Archive for the ‘Rechtschreibung, Sprache’ Category

Rechtschreibtipp: -t oder -d erweitert

Wednesday, August 24th, 2005

Ich habe im letzten Rechtschreibtipp noch eine Hintergrunderklärung für den Unterschied von tot-/tod- eingefügt, denn die Faustregel an sich lässt sich doch schlecht merken. Hier die Ergänzung:

Die Erklärung für diese Schreibung ist tatsächlich semantisch, das heißt aus der Bedeutung der Zusammensetzungen ableitbar:
Bei den Verben ist das Erstglied das Adjektiv, das den durch das Verb hervorgerufenen Zustand beschreibt:

  • totschlagen: ‘schlagen, bis jemand/etwas tot ist’,
  • sich totlachen: ‘lachen, bis man tot ist’ (bildlich gesprochen natürlich)
  • usw.

Bei den Adjektiven stellt das Erstglied einen Vergleich her:

  • todernst: ‘so ernst wie der Tod‘,
  • todsicher:’so sicher wie der Tod‘,
  • usw.

Das Erstglied solcher expressiven Bildungen, die alle einen besonders hohen Grad (Elativ) ausdrücken, ist immer ein Substantiv (vgl. auch haushoch, schnurgerade, spindeldürr usw.); bei todschick handelt es sich auch um eine solche Bildung, die sich nicht mehr sinnvoll semantisch analysieren lässt (‘so schick wie der Tod’?), aber natürlich auch zu diesem Muster (Substantiv+Verb) gehört.

Rechtschreibtipp: -t oder -d

Wednesday, August 17th, 2005

Wir haben das alle in der Schule gelernt: Wenn man nicht weiß, ob am Wortende ein -t oder -d zu schreiben ist, müssen wir das Wort einfach „verlängern“ und hören automatisch, was dort richtig ist: Lied oder Liet? – Lied natürlich, weil es auch Lieder heißt. Das ist immer dann ganz einfach, wenn man das Wort „verlängern“ kann. Manchmal macht die „Verlängerung“ jedoch Schwierigkeiten; so findet man immer Unsicherheiten bei seit und seid, denn beide Wörter kann man nicht verlängern. Nach einigem Nachdenken möchte man gern die Verbalform von sein vielleicht mit -t schreiben, denn auch in ihr fragt, ihr habt usw. steht ja ein -t, aber bei sein ist das falsch: Erstaunlicherweise schreibt man ihr seid. Dafür wird das andere gleichklingende Wort, nämlich die Präposition bzw. Konjunktion seit mit -t geschrieben, weil dieses Wort möglicherweise entfernt etwas mit Seite zu tun hat.

Hintergrund

Die Schreibung ihr seid ist tatsächlich willkürlich festgelegt worden, möglicherweise um die Gleichschreibung (Homographie) von seid und seit zu vermeiden. Man hätte es auch umgekehrt handhaben können, dann hätte die Verbalendung übereingestimmt, allerdings wäre dann der Zusammenhang von seit und Seite nicht mehr offensichtlich gewesen, was aber kein wirklich wichtiger Zusammenhang ist.

Tod und tot

Auch hier hilft die „Verlängerung“ (Tod: Todes, Tode, tot: tote usw.), aber was macht man in Wortzusammensetzungen: schreibt man toternst oder todernst, totlachen oder todlachen, totkrank, totmüde, totschick, totsicher oder todkrank, todmüde, todschick, todsicher? Das macht nicht zuletzt den Bloggern das Leben schwer. Hier lässt sich nichts verlängern. Es hilft, über die Bedeutung der Wörter nachzudenken, um eine Lösung zu finden. Man kann auch auf eine einfache Faustregel zurückgreifen:

  1. Bei Verben ist das Erstglied meist tot-: totschlagen, totmachen, totlachen, totstellen, totschweigen….
  2. Bei Adjektiven/Eigenschaftswörtern liegt man mit tod- als Erstglied eher richtig: todernst, todkrank, todmüde, todschick, todsicher (sogar todbleich trotz der vermeintlichen „Verlängerung“ zu totenbleich).

Im Internet findet sich sogar eine Übung zu diesem Problem.

