kompliziert! Mit den Substantiven sollte man aber keine Schwierigkeiten haben, denn im Gegensatz zu anderen Sprachen, ist es im Deutschen ganz einfach: Zusammengesetzte Substantive, auch Komposita genannt, werden zusammengeschrieben, oder – wenn es die Lesbarkeit erhöht – werden die Bestandteile mit einem Bindestrich verbunden: Man schreibt also Parkkolonnade (oder Park-Kolonnade) und nicht (wie am Potsdamer Platz zu sehen): *Park Kolonnade; eben wie man auch Parkbank zusammenschreibt. Das gleiche gilt für das DB-Hochhaus am gleichen Ort.
Werden die Bestandteile eines zusammengesetzten Substantivs durch ein Leerzeichen getrennt, spricht man auch von einem Deppenleerzeichen oder gebildeter von einem Agovis. Beispiele gibt es unter den angegebenen Links mehr als genug.
Lediglich zusammengesetzten Wörter, die als ganze aus einer anderen Sprache entlehnt werden, dürfen auch so wie in der Gebersprache geschrieben werden: also Blue Jeans (die Großschreibung ist allerdings deutsch) neben Bluejeans oder Pommes Frites (auch hier ist die Großschreibung deutsch, und die Aussprache weicht vom Französischen mehr oder weniger ab).
Wenn nur der erste Teil des Wortes ein Fremdwort oder Eigenname ist, greift natürlich wieder die Zusammenschreibregel, also: Multimedia-Anwendungen, Windows-Betriebssystem, Curry-Huhn, Intel-Prozessor (alle diese Beispiele habe ich in den letzten Tagen falsch geschrieben gesehen). Besonders gern falsch geschrieben werden Komposita, deren erster Bestandteil eine Abkürzung ist. Richtig ist in diesem Fall die Schreibung mit einem Bindestrich: Mac-OSX-Plattform, DB-Hochhaus, DDR-Bürgerrechtler usw. Auch bei mehrgliedrigen Namen empfiehlt sich der Bindestrich: Rosa-Luxemburg-Gedenkstätte oder Carl-von-Ossietzky-Universität, die sich allerdings nicht entblödet hat, gegen die Rechtschreibung und für das Deppenleerzeichen zu optieren, und deshalb Carl von Ossietzky Universität heißt. Die Hamburger Uni-Bibliothek hat sich da besser aus der Affäre gezogen; sie heißt offiziell: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, denn nachgestellte Namen gehören nicht mehr zum Substantiv und können daher unverändert hinzugefügt werden, also auch in das Betriebssystem Windows XP oder die Firma AMD usw.

Hintergrund

In einem Kompositum gibt der erste Teil eine Zusatzinformation zum zweiten Teil: Eine Parkbank ist eine ‘Bank im Park’; man sagt: das erste Kompositionsglied (von Grammatikern auch „Determinans“ oder „Modifikans“ genannt) modifiziert semantisch das zweite (auch „Determinatum“ oder „Modifikatum“ genannt). Das Damen-WC ist ein ‘WC für Damen’, während die WC-Damen die ‘Damen des WCs’ sind (zum Beispiel diejenigen, die sich um die WCs kümmern – im Quartier 205 auf der Friedrichstraße in Berlin kann man es genau umgekehrt sehen. Außerdem erhält der erste Teil des Kompositums den Hauptakzent. Die semantische Modifikation und die Akzentuierung werden durch die Zusammenschreibung bzw. den Bindestrich angezeigt. So ist das DB-Netz (auf DB), das (Schienen-) Netz der Deutschen Bahn, während die DB Netz (jetzt hinten betont) eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn ist (auch DB Netz AG), es handelt sich bei diesem Eigennamen also nicht um ein Kompositum.