Hintergrund

Die Erklärung für diese Schreibung ist tatsächlich semantisch, das heißt aus der Bedeutung der Zusammensetzungen ableitbar:
Bei den Verben ist das Erstglied das Adjektiv, das den durch das Verb hervorgerufenen Zustand beschreibt:

  • totschlagen: ‘schlagen, bis jemand/etwas tot ist’,
  • sich totlachen: ‘lachen, bis man tot ist’ (bildlich gesprochen natürlich)
  • usw.

Bei den Adjektiven stellt das Erstglied einen Vergleich her:

  • todernst: ‘so ernst wie der Tod‘,
  • todsicher:’so sicher wie der Tod‘,
  • usw.

Das Erstglied solcher expressiven Bildungen, die alle einen besonders hohen Grad (Elativ) ausdrücken, ist immer ein Substantiv (vgl. auch haushoch, schnurgerade, spindeldürr usw.); bei todschick handelt es sich auch um eine solche Bildung, die sich nicht mehr sinnvoll semantisch analysieren lässt (‘so schick wie der Tod’?), aber natürlich auch zu diesem Muster (Substantiv+Verb) gehört.

Jagd und jagt

Das vom Verb jagen (er jagt) abgeleitete Substantiv schreibt sich Jagd, obwohl in manchen gesprochenen Varietäten des Deutschen der Plural Jagden wie *Jagten klingt (das Sternchen vor dem Wort zeigt an, dass diese Form nicht korrekt ist). In Norddeutschland hört man bisweilen sogar Jacht und Jachten; so sollte man Jagd(en) natürlich nicht schreiben, aber tatsächlich ist das Wort Jacht mit Jagd verwandt: Jacht ist nichts anderes als das niederdeutsche Wort für ‘Jagd’.

Wörter mit seltener „Verlängerung“

Es gibt ein paar Wörter, deren „Verlängerung“ selten ist, weshalb Unsicherheiten auftreten:

  • Standard/Standart?: die „Verlängerung“ zu Standards/Standarts? hilft nicht. Erst das seltene Wort Standardisierung gibt Aufschluss, was aber manche Sprecher auch falsch sprechen/schreiben, nämlich: *Standartisierung. Die Standarte ist aber etwas anderes, nämlich eine kleine Fahne.
  • Endgeld, Entgeld, Endgelt, Entgelt?: Die „Verlängerung“ End/tgelte ist sehr selten und hilft nicht, was den Anfang betrifft. Erst durch den Zusammenhang zum seltenen Verb: entgelten oder vergelten wird klar, wie man es schreiben muss.
  • Diplomand/Diplomant: Im Gegensatz zu Ministrant, Praktikant ist hier das -d richtig: Plural: Diplomanden; aber die Betroffenen wissen es hoffentlich sowieso (Doktoranden erst recht!).

Hintergrund

  • Man glaubt es kaum, aber Standard kommt tatsächlich von Standarte. Das Wort Standarte ist wahrscheinlich direkt aus dem altfranzösischen (e)standart ins (Mittelhoch-) Deutsche gekommen. Das Englische hat die altfranzösische Auslautverhärtung abgebaut und aus (e)standart standard gemacht, was dann aus dem Englischen ins Deutsche entlehnt wurde. Ursprünglich ist das altfranzösische Wort ein germanisches Lehnwort, das im Germanischen ungefähr standhart gelautet (und bedeutet) haben könnte.
  • Entgelt ist tatsächlich von entgelten abgeleitet und wird deshalb eigentlich auf der zweiten Silbe betont, denn ent- kann keinen Akzent tragen (im Gegensatz zu end-). Viele Sprecher des Deutschen erkennen den Zusammenhang nicht mehr und betonen Entgelt auf der ersten Silbe. Kein Wunder, dass die Schreibung schwierig ist!
  • Es handelt sich bei -ant und -and um unterschiedliche Endungen im Lateinischen: -ant ist die Endung des Partizip Präsens Aktiv, bezieht sich also auf jemanden, der wirklich handelt (der Ministrant ministriert, der Praktikant praktiziert, sammelt praktische Erfahrungen usw.); -and ist hingegen die Endung einer speziellen Adjektivform, die auch Gerundivum genannt wird, und die etwas in Zukunft zur Erfüllung Anstehendes bezeichnet, hier das Erreichen eines Diploms oder eines Doktortitels. Das soll natürlich nicht heißen, dass Diplomanden und Doktoranden dafür nichts tun…

Praktische Rechtschreibetipps für Blogger

Thursday, August 11th, 2005

Selbst auf sehr guten Blogs treffe ich oft auf störende Rechtschreibefehler. Sie im Einzelfall zu korrigieren ist müßig, besser ist da – wie immer – „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mir unterlaufen zwar auch immer mal Fehler und das ist ja ganz normal (danke an Flosch, der meist der Erste ist, der sie entdeckt), aber ich werde jetzt mal in loser Reihenfolge ein paar praktische Rechtschreibetipps für Blogger hier posten. Vielleicht hilft’s.

Heute: das & dass

Hierbei handelt es sich um ein ziemlich häufiges Problem. Hier mal ein Beispiel, das ich so ähnlich in freier Wildbahn gesehen:

Finde es toll das du das verlinkt hast, das habe ich umgekehrt jetzt auch so gemacht. Das ist das Beispiel, das ich gesehen habe.

Hier muss das eine oder andere das mit ss geschrieben werden, aber welches? Dafür gibt es einen einfachen Test: Man ersetze jedes das durch dies. Immer wenn das möglich ist, kann auch das stehen:

Finde es toll das/? du das/dies verlinkt hast, das/dies habe ich umgekehrt jetzt auch so gemacht. Das/Dies ist das/dies Beispiel, das/? ich gesehen habe.

Wo die Ersetzung nicht möglich ist, versuchen wir eine weitere Ersetzung, nämlich mit welches:

Finde es toll das/? du das/dies verlinkt hast,... das/dies Beispiel, das/welches ich gesehen habe.

Wenn sich welches für das einsetzen lässt, ist das auch so richtig. Bleibt in unserem Beispiel nur das erste das, das eigentlich ein dass ist. Vor diesem dass steht übrigens immer ein Satzzeichen+Leerzeichen. Oft ist das Satzzeichen ein Komma. Hier noch einmal der reparierte Satz:

Finde es toll, dass du das verlinkt hast, das habe ich umgekehrt jetzt auch so gemacht. Das ist das Beispiel, das ich gesehen habe.

Es ist also ganz einfach: Wenn man das weder durch dies oder welches ersetzen kann, ist es ein dass. Man kann automatisch beim Schreiben immer schon die das/dies/welches-Ersetzung im Kopf durchführen. Dann hat man die meisten Fälle schon abgedeckt und gewinnt bald eine gewisse Sicherheit. Eigentlich eine einfache Sache – also ran an die Tastatur und beim nächsten Blogeintrag ausprobieren!

Hintergrundinformationen

Wie kommt es zu dieser Schwierigkeit in der deutschen Rechtschreibung? das und dass werden gleich ausgesprochen; es handelt sich aber um unterschiedliche Wortarten: bei das um ein Pronomen bzw. um einen Artikel, bei dass um eine Konjunktion. Irgendwann haben Sprachpfleger entschieden, dass die Konjunktion eine von den Pronomina und Artikel völlig zu unterscheidende Wortart ist und haben deshalb vorgeschlagen, sie anders zu schreiben. Solche Maßnahmen verkomplizieren natürlich die Rechtschreibung, können aber durchaus leserfreundlich sein.

Beide das(s) gehen eigentlich auf dasselbe das zurück (genau wie im Englischen that und that, die praktischerweise immer noch gleich geschrieben werden). Wie aus einem Pronomen eine Konjunktion entstanden ist, kann noch heute leicht nachvollzogen werden:

  1. Cecilia Bartoli singt. Ich wünsch mir das/dies!
  2. Ich wünsch mir das/dies: Cecilia Bartoli singt.
  3. Ich wünsch mir, dass Cecilia Bartoli singt.

Im dritten Beispiel ist dann kein dies mehr einsetzbar.

Ich hoffe, dass dieser kleine Rechtschreibtipp nützlich war. Bei Gefallen wird es eine Fortsetzung geben; so könnte ich zum Beispiel der Frage nach dem vertrackten letzten t nachgehen: Schreibt man: seit oder seid, Standart oder Standard, Doktorant oder Doktorand, Jagt oder Jagd, Tod oder tot usw.?